Heißhunger und Mangel: die Tabelle und was davon belegt ist
20. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Tabellen im Netz ordnen jedem Heißhunger einen Mangel zu, etwa Schokolade dem Magnesium und Fleisch dem Eisen. Belegt ist davon nur ein Teil. Die Nährstoff-Erklärung muss laut Hill (2007) einem komplexeren Bild des Essverhaltens weichen. Bei Eisenmangel beschrieben ist das Verlangen nach Eis (Barton u. a., 2010). Wer einen Mangel vermutet, lässt die Blutwerte prüfen.
Schokoladenhunger als Magnesiummangel ist nur eine Vermutung, als vorrangiger Grund gilt der Genuss (Bruinsma & Taren, 1999).
Salzhunger kann ein Symptom der Addison-Krankheit sein und gehört dann in die ärztliche Abklärung (MedlinePlus, 2025).
Heißhunger hat auch Ursachen ohne Mangel: Diäten und Verzicht machen ihn laut Hill (2007) wahrscheinlicher.
In diesem Artikel
Welcher Mangel steckt hinter Heißhunger? Die Tabelle
Die Tabelle unten stellt jeder verbreiteten Zuordnung gegenüber, was sich davon belegen lässt. Für Schokolade bleibt Magnesium eine Vermutung (Bruinsma & Taren, 1999), für Eis ist ein Zusammenhang mit Eisenmangel beschrieben (Barton u. a., 2010).
Die Tabellen, die im Netz kursieren, folgen einer einfachen Idee: Der Körper verlange gezielt nach dem, was ihm fehlt. Wer abends an die Schokolade will, brauche demnach Magnesium, und wer an der Fleischtheke schwach wird, brauche Eisen. Die Idee ist eingängig, weil sie aus einem lästigen Verlangen ein sinnvolles Signal macht. Ob sie stimmt, ist eine andere Frage.
Heißhunger heißt in der Forschung Craving. Hill (2007) beschreibt ihn als Reaktion auf Genuss, die sich durch ihre Stärke und ihre Zielrichtung auszeichnet. Gemeint ist also kein allgemeiner Hunger, sondern ein heftiges Verlangen nach genau einem Lebensmittel. Gerade diese Zielrichtung macht die Tabellen glaubwürdig: Wenn das Verlangen so genau weiß, was es will, muss es doch einen genauen Grund geben.
Die Forschung sieht das nüchterner. Eine Übersicht zur Psychologie des Heißhungers stuft die Nährstoff-Erklärung allgemein ab und setzt an ihre Stelle ein komplexeres Bild des menschlichen Essverhaltens (Hill, 2007). Das heißt nicht, dass jede Zeile der Tabellen falsch ist. Es heißt, dass jede Zeile einzeln geprüft gehört.
Genau das macht die folgende Übersicht. In der mittleren Spalte steht, was im Umlauf ist, rechts steht, was sich dazu belegen lässt. Wo „nicht belegt“ steht, bleibt die Zuordnung eine Behauptung.
Heißhunger und Mangel im Überblick
| Heißhunger auf | Verbreitete Zuordnung | Was belegt ist |
|---|---|---|
| Schokolade | Magnesiummangel wird genannt | Nur eine Vermutung. Als wahrscheinlich vorrangiger Grund gilt der Genuss (Bruinsma & Taren, 1999). |
| Süßes | Ein Nährstoffmangel wird genannt | Nicht belegt. Heißhunger gilt als genussgetrieben, Diäten und Verzicht verstärken ihn (Hill, 2007). |
| Salziges | Ein Mineralstoffmangel wird genannt | Nicht belegt. Salzhunger kann ein Symptom der Addison-Krankheit sein, einer Erkrankung der Nebennieren, und gehört dann in die ärztliche Abklärung (MedlinePlus, 2025). |
| Fleisch | Eisenmangel wird genannt | Nicht belegt. |
| Eis | Eisenmangel wird genannt | Bei Eisenmangel beschrieben. Von 262 Erwachsenen mit Eisenmangel berichteten 45,0 % von Pica (Barton u. a., 2010), dem Essen von Dingen, die keine Lebensmittel sind (MedlinePlus, 2026). Davon nannten 87,3 % Eis (Barton u. a., 2010). |
Die Tabelle ersetzt keine Blutuntersuchung.
