Allergie im Winter: was von November bis Februar dahintersteckt
7. Oktober 2026ca. 17 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Allergie im Winter ist kein Widerspruch. Bei einer Hausstauballergie lösen Stoffe aus dem Kot von Hausstaubmilben das ganze Jahr über Beschwerden aus, die nachts und morgens meist am stärksten sind (IQWiG, 2023). Tierallergene können auch ohne Tier im Raum Symptome auslösen (gesund.bund.de, 2024). Pollenbeschwerden treten dagegen nur zur Flugzeit auf (IQWiG, 2023).
Ein allergischer Schnupfen, der das ganze Jahr über anhält, geht meist auf eine Allergie gegen Hausstaubmilben zurück (Sheikh u. a., 2010).
Ein allergischer Schnupfen macht die Schleimhaut der Atemwege oft überempfindlich, auch für trockene Heizungsluft (IQWiG, 2023).
Gegen Milben können kombinierte Maßnahmen im Schlafzimmer einen gewissen Nutzen haben, ein milbendichter Bezug allein wahrscheinlich nicht (Sheikh u. a., 2010).
In diesem Artikel
Allergie im Winter: Wie passt das ohne Pollen zusammen?
Pollen sind nur ein Teil der Allergieauslöser. Beschwerden durch Pollen treten nur in den Zeiten des Pollenflugs auf, mit einer Hausstauballergie haben Betroffene dagegen das ganze Jahr über zu tun (IQWiG, 2023).
Die verstopfte Nase im November, das Niesen beim Aufstehen im Dezember: Wer Allergie mit Frühling und blühenden Bäumen verbindet, sucht die Ursache zuerst woanders. Dahinter steht die Annahme, Allergien würden im Winter ruhen. Für eine Pollenallergie gibt es tatsächlich eine Bindung an die Jahreszeit, denn ihre Beschwerden kommen nur, solange Pollen fliegen (IQWiG, 2023). Für Auslöser, die in der Wohnung sitzen, gibt es diese Bindung nicht. Eine Allergie im November ist deshalb kein Widerspruch.
Ganz vorn stehen dabei Hausstaubmilben. Einen allergischen Schnupfen, der das ganze Jahr über anhält, führt eine Cochrane-Übersichtsarbeit, also eine systematische Auswertung mehrerer Studien zu einer Frage, meist auf eine Allergie gegen Hausstaubmilben zurück (Sheikh u. a., 2010). Allergischer Schnupfen heißt dabei: Niesen und eine laufende oder verstopfte Nase, ausgelöst durch einen Allergieauslöser (gesund.bund.de, 2024).
Dass die Wintermonate trotzdem ruhiger wirken können, hat einen belegten Grund. Pollenbeschwerden sind laut IQWiG (2023) meist deutlich stärker als die einer Hausstauballergie, mit der Betroffene dafür das ganze Jahr über zu tun haben. Wer im Frühjahr kräftig niest und im Winter nur verschnupft ist, kann also zwei verschiedene Auslöser haben, die sich über das Jahr abwechseln oder überlagern.
Der zweite ganzjährige Auslöser sind Tierallergene. Gemeint sind nicht die Haare, sondern Eiweiße aus Hautschuppen und Speichel der Tiere; auch Schweiß und Ausscheidungen enthalten sie (gesund.bund.de, 2024). Diese Allergene halten sich lange: Besonders Katzenallergene können auch nach Monaten oder Jahren noch Beschwerden auslösen (gesund.bund.de, 2024).
Belegte Fundstelle
„Keine Wohnung ist frei von Hausstaubmilben.“
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
gesundheitsinformation.de: Hausstauballergie, IQWiG (2023)
Hausstauballergie im November: Was lösen die Milben aus?
Nicht der Hausstaub selbst verursacht die Beschwerden, sondern bestimmte Stoffe, die sich vor allem im Kot von Hausstaubmilben befinden (IQWiG, 2023). In Industrieländern wie Deutschland hat laut IQWiG (2023) etwa jeder Vierte einen allergischen Schnupfen.
Die Milben finden sich im Bett und in Teppichböden, ebenso in Polstermöbeln oder Vorhängen (IQWiG, 2023). Menschen mit einer Hausstauballergie haben deshalb das ganze Jahr über Beschwerden wie Niesen und eine laufende Nase (IQWiG, 2023). Der November ist für sie kein besonderer Monat, sondern einer wie jeder andere.
