Wirkt Vitamin D entzündungshemmend? Was die Studien zeigen
29. September 2026ca. 16 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Ob Vitamin D entzündungshemmend wirkt, beantworten die Studien nicht einheitlich (Hsu u. a., 2026). Eine ältere Auswertung von 10 Studien fand beim Entzündungswert CRP (C-reaktives Protein) in seiner empfindlichen Messform eine Senkung um 1,08 mg/l (Chen u. a., 2014). Zwei neuere Auswertungen fanden beim CRP keinen gesicherten Effekt (Mazidi u. a., 2018; Gouveia u. a., 2024).
Eine Senkung fand die jüngste Übersicht bei Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel, bei Übergewicht und Asthma dagegen keine gesicherte Veränderung (Hsu u. a., 2026).
Keine der vier Auswertungen vergleicht direkt, ob Vitamin D bei einem Mangel, also einem zu niedrigen Wert im Blut, anders wirkt als bei guter Versorgung.
Zugelassen ist die Angabe „Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ (EU, 2012), von Entzündung spricht sie nicht.
In diesem Artikel
Was meint „entzündungshemmend“ bei Vitamin D?
Gemeint ist, dass bestimmte Blutwerte, die eine Entzündung anzeigen, nach einer Vitamin-D-Gabe niedriger ausfallen als in einer Vergleichsgruppe. Die Studien prüfen das an solchen Werten im Blut.
Der Satz „Vitamin D wirkt entzündungshemmend“ klingt nach einer gesicherten Tatsache. Vielleicht liest du ihn, bevor du zu Vitamin-D-Tropfen greifst. Er ist aber eine Behauptung, und sie lässt sich prüfen. Dafür muss zuerst klar sein, woran die Forschung „entzündungshemmend“ festmacht: an Entzündungsmarkern, also an Werten im Blut, die ein Labor misst, um eine Entzündung im Körper einzuordnen.
Der bekannteste dieser Marker ist das CRP (C-reaktives Protein), ein Eiweiß im Blut, das Labore als Entzündungswert bestimmen. Was ein erhöhter Wert anzeigt und was nicht, erklärt der Beitrag Was der CRP-Wert anzeigt. Dieser Artikel wiederholt das nicht, sondern fragt nur, ob Vitamin D den Wert verändert.
Eine der Auswertungen arbeitet mit dem hs-CRP, dem hochsensitiven CRP. Gemeint ist dieselbe Messgröße, bestimmt mit einem empfindlicheren Verfahren. Andere Auswertungen schauen zusätzlich auf IL-6 (Interleukin-6) und TNF-α (Tumornekrosefaktor alpha). Beides sind Botenstoffe des Immunsystems, die ebenfalls als Entzündungsmarker gelten.
Die Antwort auf die Titelfrage stützt sich hier auf Metaanalysen. Eine Metaanalyse rechnet die Ergebnisse mehrerer Einzelstudien zu einem gemeinsamen Ergebnis zusammen. Die Einzelstudien darin sind randomisierte Studien: Die Teilnehmenden werden per Zufall entweder der Vitamin-D-Gruppe oder einer Vergleichsgruppe zugeteilt, damit sich beide Gruppen zu Beginn möglichst gleichen. Unterscheiden sich die Werte am Ende, liegt das dann eher an der Gabe als an den Menschen, die sie bekommen haben.
Die jüngste Arbeit geht eine Stufe höher. Hsu u. a. legten eine Umbrella-Übersicht vor, also eine Auswertung, die mehrere Metaanalysen zusammenfasst: sieben Metaanalysen mit 97 Studien und etwa 11.600 Teilnehmenden (Hsu u. a., 2026).
