Burnout erkennen: Warnzeichen und Wege aus der Erschöpfung
5. Oktober 2026ca. 17 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Ein Burnout ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2019) keine Krankheit, sondern ein Phänomen im Berufskontext: die Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Weil auch körperliche Erkrankungen erschöpfen können, gehört die Suche nach anderen Ursachen in ärztliche Hand (IQWiG, 2023). Welcher Weg hilft, hängt davon ab, woher die Belastung kommt.
Internet-Fragebögen eignen sich laut IQWiG (2023) nicht, um festzustellen, ob jemand ein Burnout hat.
Eine Übersicht über 31 Studien fand keinen Biomarker, also keinen messbaren Körperwert, der ein Burnout anzeigt (Danhof-Pont u. a., 2011).
Bei „nur“ starker Belastung kann ein längerer Urlaub helfen, bei einer Depression, einer psychischen Erkrankung, braucht es laut IQWiG (2023) andere Hilfe.
In diesem Artikel
Was ist ein Burnout, und ist es eine Krankheit?
Eine Krankheit ist ein Burnout nach der Einordnung der WHO (2019) nicht, sondern ein Phänomen im Berufskontext. Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG, 2023) schreibt, das Burnout-Syndrom, also das Bündel der typischen Beschwerden, sei in der Fachwelt nicht als eigenes Krankheitsbild anerkannt.
Die WHO führt Burnout in der ICD-11, der aktuellen Fassung der internationalen Klassifikation der Krankheiten (WHO, 2019). Es steht dort im Kapitel über Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen oder zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen. Gesammelt sind darin Gründe, aus denen Menschen ärztliche Hilfe suchen, die selbst aber nicht als Krankheit gelten (WHO, 2019). Schon die Vorgängerfassung ICD-10 kannte Burnout in derselben Kategorie, die neue Fassung beschreibt es genauer (WHO, 2019).
Die WHO (2019) beschreibt Burnout als Syndrom, das aus chronischem Stress am Arbeitsplatz hervorgeht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Den Begriff beschränkt sie ausdrücklich auf den Beruf: Für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen soll er nicht verwendet werden (WHO, 2019).
Belegte Fundstelle
„Burnout ist in der ICD-11 als Phänomen im Berufskontext aufgeführt. Es ist nicht als Krankheit eingestuft.“
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Burn-out an „occupational phenomenon“: International Classification of Diseases, übertragen aus dem Englischen, 2019
Das IQWiG (2023) fasst den Begriff weiter und bezieht Belastungen im Haushalt und bei der Pflege Angehöriger mit ein. Dahinter steht eine offene Fachfrage: Laut IQWiG (2023) gibt es unterschiedliche Einschätzungen dazu, was genau ein Burnout ausmacht und wie man es feststellen kann. Man geht eher davon aus, dass die Beschwerden zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten und das Risiko etwa für eine Depression erhöhen können (IQWiG, 2023).
Wie verbreitet die Diagnose ist, hat die bundesweite Gesundheitsstudie DEGS1 erfragt. Darin gaben 4,2 Prozent der Erwachsenen an, irgendwann eine ärztliche oder psychotherapeutische Burnout-Diagnose erhalten zu haben (Maske u. a., 2016). Für die letzten zwölf Monate waren es 1,5 Prozent (Maske u. a., 2016). Gemessen ist damit die selbst berichtete Diagnose, und laut Forschungsteam wird sie seltener gestellt und berichtet als erwartet (Maske u. a., 2016).
Woher kommt die Belastung bei einem Burnout?
Die WHO (2019) sieht den Ausgangspunkt in chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Der Grund für die Beschwerden sind laut IQWiG (2023) belastende Lebensumstände.
Als mögliche Ursachen nennt das IQWiG (2023) lang andauernde Über- oder Unterforderung, ständigen Zeitdruck, Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen, aber auch extreme Einsatzbereitschaft, die zur Vernachlässigung eigener Bedürfnisse führt. Auffällig ist das Wort Unterforderung. Auch eine Arbeit, die dauerhaft zu wenig verlangt, steht auf dieser Liste.
Der letzte Punkt verschiebt den Blick. Belastung entsteht laut IQWiG (2023) auch dort, wo jemand so viel Einsatz zeigt, dass die eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen. Das ist eine Beschreibung, kein Vorwurf an die Betroffenen.