Auffällig ist eher die Tageszeit. Nachts und morgens sind die Beschwerden meist am stärksten, weil sich im Bettzeug besonders viele Hausstaubmilben befinden (IQWiG, 2023). Wer morgens mit verstopfter Nase aufwacht, kann genau das für das Arztgespräch notieren, zusammen mit dem Raum, in dem es auftritt.
Die Beschwerden bleiben nicht auf die Nase beschränkt. Auch die Augen können tränen und jucken (IQWiG, 2023). Zudem können die Augenlider anschwellen. Kommen die Augen zum Schnupfen dazu, spricht man von einer allergischen Rhinokonjunktivitis, einem allergischen Schnupfen zusammen mit einer Bindehautentzündung (IQWiG, 2023).
Ob juckende Augen überhaupt auf eine Allergie zurückgehen, ist eine eigene Frage. Ihr geht der Beitrag Juckende Augen: Allergie oder etwas anderes? nach, während es hier um die Auslöser der Wintermonate geht.
Ernst nehmen solltest du einen Schnupfen, der nicht weggeht. Aus einem allergischen Schnupfen kann sich nach einigen Jahren Asthma entwickeln (gesund.bund.de, 2024). Eine ärztliche Untersuchung hilft, den Auslöser zu finden (gesund.bund.de, 2024).
Ein Bluttest kann diesen Weg begleiten, die Antwort liefert er allein nicht. IgE-Antikörper, deren Menge ein Allergie-Bluttest im Labor misst, können bei einer Allergie erhöht sein (IQWiG, 2024). Trotzdem gilt: Ein IgE-Wert zeigt eine Sensibilisierung, keine Diagnose. Sensibilisiert ist, wer solche Antikörper gegen einen bestimmten Stoff hat, und das kann auch ohne Beschwerden der Fall sein (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016).
Trockene Heizungsluft: Warum reizt sie bei Allergie im Winter?
Trockene Heizungsluft trifft bei einer Allergie auf eine vorbelastete Schleimhaut. Ein allergischer Schnupfen macht die Schleimhaut der Atemwege oft überempfindlich, und dann können auch Reize wie Zigarettenrauch und trockene Heizungsluft Beschwerden auslösen (IQWiG, 2023).

Für die Wintermonate trennt das zwei Dinge, die sich leicht vermischen. Heizungsluft ist in dieser Beschreibung ein Reiz, der eine bereits empfindliche Nase zusätzlich trifft. Wer in der Heizperiode eine gereizte Nase hat, kann also beides zugleich erleben: einen Allergieauslöser, der die Schleimhaut empfindlich macht, und trockene Luft, die dann leichter Beschwerden auslöst (IQWiG, 2023).
Dasselbe gilt für Zigarettenrauch, den das IQWiG im selben Satz nennt (IQWiG, 2023). Wer raucht, setzt eine überempfindliche Schleimhaut also einem zusätzlichen Reiz aus, unabhängig davon, welcher Allergieauslöser dahintersteht.
Naheliegend wäre, die Luft im Schlafzimmer zu befeuchten. Bei einer Hausstauballergie spricht das IQWiG dagegen: Hausstaubmilben überleben länger bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit, und Luftbefeuchter können das Milbenwachstum befördern, weshalb sie im Schlafzimmer ungünstig sind (IQWiG, 2023). Die naheliegende Lösung gegen trockene Luft kann so den eigentlichen Auslöser stärken.
Stattdessen bietet es sich an, die Temperatur im Schlafzimmer bei etwa 18 bis 20 Grad zu halten und regelmäßig zu lüften (IQWiG, 2023). Das kühlere, gelüftete Schlafzimmer ist damit ein Baustein gegen Milben.
Tierallergene in Innenräumen: Warum wirken sie auch im Winter?
Tierallergene halten sich lange und wandern mit. Symptome einer Tierallergie können deshalb auch auftreten, wenn gar kein Tier in der Nähe ist (gesund.bund.de, 2024).
Die Allergene können über die Atemwege aufgenommen werden, ebenso durch direkten Körperkontakt (gesund.bund.de, 2024). Typisch ist, dass die Symptome sofort nach dem Kontakt einsetzen, und im Vordergrund stehen Atemwegsbeschwerden wie Schnupfen und Niesen (gesund.bund.de, 2024). Auch Augenjucken und Tränen kann eine Tierallergie verursachen, in seltenen Fällen Quaddeln, also Nesselsucht, und Hautausschlag (gesund.bund.de, 2024).