Zwei Zeilen heben sich ab. Bei Schokolade gibt es eine Vermutung, die eine Übersicht ausdrücklich als solche kennzeichnet (Bruinsma & Taren, 1999). Beim Eis gibt es eine Beobachtung an Menschen mit Eisenmangel (Barton u. a., 2010). Die übrigen Zuordnungen bleiben Behauptungen, und beim Salzhunger lohnt der Blick in eine ganz andere Richtung.
Heißhunger auf Süßes: Welcher Mangel wird genannt, und was ist belegt?
Genannt wird ein nicht näher bestimmter Nährstoffmangel, belegt ist er nicht. Heißhunger gilt insgesamt als genussgetrieben, und Diäten oder Verzicht verstärken ihn (Hill, 2007).
Heißhunger ist kein Randphänomen. Laut Hill (2007) ist er sehr verbreitet und wird von der Mehrheit junger Erwachsener berichtet. Wer am Nachmittag am Schreibtisch an Gummibärchen denkt oder nach dem Abendessen noch etwas Süßes sucht, ist damit in guter Gesellschaft.
Was dieses Verlangen wahrscheinlicher macht, beschreibt dieselbe Übersicht recht genau. Diäten und gezügeltes Essen erhöhen im Allgemeinen die Wahrscheinlichkeit von Heißhunger, während Fasten ihn wie den Hunger abklingen lässt (Hill, 2007). Das ist ein Befund und keine Empfehlung zum Fasten. Wer versucht, auf ein bestimmtes Lebensmittel zu verzichten, erlebt laut Hill (2007) ein stärkeres Verlangen nach genau diesem Lebensmittel. Die Schublade mit den verbotenen Süßigkeiten wird durch das Verbot also nicht uninteressanter.
Auch der Schlaf wird damit in Verbindung gebracht. In einer kleinen Studie stieg bei 12 jungen Männern nach verkürztem Schlaf der Appetit auf kalorienreiche, kohlenhydratreiche Lebensmittel um 33 bis 45 % (Spiegel u. a., 2004). Die Studie umfasste nur Männer, deshalb lässt sie sich nicht ohne Weiteres übertragen.
Ähnlich steht es mit Stress, der laut einer Übersicht Essmuster und den Verzehr sehr schmackhafter Lebensmittel verändert (Yau & Potenza, 2013). Einen eigenen Beitrag gibt es zum Heißhunger auf Süßes.
Aus all dem zieht Hill (2007) einen Schluss, der über Süßes hinausgeht. Sinngemäß nach Hill (2007): Die verbreitete Erklärung, Heißhunger werde von einem bestimmten Nährstoffbedarf ausgelöst, muss einem feineren und komplexeren Verständnis des menschlichen Essverhaltens weichen.
Belegte Fundstelle
„Overall, the popularised account of cravings as elicited by specific nutritional need is having to give way to a more subtle and complex appreciation of human eating behaviour.“
Andrew J. Hill
„The psychology of food craving“, Proceedings of the Nutrition Society, 2007
Für die Zeile „Süßes“ heißt das: Ein Nährstoffmangel als Ursache ist nicht belegt. Beschrieben sind Zusammenhänge mit Diäten und Verzicht (Hill, 2007) und mit kurzem Schlaf (Spiegel u. a., 2004).
Heißhunger auf Schokolade: Ist das ein Magnesiummangel?
Das ist eine Vermutung, kein Nachweis. Eine Übersicht nennt als wahrscheinlich vorrangigen Grund den Genuss und führt Magnesium nur als Möglichkeit an (Bruinsma & Taren, 1999).
