Epigenetik und Trauma: Was die Forschung über Psyche und Gene weiß
4. Oktober 2026ca. 16 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Epigenetik untersucht laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021), wie Zellen die Aktivität von Genen steuern, ohne die DNA-Sequenz zu verändern. Studien finden nach schwerem Trauma und bei Depression veränderte Methylierungsmuster, etwa im Stressregler-Gen FKBP5. Das sind Forschungsbefunde mit engen Grenzen, kein Test für den Einzelnen. Eine epigenetische Weitergabe an Kinder ist beim Menschen laut Heard und Martienssen (2014) unklar.
Methylgruppen auf einem Gen schalten es laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) ab, die DNA-Sequenz bleibt dabei dieselbe.
Die Holocaust-Studie umfasste 32 Überlebende und 22 erwachsene Nachkommen, und die Methylierung wich bei Eltern und Kindern in entgegengesetzte Richtungen ab (Yehuda u. a., 2016).
Für die meisten Methylierungsorte sagen Unterschiede im Blut die Unterschiede im Gehirn nicht gut voraus (Hannon u. a., 2015).
In diesem Artikel
Was ist Epigenetik, und was ist das Epigenom?
Epigenetik erforscht, wie eine Zelle die Aktivität ihrer Gene regelt, ohne die Abfolge der DNA-Bausteine anzutasten. Die Gesamtheit dieser regelnden Veränderungen im Genom einer Zelle heißt laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) Epigenom.
Die Frage hinter diesem Thema kann sehr persönlich sein. Die Großeltern haben Krieg oder Flucht erlebt, in der Familie wird darüber geschwiegen, und irgendwann taucht der Gedanke auf, ob so etwas in den Genen weitergegeben wird. Andere haben selbst Schweres erlebt und lesen, Erfahrungen hinterließen Spuren in der DNA. Beide Fragen verdienen eine genaue Antwort, und die beginnt bei den Begriffen.
Eine häufige epigenetische Veränderung ist laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) die DNA-Methylierung. Sitzen Methylgruppen, kleine chemische Anhängsel, auf einem Gen, ist dieses Gen abgeschaltet, und die Zelle bildet danach kein Protein (NLM, 2021). Ein Bild dafür: Das Rezept im Kochbuch bleibt Wort für Wort gleich, aber ein Klebezettel mit „heute nicht“ entscheidet, ob danach gekocht wird.
Eine weitere Stellschraube sind die Histone, eine zweite Stelle, an der epigenetische Veränderungen ansetzen. Sie können laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) durch Anfügen oder Entfernen chemischer Gruppen verändert werden, etwa von Methyl- oder Acetylgruppen.
Dazu kommt, dass epigenetische Muster nicht bei allen Menschen gleich sind, nicht einmal innerhalb eines Körpers (NLM, 2021). Als Umwelteinflüsse, die das Epigenom beeinflussen können, nennt MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) die Ernährung und den Kontakt mit Schadstoffen. Bei der Zellteilung können epigenetische Veränderungen außerdem von Zelle zu Zelle erhalten bleiben (NLM, 2021).
Die Grundbegriffe und die Grenzen des Forschungsfelds erklärt der Artikel Was ist Epigenetik? ausführlicher. Wie Zellen ihre Gene an- und abschalten, steht im Beitrag über Genexpression. Hier geht es um eine engere Frage: was Studien zu Trauma und psychischer Gesundheit gefunden haben.
Belegte Fundstelle
„Epigenetik untersucht, wie Zellen die Aktivität von Genen steuern, ohne die DNA-Sequenz zu verändern.“
National Library of Medicine (NLM), MedlinePlus Genetics
„What is epigenetics?“, 2021 · aus dem Englischen übertragen
Epigenetik und Trauma: Was zeigen die Studien zu FKBP5?
