Klassische Genetik: die Mendelschen Regeln mit Aufgaben und Lösungen
3. Oktober 2026ca. 17 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Die Mendelschen Regeln beschreiben, wie Merkmale von Eltern auf Nachkommen übergehen; Mendel veröffentlichte seine Kreuzungsversuche 1866. Wahrscheinlichkeiten rechnest du mit dem Kreuzungsschema: Du trägst die Keimzellen beider Eltern, also Pollen und Eizellen, gegeneinander auf und zählst die Felder. Tragen beide Eltern beide Fassungen (mischerbig), zeigt rechnerisch 1/4, also 25 Prozent der Nachkommen, das rezessive Merkmal (Mendel, 1866; eigene Rechnung, 2026).
Uniformitätsregel: Kreuzt man reinerbige Eltern, die ein Merkmal in verschiedener Form tragen, sehen alle Nachkommen der ersten Generation gleich aus (Mendel, 1866).
Spaltungsregel: In der zweiten Generation taucht das rezessive Merkmal unverändert wieder auf, im Mittel im Verhältnis 2,98 : 1, also 3 : 1 (Mendel, 1866).
Unabhängigkeitsregel: Zwei Merkmalspaare werden unabhängig voneinander weitergegeben (Mendel, 1866), woraus sich rechnerisch das Verhältnis 9 : 3 : 3 : 1 ergibt.
In diesem Artikel
Was hat Mendel 1866 über seine Kreuzungsversuche veröffentlicht?
Mendel beschrieb in seiner Arbeit „Versuche über Pflanzen-Hybriden“, wie sich die Merkmale gekreuzter Pflanzen über die folgenden Generationen verteilen; vorgetragen hat er sie am 8. Februar und 8. März 1865, gedruckt wurde sie 1866 (Mendel, 1866). Hybriden sind Mischlinge, also Nachkommen zweier verschiedener Pflanzen.
Sein Vorgehen lässt sich an der Arbeit selbst ablesen. Er kreuzte Pflanzen, die sich in einem klar erkennbaren Merkmal unterschieden, etwa in der Form oder der Farbe der Samen; kreuzen heißt hier, eine Pflanze mit dem Blütenstaub einer anderen zu bestäuben. Ein Merkmal ist eine sichtbare Eigenschaft. Dann zählte er bei den Mischlingen und bei deren Nachkommen die Samen jeder Form. Am Ende fasste er die Ergebnisse aller Versuche zusammen (Mendel, 1866).
Für das, was er sah, prägte er zwei Wörter. Dominant nannte er Merkmale, die bei der Kreuzung ganz oder fast unverändert auf die Mischlinge übergehen und deren Aussehen bestimmen (Mendel, 1866). Rezessiv nannte Mendel Merkmale, die bei den Mischlingen zurücktreten und bei deren Nachkommen unverändert wieder auftauchen.
Eine Gegenprobe gehörte dazu: Es ist gleich, ob das dominante Merkmal von der Samenpflanze oder von der Pollenpflanze kommt (Mendel, 1866). Die Samenpflanze trägt die Samen, die Pollenpflanze liefert den Blütenstaub. Die Rollen der Eltern lassen sich also tauschen, ohne dass sich das Ergebnis ändert.
Rezessiv nannte Mendel Merkmale, die bei den Mischlingen zurücktreten und bei deren Nachkommen unverändert wieder auftauchen (sinngemäß nach Mendel, 1866).
Ein Hinweis zu den Wörtern: Mendel spricht von Merkmalen und Keimzellen, also den Zellen, über die eine Pflanze ihre Anlagen weitergibt, wie Pollen und Eizellen. Gene, also Abschnitte der Erbinformation, kommen in seinem Text nicht vor, Allele auch nicht; Allele sind laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) verschiedene Fassungen eines Gens. Mendels Sätze stehen hier sinngemäß nach der englischen Fassung auf MendelWeb, nicht in seinem deutschen Wortlaut.
Welche Grundbegriffe der Genetik braucht eine Kreuzung?
Für jede Kreuzungsaufgabe brauchst du zwei Gegensatzpaare: Ein Allel ist dominant oder rezessiv, eine Pflanze ist reinerbig oder mischerbig. Dazu kommt der Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp.
