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Über- oder Unterfunktion? Schilddrüsen-Symptome unterscheiden und was ein Selbstcheck zeigt

28. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam

Das Wichtigste in Kürze

Über- und Unterfunktion der Schilddrüse zeigen sich zum Teil in gegensätzlichen Beschwerden: Bei zu viel Schilddrüsenhormon nennt das IQWiG (2024) Schwitzen und Gewichtsverlust trotz Heißhunger, bei zu wenig Frieren und eine leichte bis mäßige Gewichtszunahme. Müdigkeit kommt bei beiden vor. Welche Richtung vorliegt, zeigt erst der TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) im Blut (IQWiG, 2025).

Müdigkeit und Veränderungen am Haar nennt das IQWiG (2024) bei beiden Störungen, sie zeigen deshalb keine Richtung an.

Einzelne Beschwerden verrieten in einer US-Studie für sich genommen wenig, mehrere zusammen sind ein Grund für einen Bluttest (Canaris u. a., 2000).

Ein Selbstcheck mit Beschwerden kann Anlass für einen Bluttest sein, eine Schilddrüsenstörung feststellen oder ausschließen kann er nicht.

In diesem Artikel

Welche Symptome macht die Schilddrüse bei Über- und Unterfunktion?

Die Schilddrüse kann zu wenig oder zu viel Hormon bilden, und beide Richtungen machen eigene Beschwerden. Bei einer Unterfunktion verlangsamt sich der Stoffwechsel (IQWiG, 2024), bei einer Überfunktion zeigen die möglichen Zeichen eher in die Gegenrichtung, etwa Herzrasen statt eines niedrigen Pulses (IQWiG, 2024).

Eine Unterfunktion bedeutet, dass die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormon bildet. Fehlen diese Hormone, verlangsamt sich der Stoffwechsel, so beschreibt es das IQWiG (2024). Dazu passen Beschwerden wie Kälteempfindlichkeit oder eine leichte bis mäßige Gewichtszunahme, die das Institut als möglich nennt (IQWiG, 2024).

Eine Überfunktion ist das Gegenstück: Die Schilddrüse bildet zu viel Hormon. Unter den möglichen Beschwerden führt das IQWiG (2024) hier Herzklopfen und Herzrasen auf, außerdem Gewichtsverlust trotz Heißhunger. Mehrere dieser Zeichen bilden ein Spiegelbild der Unterfunktion, etwa der niedrige Puls dort und das Herzrasen hier (IQWiG, 2024). Welche Richtung tatsächlich vorliegt, zeigt erst der TSH-Wert im Blut; darum geht es im Kapitel zu den Blutwerten.

Nach den Zahlen des IQWiG (2024) ist die Unterfunktion die verbreitetere der beiden Störungen. In Ländern wie Deutschland haben ungefähr 5 von 100 Menschen eine Unterfunktion, Frauen und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen (IQWiG, 2024). Eine Überfunktion kommt bei ungefähr 1 von 100 Personen vor (IQWiG, 2024). Frauen trifft sie häufiger als Männer, meist im mittleren Erwachsenenalter (sinngemäß nach IQWiG, 2024).

Auch in einer Erhebung aus den USA überwog das erhöhte TSH: Unter Besuchern einer Gesundheitsmesse in Colorado hatten bei der Erhebung im Jahr 1995 9,5 % ein erhöhtes und 2,2 % ein erniedrigtes TSH (Canaris u. a., 2000). Die Zahl ist nicht repräsentativ und lässt sich nicht auf Deutschland übertragen. Ein auffälliger TSH-Wert ist außerdem noch keine gesicherte Diagnose.

Schilddrüsenstörungen in Zahlen

5 von 100

Menschen in Ländern wie Deutschland haben ungefähr eine Schilddrüsenunterfunktion (IQWiG, 2024).

1 von 100

Personen haben ungefähr eine Schilddrüsenüberfunktion (IQWiG, 2024).

9,5 %

der Teilnehmenden einer US-Studie hatten ein erhöhtes TSH, Erhebung 1995, nicht repräsentativ (Canaris u. a., 2000).