Für Schokolade gibt es tatsächlich eine Fundstelle, die Magnesium erwähnt. Eine Übersicht zur Frage, ob Schokolade Lebensmittel oder Droge ist, hält es für möglich, dass manche Menschen Schokolade als eine Art Selbstbehandlung eines Mangels nutzen, etwa an Magnesium (Bruinsma & Taren, 1999). Als zweite Möglichkeit nennt sie den Ausgleich niedriger Spiegel von Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin, die unter anderem an der Steuerung der Stimmung beteiligt sind (Bruinsma & Taren, 1999). Beides steht dort ausdrücklich als Möglichkeit, nicht als Befund.
Als wahrscheinlich vorrangigen Grund nennt dieselbe Übersicht etwas anderes: den Genuss (Bruinsma & Taren, 1999). Gemeint sind Fett und Zucker. Hinzu kommen Konsistenz und Aroma. Wer an einem langen Abend zur Schokolade greift, sucht demnach eher ein Erlebnis als einen Mineralstoff.
Auch die Hormone gelten als Erklärung. Laut Bruinsma & Taren (1999) schwankt Schokoladenhunger mit den hormonellen Veränderungen kurz vor und während der Periode, was auf einen hormonellen Zusammenhang hindeutet.
Eine spätere Befragung hat diesen Zusammenhang geprüft. Etwa die Hälfte der US-amerikanischen Frauen hat laut Hormes & Rozin (2009) Schokoladenhunger, und etwa die Hälfte davon gezielt um den Beginn der Periode. Nach den Wechseljahren ging der Schokoladenhunger jedoch nur um 13,4 % zurück, während eine rein hormonelle Erklärung einen Rückgang um 38 % erwarten ließe (Hormes & Rozin, 2009). Die Autoren folgern, dass die weiblichen Fortpflanzungshormone wohl nicht die Hauptursache sind (Hormes & Rozin, 2009).
Die Zahlen stammen aus einer Befragung von Absolventinnen einer einzigen US-Universität und lassen sich nicht auf Deutschland übertragen (Hormes & Rozin, 2009). Einen Nährstoffmangel hat die Befragung nicht untersucht. Für die Tabelle bleibt damit: Magnesium ist eine Vermutung, der Genuss die wahrscheinlichere Erklärung (Bruinsma & Taren, 1999).
Am Verlangen allein lässt sich ein Mangel nicht ablesen. Welche Werte eine Blutuntersuchung erfassen kann, steht weiter unten im Kapitel zu den Blutwerten.
Heißhunger auf Salziges: Was kann dahinterstecken?
Ein Mineralstoffmangel als Ursache ist nicht belegt. Salzhunger kann aber ein Symptom der Addison-Krankheit sein, einer Erkrankung der Nebennieren, und gehört dann in die ärztliche Abklärung (MedlinePlus, 2025).

Lust auf Chips beim Film ist erst einmal Heißhunger wie jeder andere, also ein starkes Verlangen nach einem bestimmten Lebensmittel (Hill, 2007). Ein Beispiel, das MedlinePlus (2025) beschreibt, führt zu einer Erkrankung, die ärztlich abgeklärt gehört.
Bei der Addison-Krankheit bilden die Nebennieren nicht genug Hormone (MedlinePlus, 2025). Zu diesen Hormonen gehört Aldosteron, das unter anderem den Natriumhaushalt regelt (MedlinePlus, 2025). Das US-Gesundheitslexikon MedlinePlus (2025) nennt in seiner Symptomliste unter anderem diese Zeichen:
- Salzhunger, also stark nachgesalzenes Essen
- starke Schwäche und Erschöpfung
- Schwindel beim Aufstehen
- Gewichtsverlust bei vermindertem Appetit
Die Beschwerden sind nicht unbedingt ständig vorhanden (MedlinePlus, 2025). Das Beispiel zeigt, warum Salzhunger zusammen mit solchen Zeichen kein Fall für eine Selbstdiagnose ist, sondern für ein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Heißhunger auf Fleisch: Steckt ein Eisenmangel dahinter?