Ausgangspunkt sind die zwei Kopien eines Gens, die laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) in jeder Zelle vorliegen. Ein dominantes Allel prägt das Aussehen schon, wenn eine Kopie es trägt; ein rezessives zeigt sich nur, wenn beide Kopien es tragen (NLM, 2021). Das ist Mendels Begriffspaar, übersetzt in heutige Sprache.
Ob die beiden Kopien gleich sind, beschreiben zwei Wörter. Homozygot heißt laut DWDS (BBAW, 2026) „mit gleichen mütterlichen und väterlichen Erbanlagen versehen, reinerbig“, heterozygot „mit ungleichartigen mütterlichen und väterlichen Erbanlagen versehen; mischerbig“. Auf die zwei Kopien eines Gens übertragen: Eine reinerbige Pflanze trägt zweimal dasselbe Allel, eine mischerbige zwei verschiedene.
Für die Rechnung steht ein Großbuchstabe für das dominante Allel, ein Kleinbuchstabe für das rezessive, etwa A für runde und a für runzlige Samen. Auch Mendel rechnete mit solchen Buchstaben (Mendel, 1866). AA und aa sind reinerbig. Aa ist mischerbig und bildet trotzdem runde Samen, weil A dominant ist.
Daraus folgt der wichtigste Unterschied. Der Genotyp ist die Kombination der Allele, die eine Pflanze trägt, der Phänotyp ihr sichtbares Merkmal; AA und Aa haben verschiedene Genotypen und denselben Phänotyp. Mehr zu Genotyp und Phänotyp steht in einem eigenen Beitrag.
Kernaussage
Am Aussehen allein erkennst du nicht, ob eine Pflanze reinerbig oder mischerbig ist.
Für die Generationen gibt es Kürzel: Die Eltern einer Kreuzung bilden die Parentalgeneration (P), ihre Nachkommen die erste Tochtergeneration (F1). Ein Kreuzungsschema ist eine Tabelle, in der die Keimzellen des einen Elternteils als Zeilen und die des anderen als Spalten stehen; jedes Feld zeigt einen möglichen Nachkommen. Das Schema rechnet mit der Annahme, dass jede Keimzelle eine der beiden Kopien erhält, beide mit gleicher Wahrscheinlichkeit.
Wie sich solche Allele beim Menschen in Stammbäumen zeigen, behandelt der Beitrag über Erbgänge beim Menschen: dort die Erbgänge und Grundbegriffe im Detail, hier die Regeln und das Kreuzungsschema.
Was besagt die Uniformitätsregel, Mendels erste Regel?
Kreuzt man reinerbige Eltern, die ein Merkmal in verschiedener Form tragen, sehen alle Nachkommen der F1 gleich aus und zeigen das dominante Merkmal (Mendel, 1866). Heute heißt diese Beobachtung Uniformitätsregel; uniform bedeutet einheitlich.
Ein Beispiel Mendels stammt aus einer Kreuzung, bei der sich die Eltern in Samenform und Samenfarbe unterschieden. Alle befruchteten Samen der ersten Kreuzung sahen rund und gelb aus wie die der Samenpflanze (Mendel, 1866). Rund ist bei der Form also dominant, gelb bei der Farbe.
Kleines Schema: reinerbig rund × reinerbig runzlig
Eltern (P) AA mit runden Samen, gekreuzt mit aa mit runzligen Samen.
Keimzellen Die AA-Pflanze bildet nur Keimzellen mit A, die aa-Pflanze nur solche mit a.
Nachkommen (F1) Jede Verbindung ergibt Aa, also mischerbig mit runden Samen.
Wahrscheinlichkeit Rechnerisch 4 von 4 Feldern, also 4/4 oder 100 Prozent Aa (eigene Rechnung, 2026).
Für spätere Aufgaben zählt ein Detail: Die F1 sieht einheitlich aus, trägt das rezessive Allel aber verdeckt in sich. Darum lohnt der Blick auf die nächste Generation.
Was besagt die Spaltungsregel, Mendels zweite Regel?
