Longevity verstehen: Lebenserwartung und gesunde Lebensjahre
Das Wichtigste in Kürze
Zwei Zahlen beschreiben das Thema besser als jede Definition. Das Statistische Bundesamt nennt für 2024 eine Lebenserwartung bei Geburt von 83,5 Jahren für Frauen und 78,9 Jahren für Männer. Das Robert Koch-Institut nennt für 2023 die gesunden Lebensjahre bei Geburt mit 57,1 Jahren für Frauen und 56,7 für Männer. Zwischen beiden Zahlen liegen rund 26 beziehungsweise 22 Jahre.
Diese Lücke ist der eigentliche Gegenstand von Longevity. Der Begriff selbst wird von keiner der geprüften Institutionen geführt; die WHO spricht von healthy ageing und definiert es als das Entwickeln und Erhalten der funktionalen Fähigkeit, die Wohlbefinden im höheren Alter ermöglicht.
Du liest zuerst die Zahlen und was sie unterscheidet. Danach folgen die Risikofaktoren, die die WHO beziffert, ein Vergleich der Hebel, ein Faktencheck zu Anti-Aging-Mitteln und dem biologischen Alter sowie die Frage, was sich am eigenen Körper überhaupt feststellen lässt.
Das erwartet dich in diesem Artikel
1. Was Longevity meint und was Institutionen sagen
2. Die Definition, die es tatsächlich gibt
3. Lebenserwartung und gesunde Jahre in Zahlen
4. Was die Lücke von 26 Jahren bedeutet
5. Woran Menschen tatsächlich sterben
6. Vier Hebel im Vergleich
7. Was Ernährung dabei leisten kann
8. Anti-Aging-Mittel im Faktencheck
9. Das biologische Alter und seine Grenzen
10. Was sich am eigenen Körper feststellen lässt
11. Grenzen: was dieser Artikel nicht beantwortet
12. Was von Longevity bleibt
Häufige Fragen
Quellen
Was Longevity meint und was Institutionen sagen
Longevity heißt übersetzt Langlebigkeit. Als Schlagwort steht der Begriff für die Idee, das eigene Altern beeinflussen zu können, und für einen Markt aus Tests, Präparaten und Programmen.
Für diesen Artikel haben wir gezielt gesucht, ob eine der zuständigen Stellen den Begriff selbst verwendet. Weder die WHO noch das Statistische Bundesamt, das Robert Koch-Institut, das IQWiG oder die DGE führen Longevity als eigene Kategorie. Was sie führen, sind drei andere Größen: Lebenserwartung, gesunde Lebensjahre und healthy ageing.
Kernaussage
Nicht die Zahl der Jahre ist die offene Frage, sondern die Zahl der gesunden. Zwischen beiden liegen in Deutschland rund zwei Jahrzehnte.
Warum das mehr als eine Wortfrage ist
Ein Begriff ohne institutionelle Definition lässt sich beliebig füllen. Genau das passiert im Longevity-Markt: Unter demselben Wort erscheinen Bewegungsempfehlungen mit klarer Datenlage und Präparate ohne jeden Wirksamkeitsnachweis.
Dieser Artikel sortiert das entlang der Frage, welche Institution welche Zahl nennt. Wo eine Zahl fehlt, steht das ebenso deutlich wie dort, wo eine existiert.
Die Definition, die es tatsächlich gibt
Das Robert Koch-Institut erklärt in seiner Gesundheitsberichterstattung, was gesunde Lebensjahre bezeichnen.
Belegte Fundstelle
„Es gibt an, wie viele Lebensjahre eine Person in gesundem Zustand, d. h. ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten, durchschnittlich zu erwarten hat.“
Robert Koch-Institut (RKI)
Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Gesunde Lebensjahre, Datenjahr 2023
Der entscheidende Halbsatz ist „ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten“. Gemessen wird damit nicht die Abwesenheit von Diagnosen, sondern die Fähigkeit, den Alltag ohne Einschränkung zu bewältigen.
Die WHO nähert sich von derselben Seite. Sie definiert healthy ageing als das Entwickeln und Erhalten der funktionalen Fähigkeit, die Wohlbefinden im höheren Alter ermöglicht. Auch dort steht die Funktion im Mittelpunkt und nicht die Zahl der Jahre.
Lebenserwartung und gesunde Jahre in Zahlen
Vier Zahlen aus zwei amtlichen Quellen spannen den Rahmen auf.