Bei Katzen kommt eine Besonderheit hinzu. Katzenallergene sind sehr langlebig und können auch nach Monaten oder Jahren noch Beschwerden auslösen (gesund.bund.de, 2024). So haben manche Menschen eine Katzenallergie, obwohl sie nie eine Katze hatten (gesund.bund.de, 2024).
Wie weit Katzenallergen reist, hat eine Studie in Schulklassen gemessen. Verglichen wurden Klassen, in denen über 25 Prozent der Kinder eine Katze hatten, mit Klassen unter 10 Prozent (Almqvist u. a., 1999). In den Klassen mit vielen Katzenbesitzern lag der Median des Katzenallergens in der Luft, also der mittlere Wert, 5-fach höher, bei 2,94 gegen 0,59 Nanogramm je Kubikmeter (Almqvist u. a., 1999).
Nach einem Schultag fand sich zudem mehr Katzenallergen auf der Kleidung von Kindern, die selbst keine Katze hatten (Almqvist u. a., 1999). Das Allergen gelangt über die Kleidung aus Haushalten mit Katze ins Klassenzimmer. Von dort landet es auf der Kleidung von Kindern ohne Katze (Almqvist u. a., 1999).
Ein Tierallergen kann also in einem Raum sein, in dem kein Tier lebt. Wer gegen eine bestimmte Tierart allergisch ist, sollte den Kontakt zu diesen Tieren meiden, und dabei kann es laut gesund.bund.de (2024) sinnvoll sein, Kleidungs- und Einrichtungsgegenstände gründlich zu reinigen oder zu entfernen.
Woran sich eine Katzenallergie zeigt, beschreibt der Beitrag Katzenallergie: Symptome erkennen. Für Hunde gibt es den Beitrag Hundehaarallergie: Symptome und was du tun kannst.
Heuschnupfen im Winter: Welche Pollen fliegen schon im Februar?
In etwa im Februar fliegen laut IQWiG (2023) die Pollen der Hasel, im März die der Erle. Am Ende des Winters kann damit zu den ganzjährigen Auslösern der Pollenflug hinzukommen.
Heuschnupfen ist der allergische Schnupfen durch Pollen. Seine Beschwerden treten nur in den Zeiten des Pollenflugs auf (IQWiG, 2023). Das IQWiG führt in einer Übersicht Pflanzen, die häufig Beschwerden auslösen, zusammen mit den Monaten, in denen ihre Pollen in etwa fliegen (IQWiG, 2023). Diese Angaben sind ausdrücklich als ungefähre Zeiten gemeint.
Ganz fest sind sie auch aus einem zweiten Grund nicht. Durch die wärmeren Temperaturen infolge des Klimawandels blühen einige Pflanzen mittlerweile früher und länger, was die Pollenbelastung verlängert und erhöht (IQWiG, 2023). Für eine Allergie im Februar kommen damit zwei Erklärungen zusammen: Milben und Tierallergene, die keine Pause machen, und Pollen, die am Ende des Winters einsetzen können.
Wer im Februar zusätzlich Pollen verdächtigt, kann die Belastung verringern, indem er in Zeiten starken Pollenflugs die Fenster geschlossen hält und vor dem Schlafengehen die Haare wäscht (IQWiG, 2023). Pollenflug-Vorhersagen finden sich zum Beispiel beim Deutschen Wetterdienst (IQWiG, 2023). Um Pollen und Lebensmittel geht es im Beitrag Was sind Kreuzallergien?
Die Übersicht stellt die Auslöser der kalten Monate nebeneinander, mit dem Zeitraum, in dem sie Beschwerden machen können.
Auslöser von November bis März
| Auslöser | Wann | Quelle, Jahr |
|---|---|---|
| Hausstaubmilben | ganzjährig, am stärksten meist nachts und morgens (IQWiG, 2023) | IQWiG (2023) |
| Tierallergene | ganzjährig, auch ohne Tier im Raum | gesund.bund.de (2024) |
| Hasel | in etwa Februar | IQWiG (2023) |
| Erle | in etwa März | IQWiG (2023) |
Hausstauballergie im Winter: Was tun gegen Milben im Schlafzimmer?