Kreuzt man die mischerbigen F1-Pflanzen untereinander, spaltet sich die nächste Generation auf: Über alle Versuche fand Mendel zwischen dominantem und rezessivem Merkmal ein mittleres Verhältnis von 2,98 : 1, also 3 : 1 (Mendel, 1866).

Diese Nachkommen heißen zweite Tochtergeneration (F2). In ihr taucht das rezessive Merkmal unverändert wieder auf, obwohl es bei den Mischlingen verschwunden war (Mendel, 1866). Daher der heutige Name Spaltungsregel: Die F2 spaltet sich in zwei Erscheinungsformen auf.
Für das Schema kreuzt du Aa mit Aa. Jeder Elternteil bildet Keimzellen mit A oder mit a, rechnerisch je zur Hälfte. Die Tabelle stellt beide Sorten gegeneinander.
Kreuzungsschema Aa × Aa · Samenform
| Keimzelle | A | a |
|---|---|---|
| A | AA · rund, reinerbig | Aa · rund, mischerbig |
| a | Aa · rund, mischerbig | aa · runzlig, reinerbig |
Eigene Darstellung: Zeilen und Spalten zeigen die Keimzellen der beiden mischerbigen Eltern. Rechnerisch ergibt das 3 : 1, gezählt hat Mendel im Mittel 2,98 : 1 (Mendel, 1866).
Jetzt zählst du die Felder. Oben links steht AA, ein Feld von vier, rechnerisch 1/4 oder 25 Prozent (eigene Rechnung, 2026). Zwei Felder zeigen Aa, das sind 2/4, also 50 Prozent mischerbige Nachkommen (eigene Rechnung, 2026). Unten rechts bleibt aa, das einzige Feld mit runzligen Samen.
Für das Aussehen fasst du zusammen. AA und Aa bilden runde Samen, rechnerisch 3/4 oder 75 Prozent, runzlig bleibt bei 1/4, also 25 Prozent, und das ergibt 3 : 1 (eigene Rechnung, 2026). Den Wert für aa bekommst du auch ohne Tabelle: 1/2 für a vom einen Elternteil mal 1/2 vom anderen ergibt rechnerisch 1/4, also 25 Prozent (eigene Rechnung, 2026). Mendels gemittelte 2,98 : 1 entsprechen rund 74,9 Prozent dominanter Formen (Mendel, 1866; eigene Rechnung, 2026), sehr nah an 75 Prozent.
Dass ein Merkmal in der F1 unsichtbar bleibt und in der F2 zurückkehrt, steckt hinter der Frage, warum Merkmale eine Generation überspringen können.
Was besagt die Unabhängigkeitsregel, Mendels dritte Regel?
Zwei Merkmalspaare werden unabhängig voneinander weitergegeben: Jedes Merkmalspaar verhält sich unabhängig von den übrigen Unterschieden der Ausgangspflanzen (Mendel, 1866). Heute heißt das Unabhängigkeitsregel.
Mendel zeigte das an Samenform und Samenfarbe zugleich. Die Pflanzen aus den runden, gelben Samen der ersten Kreuzung lieferten vier Sorten, 315 rund-gelb, 101 runzlig-gelb, 108 rund-grün und 32 runzlig-grün, zusammen 556 Samen (Mendel, 1866).
Für die Nachkommen solcher Mischlinge schrieb Mendel eine Kombinationsreihe auf, also eine Summe, in der sich die Reihen beider Merkmale verbinden: AB + Ab + aB + ab + 2ABb + 2aBb + 2AaB + 2Aab + 4AaBb (Mendel, 1866). Ein einzelner Buchstabe steht darin für ein reinerbiges Merkmal, ein Paar wie Aa für ein mischerbiges. Die Reihe hat 9 Klassen mit zusammen 16 Anteilen (Mendel, 1866).
Wie ergibt sich das Verhältnis der vier Sorten rechnerisch?
Setze A für rund und B für gelb und sortiere die Klassen nach dem Aussehen. Rund und gelb sind AB, 2ABb, 2AaB und 4AaBb, zusammen 1 + 2 + 2 + 4 = 9 Anteile. Rund und grün sind Ab und 2Aab mit 3 Anteilen, runzlig und gelb aB und 2aBb, ebenfalls 3. Runzlig und grün ist nur ab mit 1 Anteil, und so entsteht rechnerisch 9 : 3 : 3 : 1 aus Mendels Reihe (Mendel, 1866).