Deutschland in Jahren
83,5
Jahre Lebenserwartung bei Geburt für Frauen, Datenjahr 2024
78,9
Jahre Lebenserwartung bei Geburt für Männer, Datenjahr 2024
57,1
gesunde Lebensjahre bei Geburt für Frauen, Datenjahr 2023
56,7
gesunde Lebensjahre bei Geburt für Männer, Datenjahr 2023
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung zur Lebenserwartung (Datenjahr 2024); Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Gesunde Lebensjahre (Datenjahr 2023)
Die Zahlen ab 65 Jahren
Für den Rentenbeginn nennen dieselben Quellen zwei weitere Wertepaare. Das Statistische Bundesamt nennt für 65-Jährige weitere 21,2 Jahre bei Frauen und 18,0 Jahre bei Männern. Das RKI nennt für gesunde Lebensjahre ab 65 die Werte 10,2 für Frauen und 9,0 für Männer.
Von den verbleibenden gut zwanzig Jahren sind damit rechnerisch etwa zehn ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen zu erwarten. Diese Gegenüberstellung ist unsere eigene Rechnung aus zwei Quellen und steht so in keiner der beiden.
Was die Lücke von 26 Jahren bedeutet
Zieht man die gesunden Lebensjahre von der Lebenserwartung ab, ergeben sich rund 26 Jahre bei Frauen und rund 22 Jahre bei Männern. Auch das ist unsere Differenzrechnung aus zwei amtlichen Zahlen und keine Angabe einer Institution.
Die Größenordnung ist trotzdem aussagekräftig, weil sie zeigt, worum es bei diesem Thema geht. Wer über Longevity spricht und nur über Lebensdauer redet, redet über die kleinere Hälfte des Problems.
Die Lücke wächst
Das RKI dokumentiert eine Entwicklung, die häufig übersehen wird. Zwischen 2019 und 2023 sanken die gesunden Lebensjahre bei Geburt bei Frauen von 59,2 auf 57,1 Jahre und bei Männern von 60,0 auf 56,7 Jahre.
Bei Männern sind das 3,3 Jahre in vier Jahren. Die Lebenserwartung ist im selben Zeitraum nicht in vergleichbarem Ausmaß gesunken, was bedeutet, dass sich die Lücke verbreitert hat.
Regional bestehen ebenfalls Unterschiede. Dieselbe Quelle nennt für Frauen 57,4 gesunde Lebensjahre im Westen gegenüber 53,2 im Osten, eine Differenz von 4,2 Jahren.
Was der Rückgang nicht sagt
Ein Rückgang um mehrere Jahre in kurzer Zeit legt eine dramatische Deutung nahe. Die Quelle liefert dafür keine Erklärung mit, und wir bieten deshalb auch keine an.
Zu bedenken ist die Erhebungsart. Gesunde Lebensjahre werden über die Selbstauskunft zu gesundheitsbedingten Einschränkungen im Alltag erhoben. Verändert sich, wie Menschen diese Frage beantworten, verändert sich die Kennzahl, ohne dass sich der körperliche Zustand im selben Maß verändert haben muss.
Was der Wert dennoch leistet, ist der Vergleich über Zeit und Region mit derselben Methode. Die 4,2 Jahre Unterschied zwischen West und Ost sind unter dieser Einschränkung belastbar, weil beide Seiten gleich erhoben wurden.
Für die persönliche Ebene folgt daraus wenig. Eine Durchschnittszahl beschreibt eine Bevölkerung und keine Person. Was sie liefert, ist die Größenordnung des Problems und nicht die Prognose für einen einzelnen Lebenslauf.
Woran Menschen tatsächlich sterben
Die WHO beziffert die Todesursachen weltweit. Nichtübertragbare Krankheiten töteten demnach 2021 mindestens 43 Millionen Menschen, was 75 Prozent der Todesfälle außerhalb der Pandemie entspricht.
Besonders relevant für dieses Thema ist die Altersangabe. Nach derselben Quelle starben 2021 weltweit 18 Millionen Menschen vor dem 70. Lebensjahr an einer solchen Erkrankung, davon 82 Prozent in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Die bezifferten Einzelfaktoren
Für einzelne Risikofaktoren nennt die WHO Anteile. Erhöhter Blutdruck wird für 25 Prozent der globalen Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten verantwortlich gemacht. Menschen mit unzureichender körperlicher Aktivität haben nach WHO-Angaben ein um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Sterberisiko gegenüber ausreichend aktiven Menschen.
