ISO-zertifizierte Laboranalysen 🇩🇪

HPU und KPU: was dahintersteckt und was ein Urintest misst

20. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam

Das Wichtigste in Kürze

Hinter HPU und KPU steht die Annahme, ein Stoff im Urin entziehe dem Körper Zink und Vitamin B6. Eine Fachkommission am Robert Koch-Institut fand dafür keine Belege und empfahl Urintests zur Diagnose nicht (RKI-Kommission, 2007). Wer anhaltende Beschwerden hat, ist in einer ärztlichen Abklärung besser aufgehoben als bei einem Pyrroltest.

Nicht anerkannt, Stand 2007: Die Kommission stufte die Pyrrolurie, den Sammelbegriff für HPU und KPU, als Befund ein, der keiner Krankheit zugeordnet werden kann (RKI-Kommission, 2007).

Für den Urintest gab es laut Kommission keine Standardmethode, und aus einem erhöhten Wert lässt sich keine Stoffwechselstörung ableiten (RKI-Kommission, 2007).

Zink lässt sich im Blutplasma bestimmen, doch der Wert hängt unter anderem von der letzten Mahlzeit und der Tageszeit ab (King u. a., 2016).

In diesem Artikel

Was ist HPU (Hämopyrrollaktamurie)?

HPU steht für Hämopyrrollaktamurie und bezeichnet die Annahme, ein körpereigener Stoff im Urin binde Vitamin B6 und Zink und führe so zu einem Mangel. Für diese Annahme fand eine Fachkommission am Robert Koch-Institut keinen Beleg (RKI-Kommission, 2007).

Vielleicht bist du in einem Forum auf den Begriff gestoßen, vielleicht hat ihn jemand in einer Praxis erwähnt. Er taucht dort auf, wo Menschen eine Erklärung für Beschwerden suchen, die ihnen bisher niemand zufriedenstellend erklären konnte. Diese Suche ist berechtigt, und sie verdient eine Antwort, die zwischen Vermutung und Beleg trennt.

Was ist der Mauve-Faktor bei HPU?

Der Mauve-Faktor ist ein Stoff im Urin, der 1961 beschrieben wurde, weil er mit dem Ehrlich-Reagenz blau-lila reagiert (RKI-Kommission, 2007). Seinen Namen hat er von dieser Farbe, denn „mauve“ bedeutet hellviolett.

Das Ehrlich-Reagenz, chemisch p-Dimethylaminobenzaldehyd, ist ein Prüfreagenz, das sich beim Kontakt mit bestimmten Stoffen verfärbt (RKI-Kommission, 2007). Wer eine Urinprobe damit versetzt, sieht eine Farbe, aber noch keinen Stoffnamen. Welcher Stoff hinter der Farbe steckt, ist die Frage, um die sich die weitere Geschichte dreht.

Was soll bei HPU mit Zink und Vitamin B6 passieren?

Pfeiffer und Mitarbeiter vermuteten im Mauve-Faktor ein körpereigenes Pyrrol, also eine chemische Verbindung aus einer Stoffgruppe, auf die das Ehrlich-Reagenz anspricht (RKI-Kommission, 2007). Dieses Pyrrol soll mit Pyridoxalphosphat, einer Form von Vitamin B6, eine Verbindung eingehen, die wiederum mit Zink einen Komplex bildet.

Man kann sich das Modell wie einen Taschendieb vorstellen, der Zink und Vitamin B6 einsteckt und mit dem Urin aus dem Körper trägt. Am Ende soll der Körper an beiden verarmen. Die Kommission schließt ihre Darstellung dieses Modells knapp: „Ein Beleg fehlt“ (RKI-Kommission, 2007).

Danach wanderte die Vermutung weiter. Irvine meinte 1978, die Substanz sei wohl kein Kryptopyrrol, das zuerst vermutete Pyrrol, sondern Hämopyrrollaktam (RKI-Kommission, 2007). Andere Autoren fanden gar keinen Hinweis auf solche Pyrrole im Urin (RKI-Kommission, 2007). Aus diesen wechselnden Deutungen stammen die Kürzel KPU und HPU.

Ist HPU eine anerkannte Krankheit?