Zwei Studien fanden nach Trauma Veränderungen der Methylierung im Gen FKBP5, einmal nach Kindheitstrauma (Klengel u. a., 2013), einmal bei Holocaust-Überlebenden und ihren Kindern (Yehuda u. a., 2016). Beide Befunde haben Grenzen, die zur Aussage dazugehören.
Was fand die Studie zu Kindheitstrauma und FKBP5?
FKBP5 ist laut Klengel u. a. (2013) ein wichtiger Regler des Stresshormonsystems, also der hormonellen Antwort des Körpers auf Belastung. Die Arbeitsgruppe beschreibt eine Genvariante, die das Risiko für stressbedingte psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter erhöhte (Klengel u. a., 2013). Der Weg dahin lief über eine Demethylierung, also das Entfernen von Methylgruppen, in Abschnitten des Gens, die auf Stresshormone ansprechen.
Entscheidend ist die Bedingung. Die Demethylierung trat laut Klengel u. a. (2013) nur bei Trägern dieser bestimmten Variante auf und nur nach einem Trauma in der Kindheit. Der Befund beschreibt also eine Wechselwirkung aus Veranlagung und Kindheitstrauma, keine Wirkung von Trauma allein. Um eine Weitergabe an Kinder geht es in dieser Studie nicht.
Was zeigte die Holocaust-Studie zu Trauma und Methylierung?
Yehuda u. a. (2016) haben die Methylierung im FKBP5-Gen bei 32 Holocaust-Überlebenden und 22 erwachsenen Nachkommen gemessen. Zum Vergleich dienten demografisch vergleichbare Kontrollgruppen mit 8 Eltern und 9 Nachkommen (Yehuda u. a., 2016). Eine solche fest umrissene Studiengruppe heißt in der Forschung Kohorte, eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam untersucht wird.
An einem einzelnen Messort im Gen war die Methylierung bei den Überlebenden höher als bei den Kontrollpersonen, bei den Nachkommen dagegen niedriger (Yehuda u. a., 2016). Die Autoren sehen darin den ersten Nachweis eines Zusammenhangs zwischen einem Trauma der Eltern vor der Zeugung und epigenetischen Veränderungen, der bei Eltern und Kind sichtbar ist. Sie selbst sprechen von einem möglichen Einblick, im Original „potential insight“, wie schweres Trauma über eine Generation wirken kann.
Genauso wichtig sind die Grenzen. Die Kontrollgruppen sind sehr klein, und der Befund betrifft einen einzigen Ort in einem einzigen Gen. Hinzu kommt, dass die Veränderung bei Eltern und Kindern in entgegengesetzte Richtungen weist. Gezeigt ist ein Zusammenhang über eine Generation, kein Vererbungsweg über Keimzellen, also Ei- und Samenzellen.
Kernaussage
Ein Zusammenhang über eine Generation ist noch kein Vererbungsweg.
FKBP5 taucht auch in einem anderen Beitrag auf, dem über Stressachse und DNA. Dort stehen die Stressachse und die Genvariante FKBP5 als Regler im Mittelpunkt, hier die Methylierungsbefunde und ihre Grenzen.
Epigenetik bei PTBS und Depression: Was zeigen Übersichten?
Für die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sprechen laut Zannas u. a. (2015) zunehmende Befunde beim Menschen für eine Rolle epigenetischer Regulation. Für die Depression fand eine systematische Übersicht über 67 Studien insgesamt Zusammenhänge mit der DNA-Methylierung (Li u. a., 2019).
Was wissen Forschende über Epigenetik bei PTBS?
Zur PTBS fassen Zannas u. a. (2015) den Stand so zusammen: Zunehmende Befunde bei Menschen mit PTBS sprechen für eine Rolle der epigenetischen Regulation bestimmter Gene und Signalwege bei der Entstehung der Störung. „Spricht für eine Rolle“ ist vorsichtig formuliert und keine Aussage über Ursache und Wirkung.