Die Zuordnung von Fleisch zu Eisenmangel ist nicht belegt. Bei Eisenmangel beschrieben ist ein anderes Verlangen, nämlich das nach Eis (Barton u. a., 2010).
Die Logik hinter der Zeile klingt zwingend: Der Körper verlange nach dem Lebensmittel, das den fehlenden Stoff liefert. Genau diese Art der Erklärung stuft Hill (2007) für Heißhunger insgesamt ab. Für Fleisch und Eisen bleibt in der Tabelle deshalb „nicht belegt“ stehen.
Belegt ist dagegen eine Beobachtung, die überrascht. In einer rückblickenden Auswertung von Patientenakten wurden 262 Erwachsene mit Eisenmangel erfasst, die eine Eiseninfusion brauchten (Barton u. a., 2010). Davon berichteten 45,0 % von Pica (Barton u. a., 2010). Von diesen nannten 87,3 % Eis (Barton u. a., 2010). Pica bezeichnet das Essen von Dingen, die keine Lebensmittel sind, etwa Erde oder Papier (MedlinePlus, 2026). Auch Eis gehört dazu, und das Verlangen danach heißt in der Fachsprache Pagophagie (Barton u. a., 2010).
Ein weiteres Detail passt dazu: Wer Pica angab, hatte im Mittel ein niedrigeres Ferritin, einen Wert des Eisenhaushalts (Barton u. a., 2010). Auch das US-Lexikon MedlinePlus (2026) hält einen Zusammenhang für möglich. In manchen Fällen kann ein Mangel an Nährstoffen wie Eisen und Zink das ungewöhnliche Verlangen auslösen (MedlinePlus, 2026).
Was die Auswertung nicht zeigt, ist ebenso wichtig. Sie umfasste nur Menschen mit Eisenmangel, die eine Infusion brauchten, und sagt deshalb nicht, wie sicher Eishunger einen Mangel anzeigt (Barton u. a., 2010). Wer täglich Eiswürfel kaut, hat damit einen guten Grund für ein Gespräch in der Praxis, aber noch keinen Befund.
Welche Beschwerden außerdem zu einem Eisenmangel passen können, fasst der Beitrag zu den Symptomen bei Eisenmangel zusammen.
Woher kommt Heißhunger, wenn kein Mangel vorliegt?
Die Forschung nennt Ursachen, die im Kopf und im Alltag liegen. Hill (2007) beschreibt neben gedanklichen Prozessen auch erlernte Reaktionen auf Reize und gedrückte Stimmung.
Den gedanklichen Teil kennst du schon aus dem Kapitel über Süßes: Wer sich ein Lebensmittel verbietet, verlangt laut Hill (2007) stärker danach.
Erlernte Reaktionen auf Reize heißen in der Fachsprache Konditionierung. Gemeint ist ein Verlangen, das sich an einen Auslöser gebunden hat, etwa an den Fernsehabend oder an den Weg an der Bäckerei vorbei. Gedrückte Stimmung ist der dritte Vorgang, den Hill (2007) hervorhebt, und der Griff zur Schokolade nach einem schlechten Tag passt in dieses Bild.
Ein messbares Beispiel liefert der Schlaf. In einer randomisierten Kreuzstudie, bei der jeder Teilnehmer beide Schlafbedingungen durchlief, schliefen 12 gesunde junge Männer je 2 Tage verkürzt und 2 Tage verlängert (Spiegel u. a., 2004). Nach dem verkürzten Schlaf zeigten sich im Mittel diese Veränderungen:
- Leptin, ein sättigendes Hormon, sank um 18 % (Spiegel u. a., 2004).