Quelle: IQWiG, 2024; Canaris u. a., 2000

Hinter einer Unterfunktion können unterschiedliche Ursachen stehen. Als häufigste nennt das IQWiG (2024) sinngemäß die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Erkrankung der Schilddrüse. Wie sie sich bemerkbar macht, steht im Beitrag zu den Hashimoto-Symptomen.

Welche Schilddrüsen-Symptome passen zu beiden Störungen?

Schwäche und Müdigkeit nennt das IQWiG (2024) bei der Unter- wie bei der Überfunktion, dazu Veränderungen am Haar. Diese Beschwerden unterscheiden die beiden Störungen nicht; die Unterschiede folgen im nächsten Kapitel.

Wer sich seit Wochen erschöpft fühlt, sucht nach einer Erklärung, und die Schilddrüse liegt als Gedanke nahe. Aus der Müdigkeit allein lässt sich aber keine Richtung ablesen: Schwäche und Müdigkeit stehen in der Beschwerdeliste der Unterfunktion ebenso wie in der der Überfunktion (IQWiG, 2024).

Beim Haar sieht es ähnlich aus. Für die Unterfunktion nennt das IQWiG (2024) trockenes Haar und Haarausfall, für die Überfunktion ausgedünntes Haar (IQWiG, 2024). Dünner werdendes Haar passt damit zu beiden Richtungen. Mehr zu Haarausfall und Schilddrüse steht in einem eigenen Beitrag.

Kernaussage

Müdigkeit und dünner werdendes Haar passen zur Unter- wie zur Überfunktion und zeigen deshalb keine Richtung an (IQWiG, 2024).

Auch die Stimmung kann sich in beiden Fällen verändern, allerdings in unterschiedlicher Form. Bei der Unterfunktion nennt das IQWiG (2024) Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten, bei der Überfunktion nervöse Unruhe und Gereiztheit (IQWiG, 2024). Hier unterscheidet die Art der Veränderung, nicht die Veränderung selbst.

Für die eigene Einordnung heißt das: Wer vor allem müde ist, gewinnt aus dem Vergleich der beiden Störungen wenig. Eher eine Richtung geben die Beschwerden, die nur bei einer der beiden Störungen vorkommen, etwa Frieren oder Schwitzen. Das nächste Kapitel stellt sie nebeneinander. Gewissheit gibt keine von ihnen.

Über- oder Unterfunktion: Woran unterscheiden sich die Symptome?

Gegensätzlich zeigen sich die beiden Störungen etwa beim Temperaturempfinden und beim Gewicht: Für die Unterfunktion nennt das IQWiG (2024) Frieren und Gewichtszunahme, für die Überfunktion Schwitzen und Gewichtsverlust trotz Heißhunger. Eine einzelne Beschwerde entscheidet trotzdem nichts.

Bei einer Überfunktion kann es laut IQWiG (2024) zum Beispiel zu diesen Beschwerden kommen:

  • Herzklopfen und Herzrasen, manchmal auch Herzrhythmusstörungen
  • erhöhter Blutdruck
  • Gewichtsverlust trotz Heißhunger
  • Durchfall
  • Zittern
  • nervöse Unruhe und Gereiztheit
  • Schlaflosigkeit
  • Schwäche und Müdigkeit

Die Tabelle stellt die möglichen Beschwerden beider Störungen nebeneinander, so wie das IQWiG (2024) sie beschreibt, ergänzt um den Blutdruck und den TSH-Wert. Jede Zeile ist eine Möglichkeit, kein Merkmal, das jede betroffene Person hat. Wer sich in einer Spalte wiederfindet, hat damit einen Anhaltspunkt für das Arztgespräch.