Nicht jede Erschöpfung nach einer anstrengenden Phase ist ein Burnout. „Auf Stress mit Erschöpfung zu reagieren, ist zunächst ganz normal“, schreibt das IQWiG (2023). Ein Burnout gehe aber über das normale Belastungsempfinden hinaus (IQWiG, 2023). Wie sich Stress als Ausgangslage bemerkbar machen kann, beschreibt der Beitrag Stresssymptome erkennen und gegensteuern.
Für pflegende Angehörige ist der Unterschied zwischen den beiden Fachstellen mehr als eine Begriffsfrage. Die WHO (2019) spricht nur vom Beruf, das IQWiG (2023) nennt ausdrücklich auch die Überforderung in der häuslichen Pflege. Wer zu Hause pflegt und am Ende seiner Kräfte ist, findet seine Lage also in der Beschreibung des IQWiG wieder.
Burnout erkennen: Welche Warnzeichen gibt es?
Die WHO (2019) beschreibt Burnout über drei Dimensionen, das IQWiG (2023) schildert, wie sie sich im Alltag zeigen können. Eine Diagnose ergibt sich daraus nicht; die Zeichen sind ein Anlass, genauer hinzusehen.
Woran zeigt sich Erschöpfung bei einem Burnout?
Die erste Dimension ist laut WHO (2019) ein Gefühl von Energieverlust oder Erschöpfung. Betroffene fühlen sich nach der Beschreibung des IQWiG (2023) ausgelaugt und emotional erschöpft.
Sie berichten von mangelnder Energie und Überforderung, von Müdigkeit und Niedergeschlagenheit (IQWiG, 2023). Dazu können körperliche Beschwerden wie Schmerzen und Magen-Darm-Probleme kommen (IQWiG, 2023). Gerade diese körperlichen Zeichen sind ein Grund, die Erschöpfung auch ärztlich anschauen zu lassen.
Woran zeigt sich innere Distanz zur Arbeit bei einem Burnout?
Die zweite Dimension ist laut WHO (2019) eine zunehmende innere Distanz zum Job oder ein negatives, zynisches Gefühl ihm gegenüber.
Menschen mit einem Burnout erleben ihre Arbeit laut IQWiG (2023) zunehmend als belastend und frustrierend. Sie können eine zynische, also abschätzige Haltung gegenüber ihren Arbeitsbedingungen oder ihren Kolleginnen und Kollegen entwickeln. Innerlich gehen sie auf Abstand. Ihren beruflichen Aufgaben gegenüber stumpfen sie zunehmend ab (IQWiG, 2023).
Woran zeigt sich nachlassende Leistungsfähigkeit bei einem Burnout?
Die dritte Dimension ist laut WHO (2019) eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit.
Beim Burnout leidet laut IQWiG (2023) vor allem die alltägliche Leistung. Das IQWiG bezieht dabei ausdrücklich auch die Pflege Angehöriger ein. Betroffene sind unkonzentriert und lustlos. Sie beklagen, dass sie keine Ideen mehr haben (IQWiG, 2023).
Die Tabelle stellt die Dimensionen nebeneinander. Sie ist eine Orientierung für das Gespräch in der Praxis, keine Liste zum Abhaken.
Dimensionen nach WHO (2019) und IQWiG (2023)
| Dimension | Anzeichen | Quelle |
|---|---|---|
| Erschöpfung | Energieverlust und emotionale Erschöpfung; dazu können Schmerzen oder Magen-Darm-Probleme kommen | WHO (2019) · IQWiG (2023) |
| Innere Distanz | Die Arbeit fühlt sich belastend und frustrierend an; innerer Abstand zu den Aufgaben | WHO (2019) · IQWiG (2023) |
| Leistungsfähigkeit | Die alltägliche Leistung lässt nach; Konzentration und Ideen fehlen | WHO (2019) · IQWiG (2023) |
Burnout oder Depression: Wo liegt der Unterschied?
Bei einer Depression reichen negative Gedanken und Gefühle laut IQWiG (2023) über bestimmte Anforderungen wie die Arbeit hinaus und betreffen alle Lebensbereiche. Fachleute nennen solche Unterschiede, die Abgrenzung ist aber umstritten.