Die Studienlage in Zahlen
10 Studien
mit 924 Teilnehmenden, ausgewertet auf das hs-CRP (Chen u. a., 2014)
24 Studien
zum CRP, zusammengefasst in einer Metaanalyse (Mazidi u. a., 2018)
11 Studien
mit 504 Teilnehmenden mit Übergewicht und Vitamin-D-Mangel (Gouveia u. a., 2024)
97 Studien
aus sieben Metaanalysen mit etwa 11.600 Teilnehmenden (Hsu u. a., 2026)
Quelle: Chen u. a., 2014 · Mazidi u. a., 2018 · Gouveia u. a., 2024 · Hsu u. a., 2026
Die Auswertungen unterscheiden sich in ihrer Größe und darin, wen sie untersucht haben. Wer in einer Studie saß, ist für die Antwort wichtiger, als es der Satz „Vitamin D wirkt entzündungshemmend“ vermuten lässt.
Wer mit Beschwerden an Gelenken oder im Darm nach diesem Thema sucht oder ein erhöhtes CRP auf dem letzten Befund hat, ist mit dieser Frage zuerst in der Hausarztpraxis richtig. Dieser Artikel ordnet die Studienlage ein, er ersetzt diese Abklärung nicht.
Was zeigen die Studien zu Vitamin D und Entzündungswerten?
Kein einheitliches Bild: Die Ergebnisse reichen von einer Senkung des hs-CRP um 1,08 mg/l (Chen u. a., 2014) bis zu einem Unterschied beim CRP von 0,01, also keiner Veränderung (Gouveia u. a., 2024).
Vier Auswertungen stehen hinter dieser Antwort, und sie passen nicht glatt zusammen. Die jüngste fasst die Lage selbst in einem Satz zusammen.
Belegte Fundstelle
„Die Belege aus Studien und Metaanalysen zur entzündungshemmenden Wirkung sind uneinheitlich.“
Hsu u. a., Umbrella-Übersicht in der Fachzeitschrift Inflammopharmacology
Band 34, Heft 7, 2026 · aus dem Englischen übersetzt
Wo senkte Vitamin D Entzündungswerte?
In zwei Auswertungen: beim hs-CRP über 10 Studien hinweg (Chen u. a., 2014) und bei Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel (Hsu u. a., 2026).
Chen u. a. (2014) werteten 10 randomisierte Studien mit zusammen 924 Teilnehmenden aus. Nach ihrer Rechnung senkte die Vitamin-D-Gabe das hs-CRP um 1,08 Milligramm je Liter, kurz mg/l (Chen u. a., 2014). Die Autoren schreiben selbst, dass die Einzelergebnisse uneinheitlich waren und das Ergebnis deshalb mit Vorsicht zu deuten ist.
Wie belastbar die Senkung ist, zeigt die Unsicherheitsspanne der Rechnung, also der Bereich, in dem der tatsächliche Effekt nach der Statistik plausibel liegt. Sie reicht von minus 2,13 bis minus 0,03 mg/l (Chen u. a., 2014) und endet damit knapp vor null.
Die Umbrella-Übersicht von Hsu u. a. fand eine Senkung in einer bestimmten Gruppe. Bei Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel sanken das CRP und die beiden Botenstoffe TNF-α und IL-6 signifikant (Hsu u. a., 2026). Signifikant heißt: statistisch gesichert, also mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Zufallsbefund.
Wo zeigte Vitamin D keinen Effekt auf Entzündungswerte?
Beim CRP in zwei Metaanalysen (Mazidi u. a., 2018; Gouveia u. a., 2024) und bei Übergewicht und Asthma in der Umbrella-Übersicht (Hsu u. a., 2026).
Mazidi u. a. (2018) fassten 24 randomisierte Studien zusammen. Das CRP sank nach der Vitamin-D-Gabe um 0,26 mg/l, aber nicht signifikant (Mazidi u. a., 2018). Die Unsicherheitsspanne reicht von minus 0,75 bis plus 0,22 mg/l (Mazidi u. a., 2018) und schließt die Null damit ein. Auch auf IL-10 (Interleukin-10), einen weiteren Botenstoff des Immunsystems, und auf TNF-α hatte die Gabe keinen Einfluss.