Gestützt wird das laut Zannas u. a. (2015) durch Studien zur Angstkonditionierung an Nagetieren. Solche Versuche heißen Tiermodell: Versuche an Tieren, deren Ergebnisse Hinweise für den Menschen liefern sollen. Wie gut sich molekulare Befunde von einer Art auf eine andere übertragen lassen, nennen Zannas u. a. (2015) selbst eine wichtige Grenze.
Zwei weitere Grenzen benennen Zannas u. a. (2015) ebenfalls. Epigenetische Veränderungen sind gewebespezifisch, sie unterscheiden sich also von Gewebe zu Gewebe (Zannas u. a., 2015). Außerdem ist die PTBS über ihr Erscheinungsbild definiert. Als Ausweg schlagen Zannas u. a. (2015) Studien vor, die Hirngewebe Verstorbener mit Tiermodellen verbinden und Veränderungen bei Lebenden über die Zeit verfolgen.
Was zeigt die Forschung zu Methylierung und Depression?
Li u. a. (2019) haben in einer systematischen Übersicht, also einer nach festen Regeln gesammelten Auswertung der Fachliteratur, 67 Studien zusammengetragen. Am häufigsten untersucht war Vollblut, also Blut mit allen seinen Bestandteilen (Li u. a., 2019). Die Studien unterschieden sich stark in Methoden und Aufbau.
Insgesamt fand die Übersicht, dass Veränderungen der DNA-Methylierung mit Depression assoziiert waren, also gemeinsam mit ihr auftraten (Li u. a., 2019). Zu den Genen mit den Kürzeln NR3C1 und OXTR, die nur wenige Studien geprüft hatten, waren die Ergebnisse gemischt (Li u. a., 2019). Die Autoren fordern mehr Verlaufsstudien, die dieselben Menschen über die Zeit begleiten, mit einheitlichen Labormethoden (Li u. a., 2019).
Wie belastbar sind die Befunde zu Epigenetik und Trauma?
Sie sind ernst zu nehmen, aber eng begrenzt. Vier Einwände ziehen sich durch die Befunde, und die Forschenden nennen sie zum Teil selbst.
Wie groß die Untersuchungen waren
32 / 22
Holocaust-Überlebende und erwachsene Nachkommen in der FKBP5-Studie (Yehuda u. a., 2016)
67
Studien zu Methylierung und Depression in der systematischen Übersicht (Li u. a., 2019)
122
Personen mit Proben aus Vollblut und vier Hirnregionen (Hannon u. a., 2015)
Quelle: Yehuda u. a., 2016; Li u. a., 2019; Hannon u. a., 2015
Blut statt Gehirn. Hannon u. a. (2015) haben bei 122 Personen die Methylierung in Vollblut und in vier Hirnregionen derselben Menschen gemessen. Für die meisten Methylierungsorte sagen Unterschiede im Blut die Unterschiede im Gehirn nicht gut voraus (Hannon u. a., 2015). Für den größten Teil des Genoms liefern Blutstudien zu Erkrankungen, bei denen das Gehirn im Mittelpunkt steht, nur begrenzte Information über die zugrunde liegenden Vorgänge (Hannon u. a., 2015).
Kleine Gruppen. In der Holocaust-Studie umfassten die Kontrollgruppen 8 und 9 Personen (Yehuda u. a., 2016). Das sind sehr kleine Vergleichsgruppen, und der Befund betrifft einen einzelnen Messort.
Tiermodelle. Für die PTBS stützt sich ein Teil der Belege auf Versuche an Nagetieren (Zannas u. a., 2015). Molekulare Befunde zwischen Arten zu übertragen, nennen dieselben Autoren eine wichtige Grenze.
Zusammenhang statt Ursache. Die Übersicht zur Depression beschreibt Assoziationen, also gemeinsames Auftreten (Li u. a., 2019). Eine Metaanalyse, eine statistische Gesamtauswertung aller Ergebnisse, war nicht möglich, weil sich die Studien zu stark unterschieden (Li u. a., 2019).