Als typische Symptome einer Depression nennt das IQWiG (2023) unter anderem mangelndes Selbstwertgefühl und Schuldgefühle, dazu Hoffnungslosigkeit und Selbsttötungsgedanken. Sie werden nicht als typische Burnout-Beschwerden gesehen (IQWiG, 2023).
Wenn dich Gedanken an Selbsttötung beschäftigen, ist die TelefonSeelsorge unter 0800 1110111 / 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar (TelefonSeelsorge, 2026). Nach eigenen Angaben kann jeder sie Tag und Nacht kontaktieren, und sie ist kostenlos und anonym (TelefonSeelsorge, 2026). Bei akuter Gefahr wähle den Notruf 112.
Ganz scharf ist die Grenze nicht. Ob Burnout eine Form der Depression oder etwas Eigenes ist, ist umstritten: Eine Übersicht über 92 Studien kam zu dem Schluss, dass die Unterscheidung begrifflich auf schwachen Füßen steht (Bianchi u. a., 2015). Ein Hindernis sei das Fehlen einheitlicher Diagnosekriterien für Burnout (Bianchi u. a., 2015).
Beides kann zusammenhängen. Burnout-Beschwerden können laut IQWiG (2023) das Risiko erhöhen, eine Depression zu entwickeln.
Für die Wahl der Hilfe ist die Unterscheidung trotzdem entscheidend. Wer „nur“ aufgrund starker Belastung erschöpft ist, kann sich laut IQWiG (2023) durch einen längeren Urlaub oder eine berufliche Auszeit erholen. Für Menschen mit einer Depression kann eine solche Pause womöglich zu noch mehr Problemen führen (IQWiG, 2023). Sie benötigen andere Formen der Hilfe, etwa eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Behandlung.
Kapitel auf einen Blick
Bei einer Depression betreffen negative Gedanken und Gefühle alle Lebensbereiche, beim Burnout steht die Arbeit im Vordergrund. Hoffnungslosigkeit und Schuldgefühle gelten laut IQWiG (2023) nicht als typische Burnout-Beschwerden. In der Forschung ist die Trennung beider Bilder umstritten. Erholung kann bei reiner Belastung helfen, eine Depression braucht andere Hilfe.
Burnout oder körperliche Ursache: Was gehört zur Abklärung?
Körperliche Erkrankungen oder bestimmte Medikamente können laut IQWiG (2023) ebenfalls Erschöpfung und Müdigkeit auslösen. Deshalb rät das IQWiG, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt auch nach anderen möglichen Ursachen zu schauen.
Erschöpfung allgemein und ihre möglichen Ursachen behandelt der Beitrag Chronische Erschöpfung: was tun?; hier geht es um Burnout als belastungsbezogenes Bild und um seine Abgrenzung.
Den Rahmen für die Hausarztpraxis setzt die S3-Leitlinie Müdigkeit, die fachliche Handlungsempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM, 2022). Bei bislang ungeklärter Müdigkeit soll ein Basislabor erfolgen, also eine erste Reihe von Blutuntersuchungen, und zwar als Soll-Empfehlung mit Empfehlungsgrad A im starken Konsens (DEGAM, 2022).
Dazu gehören laut DEGAM (2022) die Blut-Glucose, das große Blutbild mit der Auszählung der Blutzellen, die Blutsenkung oder das CRP, ein Entzündungswert, außerdem die Transaminasen oder die Gamma-GT, beides Leberwerte, und das TSH, das Hormon, das die Schilddrüse steuert. Die Blutsenkung nennt die Leitlinie als Alternative zum CRP (DEGAM, 2022).
Ferritin, den Eisenspeicher, sieht die Leitlinie nur ergänzend vor, etwa bei Frauen im gebärfähigen Alter oder bei konkreten Hinweisen (DEGAM, 2022). Hormonbestimmungen hält sie ohne spezifische Hinweise für nicht ausreichend begründet (DEGAM, 2022). Weitere Untersuchungen sollten nur folgen, wenn die Basisdiagnostik auffällige Befunde oder spezifische Hinweise liefert (DEGAM, 2022).