Für Alkohol nennt die WHO mehr als 3 Millionen Todesfälle im Jahr 2016, was etwa einem von zwanzig Todesfällen entspricht, und einen Anteil von mehr als 5 Prozent an der globalen Krankheitslast. Über drei Viertel dieser Todesfälle betrafen Männer.
Für Deutschland nennt das Robert Koch-Institut rund 127.000 Todesfälle jährlich durch die Folgen des Rauchens. Die Rauchprävalenz bei Erwachsenen sank nach RKI-Daten zwischen 2003 und 2023 von 32,1 auf 28,8 Prozent.
Warum diese Zahlen zusammengehören
Die vier bezifferten Faktoren haben eine Gemeinsamkeit: Sie wirken über Jahrzehnte und ohne frühe Beschwerden. Ein erhöhter Blutdruck tut nicht weh, und eine unzureichende Bewegungsmenge fällt an keinem einzelnen Tag auf.
Genau darin liegt der Zusammenhang zum Thema dieses Artikels. Faktoren ohne Frühwarnsignal wirken auf die gesunden Lebensjahre, bevor sie auf die Lebenserwartung wirken. Sie verkürzen zuerst die funktionale Zeit und erst später die gesamte.
Der Rückgang der Rauchprävalenz um 3,3 Prozentpunkte in zwanzig Jahren zeigt außerdem, wie langsam sich Bevölkerungswerte bewegen. Auf der individuellen Ebene kann eine Änderung schnell erfolgen, in der Statistik dauert dieselbe Änderung Jahrzehnte.
Vier Hebel im Vergleich
Die Tabelle stellt vier Ansätze nebeneinander, die im Longevity-Zusammenhang genannt werden. Entscheidend ist die dritte Spalte.
| Hebel | Was eine Institution dazu beziffert | Beleglage |
|---|---|---|
| Blutdruck | 25 Prozent der globalen Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten werden erhöhtem Blutdruck zugeschrieben (WHO) | Mit Zahl belegt |
| Körperliche Aktivität | Um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Sterberisiko bei unzureichender Aktivität (WHO) | Mit Zahl belegt |
| Rauchen und Alkohol | Rund 127.000 Todesfälle jährlich in Deutschland durch Rauchen (RKI); über 3 Millionen weltweit durch Alkohol (WHO) | Mit Zahl belegt |
| Anti-Aging-Präparate | Keine Institution der geprüften Auswahl nennt eine Wirksamkeit; belegt ist der gegenteilige Befund zu Vitamin A, E und Betacarotin | Nicht belegt |
Der Abstand zwischen den ersten drei Zeilen und der vierten ist der eigentliche Befund dieses Artikels. Die belegten Hebel sind seit Jahrzehnten dieselben und lassen sich in einem Satz nennen.
Was Ernährung dabei leisten kann
Zur Frage, um wie viele Jahre Ernährung die Lebenserwartung verlängert, haben wir in keiner der geprüften Quellen eine Zahl gefunden. Das ist ein wichtiger Befund, weil solche Zahlen in Longevity-Texten regelmäßig auftauchen.
Was es gibt, sind Zusammenhänge über die Risikofaktoren. Blutdruck, Körpergewicht und Blutfette hängen mit der Ernährung zusammen, und für diese Faktoren nennt die WHO Anteile an der Sterblichkeit. Der Weg führt also über die Zwischengröße und nicht direkt.
Warum diese Unterscheidung zählt
Ein Zusammenhang über mehrere Schritte lässt sich nicht in Jahren pro Lebensmittel ausdrücken. Wer eine solche Zahl liest, liest eine Hochrechnung und keinen gemessenen Wert.
Das entwertet die Ernährung nicht. Es setzt nur den Anspruch richtig: Sie wirkt auf Faktoren, die messbar mit Sterblichkeit zusammenhängen, und nicht auf eine Uhr, die sich zurückstellen ließe.
Die Kette vom Teller zur Kennzahl
Die Kette lässt sich in drei Gliedern beschreiben. Am Anfang steht das Essverhalten, in der Mitte stehen Größen wie Blutdruck, Körpergewicht und Blutfette, am Ende steht das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten.
Beziffert ist von den geprüften Institutionen vor allem das dritte Glied. Die WHO nennt 25 Prozent für den Blutdruck und beschreibt nichtübertragbare Krankheiten als Ursache von 75 Prozent der Todesfälle außerhalb der Pandemie.