Fünf Studien und ihre Grenzen
| Studie | Untersucht | Zeigt nicht |
|---|---|---|
| Yehuda u. a., 2016 | Methylierung im Gen FKBP5 bei 32 Holocaust-Überlebenden und 22 erwachsenen Nachkommen, Kontrollgruppen mit 8 und 9 Personen (Yehuda u. a., 2016) | Keinen Vererbungsweg über Keimzellen; der Befund betrifft einen einzelnen Messort, die Richtung ist bei Eltern und Kindern gegenläufig |
| Klengel u. a., 2013 | Demethylierung im Gen FKBP5 bei Trägern einer Genvariante nach Kindheitstrauma | Keine Wirkung von Trauma allein, nur das Zusammenspiel mit der Genvariante; keine Weitergabe an Kinder |
| Zannas u. a., 2015 | Übersicht zur Epigenetik der PTBS, gestützt durch Studien an Nagetieren | Keine Aussage über Ursache und Wirkung; die Übertragung zwischen Arten bleibt schwierig |
| Li u. a., 2019 | Systematische Übersicht über 67 Studien zu Methylierung und Depression, am häufigsten an Vollblut (Li u. a., 2019) | Keine Metaanalyse, weil die Studien zu verschieden waren; Zusammenhänge, keine Ursachen |
| Hannon u. a., 2015 | Methylierung in Vollblut und vier Hirnregionen von 122 Personen (Hannon u. a., 2015) | Keine Studie zu Trauma oder Depression; gilt für die meisten, nicht für alle Messorte |
Quellen: Yehuda u. a., 2016; Klengel u. a., 2013; Zannas u. a., 2015; Li u. a., 2019; Hannon u. a., 2015, jeweils nach der Zusammenfassung der Studie.
Wird ein Trauma epigenetisch an Kinder und Enkel vererbt?
Beim Menschen ist das unklar. Heard und Martienssen (2014) halten für unklar, wie weit epigenetische Vererbung beim Menschen reicht, und sehen für Folgen über Generationen bei der menschlichen Gesundheit bisher wenig Stütze.

Zwei Begriffe helfen beim Sortieren. „Über eine Generation“ (intergenerational) heißt: Eine Veränderung zeigt sich bei Eltern und bei ihren Kindern. „Über mehrere Generationen“ (transgenerational) heißt: Sie reicht über die nächste Generation hinaus. Studien zu diesem Thema betreffen oft Effekte auf die nächste statt auf spätere Generationen und schließen selten DNA-Veränderungen als Ursache aus (Heard und Martienssen, 2014).
Bei Tieren war die Beteiligung epigenetischer Mechanismen an der Weitergabe von Stressfolgen gezeigt, beim Menschen nicht: So beschreiben Yehuda u. a. (2016) den Stand vor ihrer eigenen Studie. Deren Befund betrifft Eltern und Kinder, also eine Generation, und er stammt aus einer kleinen Kohorte.
Bei Säugetieren werden epigenetische Markierungen zweimal gründlich gelöscht, im frühen Embryo und in der Keimbahn, also auf dem Weg zu den Keimzellen (Heard und Martienssen, 2014). Diese zwei Löschrunden lassen laut Heard und Martienssen (2014) wenig Raum für die Vererbung epigenetischer Markierungen. Vorkommen kann epigenetische Vererbung durchaus, vor allem bei Pflanzen, und bei manchen Tieren wie Fadenwürmern auch die Weitergabe erworbener Zustände (Heard und Martienssen, 2014). Bei Säugetieren fehlt laut Heard und Martienssen (2014) in der Regel der Nachweis, dass Vererbung über Generationen epigenetisch begründet ist.
Für die Sorge, eigenes Erleben über die Gene an die Kinder weiterzugeben, heißt das: Die Holocaust-Studie ist klein und beschreibt einen Zusammenhang über eine Generation (Yehuda u. a., 2016). Für Folgen über mehrere Generationen sehen Heard und Martienssen (2014) beim Menschen bisher wenig Stütze, im Original „little support“.