Dasselbe liefert die Produktregel, nach der man Wahrscheinlichkeiten unabhängiger Ereignisse multipliziert. Rund und gelb ergibt rechnerisch 3/4 × 3/4 = 9/16, also 56,25 Prozent (eigene Rechnung, 2026). Für rund und grün rechnest du 3/4 × 1/4 = 3/16 oder 18,75 Prozent, für runzlig und grün 1/4 × 1/4 = 1/16, also 6,25 Prozent (eigene Rechnung, 2026).
Passen Mendels Zählungen dazu? Von 556 Samen wären rechnerisch 556 × 9/16 = 312,75, also rund 313 rund-gelbe zu erwarten, dazu je rund 104 rund-grüne und runzlig-gelbe sowie rund 35 runzlig-grüne; gezählt hat Mendel 315, 101, 108 und 32 (Mendel, 1866; eigene Rechnung, 2026). Auch jedes Paar für sich folgt der Spaltungsregel: Rund gegen runzlig ergibt rechnerisch (315 + 108) : (101 + 32) = 423 : 133, rund 3,18 : 1, gelb gegen grün (315 + 101) : (108 + 32) = 416 : 140, rund 2,97 : 1 (Mendel, 1866; eigene Rechnung, 2026).
Mendels Zählung von 1866: zwei Merkmale, 556 Samen
315
Samen rund und gelb (Mendel, 1866)
101
Samen runzlig und gelb (Mendel, 1866)
108
Samen rund und grün (Mendel, 1866)
32
Samen runzlig und grün (Mendel, 1866)
Quelle: Mendel, Versuche über Pflanzen-Hybriden, 1866 (englische Fassung auf MendelWeb)
Wie löst du Genetik-Aufgaben zur Kreuzung Schritt für Schritt?
In vier Schritten: Genotypen der Eltern notieren, Keimzellen bilden, das Schema füllen, dann die Felder zählen und als Bruch und Prozent angeben. Beide Aufgaben nutzen Merkmale aus Mendels Versuchen, in denen die einheitlich runden, gelben Samen der ersten Kreuzung rund und gelb als dominant ausweisen (Mendel, 1866).
Aufgabe 1: Wie wahrscheinlich ist ein grüner Samen bei mischerbigen Eltern?
Zwei Pflanzen aus gelben Samen sind beide mischerbig für die Samenfarbe, also Bb; B steht für gelb, b für grün. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nachkomme grüne Samen bildet?
Lösung: Die Eltern sind Bb × Bb. Jeder bildet Keimzellen mit B oder b, rechnerisch je 1/2. Das Schema ergibt vier Felder, BB, Bb, bB und bb, und grün ist nur bb. Rechnerisch ist das 1/2 × 1/2 = 1/4, also 25 Prozent, gelb sind die übrigen 3/4 oder 75 Prozent (eigene Rechnung, 2026).
Zusatzfrage: Ein Nachkomme bildet gelbe Samen. Wie wahrscheinlich ist er mischerbig? Das ist eine bedingte Wahrscheinlichkeit, also eine Wahrscheinlichkeit unter einer Voraussetzung. Unter den drei gelben Feldern sind zwei Bb, rechnerisch 2/3 oder rund 66,7 Prozent (eigene Rechnung, 2026).
Aufgabe 2: Was ergibt die Rückkreuzung mit einer runzligen Pflanze?
Eine Pflanze aus runden Samen ist mischerbig, Aa. Sie wird mit einer reinerbig runzligen Pflanze, aa, gekreuzt; die Kreuzung mit einem reinerbig rezessiven Partner heißt Rückkreuzung. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit für runzlige Samen?
Lösung: Die Eltern sind Aa × aa. Die mischerbige Pflanze bildet Keimzellen mit A oder a, je zur Hälfte, die runzlige nur solche mit a. Im Schema stehen damit zwei Felder Aa und zwei Felder aa. Rechnerisch sind 2/4 = 1/2, also 50 Prozent der Nachkommen runzlig, die anderen 50 Prozent rund und mischerbig (eigene Rechnung, 2026).