Nein. Eine Fachkommission am Robert Koch-Institut stufte die Pyrrolurie als Befund ein, der nach wissenschaftlichen Kriterien keiner Krankheit zugeordnet werden kann, und empfahl Untersuchungen zu ihrer Diagnose nicht (RKI-Kommission, 2007).

Die Bewertung stammt von der Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ am Robert Koch-Institut und erschien 2007 im Bundesgesundheitsblatt. Pyrrolurie ist dort der Name, unter dem die Kommission HPU und KPU samt ihren Synonymen zusammenfasst.

Untersuchungen zur Pyrrolurie ordnete die Kommission in ihre Kategorie IV ein, die für Maßnahmen steht, die nicht empfohlen werden können (RKI-Kommission, 2007). Sie begründet das so: „Die in der früheren Literatur geäußerten Hypothesen über einen Zusammenhang zwischen Pyrrolen im Urin und verschiedenen Erkrankungen wurden nicht bestätigt“ (RKI-Kommission, 2007).

Belegte Fundstelle

„Die Pyrrolurie ist ein Befund, der nach wissenschaftlichen Kriterien keiner Krankheit zugeordnet werden kann.“

Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ am Robert Koch-Institut
Bundesgesundheitsblatt, 2007

Auch für die chemische Identität des vermuteten Pyrrol-Komplexes wurden laut Kommission keine wissenschaftlich fundierten Belege vorgelegt (RKI-Kommission, 2007). Damit ist weder der Stoff gesichert noch sein Bezug zu einer Krankheit.

Wie aktuell ist die Bewertung von HPU?

Sie trägt den Stand 2007. Schon damals hielt die Kommission fest: „Neuere wissenschaftliche Literatur fehlt“ (RKI-Kommission, 2007).

Für die Einordnung zählt auch, wer spricht. Eine Fachkommission am Robert Koch-Institut ist keine medizinische Fachgesellschaft, und ihre Mitteilung ist keine Leitlinie. Sie hat sich aber gezielt mit der Frage befasst, die im Titel ihrer Mitteilung steht: ob die (Krypto-)Pyrrolurie in der Umweltmedizin eine valide Diagnose ist.

Das Urteil betrifft die Erklärung, nicht deine Beschwerden. Wer sich seit Monaten erschöpft fühlt, bildet sich das nicht ein, nur weil sich HPU als Ursache nicht belegen lässt. Die Beschwerden verdienen eine Abklärung, die Erklärung HPU eine nüchterne Prüfung.

Welche Symptome werden HPU zugeschrieben?

Verfechter der Pyrrolurie-Hypothese schreiben ihr eine lange Liste allgemeiner Beschwerden zu, von Schlafstörungen bis zu brüchigen Nägeln. Belege dafür fand die Kommission nicht (RKI-Kommission, 2007).

Wer lange ohne Erklärung mit Beschwerden lebt und dann auf eine Liste stößt, in der er sich wiederfindet, fühlt sich zum ersten Mal verstanden. Das ist nachvollziehbar. Gerade deshalb zählt, woher die Liste stammt und was sie leisten kann.

Verfechter der Pyrrolurie-Hypothese nennen unter anderem diese Beschwerden (RKI-Kommission, 2007):

  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Traumerinnerung
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
  • Schlafstörungen und Wahrnehmungsstörungen
  • Infektionsneigung und Wundheilungsstörungen
  • Haarausfall und brüchige Nägel
  • rissige Haut und Akne
  • Kopfschmerzen
  • Angstzustände und Panikattacken

Zu solchen Fragelisten aus dem Internet schreibt die Kommission: „Die Symptome sind so allgemein, dass sie für fast jeden Menschen, dem es nicht gut geht, zutreffen“ (RKI-Kommission, 2007). Belege für die Behauptungen ließen sich nicht finden, und das erweiterte neurologische Spektrum werde durch keine wissenschaftliche Literatur gestützt (RKI-Kommission, 2007).

Eine Liste, die auf beinahe jeden passt, kann zwischen Ursachen nicht unterscheiden. Die Kommission bemerkt dazu, dass sich in diesen Aufzählungen für fast jeden ein Anlass findet, eine Urinuntersuchung vornehmen zu lassen (RKI-Kommission, 2007).