Mythos-Check: Trauma, Gene und Gedanken
Verbreitet
„Ein Trauma wird über die Gene an Kinder und Enkel vererbt.“
Belegt
Eine epigenetische Weitergabe von Stressfolgen war bei Tieren gezeigt, beim Menschen nicht (Yehuda u. a., 2016). Bei Säugetieren lassen zwei Löschrunden im frühen Embryo und in der Keimbahn wenig Raum für die Vererbung epigenetischer Markierungen (Heard und Martienssen, 2014).
Verbreitet
„Mit Gedanken lassen sich die Gene umschreiben.“
Belegt
Epigenetik steuert laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) die Aktivität von Genen, ohne die DNA-Sequenz zu verändern. Ob Gefühle über Generationen wirken, ist beim Menschen laut Heard und Martienssen (2014) unklar, mit bisher wenig Stütze.
Gene verändern durch Gedanken: Was kann Epigenetik verändern?
Epigenetik verändert die Aktivität von Genen, nicht ihre Sequenz (NLM, 2021). Wer seine Gene „umschreiben“ möchte, meint die Sequenz, und die bleibt bei epigenetischen Veränderungen laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) dieselbe.
Die Vorstellung, Gedanken könnten die eigenen Gene verändern, ist nach einer schweren Erfahrung verständlich. Sie verspricht Kontrolle über etwas, das sich ausgeliefert anfühlt. Die Quellen dieses Artikels beschreiben etwas Engeres.
Was Epigenetik tatsächlich verändert, beschreibt MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) genau: Methylgruppen auf einem Gen schalten es ab, und Histone können durch Anfügen oder Entfernen chemischer Gruppen verändert werden. Die DNA-Sequenz bleibt dabei dieselbe. Als Beispiele für Umwelteinflüsse auf das Epigenom nennt die Quelle die Ernährung und Schadstoffe (NLM, 2021). Wie innere und äußere Einflüsse zusammenkommen, ordnet der Artikel über endogene und exogene Faktoren ein.
Heard und Martienssen (2014) stellen die Frage ausdrücklich, ob sogar Gefühle bis in die Gene der Nachkommen wirken könnten. Die Umwelt kann die Aktivität von Genen beeinflussen; Folgen über Generationen sind laut Heard und Martienssen (2014) eine andere Sache. Wie weit epigenetische Vererbung beim Menschen reicht, nennen sie unklar.
Kapitel auf einen Blick
Epigenetik regelt laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) die Aktivität von Genen, die DNA-Sequenz bleibt dabei dieselbe. Als Umwelteinflüsse auf das Epigenom nennt dieselbe Quelle Ernährung und Schadstoffe. Ob Gefühle über Generationen wirken, ist beim Menschen laut Heard und Martienssen (2014) unklar, sie sehen dafür bisher wenig Stütze.
Misst ein DNA-Test aus Speichel die Epigenetik?
Nach unserer Einordnung nicht. Ein DNA-Test aus Speichel wie der weiter unten genannte liest Varianten der DNA, den sogenannten Genotyp, und keine epigenetischen Markierungen wie die Methylierung.
Der Genotyp ist die Ausstattung eines Menschen mit bestimmten Varianten an festgelegten Stellen der DNA. Gelesen wird er per SNP-Genotypisierung, einem Verfahren, das vorab festgelegte Einzelpositionen der DNA prüft. Eine Ganzgenomsequenzierung liest dagegen das gesamte Genom. Worin sich beide Verfahren unterscheiden, erklärt der Artikel Genotypisierung oder Sequenzierung.
Die Methylierungsbefunde aus den Kapiteln oben stammen aus Forschungsstudien. Methylierung ist in diesem Artikel ein Forschungsbefund, kein Test.