Darin liegt der Nutzen der Rückkreuzung. Wäre die runde Pflanze reinerbig, also AA, entstünden nur Aa-Nachkommen, rechnerisch 0/4 oder 0 Prozent runzlige (eigene Rechnung, 2026). Taucht auch nur ein runzliger Same auf, muss die runde Pflanze das Allel a getragen haben.
Kapitel auf einen Blick
Schreibe zuerst die Genotypen beider Eltern mit Groß- und Kleinbuchstaben auf. Leite daraus die Keimzellen ab, bei Mischerbigen je zur Hälfte mit dem großen und dem kleinen Buchstaben. Fülle das Schema und zähle die Felder mit dem gesuchten Aussehen. Gib das Ergebnis als Bruch an und rechne es in Prozent um.
Gelten die Mendelschen Regeln auch für den Menschen?
Das Grundprinzip trägt auch beim Menschen: Ein Gen liegt in jeder Zelle in zwei Kopien vor, und welche Varianten jemand trägt, hat er von seinen Eltern geerbt, laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2023). Varianten sind verschiedene Fassungen eines DNA-Abschnitts.
„Pflanzensamen haben mit mir nichts zu tun“ ist ein verständlicher Einwand. Der Laktosestoffwechsel zeigt, warum er nicht trägt. Laktase sitzt in den Darmzellen und spaltet Milchzucker in die Zuckerbausteine Glukose und Galaktose (Enattah u. a., 2002).
Das Laktase-Gen LCT wird von einem Regelabschnitt gesteuert, also einem Stück DNA, das regelt, wie aktiv ein Gen ist; er liegt im benachbarten Gen MCM6, laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2023). Etwa 65 Prozent der Menschen können Milchzucker nach dem Säuglingsalter schlechter verwerten (NLM, 2023). Manche Menschen haben Veränderungen im Regelabschnitt geerbt, mit denen die Laktasebildung ein Leben lang bestehen bleibt, die Laktasepersistenz (NLM, 2023).
Hier kommt Mendel ins Spiel. Die Varianten für fortbestehende Laktase gelten laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2023) als dominant vererbt: Eine Kopie je Zelle genügt. Wer sie von keinem Elternteil geerbt hat, bildet im Erwachsenenalter weniger Laktase (NLM, 2023). In Mendels Schreibweise verhält sich die Variante damit wie das runde A aus Mendels Versuchen.
Belegte Fundstelle
„Die Fähigkeit, Milchzucker bis ins Erwachsenenalter zu verdauen, hängt davon ab, welche Varianten im Regelabschnitt innerhalb des Gens MCM6 jemand von seinen Eltern geerbt hat.“
National Library of Medicine (NLM), MedlinePlus Genetics
Lactose intolerance, MedlinePlus Genetics (NLM, 2023), aus dem Englischen übertragen
Eine zweite Quelle beschreibt eine einzelne Variante vor dem Laktase-Gen. Die Variante C/T-13910 liegt rund 14 kb, also rund 14.000 Basenpaare, vor LCT und hängt in finnischen Familien und bei 236 Menschen aus vier Bevölkerungen vollständig mit der nachgewiesenen Laktase-Nichtpersistenz zusammen (Enattah u. a., 2002). Laktase-Nichtpersistenz heißt das Nachlassen der Laktase im Erwachsenenalter; Basenpaare sind die Einheit, in der man DNA-Längen misst. Weil die Variante in entfernt verwandten Bevölkerungen vorkommt, ist sie vermutlich sehr alt (Enattah u. a., 2002).
Mehr zu den zwei Kopien je Gen steht im Beitrag über die Chromosomen des Menschen. Ob jemand eine oder zwei Kopien einer solchen Variante trägt, sieht man von außen nicht, genau wie bei Mendels runden Samen; das steht erst in der DNA.
Was liest ein DNA-Test aus Speichel von deinen Genen?
Ein Speicheltest liest den Genotyp an vorab festgelegten Stellen der DNA, also welche Varianten dort vorliegen. Er stellt keine Diagnose und untersucht keine Erbkrankheiten.