Was tun bei Beschwerden, die als HPU gedeutet werden?

Anhaltende Beschwerden gehören in eine ärztliche Abklärung, ein Pyrroltest im Urin ersetzt sie nicht. Die Kommission empfahl solche Untersuchungen zur Diagnose ausdrücklich nicht (RKI-Kommission, 2007).

Schreib vor dem Termin auf, seit wann die Beschwerden bestehen und in welchen Situationen sie stärker werden. Hast du bereits ein HPU-Ergebnis, nimm es mit und sprich offen darüber. In der Praxis lässt sich dann gemeinsam entscheiden, welche Untersuchungen in deiner Lage sinnvoll sind.

Was misst ein HPU-Test im Urin, und was nicht?

Was ein HPU-Test oder Pyrrolurie-Test misst, hängt vom Labor ab, denn laut Kommission gab es keine Standardmethode (RKI-Kommission, 2007). Aus einem erhöhten Wert lässt sich nach ihrer Bewertung nicht auf eine Stoffwechselstörung oder eine Erkrankung schließen (RKI-Kommission, 2007).

Worauf reagiert das Ehrlich-Reagenz im HPU-Test?

Das Ehrlich-Reagenz, mit dem der Mauve-Faktor ursprünglich beschrieben wurde, verfärbt sich bei mehreren Stoffgruppen, und Pyrrole sind nur eine davon (RKI-Kommission, 2007). Laut Kommission zeigt es diese Farbreaktionen:

  • Amine und Indole: rot oder blau
  • Pyrrole: ebenfalls rot oder blau
  • Harnstoff sowie Xanthuren- und Urocaninsäure: gelb bis orange
  • Citrullin: gelb

Eine Verfärbung allein verrät also nicht, welcher Stoff sie ausgelöst hat. Genau hier liegt der erste Schwachpunkt der Messidee.

Was sagt ein erhöhter Wert beim HPU-Test aus?

Nach der Bewertung von 2007 nichts über eine Krankheit, denn die Messung des Mauve-Faktors gehört laut Kommission nicht zum diagnostischen Repertoire (RKI-Kommission, 2007).

Nach Darstellung der Kommission gaben Labore ganz unterschiedliche Messgrößen an, darunter Kryptopyrrol und Hämopyrrol (RKI-Kommission, 2007). Ihr knappes Urteil dazu lautet: „Es gibt keine Standardmethode“ (RKI-Kommission, 2007). Damit entfallen nach ihrer Einschätzung wichtige Möglichkeiten der internen und externen Qualitätskontrolle (RKI-Kommission, 2007).

Verlässliche Angaben dazu, wie stark die Pyrrolausscheidung bei einem Menschen schwankt und wie sehr sie sich zwischen Menschen unterscheidet, lagen laut Kommission nicht vor (RKI-Kommission, 2007). Selbst wenn sich der Mauve-Faktor richtig messen ließe, fehle laut Kommission der Bezug zu einer Krankheit (RKI-Kommission, 2007). Ein positives Ergebnis ist damit ein Messwert, dem keine gesicherte Bedeutung zugeordnet ist.

Ein ähnliches Muster kennt man von der Haaranalyse: Dort geht es um Mineralstoffe im Haar, hier um Pyrrole im Urin. In beiden Fällen fehlt ein Standard, der beim einzelnen Menschen eine Diagnose trägt. Für Zink im Haar sah eine Expertengruppe zu wenige Daten, um es zur Beurteilung des Zinkstatus zu empfehlen (King u. a., 2016).

Mythos-Check: HPU-Test im Urin

Behauptung

„Ein HPU-Test misst einen bestimmten Stoff.“

Was die Quelle zeigt

Labore gaben an, verschiedene Stoffe zu messen, und eine Standardmethode gab es nicht (RKI-Kommission, 2007).

Behauptung

„Ein positiver HPU-Test zeigt einen Zink- und Vitamin-B6-Mangel.“

Was die Quelle zeigt

Der behauptete Mangel wurde nie durch Laboruntersuchungen belegt (RKI-Kommission, 2007).

Was ist der Unterschied zwischen HPU und KPU?