Mögliche Beschwerden im Vergleich

Bereich Unterfunktion (IQWiG, 2024) Überfunktion (IQWiG, 2024)
Temperatur Kälteempfindlichkeit, Frieren Schwitzen, Wärme wird schnell unangenehm
Gewicht und Appetit leichte bis mäßige Gewichtszunahme Gewichtsverlust trotz Heißhunger
Herz niedriger Puls Herzklopfen, Herzrasen
Haut trocken, vor allem im Gesicht teigig verdickt warm und feucht
Stimmung und Schlaf Depressionen nervöse Unruhe und Gereiztheit; Schlaflosigkeit
Blutdruck eher unterer Wert erhöht (Streeten u. a., 1988) erhöht, vor allem oberer Wert (IQWiG, 2024; Saito & Saruta, 1994)
TSH erhöht (IQWiG, 2025) erniedrigt (IQWiG, 2025)

Keine Zeile beweist eine Störung. Klarheit bringen Blutwerte.

Für die Unterfunktion nennt das IQWiG (2024) außerdem Kurzatmigkeit. Bei Frauen können starke Regelblutungen oder Zyklusstörungen hinzukommen (IQWiG, 2024). Bei der Verdauung zeigt sich das Spiegelbild noch einmal: Durchfall steht bei der Überfunktion (IQWiG, 2024), Verstopfung nennt das IQWiG (2024) sinngemäß bei der Unterfunktion.

Schwitzen und ständig Hunger: Spricht das für eine Überfunktion?

Beides passt eher zu einer Überfunktion: Das IQWiG (2024) nennt Schwitzen ebenso wie Gewichtsverlust trotz Heißhunger als mögliche Zeichen. Ein Beweis ist keines davon, erst der TSH-Wert ordnet ein (IQWiG, 2025).

Beim Schwitzen bleibt die Beschreibung des IQWiG (2024) nicht beim Schweiß stehen. Sie umfasst auch, wie Wärme empfunden wird und wie sich Haut und Haar anfühlen.

Belegte Fundstelle

„Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion schwitzen häufig und empfinden Wärme schnell als unangenehm, ihre Haut fühlt sich oft warm und feucht an, ihr Haar ist ausgedünnt.“

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, „Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)“, 2024

Das Gegenstück ist die Kälteempfindlichkeit, die das IQWiG (2024) bei der Unterfunktion nennt. Wer am Abend auf dem Balkon die Jacke enger zieht, während andere im T-Shirt sitzen, beschreibt eher diese Seite der Tabelle.

Beim Hunger kommt es auf die Kombination an. Das IQWiG (2024) spricht nicht von Hunger allein, sondern von Gewichtsverlust trotz Heißhunger: großer Appetit, und das Gewicht sinkt trotzdem. Ständiger Hunger bei gleichbleibendem oder steigendem Gewicht entspricht dieser Beschreibung nicht. Was hinter dem Begriff schneller Stoffwechsel steckt, steht in einem eigenen Beitrag.

Umgekehrt spricht fehlendes Schwitzen im Alter nicht sicher gegen eine Überfunktion. In einer Klinikstudie wurden die meisten klassischen Beschwerden der Überfunktion mit steigendem Alter seltener, Gewichtsverlust und Kurzatmigkeit ausgenommen (Boelaert u. a., 2010). Wer keine typischen Beschwerden hat, kann also trotzdem eine Überfunktion haben.

Schilddrüse und Blutdruck: Welcher Wert steigt bei Über- und Unterfunktion?

Bei einer Überfunktion ist eher der obere, systolische Wert erhöht (Saito & Saruta, 1994), bei einer Unterfunktion kann mitunter der untere, diastolische Wert steigen (Streeten u. a., 1988). Beide Quellen sind älter, aus den Jahren 1994 und 1988; die Regel taugt als Faustregel, nicht als Diagnosezeichen.

Zwei dunkle Becher auf einem Holztisch, einer mit dampfendem Tee, einer mit Eiswasser

Ein Blutdruckwert besteht aus zwei Angaben: Der systolische ist der obere Wert, der diastolische der untere. Für die Schilddrüse ist diese Unterscheidung wichtig, weil die beiden Störungen in den Studien von 1988 und 1994 unterschiedliche Werte betreffen.