Ganz vermeiden lassen sich Hausstaubmilben nicht, die Belastung lässt sich aber verringern (IQWiG, 2023). Am meisten spricht für mehrere kombinierte Maßnahmen im Schlafzimmer, ein milbendichter Bezug allein hilft wahrscheinlich nicht (Sheikh u. a., 2010).
Das Schlafzimmer ist der Ort, an dem es sich anzusetzen lohnt, denn im Bett sitzen besonders viele Milben (IQWiG, 2023). Das IQWiG beschreibt deshalb eine Reihe von Maßnahmen, die sich dort kombinieren lassen (IQWiG, 2023).
Maßnahmen im Schlafzimmer · IQWiG (2023)
Feucht wischen Den Boden feucht wischen.
Encasing Einen milbendichten Matratzenbezug verwenden, im Fachjargon „Encasing“ genannt.
Staubfänger entfernen Polstermöbel oder Vorhänge aus dem Schlafzimmer nehmen.
Heiß waschen Die Bettwäsche regelmäßig bei mehr als 60 Grad waschen (IQWiG, 2023).
Kühl und gelüftet Das Schlafzimmer bei etwa 18 bis 20 Grad halten und regelmäßig lüften (IQWiG, 2023).
Zwei Dinge gehören bei einer Hausstauballergie nicht ins Schlafzimmer: Luftbefeuchter und Pflanzen, weil sie das Milbenwachstum befördern können (IQWiG, 2023). Beim Nutzen spezieller milbendichter Luftfilter bleibt das IQWiG zurückhaltend und nennt ihn unklar (IQWiG, 2023).
Milbenbezug bei Hausstauballergie: Was zeigen die Studien?
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit mit 9 Studien und 501 Teilnehmenden kommt zu dem Schluss, dass umfassende Maßnahmen im Schlafzimmer einen gewissen Nutzen gegen die Schnupfenbeschwerden haben können (Sheikh u. a., 2010). Ein milbendichter Bezug für sich allein wird sich dagegen wahrscheinlich nicht als wirksam erweisen (Sheikh u. a., 2010).
Die Beleglage ist dünn. Nur zwei der Studien zu milbendichten Bezügen waren von guter Qualität, die übrigen sieben klein und von geringer Qualität (Sheikh u. a., 2010). Schwere Nebenwirkungen meldete keine der Studien (Sheikh u. a., 2010). Für deinen Alltag heißt das: Der Bezug ist ein Baustein, keine Lösung für sich.
Auch die ärztliche Fachleitlinie setzt bei einer Milbenallergie zuerst auf diese Maßnahmen. Laut S2k-Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie (DGAKI u. a., 2022), einer Leitlinie für Ärztinnen und Ärzte, sind sie bei einer klinisch relevanten Hausstaubmilbenallergie angezeigt, also wenn nicht allein ein Laborwert vorliegt, sondern passende Beschwerden. Eine 2008 veröffentlichte Auswertung hatte den Nutzen der alleinigen Milbensanierung infrage gestellt; die Leitlinie hält deren Schlussfolgerung wegen methodischer Mängel für nicht nachvollziehbar (DGAKI u. a., 2022).
Reichen die Maßnahmen nicht aus, soll laut S2k-Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie (DGAKI u. a., 2022) bei nachgewiesener Hausstaubmilbenallergie die Allergen-Immuntherapie hinzukommen. Gemeint ist eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt (gesund.bund.de, 2024). Ob sie infrage kommt, entscheidet die ärztliche Praxis, nicht der Kalender.
Für Tierallergene gilt eine eigene Reihenfolge: Bei Tierallergien ist laut Leitlinie das Meiden des Allergens, die sogenannte Allergenkarenz, die Maßnahme der Wahl (DGAKI u. a., 2022). Was das im Alltag mit Katze bedeutet, beschreibt der Beitrag Katzenallergie: was tun gegen das Allergen.
Kapitel auf einen Blick
Hausstaubmilben lassen sich nicht ganz vermeiden, ihre Belastung im Schlafzimmer aber verringern (IQWiG, 2023). Kombinierte Maßnahmen können einen gewissen Nutzen haben, ein milbendichter Bezug allein wahrscheinlich nicht (Sheikh u. a., 2010). Luftbefeuchter und Pflanzen sind im Schlafzimmer ungünstig (IQWiG, 2023). Reichen die Maßnahmen nicht, kommt bei nachgewiesener Milbenallergie laut Leitlinie eine Allergen-Immuntherapie hinzu (DGAKI u. a., 2022).