Ein belegter Unterschied besteht nicht, denn HPU und KPU gehören zu 19 Namen, die laut Kommission alle dasselbe Phänomen bezeichnen (RKI-Kommission, 2007). Die Namen unterscheiden sich danach, welchen Stoff ihre Urheber im Urin vermuteten oder welche Farbe sie in den Vordergrund stellten.

KPU steht für Kryptopyrrolurie und folgt der Vermutung, der Stoff im Urin sei Kryptopyrrol. HPU, die Hämopyrrollaktamurie, geht auf die spätere Deutung von Irvine aus dem Jahr 1978 zurück, der wohl eher Hämopyrrollaktam dahinter sah (RKI-Kommission, 2007). Ob jemand einen KPU-Test oder einen HPU-Test sucht, gemeint ist dieselbe Messidee unter zwei Namen.

Einige Autoren stellten bei der Namensgebung die Färbung des Urins nach Zugabe des Reagenzes in den Vordergrund, daher der Name Malvarie (RKI-Kommission, 2007). Dazu kommen abweichende Schreibweisen: Die Übersicht der Kommission führt etwa Hämopyrrolaktamurie und Hämopyrrolactamurie (RKI-Kommission, 2007).

Welcher Stoff tatsächlich gemeint ist, blieb offen. „Eine sichere Bestätigung der chemischen Identität des Pyrrols fehlt bis heute“, heißt es in der Mitteilung (RKI-Kommission, 2007), und dieses „bis heute“ meint den Stand von 2007.

Zwei Kürzel bedeuten deshalb keine zwei Befunde. Die Übersicht zeigt, worauf sich die gängigen Namen stützen und was dazu belegt ist.

Namen für dasselbe Phänomen

Name Gestützt auf Belegt ist
KPU (Kryptopyrrolurie) vermuteter Stoff Kryptopyrrol chemische Identität nicht bestätigt (RKI-Kommission, 2007)
HPU (Hämopyrrollaktamurie) vermuteter Stoff Hämopyrrollaktam, nach Irvine 1978 chemische Identität nicht bestätigt (RKI-Kommission, 2007)
Malvarie Färbung des Urins im Test kein Bezug zu einer Krankheit (RKI-Kommission, 2007)

Laut Kommission bezeichnen alle 19 Namen dasselbe Phänomen (RKI-Kommission, 2007).

Zink und Vitamin B6 im Blut statt HPU-Test: Was sagt das aus?

Blutwerte zu Zink und Vitamin B6 betreffen die Nährstoffe selbst, ein HPU-Test dagegen einen Stoff, dessen Bezug zu einem Mangel nie belegt wurde (RKI-Kommission, 2007). Auch Blutwerte haben aber Störgrößen, die bei der Einordnung zählen (King u. a., 2016).

Führt HPU zu einem Zink- oder Vitamin-B6-Mangel?

Belegt ist das nicht. Die Kommission schreibt: „Der behauptete Vitamin-B6- und Zinkmangel wurde nie durch Laboruntersuchungen belegt“ (RKI-Kommission, 2007).

Sie hat außerdem nachgerechnet, ob ein solcher Verlust ins Gewicht fiele. Selbst die Ausscheidung von 1 µmol (Mikromol) Hämopyrrol bedeutete nur ein Sechstel der damals empfohlenen täglichen Zufuhr von Vitamin B6 und ein 153stel der damals empfohlenen Zufuhr von Zink (RKI-Kommission, 2007). Ein ausgeschiedener Komplex sollte nach diesen Berechnungen also keinen Mangel mit sich bringen (RKI-Kommission, 2007).

Bei einem echten Mangel wären nach der Kommission andere Laborbefunde zu erwarten: bei Zink eine erniedrigte Aktivität der alkalischen Phosphatase, eines Laborwerts im Serum, bei Vitamin B6 niedrige Vitaminspiegel (RKI-Kommission, 2007).

Wie viel Zink und Vitamin B6 brauchst du am Tag?

Laut DGE (2019) brauchen Männer 1,6 mg und Frauen 1,4 mg Vitamin B6 am Tag. Bei Zink nennt die DGE (2019) für Männer 11 bis 16 mg und für Frauen 7 bis 10 mg täglich, je nach Phytatzufuhr.