Erhöhter Blutdruck steht in der Liste möglicher Beschwerden einer Überfunktion (IQWiG, 2024). Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 1994 präzisiert die Richtung: Bei einer Überfunktion ist vor allem der obere Wert erhöht, häufiger bei Jüngeren, während ein erhöhter unterer Wert dabei ungewöhnlich ist (Saito & Saruta, 1994).

Für die Unterfunktion beschreibt eine Studie aus dem Jahr 1988, dass sie mitunter mit einem erhöhten unteren Wert einhergeht (Streeten u. a., 1988). In der Hochdruckambulanz, aus der die Daten stammen, hatten 3,6 % der überwiesenen Patientinnen und Patienten eine Unterfunktion (Streeten u. a., 1988). Bei 1,2 % war sie die Ursache des erhöhten unteren Werts (Streeten u. a., 1988). Das sind Anteile unter Menschen, die bereits wegen Bluthochdrucks überwiesen worden waren, keine Zahlen für die Bevölkerung.

Im Alter kommt ein weiterer Befund hinzu: Bluthochdruck ist bei älteren Menschen mit Unterfunktion häufiger als bei Gleichaltrigen mit normaler Schilddrüsenfunktion (Saito & Saruta, 1994).

Aus beiden Arbeiten (1988 und 1994) ergibt sich eine Faustregel: Überfunktion eher oberer Wert erhöht, Unterfunktion eher unterer Wert erhöht. Mehr ist es nicht. Ob die Schilddrüse beteiligt ist, lässt sich am Blutdruck nicht ablesen, dafür braucht es Blutwerte (IQWiG, 2025). Welche Werte als normaler Blutdruck gelten, erklärt ein eigener Beitrag.

Schilddrüsen-Symptome-Test: Was kann ein Selbstcheck zeigen?

Ein Selbstcheck mit Beschwerden kann Anlass für einen Bluttest sein, aber keine Schilddrüsenstörung feststellen oder ausschließen. Das folgt aus einer US-Studie, in der einzelne Beschwerden für sich genommen wenig verrieten (Canaris u. a., 2000).

In der Studie aus Colorado gaben Menschen mit Unterfunktion Beschwerden häufiger an als Menschen mit normaler Schilddrüsenfunktion (Canaris u. a., 2000). Jede einzelne Beschwerde war aber wenig empfindlich (Canaris u. a., 2000). Empfindlich meint hier, wie verlässlich sich eine Beschwerde bei denen zeigt, die die Störung haben. Ist die Empfindlichkeit gering, fehlt die Beschwerde bei einem Teil der Betroffenen, und ihr Fehlen schließt nichts aus.

Die Autoren ziehen daraus einen Schluss für die Praxis: Wer mehrere Schilddrüsen-Beschwerden angibt, sollte die Blutwerte bestimmen lassen (Canaris u. a., 2000).

Bei der Überfunktion kommt ein zweiter Haken hinzu: Ihre klassischen Zeichen sind bei Älteren deutlich seltener, und ihr Fehlen führt häufig zu einer verzögerten Diagnose (Boelaert u. a., 2010).

Für jede Liste von Beschwerden, ob auf Papier oder im Internet, heißt das: Sie kann ein guter Grund sein, Blutwerte bestimmen zu lassen. Feststellen oder ausschließen kann sie eine Schilddrüsenerkrankung nicht. Der Gedanke, ein Fragebogen sage verlässlich, ob Schilddrüsenprobleme vorliegen, hält diesen Ergebnissen nicht stand (Canaris u. a., 2000; Boelaert u. a., 2010).

Wie sich die Unterfunktion im Einzelnen zeigt und wie sie im Alter aussieht, steht im Beitrag zur Schilddrüsenunterfunktion. Hier geht es um den Vergleich beider Störungen und darum, was eine Liste von Beschwerden leisten kann.

Was du vor dem Termin aufschreiben kannst

  • welche Beschwerden du bemerkst und seit wann
  • ob sich dein Gewicht verändert hat, und in welche Richtung
  • deinen Puls in Ruhe, wenn du ihn gemessen hast
  • deinen Blutdruck mit oberem und unterem Wert, wenn du ihn gemessen hast

Die Liste vergibt keine Punkte und ergibt kein Ergebnis. Sie sorgt dafür, dass im Gespräch nichts vergessen wird; einordnen lassen sich die Beschwerden erst mit Blutwerten.