Wer die Kette rückwärts liest, findet dort den praktischen Ansatz. Nicht das einzelne Lebensmittel ist die Zielgröße, sondern der Wert in der Mitte, der sich messen und ärztlich einordnen lässt.
Das ist zugleich der Grund, warum dieser Artikel keinen Ernährungsplan enthält. Ein Plan ohne Zwischengröße lässt sich nicht überprüfen, ein Blutdruckwert schon.
Anti-Aging-Mittel im Faktencheck
Der Longevity-Markt lebt zu einem großen Teil von Präparaten. Wir haben gezielt gesucht, was Institutionen dazu sagen.
Behauptung und Beleglage
Verbreitete Behauptung
Bestimmte Substanzen verlangsamen das Altern und verlängern das Leben. Genannt werden unter anderem Resveratrol, NMN und ein bestimmtes Diabetesmedikament.
Was in den geprüften Quellen steht
Zu keiner dieser Substanzen findet sich bei WHO, RKI, Statistischem Bundesamt, IQWiG, DGE oder im MSD Manual eine Wirksamkeitsaussage für den Menschen. Alle auffindbaren Aussagen stammen von Anbietern oder aus populärwissenschaftlichen Darstellungen und sind damit keine geeignete Quelle.
Was belegt ist, geht in die andere Richtung
Das IQWiG schreibt zu Studien über antioxidative Nahrungsergänzungsmittel: Die Forschungsergebnisse widerlegten die Vermutung, dass antioxidative Nahrungsergänzungsmittel dabei helfen, länger zu leben. Die Auswertung zeigte demnach, dass die Einnahme von Vitamin A, E und Betacarotin das Leben eher verkürzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung verlangt aufgrund dieser Ergebnisse von Herstellern, die Beimischung von Karotinen zu begrenzen.
Der letzte Absatz verdient besondere Aufmerksamkeit. Er beschreibt nicht ein fehlendes Wirksamkeitssignal, sondern ein Signal in die entgegengesetzte Richtung, und er kommt von der Stelle, die in Deutschland Nutzenbewertungen erstellt.
Das biologische Alter und seine Grenzen
Tests, die ein biologisches Alter ausweisen, gehören zu den sichtbarsten Angeboten dieses Marktes. Der Begriff selbst hat eine Grundlage: Das MSD Manual beschreibt das biologische Alter als die während des Alterns natürlichen Veränderungen im Körper.
Ein Begriff mit Grundlage ist noch kein Test mit geprüfter Aussagekraft.
Zwischen der allgemeinen Beschreibung und einem konkreten Testergebnis liegt der entscheidende Schritt. Für kommerzielle Verfahren, die aus einer Probe eine Jahreszahl errechnen, haben wir bei keiner der geprüften Institutionen eine Bewertung gefunden.
Was das für ein Ergebnis heißt
Ohne institutionelle Bewertung fehlt der Maßstab, an dem sich eine Zahl einordnen ließe. Ein Ergebnis, das ein biologisches Alter von 45 statt 52 ausweist, ist damit weder bestätigt noch widerlegt. Es ist unbewertet.
Für die Praxis heißt das, solche Zahlen nicht als Befund zu behandeln. Die Faktoren aus Kapitel 5 sind beziffert, die Jahreszahl eines Alterstests ist es nicht.
Die Frage, die vor der Zahl kommt
Bei jedem Test lohnt eine Frage vor dem Ergebnis: Was würde sich ändern, wenn die Zahl in die eine oder in die andere Richtung ausfällt?
Bei einem Blutdruckwert ist die Antwort klar. Ein erhöhter Wert führt zu einer ärztlichen Abklärung, ein unauffälliger zur nächsten Messung in einigen Monaten. Beide Fälle haben eine Fortsetzung.
Bei einem biologischen Alter fehlt diese Fortsetzung. Weder ein hoher noch ein niedriger Wert löst eine definierte Handlung aus, weil kein bewertetes Verfahren dahintersteht. Was bleibt, ist eine Zahl mit Stimmungswirkung.
Wir sagen damit nicht, dass solche Tests nichts taugen. Wir sagen, dass wir zu ihrer Aussagekraft bei den zuständigen Stellen nichts gefunden haben, und dass eine Zahl ohne Maßstab keine Grundlage für eine Entscheidung ist.
Was sich am eigenen Körper feststellen lässt
Bleibt die Frage, welche Messungen in diesem Zusammenhang überhaupt etwas beitragen. Zwei Ebenen sind zu unterscheiden.