Ein Befund fällt aus der Reihe: In derselben Auswertung stieg IL-6 signifikant an (Mazidi u. a., 2018). Das ist ein Einzelbefund, der sich nicht als „Vitamin D fördert Entzündungen“ deuten lässt. Bei Übergewicht mit Mangel blieb IL-6 unverändert (Gouveia u. a., 2024), bei gestörtem Zuckerstoffwechsel sank es (Hsu u. a., 2026).
Gouveia u. a. untersuchten eine engere Gruppe: Menschen mit Übergewicht und Vitamin-D-Mangel, die keine Begleiterkrankungen hatten. Die Metaanalyse umfasste 11 Studien mit 504 Teilnehmenden (Gouveia u. a., 2024). Die Vitamin-D-Gabe veränderte das CRP nicht, der Unterschied lag bei 0,01 mit einer Spanne von minus 0,37 bis 0,39 (Gouveia u. a., 2024). Auch IL-6 und der Tumornekrosefaktor blieben unverändert.
Ein Detail aus dieser Arbeit ist aufschlussreich. Selbst in den Studien, in denen der Vitamin-D-Spiegel im Blut deutlich stieg, blieb das CRP gleich (Gouveia u. a., 2024). Ein höherer Vitamin-D-Wert ging dort also nicht mit einem niedrigeren Entzündungswert einher.
Ähnlich fiel die Umbrella-Übersicht für zwei Gruppen aus. Bei Übergewicht und bei Asthma zeigten sich keine signifikanten Veränderungen der Entzündungsmarker (Hsu u. a., 2026).
Wie verlässlich sind die Ergebnisse zu Vitamin D und CRP?
Eingeschränkt: Selbst die Senkung beim hs-CRP ist wegen uneinheitlicher Einzelergebnisse mit Vorsicht zu deuten (Chen u. a., 2014).
Uneinheitlich heißt in einer Metaanalyse: Die Ergebnisse der einzelnen Studien weichen stärker voneinander ab, als es der Zufall erklären würde. Ein gemeinsamer Mittelwert verdeckt diese Unterschiede. Hsu u. a. (2026) beschreiben die Beleglage entsprechend als uneinheitlich, je nach untersuchter Gruppe und je nach Marker.
Dazu kommt die zeitliche Reihenfolge. Die Senkung beim hs-CRP stammt aus der ältesten der vier Auswertungen (Chen u. a., 2014), die beiden folgenden Metaanalysen fanden beim CRP keinen Effekt (Mazidi u. a., 2018; Gouveia u. a., 2024). Und jede dieser Zahlen beschreibt Gruppen, nicht einzelne Menschen.
Vier Metaanalysen zu Vitamin D und CRP, 2014 bis 2026
| Metaanalyse | Wer untersucht wurde | Ergebnis beim CRP |
|---|---|---|
| Chen u. a. (2014) | 924 Teilnehmende aus 10 randomisierten Studien (Chen u. a., 2014) | hs-CRP um 1,08 mg/l gesenkt (Chen u. a., 2014); wegen uneinheitlicher Einzelergebnisse mit Vorsicht zu deuten |
| Mazidi u. a. (2018) | Teilnehmende aus 24 randomisierten Studien (Mazidi u. a., 2018) | kein signifikanter Effekt, minus 0,26 mg/l (Mazidi u. a., 2018) |
| Gouveia u. a. (2024) | 504 Menschen mit Übergewicht und Vitamin-D-Mangel ohne Begleiterkrankungen, aus 11 Studien (Gouveia u. a., 2024) | keine Veränderung, Unterschied 0,01 (Gouveia u. a., 2024) |
| Hsu u. a. (2026) | sieben Metaanalysen mit 97 Studien und etwa 11.600 Teilnehmenden (Hsu u. a., 2026) | Senkung bei gestörtem Zuckerstoffwechsel, keine signifikante Veränderung bei Übergewicht und Asthma; insgesamt uneinheitlich (Hsu u. a., 2026) |
Kommt es bei Vitamin D und Entzündungswerten auf einen Mangel an?
Das lässt sich aus den vier Auswertungen nicht beantworten, denn keine vergleicht Menschen mit Mangel direkt mit ausreichend Versorgten. Die einzige der vier, die nur Menschen mit Mangel untersuchte, fand beim CRP keine Veränderung (Gouveia u. a., 2024).