- Ghrelin, ein appetitanregendes Hormon, stieg um 28 % (Spiegel u. a., 2004).
- Der Hunger nahm um 24 % zu (Spiegel u. a., 2004).
- Der Appetit nahm um 23 % zu (Spiegel u. a., 2004).
Die Studie beschreibt einen Zusammenhang und keinen Beweis (Spiegel u. a., 2004). Hunger und Appetit beruhen zudem auf der Selbsteinschätzung der Teilnehmer. Mehr zur Sättigung im Alltag steht im Beitrag über ein fehlendes Sättigungsgefühl.
Auch Stress wird mit dem Essverhalten in Verbindung gebracht. Vermittelt werden könnte das über die Stresshormonachse und den Blutzuckerstoffwechsel (Yau & Potenza, 2013). Beim Schokoladenhunger um die Periode sind die Hormone laut Hormes & Rozin (2009) dagegen wohl nicht die Hauptursache.
Von diesem gezielten Verlangen zu unterscheiden ist Hunger, der den ganzen Tag anhält und auch nach dem Essen nicht nachlässt. Um ihn und die Frage der Veranlagung geht es im Beitrag zu Hunger trotz Essen. Hier geht es um Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel.
Kapitel auf einen Blick
Hinter Heißhunger ohne Mangel vermutet Hill (2007) erlernte Reaktionen auf Reize und gedrückte Stimmung. Diäten und Verzicht machen Heißhunger laut Hill (2007) wahrscheinlicher. Nach verkürztem Schlaf stiegen bei 12 jungen Männern Hunger und Appetit (Spiegel u. a., 2004). Stress kann Essmuster verändern, auf welchen Wegen, ist bislang nur vermutet (Yau & Potenza, 2013).
Welche Blutwerte klären einen vermuteten Mangel?
Bei Pica kann die Praxis laut MedlinePlus (2026) Eisen und Zink im Blut bestimmen und auf Blutarmut testen. Wer einen Mangel vermutet, lässt die Werte prüfen, statt nach der Tabelle zu essen.
Einen einzelnen Test für Pica gibt es nicht (MedlinePlus, 2026). Weil Pica bei bestimmten Nährstoffmängeln auftreten kann, bestimmt die Praxis unter Umständen die Blutwerte und kann zusätzlich prüfen, ob eine Blutarmut vorliegt (MedlinePlus, 2026). Für die übrigen Zeilen der Tabelle gilt dasselbe Prinzip: Das Verlangen ist der Anlass für die Frage, die Klärung gehört in die Untersuchung.
Was ein Magnesiumwert im Blut zeigt, behandelt ein eigener Beitrag zum Magnesium im Blut.
Für das Gespräch in der Praxis lohnt eine kurze Notiz. Schreib auf, worauf sich das Verlangen richtet und seit wann es besteht. Kommen weitere Zeichen hinzu, etwa Schwindel beim Aufstehen, gehören sie ebenfalls auf den Zettel.
Eine Möglichkeit, das Gespräch vorzubereiten, ist ein Bluttest für zu Hause. Der VitalCheck von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) misst neben Ferritin auch Eisen und Transferrin, also Werte des Eisenhaushalts. Außerdem enthält er Magnesium und Zink. Die Probe ist Kapillarblut, das du per Fingerpieks zu Hause selbst entnimmst, ausgewertet wird sie in einem Fachlabor in Deutschland.
Der Test liefert eine Momentaufnahme, keine Diagnose. Ein auffälliger Wert bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung, sondern dass sich ein zweiter Blick lohnt, am besten gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Ein Blutbild enthält der VitalCheck nicht, und eine Untersuchung auf die Addison-Krankheit ist er auch nicht. Er dient der Vorbereitung auf das Arztgespräch und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
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Der VitalCheck misst neben Ferritin auch Eisen und Transferrin. Außerdem enthält er Magnesium und Zink. Er liefert eine Momentaufnahme und keine Diagnose, ein Blutbild ist nicht enthalten.