Ein solcher Speicheltest ist der Longevity | ALL IN ONE DNA-Test von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) für 369,00 € (Stand 04.10.2026, Änderungen möglich). Er liest Varianten der DNA aus einer Speichelprobe per SNP-Genotypisierung, keine Ganzgenomsequenzierung. Epigenetische Markierungen misst er nach unserer Einordnung nicht. Der Test ist keine ärztliche Untersuchung. Er sagt nichts über Krankheiten und stellt keine Diagnose.
Wo findest du Hilfe, wenn dich das Thema Trauma belastet?
Wenn dich das Thema aufwühlt, kannst du mit jemandem darüber sprechen. Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 1110111 / 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar, nach eigener Angabe „Tag und Nacht“ und „kostenlos, anonym“ (TelefonSeelsorge, 2026). Für ein persönliches Gespräch sind die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis Anlaufstellen. Bei akuter Gefahr wählst du den Notruf 112.
Grenzen: Was Epigenetik-Studien zu Trauma nicht zeigen
Die wichtigsten Einschränkungen nennen die Quellen selbst. Sie betreffen vor allem das untersuchte Gewebe und die Übertragung vom Tier auf den Menschen.
Gewebe. Epigenetische Veränderungen sind gewebespezifisch (Zannas u. a., 2015). Für die meisten Methylierungsorte sagt Blut wenig über das Gehirn aus (Hannon u. a., 2015).
Definition. Dass die PTBS über ihr Erscheinungsbild definiert ist, zählen Zannas u. a. (2015) zu den wichtigen Grenzen der Forschung.
Tier und Mensch. Molekulare Befunde zwischen Arten zu übertragen, bleibt laut Zannas u. a. (2015) schwierig.
Vererbung. Wie weit epigenetische Vererbung beim Menschen reicht, ist laut Heard und Martienssen (2014) unklar.
Der Test. Ein DNA-Test aus Speichel wie der oben genannte liest den Genotyp. Epigenetische Markierungen misst er nach unserer Einordnung nicht, und eine Diagnose stellt er nicht.
Hinterlässt ein Trauma Spuren in den Genen?
Die Forschung findet Zusammenhänge zwischen Trauma und der Methylierung einzelner Gene, mit engen Grenzen bei Gewebe und Gruppengröße. Ob solche Spuren beim Menschen über Generationen vererbt werden, ist laut Heard und Martienssen (2014) unklar. Es geht also um die Regelung der Gene, nicht um ihre Abfolge. Dort gibt es Befunde, die ernst zu nehmen sind, und eine ehrliche Antwort schließt ihre Grenzen ein.
Häufige Fragen
Was hat Epigenetik mit Psychologie zu tun?
Epigenetik berührt eine Frage, die auch die Psychologie stellt: wie Veranlagung und Umwelt zusammenwirken. Dass beide gemeinsam das Risiko psychischer Erkrankungen prägen, fand laut Klengel u. a. (2013) breites Interesse, die molekularen Mechanismen waren aber nicht geklärt. Epigenetik setzt dort an, denn sie untersucht laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021), wie Zellen die Aktivität von Genen steuern. Der Befund zum Gen FKBP5 ist ein Beispiel für ein solches Zusammenspiel aus Genvariante und Kindheitstrauma (Klengel u. a., 2013).
Gibt es Epigenetik bei Depression?
Als Forschungsfeld ja. Eine systematische Übersicht über 67 Studien fand insgesamt Zusammenhänge zwischen Veränderungen der DNA-Methylierung und Depression (Li u. a., 2019). Für eine zusammenfassende Rechnung über alle Studien waren Methoden und Aufbau zu verschieden (Li u. a., 2019). Am häufigsten untersucht war Vollblut (Li u. a., 2019), und Blut sagt laut Hannon u. a. (2015) für die meisten Methylierungsorte wenig über das Gehirn aus.
Kann man epigenetische Markierungen wieder entfernen?