Phytat bindet Zink im Magen-Darm-Trakt, sodass der Körper es nicht mehr aufnehmen kann (DGE, 2019). Deshalb fällt der Referenzwert umso höher aus, je mehr Phytat die Ernährung enthält. Als gute Zinklieferanten nennt die DGE (2019) unter anderem Fleisch und Eier, und aus tierischen Lebensmitteln wird Zink besser aufgenommen als aus pflanzlichen. Mehr zum Zinkbedarf am Tag steht in einem eigenen Beitrag.

Mehr ist dabei nicht automatisch besser. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 6,5 mg Zink je Tagesverzehrempfehlung (BfR, 2021). Die tolerierbare Höchstmenge für Erwachsene liegt bei 25 mg am Tag (BfR, 2021), abgeleitet 2003 vom früheren Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU-Kommission.

Für die HPU-Frage ist das wichtig: Laut Kommission enthielten die im Internet mit „Pyrrolurie“ beworbenen Produkte in der Regel hohe Dosen an Vitamin B6 und Zink (RKI-Kommission, 2007). Die Dosen lagen nach ihrer Darstellung zum Teil weit über den oberen tolerierbaren Dosen (RKI-Kommission, 2007). Was bei zu viel Vitamin B6 zu bedenken ist, beschreibt ein eigener Beitrag. Ob sich die Kombination lohnt, ordnet der Beitrag darüber ein, was an Vitamin B6 mit Zink dran ist.

Wie werden Zink und Vitamin B6 im Blut bestimmt?

Für Zink empfiehlt eine Expertengruppe des Programms Biomarkers of Nutrition for Development (BOND) unter anderem die Messung von Zink im Blutplasma, kurz Plasmazink (King u. a., 2016). Für Vitamin B6 wird am häufigsten Pyridoxalphosphat (PLP) im Plasma bestimmt, die aktive Form des Vitamins (Ueland u. a., 2015).

Der Körper hält Zink eng im Gleichgewicht, weshalb sich ein Mangel oder ein Überschuss nur schwer erfassen lässt (King u. a., 2016). Beim Plasmazink kommt hinzu, dass die letzte Mahlzeit und die Tageszeit den Wert verschieben (King u. a., 2016). Entzündungen wirken ebenfalls darauf ein, genauso bestimmte Medikamente und Hormone (King u. a., 2016).

Für die HPU-Frage bemerkenswert: Auch Zink im Urin empfiehlt die Expertengruppe mangels Daten nicht zur Beurteilung des Zinkstatus, ebenso wenig Zink im Haar (King u. a., 2016).

Vitamin B6 beurteilt man laut einer Fachübersicht am besten mit einer Kombination mehrerer Marker, weil Störgrößen wie Entzündungen oder die Nierenfunktion den Wert verfälschen können (Ueland u. a., 2015). Wo die Grenze zwischen niedrig und unauffällig liegt, zeigt der Referenzbereich auf deinem Befund, denn er hängt von Labor und Methode ab. Woran sich ein Mangel bemerkbar machen kann, beschreibt der Beitrag über Anzeichen eines Vitamin-B6-Mangels.

Einen HPU- oder Pyrrolwert misst kein Test von mybody®x (MYBODY Lab GmbH), Vitamin B6 ebenfalls nicht. Der VitalCheck von mybody®x bestimmt aus Kapillarblut unter anderem Zink, für 169,00 € (Stand 20.10.2026, Änderungen möglich). Der Wert dient der Vorbereitung auf das Arztgespräch und ersetzt keine ärztliche Abklärung.

Kapitel auf einen Blick

Den behaupteten Zink- und Vitamin-B6-Mangel bei HPU hat laut Kommission nie eine Laboruntersuchung belegt (RKI-Kommission, 2007). Laut DGE (2019) brauchen Männer 1,6 mg und Frauen 1,4 mg Vitamin B6 am Tag. Plasmazink ist kein fester Wert, er hängt unter anderem von der letzten Mahlzeit und der Tageszeit ab (King u. a., 2016). Vitamin B6 wird am besten über eine Kombination mehrerer Marker beurteilt (Ueland u. a., 2015).

Wo liegen die Grenzen des Wissens über HPU?

Die maßgebliche Bewertung stammt von 2007, und schon damals fehlte laut Kommission neuere wissenschaftliche Literatur (RKI-Kommission, 2007). Was hier über HPU steht, trägt deshalb den Stand 2007.