Die erste sind die Risikofaktoren selbst, allen voran der Blutdruck, für den die WHO 25 Prozent der Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten nennt. Er lässt sich zu Hause messen und ärztlich einordnen, und er ist damit die belegteste Größe dieses ganzen Themenfelds.
Die zweite Ebene sind genetische Anlagen. Sie ändern sich über das Leben nicht und beschreiben Veranlagungen, keine Zustände. mybody®x arbeitet mit einem zertifizierten Fachlabor in Deutschland, wertet DSGVO-konform aus und ist seit 2016 aktiv, im Endkundengeschäft seit 2022.

DNA-Test aus Speichel
Longevity | ALL IN ONE DNA-Test
Mehr als 170 Genvariationen aus einer Speichelprobe, ausgewertet in 74 Analyseberichten. Was der Test nicht leistet: Er misst kein biologisches Alter, sagt keine Lebenserwartung voraus, stellt keine Diagnose und verlängert kein Leben. Er beschreibt Anlagen. Die belegten Hebel auf die gesunden Lebensjahre sind Blutdruck, Bewegung, Rauchen und Alkohol.
Angabe der Produktseite, abgerufen 11.08.2026
Genetische Untersuchungen zu medizinischen Zwecken unterliegen in Deutschland dem Gendiagnostikgesetz mit Arztvorbehalt und Aufklärungspflicht. Wer aus einem Befund eine medizinische Entscheidung ableiten will, braucht ärztliche Begleitung.
Grenzen: was dieser Artikel nicht beantwortet
Die Lücke von rund 26 und 22 Jahren ist unsere Differenzrechnung aus zwei Quellen mit unterschiedlichen Datenjahren, 2024 für die Lebenserwartung und 2023 für die gesunden Lebensjahre. Keine Institution weist diese Differenz selbst aus, und wir kennzeichnen sie deshalb an jeder Stelle als Rechnung.
Zu Resveratrol, NMN und Metformin als Mittel zur Lebensverlängerung existiert bei keiner der geprüften Institutionen eine Aussage. Wir stellen sie deshalb weder als Option noch als widerlegt dar, sondern als unbewertet.
Kommerzielle Verfahren zur Bestimmung eines biologischen Alters, etwa über DNA-Methylierung, sind von keiner der geprüften Stellen bewertet worden. Auch hier gilt: nicht widerlegt, aber eben auch nicht bestätigt.
Zuletzt eine Grenze in eigener Sache. Dieser Artikel nennt keine Zahl dafür, um wie viele Jahre ein bestimmtes Verhalten das Leben verlängert. Solche Zahlen fanden wir bei keiner Institution, und wir erfinden sie nicht.
Was von Longevity bleibt
Wenn du aus diesem Artikel eine Zahl mitnimmst, dann deinen Blutdruck. Er ist die einzige Größe in diesem gesamten Themenfeld, für die eine Institution einen konkreten Anteil an der Sterblichkeit nennt und die sich zu Hause messen lässt.
Die 25 Prozent der WHO stehen für einen Faktor, der lange ohne Beschwerden verläuft. Genau deshalb ist er der Fall, in dem eine Messung tatsächlich etwas ändert, statt nur etwas anzuzeigen.
Kapitel auf einen Blick
83,5 und 78,9 Jahre Lebenserwartung stehen 57,1 und 56,7 gesunden Lebensjahren gegenüber. Beziffert sind als Hebel Blutdruck mit 25 Prozent der Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten, unzureichende Bewegung mit 20 bis 30 Prozent erhöhtem Sterberisiko sowie Rauchen und Alkohol. Für Anti-Aging-Präparate gibt es keine institutionelle Wirksamkeitsaussage.
Am Anfang stand die Frage, welche Bedeutung Longevity für das eigene Leben hat. Die belastbarste Antwort lautet: Sie liegt nicht in der Verlängerung der Jahre, sondern in der Verkleinerung der Lücke zwischen ihnen und den gesunden.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Lebenserwartung in Deutschland?
Das Statistische Bundesamt nennt für das Jahr 2024 eine durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt von 83,5 Jahren für Frauen und 78,9 Jahren für Männer. Für 65-Jährige nennt dieselbe Quelle weitere 21,2 Jahre bei Frauen und 18,0 Jahre bei Männern.
Was sind gesunde Lebensjahre?
Das Robert Koch-Institut beschreibt sie als die Zahl der Lebensjahre, die eine Person in gesundem Zustand zu erwarten hat, also ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten. Für 2023 nennt das RKI 57,1 Jahre bei Frauen und 56,7 Jahre bei Männern, jeweils ab Geburt.