Welche Blutwerte zeigen, ob die Schilddrüse zu viel oder zu wenig arbeitet?

Ausgangspunkt ist der TSH-Wert: Liegt er im Referenzbereich, reicht das laut IQWiG (2025) aus, um eine Funktionsstörung der Schilddrüse auszuschließen. Erhöhte Werte deuten auf eine Unterfunktion hin, erniedrigte können auf eine Überfunktion hinweisen (IQWiG, 2025).

Bluttests sind hier kein Zusatz, sondern der Kern der Abklärung. „Weil viele Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion auch andere Ursachen haben können, werden Bluttests gemacht, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können“, schreibt das IQWiG (2024).

Der Referenzbereich ist der Bereich, den das Labor auf dem Befund als Vergleich angibt. Er hängt von Labor und Methode ab, deshalb zählt immer die Angabe auf dem eigenen Befund.

Neben TSH werden laut IQWiG (2025) sinngemäß oft zusätzlich das freie Thyroxin (fT4) und manchmal das freie Trijodthyronin (fT3) bestimmt. Bei einer Unterfunktion sind diese freien Hormone erniedrigt, bei einer Überfunktion erhöht (sinngemäß nach IQWiG, 2025). Ist nur der TSH-Wert auffällig und sind die freien Hormone normal, spricht das IQWiG (2025) sinngemäß von einer latenten Form.

Von einem Laborwert allein lässt sich meist nicht auf eine Krankheit schließen, so sinngemäß das IQWiG (2025). Ein auffälliger Wert ist deshalb ein Grund für das Gespräch in der Praxis, keine fertige Diagnose. Was ein zu hoher TSH-Wert bedeuten kann, steht in einem eigenen Beitrag.

Wer die eigenen Schilddrüsenwerte vor dem Arztgespräch kennen möchte, kann sie mit dem Women’s Wellness Check von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) bestimmen lassen: Der Bluttest aus Kapillarblut per Fingerpieks misst neben TSH auch fT3 und fT4, für 169,00 € (Stand 28.10.2026, Änderungen möglich). Er zeigt eine Momentaufnahme der Werte, Schilddrüsen-Antikörper stehen nicht auf seiner Werteliste. Er kann ein Gespräch in der Arztpraxis vorbereiten, ersetzt aber keine ärztliche Abklärung.

Schilddrüse: Wann solltest du die Symptome abklären lassen?

Kommen mehrere Beschwerden zusammen, ist das laut einer US-Studie ein Grund, die Schilddrüsenwerte bestimmen zu lassen (Canaris u. a., 2000). Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen, also ein Herzschlag, der aus dem Takt gerät, gehören ebenfalls in die Praxis.

Ein Anhaltspunkt ist die Zahl der Beschwerden, nicht eine einzelne. Auch wenn die Beschwerden in dieselbe Spalte der Tabelle passen, etwa Frieren und Gewichtszunahme, ordnen erst die Blutwerte sie ein.

Bei älteren Menschen verdienen zwei Zeichen besondere Aufmerksamkeit: Gewichtsverlust und Kurzatmigkeit. In einer Klinikstudie blieben gerade sie bei Älteren mit Überfunktion erhalten, während andere klassische Zeichen seltener wurden (Boelaert u. a., 2010).

Herzrasen und Herzrhythmusstörungen nennt das IQWiG (2024) unter den möglichen Zeichen einer Überfunktion. Unabhängig von der Schilddrüse gehören sie ärztlich abgeklärt. Wer sie bemerkt, wartet damit nicht auf das Ergebnis eines Fragebogens.

In der Praxis geht es dann um das Gespräch über die Beschwerden und um die Blutwerte. Die Notizliste aus dem Kapitel zum Selbstcheck erleichtert das Gespräch, die Einordnung übernimmt die Ärztin oder der Arzt.