Laborauswertung 3–5 Werktage nach Probeneingang
Stand der Angaben: 20.10.2026
Zum VitalCheckGrenzen: Was die Studien zum Heißhunger nicht zeigen
Die Belege stammen aus Übersichtsarbeiten und Einzelstudien, ein Teil davon aus den USA. Keine davon sagt dir, ob dir persönlich etwas fehlt.
Die Übersicht zur Schokolade stammt von 1999 (Bruinsma & Taren, 1999). Die Übersicht zur Psychologie des Heißhungers erschien 2007 und widerlegt keine einzelne Zuordnung ausdrücklich, sondern stuft die Nährstoff-Erklärung allgemein ab (Hill, 2007). Die Übersicht zu Stress von 2013 blickt vor allem auf Übergewicht und formuliert vorsichtig (Yau & Potenza, 2013).
Die Schlafstudie umfasste nur 12 junge Männer und hat den Energieverbrauch nicht gemessen (Spiegel u. a., 2004). Sie lief kurz und unter kontrollierten Bedingungen, Frauen waren nicht dabei.
Die Zahlen zum Schokoladenhunger kommen aus einer Befragung an einer US-Universität und lassen sich nicht auf Deutschland übertragen (Hormes & Rozin, 2009). Die Pica-Auswertung betraf nur Menschen mit Eisenmangel, die eine Infusion brauchten, und kann nicht beantworten, wie verbreitet Eishunger ohne Eisenmangel ist (Barton u. a., 2010).
Die Angaben zu Pica (MedlinePlus, 2026) und zur Addison-Krankheit (MedlinePlus, 2025) stammen aus einem US-Laienlexikon. Der VitalCheck schließlich liefert eine Momentaufnahme: Er zeigt deine Werte zum Zeitpunkt der Probe, nicht ihren Verlauf.
Heißhunger und Mangel: Was bleibt von der Tabelle?
Von der Tabelle bleibt weniger, als sie verspricht. Für Schokolade ist Magnesium eine Vermutung (Bruinsma & Taren, 1999), für Eis ist ein Zusammenhang mit Eisenmangel beschrieben (Barton u. a., 2010). Salzhunger mit weiteren Zeichen gehört in die Praxis, und der Rest ist Heißhunger, wie ihn die Forschung kennt. Ob dir etwas fehlt, zeigt nicht der Appetit, sondern eine Messung, die du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprichst.
Häufige Fragen
Wie verbreitet ist Heißhunger?
Sehr verbreitet: Laut Hill (2007) berichtet die Mehrheit junger Erwachsener von Heißhunger. Gemeint ist ein starkes Verlangen nach einem bestimmten Lebensmittel, das vom Genuss getrieben ist, und nicht ein allgemeiner Hunger. Für Schokolade allein nennen Hormes & Rozin (2009) etwa die Hälfte der US-amerikanischen Frauen. Diese Zahl stammt aus den USA und lässt sich nicht auf Deutschland übertragen, sie zeigt aber, wie normal das Verlangen ist.
Was ist Pica?
Pica ist ein Muster, bei dem Menschen Dinge essen, die keine Lebensmittel sind, etwa Erde oder Papier (MedlinePlus, 2026). Auch Eis gehört dazu. Damit die Diagnose passt, muss das Muster laut MedlinePlus (2026) mindestens 1 Monat anhalten. In manchen Fällen kann ein Mangel an Nährstoffen wie Eisen und Zink das ungewöhnliche Verlangen auslösen (MedlinePlus, 2026). Pica kann laut MedlinePlus (2026) auch bei Erwachsenen vorkommen, die eine bestimmte Konsistenz im Mund suchen.
Ändert sich Schokoladenhunger nach den Wechseljahren?