Mehr Werte bedeuten dabei nicht automatisch mehr Klarheit. Je mehr Labor- oder apparative Untersuchungen veranlasst werden, desto wahrscheinlicher weicht rein statistisch ein Wert von der Norm ab, ohne dass das diagnostisch etwas bedeutet (sinngemäß nach DEGAM, 2022). Ein auffälliger Wert ist deshalb ein Gesprächsanlass, kein Urteil.
Burnout selbst ist laut DEGAM (2022) ausdrücklich nicht Gegenstand dieser Leitlinie. Sie hilft, körperliche Ursachen der Müdigkeit zu finden oder auszuschließen, ein Burnout stellt sie nicht fest. Was ein erhöhter Schilddrüsenwert bedeuten kann, erklärt der Beitrag TSH-Wert zu hoch.
Ein unauffälliges Labor heißt umgekehrt nicht, dass du dir die Erschöpfung einbildest. Der Grund für die Beschwerden sind laut IQWiG (2023) belastende Lebensumstände, und einen Burnout-Wert im Blut hat eine Übersichtsarbeit nicht gefunden (Danhof-Pont u. a., 2011).
Wer einen Teil der Basiswerte vorab kennen möchte, kann bei mybody®x (MYBODY Lab GmbH) einen Bluttest für zu Hause bestellen, ausgewertet in einem Fachlabor in Deutschland. Der Men’s Wellness Check misst TSH, aber weder fT3 noch fT4, die freien Schilddrüsenhormone, dazu CRP, Gamma-GT, den Leberwert GPT und Ferritin; Vitamin B12 misst er nicht (Stand der Angaben: 05.10.2026).
Der Women’s Wellness Check misst 18 Werte (Stand der Angaben: 05.10.2026), darunter neben TSH auch fT3 und fT4. Von der Basisdiagnostik der Leitlinie deckt er TSH, CRP, Gamma-GT und GPT ab (DEGAM, 2022). Das große Blutbild und die Blutsenkung misst er nicht. Die Blut-Glucose aus dem Basislabor misst er nicht, er misst stattdessen den Langzeitblutzucker HbA1c.
Diese Lücken bleiben Sache der Hausarztpraxis. Ein Burnout stellt keiner der beiden Tests fest (Danhof-Pont u. a., 2011); beide liefern Zahlen mit Einordnung als Grundlage für das Gespräch in der Praxis.
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Zwei Annahmen über Burnout: Was ist dran?
An beiden ist weniger dran, als es scheint: Ein Bluttest stellt kein Burnout fest, und ein langer Urlaub hilft nicht in jedem Fall. Beide Annahmen haben trotzdem einen wahren Kern.
Zwei Annahmen, geprüft
Verbreitet
„Ein Bluttest zeigt, ob ich ein Burnout habe.“
Belegt
Eine systematische Übersicht über 31 Studien zu 38 Messwerten fand keinen Biomarker für Burnout, vor allem weil die Studien kaum vergleichbar waren (Danhof-Pont u. a., 2011).
Verbreitet
„Ein langer Urlaub löst das Problem in jedem Fall.“
Belegt
Bei Erschöpfung „nur“ durch starke Belastung kann ein längerer Urlaub laut IQWiG (2023) helfen, bei einer Depression womöglich zu noch mehr Problemen führen.
Zur ersten Annahme gehört ein Detail. Untersucht wurden auch Cortisol, ein Hormon der Stresshormonachse, sowie CRP, Cholesterin und das Hormon Prolaktin (Danhof-Pont u. a., 2011). Für Cortisol im Blut und für die Cortisol-Antwort nach dem Aufwachen zeigten die Metaanalysen, also statistische Zusammenfassungen mehrerer Studien, keine Unterschiede (Danhof-Pont u. a., 2011). Cortisol ist damit kein Burnout-Wert, auch wenn sich Cortisol messen lässt.
Der wahre Kern: Blutwerte sind bei Erschöpfung nicht nutzlos. Sie helfen, körperliche Ursachen zu prüfen, so wie es die Leitlinie Müdigkeit vorsieht (DEGAM, 2022).