Hinter der Suche nach „Vitamin D entzündungshemmend“ steckt eine zweite Frage: Macht es einen Unterschied, ob jemand einen Mangel hat? Zwei Situationen lassen sich trennen. Beim Ausgleich eines Mangels bekommt jemand Vitamin D, dessen Wert im Blut unter dem Bereich liegt, den das Labor als ausreichend einordnet. Bei einer zusätzlichen Gabe liegt der Wert bereits in diesem Bereich.
Welcher Fall vorliegt, zeigt ein Laborwert: das 25-OH-Vitamin-D3, die Messgröße, mit der ein Befund den Vitamin-D-Stand im Blut angibt. Wie man diesen Wert liest und einordnet, erklärt der Beitrag Vitamin D3 im Blut: den 25-OH-D3-Wert verstehen. Als Hintergrund: Vitamin D ist fettlöslich und kann deshalb sehr gut im Körper gespeichert werden (BfR, 2025).
Eine Auswertung, die Menschen mit Mangel und gut Versorgte gemeinsam betrachtet, liefert einen Durchschnitt über beide Gruppen. Was in jeder Gruppe für sich passiert, lässt sich aus diesem Durchschnitt nicht ablesen. Deshalb kommt es darauf an, ob eine Studie die beiden Gruppen getrennt auswertet.
Auf den ersten Blick scheint eine Metaanalyse die Mangelfrage zu beantworten. Chen u. a. fanden in einer Untergruppe Hinweise auf eine stärkere Senkung um 2,21 mg/l bei Teilnehmenden, deren hs-CRP zu Beginn bei 5 mg/l oder darüber lag (Chen u. a., 2014). Diese Untergruppe richtet sich nach dem Entzündungswert zu Beginn, nicht nach dem Vitamin-D-Stand. Sie sagt also etwas über Menschen mit höherem CRP, nichts über Menschen mit Mangel.
Den einzigen Blick auf Menschen mit Mangel unter den vier Auswertungen liefern Gouveia u. a. Bei Übergewicht mit Vitamin-D-Mangel veränderte die Gabe das CRP nicht (Gouveia u. a., 2024). Das Ergebnis gilt für diese Gruppe. Ob Menschen mit Mangel, aber ohne Übergewicht anders reagieren, lässt sich daraus nicht ableiten.
Keine der vier Auswertungen stellt Menschen mit Mangel direkt neben ausreichend Versorgte. Die Frage, ob der Ausgleich eines Mangels Entzündungswerte anders verändert als eine zusätzliche Gabe, bleibt deshalb offen. Das ist der Stand der hier ausgewerteten Studien.
Für die eigene Einordnung folgt daraus eine Reihenfolge. Erst der gemessene Wert zeigt, ob überhaupt ein Mangel vorliegt. Was daraus folgt, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt; eine Dosis leitet sich aus den Studien zur Entzündungsfrage nicht ab.
Kapitel auf einen Blick
Keine der vier Auswertungen vergleicht Menschen mit Mangel direkt mit ausreichend Versorgten. Die stärkere Senkung bei einem hs-CRP ab 5 mg/l bezieht sich auf den Entzündungswert zu Beginn, nicht auf den Vitamin-D-Stand (Chen u. a., 2014). Bei Übergewicht mit Mangel blieb das CRP unverändert (Gouveia u. a., 2024). Ob ein Mangel vorliegt, zeigt erst der gemessene Wert.
Welche Behauptungen über Vitamin D und Entzündung halten?
In ihrer allgemeinen Form hält keine der drei Behauptungen unten. Die Belege sind uneinheitlich (Hsu u. a., 2026), und die zugelassene Angabe spricht vom Immunsystem, nicht von Entzündung (EU, 2012).
Wer nach Vitamin D und Entzündung sucht, stößt auf Sätze wie die folgenden. Jeder klingt plausibel, jeder verkürzt, was die Quellen hergeben.