Ja, aber in geringem Maß. In einer Befragung von Absolventinnen derselben US-Universität vor und nach den Wechseljahren ging Schokoladenhunger um 13,4 % zurück (Hormes & Rozin, 2009). Bei einer rein hormonellen Ursache hätten die Autoren einen Rückgang um 38 % erwartet (Hormes & Rozin, 2009). Sie schließen daraus, dass die weiblichen Fortpflanzungshormone wohl nicht die Hauptursache des Schokoladenhungers um die Periode sind. Einen Nährstoffmangel hat die Befragung nicht geprüft.
Verstärken Diäten den Heißhunger?
Im Allgemeinen ja: Diäten und gezügeltes Essen erhöhen laut Hill (2007) die Wahrscheinlichkeit von Heißhunger. Wer versucht, auf ein bestimmtes Lebensmittel zu verzichten, verlangt nach Hill (2007) stärker danach. Fasten dagegen lässt Heißhunger wie den Hunger abklingen (Hill, 2007), was kein Rat zum Fasten ist, sondern ein Befund. Die Querschnittsstudien zu Diäten, also Erhebungen zu einem einzigen Zeitpunkt, nennt die Übersicht allerdings uneinheitlich und wenig überzeugend (Hill, 2007).
Kann Stress Heißhunger auslösen?
Möglicherweise, aber die Belege sind vorsichtig formuliert. Laut Yau & Potenza (2013) verändert unkontrollierbarer Stress Essmuster und den Verzehr sehr schmackhafter Lebensmittel. Wie stark das ausfällt, könnte laut derselben Übersicht von individuellen Unterschieden und der Art des Stresses abhängen (Yau & Potenza, 2013). Über Nährstoffmangel sagt die Arbeit nichts, sie blickt vor allem auf Übergewicht (Yau & Potenza, 2013).
Nächster Schritt
Eisenhaushalt und Mineralstoffe messen lassen
Der VitalCheck misst Werte des Eisenhaushalts und Mineralstoffe wie Magnesium und Zink aus Kapillarblut. Den Befund besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Zum VitalCheck Was der Magnesiumwert im Blut zeigt Ein eigener Beitrag zum Magnesium im BlutWeiterlesen
Quellen
- Hill A. J.: The psychology of food craving, Proceedings of the Nutrition Society (Stand 2007) – europepmc.org
- Bruinsma K., Taren D. L.: Chocolate: food or drug?, Journal of the American Dietetic Association (Stand 1999) – europepmc.org
- Barton J. C. u. a.: Pica associated with iron deficiency or depletion, BMC Blood Disorders (Stand 2010) – europepmc.org
- Spiegel K. u. a.: Sleep curtailment in healthy young men is associated with decreased leptin levels, elevated ghrelin levels, and increased hunger and appetite, Annals of Internal Medicine (Stand 2004) – europepmc.org
Die Einordnung der Nährstoff-Erklärung und die Angaben zu Diäten und Verzicht stützen sich auf [1]. Schokolade und Magnesium beruhen auf [2]. Die Zahlen zu Pica bei Eisenmangel stammen aus [3], die Werte zum verkürzten Schlaf aus [4]. Die Befragung zum Schokoladenhunger nach den Wechseljahren stammt von Hormes & Rozin (2009), die Angaben zu Stress aus der Übersicht von Yau & Potenza (2013). Pica beschreibt MedlinePlus (2026), die Addison-Krankheit MedlinePlus (2025), jeweils im Lexikon der US-amerikanischen National Library of Medicine. Alle Quellen wurden am 20.10.2026 abgerufen. Die Angaben zum VitalCheck geben die Testbeschreibung von mybody®x wieder, Stand der Angaben: 20.10.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Ernährung Blutwerte
Das Redaktions- und Fachteam von mybody®x ordnet Studien und Fachquellen zu Ernährung und Blutwerten für den Alltag ein. Jede Zahl in diesem Beitrag steht mit Quelle und Jahr im Text. Mehr über das Team auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 20.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 20.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.
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