Die zweite Annahme scheitert an der Unterscheidung aus dem Kapitel zur Depression. Ob eine Auszeit trägt, hängt laut IQWiG (2023) davon ab, ob „nur“ starke Belastung hinter der Erschöpfung steht. Ihr wahrer Kern: Für diesen Fall nennt das IQWiG (2023) Erholung als Weg.
Burnout-Anzeichen notieren: Was hilft im Arztgespräch?
Notizen dazu, seit wann die Erschöpfung besteht und welche Lebensbereiche sie betrifft, machen das Gespräch in der Hausarztpraxis konkreter. Ein Urteil liefern sie nicht.
Einen verlässlichen Selbsttest gibt es nicht: Internet-Fragebögen zum Burnout-Risiko eignen sich laut IQWiG (2023) nicht, um festzustellen, ob man ein Burnout hat. Die folgenden Fragen sind deshalb kein Test. Sie vergeben keine Punkte und führen zu keinem Ergebnis, sie helfen dir nur, im Gespräch nichts zu vergessen.
- Seit wann bist du erschöpft? Die Leitlinie Müdigkeit hält die Basisdiagnostik bei Müdigkeit für sinnvoll, die seit mehr als vier Wochen ohne bekannte Ursache besteht (DEGAM, 2022).
- Fühlst du dich ausgelaugt, und kommen körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Magen-Darm-Probleme dazu?
- Hat sich dein Verhältnis zur Arbeit verändert, gehst du innerlich auf Abstand?
- Fällt dir die alltägliche Leistung schwerer, im Job oder zu Hause?
- Betreffen die negativen Gedanken vor allem die Arbeit oder alle Lebensbereiche?
- Kommen Schuldgefühle oder Hoffnungslosigkeit dazu?
- Nimmst du Medikamente? Auch bestimmte Arzneimittel können laut IQWiG (2023) Erschöpfung und Müdigkeit auslösen.
- Wie geht es dir mit Belastungen außerhalb des Jobs, etwa in der Pflege Angehöriger?
Wenn Gedanken an Selbsttötung dazukommen, warte nicht auf einen Termin. Dann ist die TelefonSeelsorge unter 0800 1110111 / 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar (TelefonSeelsorge, 2026), bei akuter Gefahr der Notruf 112.
Erste Anlaufstelle für alles Übrige ist die Hausarztpraxis. Dort lässt sich gemeinsam klären, ob körperliche Ursachen in Frage kommen (IQWiG, 2023). Ob eine psychotherapeutische Praxis der nächste Schritt ist, lässt sich dort ebenfalls besprechen.
Wege aus dem Burnout: Welche Hilfe passt wann?
Welche Hilfe passt, hängt laut IQWiG (2023) davon ab, woher die Belastung kommt und ob eine Depression dahintersteht. Bei Problemen am Arbeitsplatz können manchmal bereits Änderungen im betrieblichen Umfeld helfen (IQWiG, 2023).
Für Menschen mit klinischem Burnout, also einem Burnout, das so ausgeprägt ist, dass es behandelt wird, hat eine Metaanalyse acht Studien zu Behandlungsprogrammen ausgewertet (Perski u. a., 2017). Die Programme verkürzten die Zeit bis zur Rückkehr an den Arbeitsplatz im Vergleich zur üblichen Versorgung oder zur Wartezeit, die Ergebnisse streuten aber stark (Perski u. a., 2017).
Auf die vollständige Rückkehr in den Beruf zeigte sich kein gesicherter Effekt, auf die Erschöpfung und andere psychische Beschwerden ebenfalls nicht (Perski u. a., 2017). Erfolgreiche Programme bezogen Fachleute für Arbeitsfragen ein und halfen Betroffenen, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen (Perski u. a., 2017).
Das Gespräch mit dem Arbeitgeber ist damit kein Nebenschauplatz. Wo die Belastung aus dem Job kommt, setzt die Entlastung auch dort an.
Entlastung kann helfen, wenn …
… die Belastung vor allem aus dem Job kommt. Dann können laut IQWiG (2023) Änderungen im betrieblichen Umfeld helfen, dazu das Gespräch mit dem Arbeitgeber (Perski u. a., 2017).
… die häusliche Pflege überfordert. Dann kann laut IQWiG (2023) mehr konkrete Unterstützung im Alltag entlasten.