Sensibilisierung oder Allergie: Worin liegt der Unterschied?
Ein IgE-Wert zeigt eine Sensibilisierung, keine Diagnose. Sensibilisiert ist, wer spezifische IgE-Antikörper gegen ein Allergen hat; eine Allergie heißt, dass beim Kontakt auch Beschwerden auftreten (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016).
Die Kommission Umweltmedizin am Robert Koch-Institut beschreibt das Verhältnis so: Eine Sensibilisierung ist die Voraussetzung für eine Allergie, sie kann aber auch bestehen, ohne dass beim Kontakt mit dem Allergen Symptome auftreten (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016). Fachleute sprechen dann von einer klinisch stummen Sensibilisierung (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016).
Wie groß der Abstand zwischen beidem ist, zeigen Daten von Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren aus den Jahren 2008 bis 2011: 48,6 Prozent wiesen mindestens eine Sensibilisierung auf, an mindestens einer Allergie litten aktuell fast 20 Prozent (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016). Sensibilisiert sind damit mehr Menschen, als eine Allergie haben (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016).
Für den Winter ist eine weitere Zahl aufschlussreich. Gegen eingeatmete Allergene waren 33,6 Prozent der Teilnehmenden sensibilisiert; zur geprüften Mischung gehörten unter anderem Hausstaubmilbe und Katzenschuppen (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016; Daten 2008–2011).
Kernaussage
Ob aus einem IgE-Wert eine Allergie wird, entscheidet sich am Symptom, nicht im Labor.
Zwei weitere Punkte machen den Wert unscharf (IQWiG, 2024). Mehr IgE-Antikörper im Blut kann es auch ohne Allergie geben, etwa bei Menschen, die rauchen, oder bei einer Infektion mit Parasiten (IQWiG, 2024). Und die Menge der Allergie-Antikörper hängt nicht unbedingt mit der Stärke der Beschwerden zusammen (IQWiG, 2024).
Sensibilisierung und Allergie bei Erwachsenen
48,6 %
hatten mindestens eine Sensibilisierung (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016).
33,6 %
waren gegen eingeatmete Allergene sensibilisiert (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016).
fast 20 %
hatten aktuell mindestens eine Allergie (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016).
Quelle: RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016 · Erwachsene, Daten 2008–2011
Allergietest im Winter: Was zeigt ein Bluttest?
Ein Allergie-Bluttest misst IgE-Antikörper und ist damit nur ein Hinweis auf eine Allergie, kein Nachweis (IQWiG, 2024). Sinnvoll ist er zur Vorbereitung auf das Arztgespräch; eine ärztliche Abklärung ersetzt er nicht.
In der ärztlichen Praxis folgt die Suche nach dem Auslöser einem abgestuften Verfahren. Nach dem Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt wird in der Regel zuerst ein Hauttest gemacht; eine Blutuntersuchung wird eingesetzt, wenn ein Hauttest schwierig oder zu riskant ist (IQWiG, 2024). Ein Provokationstest ist erst dann sinnvoll, wenn Haut- oder Bluttest keine eindeutigen Ergebnisse gezeigt haben, und er findet unter ärztlicher Aufsicht statt, weil es dabei zu sehr starken allergischen Reaktionen kommen kann (IQWiG, 2024).
Für die Zeit vor dem Arzttermin gibt es den AllergoCheck von mybody®x (MYBODY Lab GmbH). Er ist ein Bluttest, kein Hauttest, und misst laut Produktangaben (Stand 07.10.2026) IgE gegen 54 Allergene aus vier Gruppen. Zwei davon betreffen die Wintermonate direkt: Hausstaub und Tierhaare. Die beiden anderen sind Pollen und Nahrungsmittel. Als einzelne Allergene sind Katze und Hund ausgewiesen. Für die Probe reicht ein Fingerpieks zu Hause, ausgewertet wird in einem Fachlabor in Deutschland.