Absender ist eine Fachkommission am Robert Koch-Institut, ihre Mitteilung von 2007 ist keine Leitlinie einer medizinischen Fachgesellschaft. Sie gibt den Wissensstand ihrer Zeit wieder.

Die Fachübersicht zum Zinkstatus stammt von einer Expertengruppe mit Schwerpunkt auf Entwicklungsländern und Kindern (King u. a., 2016). Ihre Aussagen zum Plasmazink sind allgemein gehalten und beziehen sich nicht auf HPU. Für die Übersicht zu den Biomarkern von Vitamin B6 gilt das ebenso (Ueland u. a., 2015).

Auch ein Bluttest hat Grenzen. Er zeigt den Zustand jetzt, und ein auffälliger Wert bedeutet nicht automatisch eine Krankheit. Vitamin B6 und Pyrrolwerte misst kein Test von mybody®x.

HPU: Was du jetzt tun kannst

Ein positives HPU-Ergebnis ist kein Beleg für einen Mangel, deine Beschwerden bleiben trotzdem ein guter Grund für einen Arzttermin. Nimm das Ergebnis mit in die Praxis und frag dort, ob eine Blutuntersuchung auf Zink oder Vitamin B6 in deiner Lage sinnvoll ist. Über hoch dosierte Präparate sprichst du am besten vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Die Erklärung HPU trägt nicht, deine Frage nach einer Erklärung schon.

Häufige Fragen

Ist HPU eine Stoffwechselstörung?

Nach der Bewertung von 2007 lässt sich das nicht belegen. Aus einer erhöhten Ausscheidung des Mauve-Faktors oder von Pyrrolen kann laut Kommission nicht auf eine Stoffwechselstörung oder eine Erkrankung geschlossen werden (RKI-Kommission, 2007). Hinzu kommt, dass Herkunft und chemische Identität der betreffenden Stoffe nach ihrer Darstellung nicht hinreichend geklärt sind (RKI-Kommission, 2007). Die Bezeichnung „Stoffwechselstörung HPU“ beschreibt also eine Annahme, keinen gesicherten Befund.

Was bedeutet Pyrrolurie?

Pyrrolurie ist der Sammelname, unter dem eine Fachkommission am Robert Koch-Institut die Annahme bewertete, Pyrrole im Urin hingen mit Erkrankungen zusammen (RKI-Kommission, 2007). Sie führt dafür 19 Namen auf, darunter Kryptopyrrolurie und Hämopyrrolaktamurie, und hält fest, dass alle dasselbe Phänomen bezeichnen (RKI-Kommission, 2007). Ihr Urteil mit Stand 2007 lautet: ein Befund, der keiner Krankheit zugeordnet werden kann.

Woher stammt die Idee hinter HPU?

Die Idee geht auf das Jahr 1961 zurück, als ein Stoff im Urin beschrieben wurde, der mit dem Ehrlich-Reagenz blau-lila reagiert und deshalb Mauve-Faktor hieß (RKI-Kommission, 2007). Pfeiffer und Mitarbeiter deuteten ihn als körpereigenes Pyrrol, das Vitamin B6 und Zink binden soll. Irvine vermutete 1978 stattdessen Hämopyrrollaktam, worauf der Name HPU zurückgeht (RKI-Kommission, 2007). Zum Modell selbst hält die Kommission fest: „Ein Beleg fehlt“ (RKI-Kommission, 2007).

Gibt es eine Standardmethode für den KPU-Test?

Nein, die Kommission schreibt: „Es gibt keine Standardmethode“ (RKI-Kommission, 2007). Je nach Labor wurde ein anderer Stoff als Messgröße angegeben, mal Kryptopyrrol, mal Hämopyrrol. Dadurch entfallen nach ihrer Einschätzung wichtige Möglichkeiten der Qualitätskontrolle, und verlässliche Angaben zur Schwankung der Pyrrolausscheidung lagen nicht vor (RKI-Kommission, 2007). Ein KPU-Ergebnis ist deshalb zwischen Laboren kaum vergleichbar.

Warum werden bei HPU hohe Dosen Zink und Vitamin B6 angeboten?