In der Zelle sind epigenetische Veränderungen nicht starr: Histone können laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) durch Anfügen oder Entfernen chemischer Gruppen verändert werden. Bei Säugetieren werden Markierungen außerdem in zwei Löschrunden gründlich gelöscht, im frühen Embryo und in der Keimbahn (Heard und Martienssen, 2014). Umgekehrt können epigenetische Veränderungen bei der Zellteilung von Zelle zu Zelle erhalten bleiben (NLM, 2021). Eine Anleitung, Muster nach einem Trauma gezielt zu verändern, folgt aus diesen Befunden nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Genetik und Epigenetik?
Die Genetik beschreibt die DNA-Sequenz und ihre Varianten. Die Epigenetik untersucht laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021), wie Zellen die Aktivität der Gene steuern, ohne diese Sequenz zu verändern. Ein DNA-Test aus Speichel wie der im Artikel genannte arbeitet auf der genetischen Ebene: Er prüft per SNP-Genotypisierung vorab festgelegte Einzelpositionen der DNA. Epigenetische Markierungen liest er nach unserer Einordnung nicht. Für das, was er liest, gilt der Merksatz: Die Anlage ist keine Festlegung.
Sind epigenetische Muster bei allen Menschen gleich?
Nein. Laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) unterscheiden sich die Muster zwischen Menschen. Auch innerhalb eines Körpers variieren sie, zwischen Geweben und sogar zwischen Zellen desselben Gewebes (NLM, 2021). Hannon u. a. haben Blut und Gehirn derselben Personen verglichen: Für die meisten Methylierungsorte sagten Unterschiede im Blut die Unterschiede im Gehirn nicht gut voraus (Hannon u. a., 2015). Ein Teil der Übereinstimmung zwischen den Geweben ist laut den Autoren genetisch bedingt (Hannon u. a., 2015).
Nächster Schritt
Was Epigenetik ist und was nicht
Die Grundbegriffe und Grenzen der Epigenetik stehen in einem eigenen Artikel, zum Nachlesen in Ruhe.
Grundlagen der Epigenetik lesen Gibt es gute und schlechte Gene? Warum „günstig“ und „ungünstig“ nur in Bezug auf Umwelt und Merkmal geltenWeiterlesen
Quellen
- National Library of Medicine, MedlinePlus Genetics: What is epigenetics? (Stand 2021) – medlineplus.gov
- Zannas A. S. u. a.: Epigenetics of Posttraumatic Stress Disorder, Biological Psychiatry (2015) – europepmc.org
- Hannon E. u. a.: Interindividual methylomic variation across blood, cortex, and cerebellum, Epigenetics (2015) – europepmc.org
- Heard E., Martienssen R. A.: Transgenerational epigenetic inheritance: myths and mechanisms, Cell (2014) – europepmc.org
Begriffe, Methylierung, Histone und Umwelteinflüsse stützen sich auf [1], die Befunde und Grenzen zur PTBS auf [2], der Vergleich von Blut und Gehirn auf [3], die Weitergabe über Generationen auf [4]. Die Studien von Yehuda u. a. (2016) und Klengel u. a. (2013) sind im Text mit Autoren und Jahr genannt, ebenso die Übersicht von Li u. a. (2019); die Angaben zur TelefonSeelsorge stammen von telefonseelsorge.de (2026). Angaben zum genannten mybody®x-Test: Stand der Angaben: 04.10.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Epigenetik Psychische Gesundheit
Dieser Artikel wurde vom mybody®x Redaktions- & Fachteam erstellt und anhand der genannten Quellen geprüft. Mehr über das Team steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 04.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 04.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
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Die DNA-Analyse dient der Ernährungs- und Lebensstilberatung. Sie ist kein diagnostisches Verfahren, stellt keine Krankheitsvorhersage dar und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Genetische Varianten beschreiben Wahrscheinlichkeiten in Bevölkerungsgruppen, keine Festlegung für einzelne Personen.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.





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