Verlängern Nahrungsergänzungsmittel das Leben?
Nach dem IQWiG widerlegten die Forschungsergebnisse die Vermutung, dass antioxidative Nahrungsergänzungsmittel dabei helfen, länger zu leben. Die Auswertung zeigte demnach, dass die Einnahme von Vitamin A, E und Betacarotin das Leben eher verkürzt. Das BfR verlangt aufgrund dieser Ergebnisse von Herstellern eine Begrenzung der Karotin-Beimischung.
Lässt sich das biologische Alter messen?
Das MSD Manual beschreibt das biologische Alter allgemein als die während des Alterns natürlichen Veränderungen im Körper. Eine Bewertung kommerzieller Testverfahren, die daraus eine Jahreszahl errechnen, haben wir bei keiner der geprüften Institutionen gefunden. Solche Ergebnisse sind damit unbewertet.
Welche Faktoren sind mit Zahlen belegt?
Die WHO schreibt erhöhtem Blutdruck 25 Prozent der globalen Todesfälle durch nichtübertragbare Krankheiten zu und nennt bei unzureichender körperlicher Aktivität ein um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Sterberisiko. Für Deutschland nennt das RKI rund 127.000 Todesfälle jährlich durch die Folgen des Rauchens.
Nächster Schritt
Eine Messung mit Beleglage
Miss deinen Blutdruck und lass ihn ärztlich einordnen. Es ist die einzige Größe dieses Themenfelds, für die eine Institution einen konkreten Anteil an der Sterblichkeit nennt. Wer zusätzlich die genetischen Anlagen sehen will, findet sie im Longevity DNA-Test.
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Dieselbe Prüffrage, angewendet auf Fasten, Koffein, Kälte und Schlaf.
Die Ebene, auf der Lebensstil und Erbinformation sich tatsächlich berühren.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Lebenserwartung bei Geburt erreichte 2024 wieder Vor-Corona-Niveau. Pressemitteilung Nr. 266 vom 22.07.2025, Datenjahr 2024 – destatis.de
- Robert Koch-Institut (RKI): Gesunde Lebensjahre, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Datenjahr 2023 – gbe.rki.de
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Noncommunicable diseases, Fact sheet, Stand 2024, Daten 2021, sowie die Fact sheets zu Physical activity und Alkohol – who.int
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Nahrungsergänzungsmittel – was ist zu beachten? – gesundheitsinformation.de
Die Lebenserwartung von 83,5 und 78,9 Jahren sowie die Werte ab 65 Jahren stammen aus Quelle [1]. Das wörtliche Zitat zur Definition, die gesunden Lebensjahre von 57,1 und 56,7, die Werte ab 65 von 10,2 und 9,0, der Rückgang zwischen 2019 und 2023 sowie die regionale Differenz von 4,2 Jahren stammen aus [2]. Die 43 Millionen Todesfälle und 75 Prozent, die 18 Millionen vorzeitigen Todesfälle mit 82 Prozent, die 25 Prozent zum Blutdruck, die 20 bis 30 Prozent zur körperlichen Aktivität sowie die Angaben zu Alkohol stammen aus [3]. Das Zitat zu antioxidativen Nahrungsergänzungsmitteln, die Aussage zu Vitamin A, E und Betacarotin sowie der Hinweis auf die Auflage des Bundesinstituts für Risikobewertung stammen aus [4]. Ergänzend zitiert: die rund 127.000 Todesfälle durch Rauchen und die Rauchprävalenz von 32,1 auf 28,8 Prozent aus Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts; die Definition von healthy ageing aus dem Rahmenwerk der WHO für die Dekade des gesunden Alterns 2021 bis 2030; die Beschreibung des biologischen Alters aus dem MSD Manual (2021). Angaben zu Preis, Umfang, Probenart und Labor stammen von der Produktseite von mybody®x, abgerufen am 11.08.2026. Alle Quellen wurden am 11.08.2026 aufgerufen und geprüft.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Labordiagnostik Ernährungswissenschaft Blutanalyse-Interpretation Nutrigenetik
Dieser Artikel entstand im Redaktions- und Fachteam von mybody®x. Das Team verbindet Labordiagnostik, Ernährungswissenschaft und die Interpretation von Blutanalysen. Wer daran mitarbeitet, steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 10.03.2025 · Zuletzt aktualisiert am 11.08.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.





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