Für die Wintermonate heißt das konkret: Ein Ergebnis kann zeigen, ob im Blut IgE gegen die Gruppe Hausstaub vorhanden ist oder gegen Katze und Hund. Ob deine Nase im Dezember deshalb läuft, beantwortet der Wert nicht. Das klärt die Praxis, indem sie deine Beschwerden mit dem Ergebnis abgleicht. Ein Befund auf Papier gibt diesem Gespräch einen Ausgangspunkt.
Wie IgE-Werte auf einem Befund aussehen und was sie bedeuten, beschreibt der Beitrag Allergiewert im Blut.
Aus dem mybody®x-Sortiment · Bluttest
AllergoCheck | Nahrungsmittel- und Allergietest
Ein Bluttest, kein Hauttest: Er misst IgE gegen 54 Allergene aus vier Gruppen, darunter Hausstaub und Tierhaare; die beiden anderen sind Pollen und Nahrungsmittel. Ausgewertet wird in einem Fachlabor in Deutschland. Ein IgE-Wert zeigt eine Sensibilisierung, keine Diagnose. Das Ergebnis dient der Vorbereitung auf das Arztgespräch und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Laborauswertung 3–5 Werktage nach Probeneingang
Stand der Angaben: 07.10.2026
Grenzen: Wie belastbar sind die Angaben zur Allergie im Winter?
Jede Quelle in diesem Text hat Grenzen, und sie bestimmen, wie weit eine Aussage trägt. Am deutlichsten gilt das für die Studien zu Milbenmaßnahmen, die überwiegend klein sind (Sheikh u. a., 2010).
Die Pollenmonate nennt das IQWiG nur in etwa und ohne Region (IQWiG, 2023). Hasel im Februar und Erle im März sind deshalb eine Orientierung, kein Termin.
Die Cochrane-Übersichtsarbeit beruht auf Literatur, die bis Ende 2009 gesucht wurde, und nur zwei der eingeschlossenen Studien waren von guter Qualität (Sheikh u. a., 2010). Neuere Untersuchungen konnte sie nicht berücksichtigen.
Die IQWiG-Seite zur Hausstauballergie trägt den Stand vom 12. Juli 2023 (IQWiG, 2023). Die Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, nicht an Betroffene (DGAKI u. a., 2022).
Die Zahlen zu Sensibilisierung und Allergie stammen aus Erhebungen der Jahre 2008 bis 2011, und die Angaben zu ärztlich festgestellten Allergien beruhen auf Selbstauskunft der Befragten (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016). Die Schulstudie zum Katzenallergen hat Allergen in Luft und Kleidung gemessen, keine Beschwerden, und sie stammt von 1999 (Almqvist u. a., 1999).
Auch der Bluttest hat eine klare Grenze. Er zeigt eine Sensibilisierung gegen Allergene aus den genannten Gruppen; ob sie Beschwerden verursacht, kann er nicht beantworten, und die Menge der Antikörper hängt nicht unbedingt mit der Stärke der Beschwerden zusammen (IQWiG, 2024).
Allergie im Winter: Wo setzt du an?
Die Nase, die im Dezember läuft, ist keine Ausnahme vom Allergiejahr, sondern sein leiserer Teil: Pollenbeschwerden sind meist deutlich stärker, eine Hausstauballergie dafür das ganze Jahr da (IQWiG, 2023). Ansetzen lässt sich zuerst im Schlafzimmer, mit mehreren Maßnahmen zusammen statt mit dem Bezug allein (Sheikh u. a., 2010). Ob wirklich Milben oder Tierallergene dahinterstecken, klärt die ärztliche Praxis, und ein Bluttest kann dieses Gespräch vorbereiten. In etwa im Februar kann dann die Hasel dazukommen (IQWiG, 2023).
Häufige Fragen
Kann man im Dezember Heuschnupfen haben?
Heuschnupfen hängt am Pollenflug: Seine Beschwerden treten nur in den Zeiten auf, in denen Pollen fliegen (IQWiG, 2023). Für die Hasel nennt das IQWiG in etwa den Februar, für die Erle den März (IQWiG, 2023). Wer schon im Dezember niest, sollte deshalb auch an einen Auslöser denken, der das ganze Jahr da ist, denn bei einer Hausstauballergie bestehen die Beschwerden ganzjährig (IQWiG, 2023). Welcher Auslöser es ist, lässt sich in der ärztlichen Praxis klären.
Warum ist die Nase morgens zu?