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In Mendels Sprache liest der Test damit den Genotyp: welche zwei Fassungen an einer Stelle stehen. Ausgewertet werden 140 Genvariationen (mybody®x, 2026), darunter die Analyse „Der Laktosestoffwechsel“ mit dem Gen MCM6, das das Laktase-Gen LCT reguliert. Sie beschreibt eine Veranlagung, keine Festlegung.
Der Test wird einmal im Leben gemacht, ausgewertet in einem Fachlabor in Deutschland. Er schreibt dir nichts vor: Es gibt keinen Diätplan und keine Verbote, so die Produktangaben (mybody®x, 2026). Den Unterschied der Verfahren erklärt der Beitrag Genotypisierung oder Sequenzierung.
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Liest per SNP-Genotypisierung 140 Genvariationen aus einer Speichelprobe (mybody®x, 2026), darunter die Analyse „Der Laktosestoffwechsel“ mit MCM6 als Veranlagung. Ausgewertet in einem Fachlabor in Deutschland, einmal im Leben. Er ist kein diagnostisches Verfahren und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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Stand der Angaben: 03.10.2026
Zum INFINITY DNA-TestGrenzen: Wann greifen die Mendelschen Regeln nicht?
Die Regeln passen auf Merkmale, bei denen ein Allel das andere verdeckt; nicht jedes Merkmal folgt diesem Muster. Bei kodominanter Vererbung werden laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) zwei verschiedene Fassungen eines Gens beide abgelesen, und jede ergibt ein etwas anderes Protein, also einen etwas anderen Eiweißstoff. Als Beispiel nennt die Quelle das AB0-Blutgruppensystem (NLM, 2021).
Für Erkrankungen, die aus dem Zusammenwirken mehrerer Gene entstehen, polygen genannt, oder aus Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt, hält MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) fest, dass sie den einfachen Erbmustern in der Regel nicht folgen. Ein Schema mit zwei Buchstaben bildet solche Fälle nicht ab.
Mendels Zahlen sind Zählungen an Pflanzen, und 2,98 : 1 ist ein Mittel über alle Versuche (Mendel, 1866). Eine rechnerische Wahrscheinlichkeit von 1/4, also 25 Prozent (eigene Rechnung, 2026), heißt deshalb nicht, dass von vier Nachkommen genau einer das rezessive Merkmal zeigt; sie beschreibt einen erwarteten Anteil.
Für den DNA-Test gilt eine eigene Grenze: Er ist kein diagnostisches Verfahren und ersetzt keine ärztliche Beratung (mybody®x, 2026). Wer wegen einer Erkrankung in der Familie fragt, ist in einer ärztlichen oder humangenetischen Beratung richtig, nicht bei einem Kreuzungsschema.
Was bleibt von Mendels Versuchen für die Genetik heute?
Mendel hat aus gezählten Samen eine Rechenmethode gemacht, und mit ihr lösen sich Kreuzungsaufgaben bis heute. Wer die Keimzellen sauber aufschreibt und die Felder zählt, kommt ohne Auswendiglernen zum Ergebnis. Und Mendels Pflanzen haben mit dir mehr zu tun, als der erste Einwand vermutet: Auch deine Gene liegen in zwei Kopien vor, eine von jedem Elternteil.
Häufige Fragen
Wie berechne ich eine Wahrscheinlichkeit in der Genetik?
Du multiplizierst die Wahrscheinlichkeiten der Keimzellen. Ein mischerbiger Elternteil gibt das rezessive Allel rechnerisch mit 1/2 weiter, der andere ebenfalls; für einen reinerbig rezessiven Nachkommen ergibt das 1/2 × 1/2 = 1/4, also 25 Prozent (eigene Rechnung, 2026). Bei zwei unabhängigen Merkmalen multiplizierst du noch einmal, etwa 1/4 × 1/4 = 1/16, also 6,25 Prozent (eigene Rechnung, 2026). Die Unabhängigkeit, auf der das beruht, beschrieb Mendel an Samenform und Samenfarbe (Mendel, 1866).
Was ist der Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp?