Kapitel auf einen Blick

Mehrere Beschwerden zugleich sind laut einer US-Studie ein Grund für einen Bluttest (Canaris u. a., 2000). Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen gehören zu den möglichen Zeichen einer Überfunktion und in die Praxis (IQWiG, 2024). Bei Älteren können Gewichtsverlust oder Kurzatmigkeit die Zeichen sein, die bleiben, während andere seltener werden (Boelaert u. a., 2010). Eingeordnet werden die Beschwerden in der Praxis anhand der Blutwerte.

Grenzen: Wie belastbar sind die Angaben zu Schilddrüsen-Symptomen?

Die Beschwerdelisten des IQWiG (2024) nennen mögliche Zeichen. Die Studien aus den Jahren 1988 bis 2010 haben klare Grenzen, die Angaben zum Blutdruck sind die ältesten davon.

Das IQWiG (2024) nennt die Beschwerden beider Störungen als mögliche Zeichen, ohne einen Anteil der Betroffenen dazu anzugeben. Die Tabelle in diesem Beitrag zeigt deshalb Möglichkeiten, keine Wahrscheinlichkeiten.

Die Colorado-Studie ist eine Erhebung unter Besuchern einer Gesundheitsmesse in den USA aus dem Jahr 1995 (Canaris u. a., 2000). Sie ist nicht repräsentativ, und ihre Anteile lassen sich nicht auf Deutschland übertragen.

Die Studie zur Überfunktion bei Älteren stammt aus einer einzelnen Klinik (Boelaert u. a., 2010). Für diesen Beitrag lag nur ihre Zusammenfassung vor.

Die Angaben zum Blutdruck beruhen auf einer Übersicht von 1994 und einer Studie von 1988 (Saito & Saruta, 1994; Streeten u. a., 1988). Die Studie von 1988 untersuchte nur Menschen, die bereits an eine Hochdruckambulanz überwiesen worden waren. Deshalb steht die Blutdruckrichtung hier mit „eher“ und „kann“, nicht als Regel.

Auch der Bluttest aus dem Kapitel zu den Blutwerten hat Grenzen. Schilddrüsen-Antikörper stehen nicht auf seiner Werteliste, und einen Ultraschall ersetzt er nicht. Er zeigt den Zustand jetzt, also eine Momentaufnahme.

Was heißt das für deine Schilddrüsen-Symptome?

Über- oder Unterfunktion: Die Frage aus der Überschrift lässt sich mit Beschwerden allein nicht beantworten. Gegensätze wie Frieren und Schwitzen deuten eine Richtung an, Müdigkeit und dünneres Haar tun das nicht. Mehrere Beschwerden zusammen sind ein guter Grund für einen Bluttest. Erst der TSH-Wert ordnet ein. Die Notizliste gehört deshalb nicht in eine Punktwertung, sondern in das Gespräch in der Praxis.

Häufige Fragen

Wie häufig ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Eine Schilddrüsenüberfunktion kommt laut IQWiG (2024) bei ungefähr 1 von 100 Personen vor. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, meist im mittleren Erwachsenenalter (sinngemäß nach IQWiG, 2024). Die Unterfunktion ist mit ungefähr 5 von 100 Menschen in Ländern wie Deutschland verbreiteter (IQWiG, 2024). In einer US-Studie unter Messebesuchern hatten 2,2 % ein erniedrigtes TSH (Canaris u. a., 2000). Diese Zahl ist nicht repräsentativ und lässt sich nicht auf Deutschland übertragen. Ein erniedrigter Wert allein ist noch keine Diagnose.

Kann eine Unterfunktion Kurzatmigkeit machen?

Ja, das ist möglich: Das IQWiG (2024) nennt Kurzatmigkeit neben einem niedrigen Puls unter den Beschwerden einer Unterfunktion. Ein eindeutiges Zeichen ist sie nicht, denn auch bei der Überfunktion taucht sie auf. Bei älteren Menschen mit Überfunktion blieb Kurzatmigkeit in einer Klinikstudie erhalten, während andere klassische Zeichen mit dem Alter seltener wurden (Boelaert u. a., 2010). Kurzatmigkeit gehört deshalb in die ärztliche Abklärung, und welche Ursache dahintersteckt, zeigen Untersuchung und Blutwerte.