… die Erschöpfung „nur“ von starker Belastung kommt. Dann kann laut IQWiG (2023) ein längerer Urlaub oder eine berufliche Auszeit helfen.
Urlaub reicht eher nicht, wenn …
… Anzeichen einer Depression dazukommen. Dann braucht es laut IQWiG (2023) andere Formen der Hilfe, etwa eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Behandlung, und der Weg führt in eine ärztliche oder psychotherapeutische Praxis.
Wenn es akut nicht mehr geht oder Gedanken an Selbsttötung auftauchen, ist die TelefonSeelsorge unter 0800 1110111 / 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar (TelefonSeelsorge, 2026). Bei akuter Gefahr wähle den Notruf 112.
Grenzen: Wie sicher ist das Wissen über Burnout?
Das Wissen über Burnout hat Lücken, die du kennen solltest, bevor du Zahlen oder Tests bewertest. Die wichtigste: Es gibt laut IQWiG (2023) keine einheitliche Definition.
Einheitliche Diagnosekriterien fehlen, deshalb ist auch die Abgrenzung von der Depression umstritten (Bianchi u. a., 2015). Die Übersicht über 92 Studien erlaubt keine Aussage über den Einzelfall (Bianchi u. a., 2015).
Die Zahlen aus der Studie DEGS1 beruhen auf Selbstauskunft. Erfragt wurde, ob jemand eine ärztliche oder psychotherapeutische Burnout-Diagnose erhalten hat (Maske u. a., 2016).
Die Biomarker-Übersicht hat den Stand von 2011, und die Studien darin waren kaum vergleichbar (Danhof-Pont u. a., 2011). „Nicht gefunden“ heißt deshalb nicht „gibt es sicher nicht“.
Die Leitlinie Müdigkeit gilt für die hausärztliche Abklärung von Müdigkeit bei Erwachsenen, nicht für Burnout (DEGAM, 2022).
Die Metaanalyse zu Behandlungsprogrammen umfasst acht Studien von unterschiedlicher Qualität, mit Hinweisen auf Publikationsverzerrung (Perski u. a., 2017). Gemeint ist, dass Studien mit günstigen Ergebnissen eher veröffentlicht werden als solche ohne Effekt. Eine Wirkung auf die Beschwerden selbst ist darin nicht belegt (Perski u. a., 2017).
Auch der Women’s Wellness Check hat Grenzen. Er ersetzt die Basisdiagnostik der Hausarztpraxis nicht, denn das große Blutbild, die Blut-Glucose und die Blutsenkung fehlen darin. Eine Diagnose stellt er nicht.
Burnout erkennen: Was ist der nächste Schritt?
Ein Burnout ist kein Laborbefund und kein Ergebnis aus dem Internet, sondern ein Bild aus Erschöpfung und Abstand zur Arbeit, das sich erst im Gespräch einordnen lässt. Der nächste Schritt ist deshalb kein weiterer Fragebogen, sondern ein Termin in der Hausarztpraxis, mit Notizen dazu, seit wann die Erschöpfung besteht und wo sie sich zeigt. Dort lässt sich klären, ob körperliche Ursachen mitspielen oder eine Depression dahinterstehen kann. Die Erschöpfung ist echt, auch wenn kein Blutwert sie beweist.
Häufige Fragen
Gibt es einen zuverlässigen Burnout-Test im Internet?
Nein. Internet-Fragebögen zum Burnout-Risiko eignen sich laut IQWiG (2023) nicht, um festzustellen, ob man ein Burnout hat. Weil es keine einheitliche Definition gibt, ist unklar, was diese Fragebögen genau messen und ob sie ein Burnout von anderen Krankheiten abgrenzen können (IQWiG, 2023). Der gängigste Fragebogen, das Maslach-Burnout-Inventar, wurde laut IQWiG (2023) zu wissenschaftlichen Zwecken entwickelt. Ein Ergebnis aus dem Netz ersetzt das Gespräch in der Hausarztpraxis nicht.
Kann man auch ohne Job ein Burnout bekommen?