Der Genotyp ist die Kombination der Allele, die ein Lebewesen trägt, der Phänotyp das Merkmal, das sich daraus zeigt. Eine Pflanze mit runden Samen kann AA oder Aa tragen; beide Genotypen ergeben denselben Phänotyp, weil rund dominant ist. Mendel sah das an den Mischlingen, die das rezessive Merkmal verdeckt weitergaben, bis es bei deren Nachkommen unverändert wieder auftauchte (Mendel, 1866). Ein DNA-Test aus Speichel liest den Genotyp.
Ist ein dominantes Merkmal automatisch weiter verbreitet?
Nein. Dominant beschreibt, welches Merkmal sich bei Mischerbigen zeigt, nicht, wie verbreitet es ist. Die Varianten für fortbestehende Laktase gelten als dominant, trotzdem können laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2023) etwa 65 Prozent der Menschen Milchzucker nach dem Säuglingsalter schlechter verwerten. Bei Menschen nordeuropäischer Herkunft sind es laut derselben Quelle nur etwa 5 Prozent (NLM, 2023).
Warum weichen Mendels Zahlen vom Kreuzungsschema ab?
Weil das Schema erwartete Anteile angibt und keine festen Stückzahlen. Welche Keimzellen tatsächlich zusammenkommen, folgt dem Zufall, daher streuen echte Zählungen um den erwarteten Wert. Über alle Versuche ergab sich ein mittleres Verhältnis von 2,98 : 1 statt genau 3 : 1 (Mendel, 1866); in der Zweimerkmalskreuzung lagen 315 : 101 : 108 : 32 nahe am rechnerischen 9 : 3 : 3 : 1 (Mendel, 1866).
Wie groß ist ein Kreuzungsschema mit zwei Merkmalen?
Bei zwei mischerbigen Eltern, AaBb × AaBb, bildet jeder Elternteil vier Sorten Keimzellen, AB, Ab, aB und ab, rechnerisch je 1/4, also 25 Prozent (eigene Rechnung, 2026). Das Schema hat damit 4 × 4 = 16 Felder. Auf dieselben 16 Anteile kommt Mendels Kombinationsreihe mit 9 Klassen (Mendel, 1866). Nach dem Aussehen sortiert ergeben die Felder rechnerisch 9 : 3 : 3 : 1, wie im Kapitel zur Unabhängigkeitsregel gezeigt.
Nächster Schritt
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Quellen
- Mendel G.: Versuche über Pflanzen-Hybriden, englische Fassung „Experiments in Plant Hybridization“ auf MendelWeb (Stand 1866) – cs.brown.edu
- National Library of Medicine (NLM), MedlinePlus Genetics: Lactose intolerance (Stand 2023) – medlineplus.gov
- Enattah N. S. u. a.: Identification of a variant associated with adult-type hypolactasia, Nature Genetics (Stand 2002) – europepmc.org
- Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS, BBAW): Einträge homozygot und heterozygot (Stand 2026) – dwds.de/wb/homozygot · dwds.de/wb/heterozygot
Mendels Vorgehen, Begriffe und Zählungen stützen sich auf [1]; Kreuzungsschemata und Wahrscheinlichkeiten sind eigene Rechenwege auf dieser Grundlage, gekennzeichnet als „eigene Rechnung, 2026“. Die Brücke zum Laktosestoffwechsel beruht auf [2] und [3], die Wörter reinerbig und mischerbig auf [4]. Für Allele und kodominante Vererbung gilt MedlinePlus Genetics: What are the different ways a genetic condition can be inherited? (NLM, 2021); dieselbe Seite trägt die Grenze bei polygenen Erkrankungen. Die Angaben zum NutriCare | INFINITY DNA-Test stammen aus den Produktangaben von mybody®x. Stand der Angaben: 03.10.2026, Quellen abgerufen am 03.10.2026.
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Veröffentlicht am 03.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 03.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
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Die DNA-Analyse dient der Ernährungs- und Lebensstilberatung. Sie ist kein diagnostisches Verfahren, stellt keine Krankheitsvorhersage dar und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Genetische Varianten beschreiben Wahrscheinlichkeiten in Bevölkerungsgruppen, keine Festlegung für einzelne Personen.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.






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