Haben ältere Menschen bei einer Überfunktion andere Symptome?

Ältere zeigen bei einer Überfunktion weniger klassische Zeichen, das ergab eine Klinikstudie mit 3.049 Menschen mit Überfunktion (Boelaert u. a., 2010). Mit steigendem Alter wurden die meisten klassischen Beschwerden seltener, Gewichtsverlust und Kurzatmigkeit dagegen nicht (Boelaert u. a., 2010). Die Autoren halten fest, dass fehlende klassische Zeichen häufig die Diagnose verzögern, und schlagen sinngemäß vor, ab 60 Jahren eher die Schilddrüsenwerte zu bestimmen (Boelaert u. a., 2010). Die Studie stammt aus einer einzelnen Klinik (Boelaert u. a., 2010).

Ist ein Schilddrüsentest mit Fragebogen aussagekräftig?

Ein Fragebogen kann einen Anlass für einen Bluttest liefern, mehr nicht. In einer US-Studie gaben Menschen mit Unterfunktion Beschwerden zwar häufiger an als Menschen ohne, doch jede einzelne Beschwerde verriet für sich genommen wenig (Canaris u. a., 2000). Die Autoren empfehlen deshalb, bei mehreren Schilddrüsen-Beschwerden die Blutwerte bestimmen zu lassen (Canaris u. a., 2000). Ein Fragebogen kann eine Störung weder feststellen noch ausschließen. Eingeordnet wird erst mit dem TSH-Wert, wenn nötig mit den freien Hormonen (IQWiG, 2025), und im Gespräch in der Praxis.

Ist der TSH-Wert bei einer Überfunktion hoch oder niedrig?

Niedrig: Erniedrigte TSH-Werte können laut IQWiG (2025) auf eine Überfunktion hinweisen, erhöhte deuten auf eine Unterfunktion hin. Merken lässt sich das so: Ein niedriges TSH passt zur Überfunktion, ein hohes zur Unterfunktion (IQWiG, 2025). Liegt der Wert im Referenzbereich, reicht das laut IQWiG (2025) aus, um eine Funktionsstörung auszuschließen. Ein einzelner Wert ist trotzdem keine Diagnose, denn von einem Laborwert allein lässt sich laut IQWiG (2025) meist nicht auf eine Krankheit schließen.

Nächster Schritt

Wenn die Beschwerden eher zur Unterfunktion passen

Wie sich eine Unterfunktion im Einzelnen zeigt und wie sie abgeklärt wird, steht in einem eigenen Beitrag.

Unterfunktion: Symptome und Abklärung Hashimoto-Symptome einordnen Beschwerden und Diagnose bei Hashimoto-Thyreoiditis

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Quellen

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) (Stand 2024) – gesundheitsinformation.de
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) (Stand 2024) – gesundheitsinformation.de
  3. Canaris G. J. u. a.: The Colorado thyroid disease prevalence study, Archives of Internal Medicine (2000) – europepmc.org
  4. Boelaert K. u. a.: Older subjects with hyperthyroidism present with a paucity of symptoms and signs, The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2010) – europepmc.org

Die möglichen Beschwerden beider Störungen und ihre Verbreitung stützen sich auf [1] und [2], die Aussagen zum Selbstcheck auf [3] und [4]. Die Richtung des TSH-Werts folgt der IQWiG-Seite Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) (Stand 2025), die Angaben zum Blutdruck den älteren Arbeiten von Saito & Saruta (1994) und Streeten u. a. (1988). Werteliste und Preis des Bluttests im Kapitel zu den Blutwerten: Angaben von mybody®x, Stand der Angaben: 28.10.2026.

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Schilddrüse Blutwerte

Dieser Beitrag stammt vom mybody®x Redaktions- & Fachteam und stützt sich auf Gesundheitsinformationen des IQWiG und auf veröffentlichte Studien. Wer hinter dem Team steht, zeigt die Autorenseite.

Veröffentlicht am 28.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 28.10.2026

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