Weil die Hypothese behauptet, ein Pyrrol entziehe dem Körper beide Stoffe. Die Kommission beschreibt das Versprechen so: „Eine Besserung wird durch Gabe von Mikronährstoffen, besonders Vitamin B6 und Zink versprochen“ (RKI-Kommission, 2007). Die angebotenen Produkte lagen nach ihrer Darstellung zum Teil weit über den oberen tolerierbaren Dosen (RKI-Kommission, 2007). Für Zink liegt die tolerierbare Höchstmenge bei Erwachsenen bei 25 mg am Tag (BfR, 2021). Hohe Dosen besprichst du deshalb vorher ärztlich.

Nächster Schritt

Zinkbedarf: Referenzwerte und Obergrenze

Wurde dir nach einem HPU-Ergebnis Zink empfohlen, sieh dir an, wie viel du am Tag brauchst und ab wann es zu viel wird.

Wie viel Zink am Tag? Was an Vitamin B6 mit Zink dran ist Die Kombination nüchtern eingeordnet

Weiterlesen

Quellen

  1. Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ am Robert Koch-Institut: Die (Krypto-)Pyrrolurie in der Umweltmedizin: eine valide Diagnose?, Bundesgesundheitsblatt (Stand 2007) – edoc.rki.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte Zink und Vitamin B6 (Ableitung 2019) – dge.de (Zink) · dge.de (Vitamin B6)
  3. King J. C. u. a.: Biomarkers of Nutrition for Development (BOND) – Zinc Review, Journal of Nutrition (Stand 2016) – europepmc.org
  4. Ueland P. M. u. a.: Direct and Functional Biomarkers of Vitamin B6 Status, Annual Review of Nutrition (Stand 2015) – europepmc.org

Herkunft der Hypothese, Bewertung, zugeschriebene Beschwerden und Urintest stützen sich auf [1], die Referenzwerte für Zink und Vitamin B6 auf [2]. Plasmazink stützt sich auf [3], Pyridoxalphosphat auf [4]. Die Höchstmengen für Zink stammen vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2021), abrufbar unter bfr.bund.de. Preis und Messumfang des genannten Bluttests: Angaben von mybody®x, Stand 20.10.2026.

mybody®x (MYBODY Lab GmbH) Zertifikat / Qualitätssiegel

mybody®x Redaktions- & Fachteam

Nährstoffe Labormedizin

Das mybody®x Redaktions- & Fachteam ordnet Laborwerte anhand von Behördenangaben und Fachliteratur ein. Wer an diesem Artikel mitgearbeitet hat, steht auf der Autorenseite.

Veröffentlicht am 20.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 20.10.2026

Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.

Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.

Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.

mybody®x (MYBODY Lab GmbH) Zertifikat / Qualitätssiegel

Aktuelle Beiträge

Alle anzeigen

HPU und KPU: was dahintersteckt und was ein Urintest misst

HPU und KPU: was dahintersteckt und was ein Urintest misst

HPU und KPU: was dahintersteckt und was ein Urintest misst 20. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam Das Wichtigste in Kürze Hinter HPU und KPU steht die Annahme, ein Stoff im Urin entziehe dem Körper Zink und Vitamin...

Weiterlesen

Eisentabletten: Nebenwirkungen und wann sie harmlos sind

Eisentabletten: Nebenwirkungen und wann sie harmlos sind

Eisentabletten: Nebenwirkungen und wann sie harmlos sind 20. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam Das Wichtigste in Kürze Eisentabletten lösen laut IQWiG (2023) häufig Magen-Darm-Beschwerden aus, und ein dunkler Stuhl ist dabei unbedenklich. Sieht der Stuhl schwarz und...

Weiterlesen

Schlafstörungen: Ursachen für Probleme beim Ein- und Durchschlafen

Schlafstörungen: Ursachen für Probleme beim Ein- und Durchschlafen

Schlafstörungen: Ursachen für Probleme beim Ein- und Durchschlafen 7. Oktober 2026ca. 14 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam Das Wichtigste in Kürze Etwa eine halbe Stunde bis zum Einschlafen ist laut IQWiG (2024) normal. Von einer Schlafstörung spricht das IQWiG (2024)...

Weiterlesen