Bei einer Hausstauballergie sind die Beschwerden nachts und morgens meist am stärksten (IQWiG, 2023). Der Grund liegt im Bett: In Matratzen und Kissen, ebenso in Decken und Bettbezügen befinden sich besonders viele Hausstaubmilben (IQWiG, 2023). Zum allergischen Schnupfen gehört neben dem Niesen eine laufende oder verstopfte Nase (gesund.bund.de, 2024). Eine morgens verstopfte Nase beweist allerdings keine Milbenallergie; ob sie dahintersteckt, klärt die ärztliche Praxis.
Bei wie viel Grad sollte man Bettwäsche waschen?
Bei einer Hausstauballergie nennt das IQWiG regelmäßiges Waschen der Bettwäsche bei mehr als 60 Grad als eine von mehreren Maßnahmen (IQWiG, 2023). Das Waschen ist dort Teil einer Kombination im Schlafzimmer, zu der auch ein milbendichter Matratzenbezug und feuchtes Wischen gehören (IQWiG, 2023). Auf eine einzelne Maßnahme solltest du dich nicht verlassen: Ein milbendichter Bezug allein wird sich laut einer Cochrane-Übersichtsarbeit wahrscheinlich nicht als wirksam erweisen (Sheikh u. a., 2010).
Hilft ein Luftbefeuchter bei Hausstauballergie?
Im Schlafzimmer eher nicht: Luftbefeuchter können das Milbenwachstum befördern, deshalb hält das IQWiG sie dort für ungünstig (IQWiG, 2023). Hausstaubmilben überleben länger bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit (IQWiG, 2023). Dass trockene Heizungsluft stört, bleibt trotzdem richtig, denn eine allergisch überempfindliche Schleimhaut reagiert auch auf solche Reize (IQWiG, 2023). Für das Schlafzimmer nennt das IQWiG stattdessen etwa 18 bis 20 Grad und regelmäßiges Lüften (IQWiG, 2023).
Wie viele Menschen haben einen allergischen Schnupfen?
In Industrieländern wie Deutschland hat laut IQWiG (2023) etwa jeder Vierte einen allergischen Schnupfen. Für Erwachsene in Deutschland gibt es eine zweite Zahl: Bei 14,8 Prozent der Befragten zwischen 18 und 79 Jahren war nach eigener Angabe irgendwann im Leben Heuschnupfen ärztlich festgestellt worden (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016; Daten 2008–2011). Bei Kindern und Jugendlichen lag dieser Wert bei 10,7 Prozent (RKI-Kommission Umweltmedizin, 2016; Daten 2003–2006).
Nächster Schritt
Das Arztgespräch über die Winterallergie vorbereiten
Der AllergoCheck zeigt, ob IgE gegen Allergene aus vier Gruppen vorhanden ist, darunter Hausstaub und Tierhaare. Das Ergebnis ist ein Hinweis für das Gespräch in der Praxis, keine Diagnose.
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Quellen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Hausstauballergie (Stand 2023) – gesundheitsinformation.de
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Heuschnupfen (Stand 2023) – gesundheitsinformation.de
- Sheikh A. u. a.: House dust mite avoidance measures for perennial allergic rhinitis, Cochrane Database of Systematic Reviews (2010) – europepmc.org
- Bergmann K.-C. u. a.: Aktueller Stand zur Verbreitung von Allergien in Deutschland, Positionspapier der Kommission Umweltmedizin am RKI (2016) – rki.de
Die Aussagen zu Hausstaubmilben und Heizungsluft stützen sich auf [1], die Pollenmonate auf [2]. Die Beleglage zu milbendichten Bezügen stammt aus [3], die Zahlen zu Sensibilisierung und Allergie aus [4]. Ergänzend herangezogen: IQWiG, Welche Allergietests gibt es? (2024) zum Bluttest; gesund.bund.de, Tierallergie (2024); Almqvist u. a. (1999) zum Katzenallergen in Schulklassen; S2k-Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie (DGAKI u. a., 2022). Angaben zum AllergoCheck von mybody®x: Stand der Angaben: 07.10.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Allergie Hausstaubmilben
Dieser Beitrag stammt vom mybody®x Redaktions- & Fachteam. Er stützt sich auf öffentliche Gesundheitsinformationen und Fachveröffentlichungen, die im Quellenkapitel aufgeführt sind. Mehr über das Team steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 07.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 07.10.2026
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Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.





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