Das hängt davon ab, welcher Definition du folgst. Die WHO (2019) beschränkt den Begriff ausdrücklich auf den Berufskontext und will ihn nicht für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen verwenden. Das IQWiG (2023) fasst ihn weiter und nennt auch die Leistung im Haushalt und bei der Pflege Angehöriger. Bei Überforderung in der häuslichen Pflege kann laut IQWiG (2023) mehr konkrete Unterstützung im Alltag entlasten.
Welche Blutwerte prüft die Hausarztpraxis bei anhaltender Müdigkeit?
Bei Müdigkeit, die seit mehr als vier Wochen ohne bekannte Ursache besteht, sieht die Leitlinie Müdigkeit ein Basislabor vor (DEGAM, 2022). Es umfasst Blut-Glucose, großes Blutbild, Blutsenkung oder CRP, Transaminasen oder Gamma-GT und TSH (DEGAM, 2022). Ferritin kommt ergänzend bei Frauen im gebärfähigen Alter oder bei Hinweisen dazu (DEGAM, 2022). Weitere Untersuchungen empfiehlt die Leitlinie nur bei auffälligen Vorbefunden oder spezifischen Hinweisen.
Wie verbreitet ist die Diagnose Burnout in Deutschland?
In der bundesweiten Studie DEGS1 gaben 4,2 Prozent der Erwachsenen an, irgendwann eine ärztliche oder psychotherapeutische Burnout-Diagnose erhalten zu haben (Maske u. a., 2016). Bei Frauen waren es 5,2 Prozent, bei Männern 3,3 Prozent (Maske u. a., 2016). Am höchsten lagen die Werte bei 40- bis 59-Jährigen (Maske u. a., 2016). Unter den Befragten mit einer Diagnose in den letzten zwölf Monaten hatten 70,9 Prozent mindestens eine psychische Störung (Maske u. a., 2016).
Wer hilft, wenn es akut nicht mehr geht?
Bei akuter Gefahr ist der Notruf 112 die richtige Nummer. Wer an Selbsttötung denkt oder in einer schwierigen Lebenslage Unterstützung braucht, erreicht die TelefonSeelsorge unter 0800 1110111 / 0800 1110222 oder 116 123 (TelefonSeelsorge, 2026). Laut TelefonSeelsorge (2026) kann jeder sie Tag und Nacht kontaktieren, und das Angebot ist kostenlos und anonym. Für alles, was nicht sofort sein muss, sind die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis die Anlaufstellen.
Nächster Schritt
Körperliche Ursachen mit Blutwerten besprechen
Der Women’s Wellness Check liefert Blutwerte als Grundlage für das Gespräch in der Hausarztpraxis. Ein Burnout stellt er nicht fest.
Women’s Wellness Check ansehen Wenn die Erschöpfung andere Ursachen hat Chronische Erschöpfung: Ursachen und erste SchritteWeiterlesen
Quellen
- World Health Organization: Burn-out an „occupational phenomenon“: International Classification of Diseases (Stand 2019) – who.int
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Was ist ein Burnout? (Stand 2023) – gesundheitsinformation.de
- DEGAM: S3-Leitlinie Müdigkeit, AWMF-Register-Nr. 053-002 (Stand 2022) – register.awmf.org
- Danhof-Pont M. B., van Veen T., Zitman F. G.: Biomarkers in burnout: a systematic review, Journal of Psychosomatic Research (Stand 2011) – europepmc.org
Die Einordnung als Phänomen im Berufskontext und die Dimensionen stützen sich auf [1]. Ursachen, Anzeichen, die Abgrenzung zur Depression und die Wege stammen aus [2]. Die Laborempfehlungen stammen aus [3]. Die Aussagen zu Biomarkern stützen sich auf [4]. Ergänzend nennt der Text Bianchi u. a. (2015) zur Abgrenzung von der Depression und Maske u. a. (2016) zur Diagnosehäufigkeit. Die Angaben zu Behandlungsprogrammen stammen aus Perski u. a. (2017), die Telefonnummern von der Website der TelefonSeelsorge (2026). Für die Produktangaben zu den mybody®x-Bluttests gilt: Stand der Angaben: 05.10.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Burnout Erschöpfung
Diesen Beitrag hat das mybody®x Redaktions- & Fachteam erstellt; er stützt sich auf die oben genannten Quellen. Mehr über das Team steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 05.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 05.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.
Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.





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