Drei Behauptungen im Check
Behauptung
„Vitamin D wirkt entzündungshemmend.“
Was die Quellen zeigen
Uneinheitlich belegt: Eine Senkung fand die jüngste Übersicht bei gestörtem Zuckerstoffwechsel (Hsu u. a., 2026), eine Metaanalyse von 24 Studien fand beim CRP keinen Einfluss (Mazidi u. a., 2018).
Behauptung
„Vitamin D stärkt das Immunsystem.“
Was die Quellen zeigen
Zugelassen ist der Wortlaut „Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ (EU, 2012). Er spricht von normaler Funktion, nicht von Stärkung und nicht von Entzündung.
Behauptung
„Bei hohem CRP hilft Vitamin D besonders.“
Was die Quellen zeigen
Nur angedeutet: Bei einem hs-CRP ab 5 mg/l deutete sich eine stärkere Senkung um 2,21 mg/l an, mit Vorsicht zu deuten (Chen u. a., 2014). Ein erhöhtes CRP gehört in die Praxis.
Beim zweiten Satz kommt es auf den Wortlaut an. Die zugelassene Angabe steht in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 (EU, 2012) und beschreibt einen Beitrag zur normalen Funktion des Immunsystems. Wer daraus „stärkt das Immunsystem“ oder „hemmt Entzündungen“ macht, deutet sie um.
Wofür Vitamin D im Körper gebraucht wird und wo die Belege enden, ordnet der Beitrag Wofür braucht der Körper Vitamin D? ein.
Beim dritten Satz ist die Reihenfolge entscheidend. Ein erhöhtes CRP ist ein Anlass, die Ursache ärztlich abklären zu lassen. Die Studienlage zu Vitamin D ersetzt diese Abklärung nicht, zumal die stärkere Senkung in dieser Untergruppe nur angedeutet war (Chen u. a., 2014).
Was zeigt ein Bluttest zu Vitamin D und CRP?
Er zeigt den Stand beider Werte zum Zeitpunkt der Blutentnahme. Ob Vitamin D bei dir das CRP senkt, zeigt er nicht.
Die Studien beantworten die Titelfrage für Gruppen. Für die eigene Lage zählen zwei Werte: der Vitamin-D-Stand und das CRP. Wer beide kennt, kann mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob ein Mangel vorliegt und ob der Entzündungswert eine Abklärung braucht.
Wie man das CRP neben Vitamin D und Zink liest, steht im Beitrag CRP zusammen mit Vitamin D und Zink lesen. Dort geht es um das Lesen der Werte, hier nur um die Frage, ob Vitamin D das CRP senkt.
Für das Gespräch in der Praxis helfen zwei konkrete Fragen: Liegt ein Vitamin-D-Mangel vor? Und woher kommt ein erhöhtes CRP, falls der Wert erhöht ist? Mit diesen Fragen wird aus einer allgemeinen Suche eine Einordnung deiner eigenen Werte.
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Grenzen: Was die Studien zu Vitamin D nicht beantworten
Sie beantworten nicht, was bei einem einzelnen Menschen passiert. Und sie stellen Menschen mit Mangel nicht direkt neben ausreichend Versorgte.
Alle vier Auswertungen beschreiben Durchschnitte über Gruppen. Eine Senkung des hs-CRP um 1,08 mg/l (Chen u. a., 2014) heißt nicht, dass der Wert bei jedem Menschen um diesen Betrag sinkt.
Die Befunde gelten für die Gruppen, die untersucht wurden: die Senkung für Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel (Hsu u. a., 2026), das ausbleibende Ergebnis für Menschen mit Übergewicht (Gouveia u. a., 2024). Auf andere Gruppen lassen sie sich nicht ohne Weiteres übertragen.
Gemessen wurden in allen vier Auswertungen Entzündungsmarker im Blut. Ein niedrigerer Blutwert ist nicht dasselbe wie weniger Beschwerden.
Auch der VitalCheck ändert daran nichts, er zeigt Werte und keine Wirkung. Aus diesem Artikel folgt weder eine Dosis noch eine Einnahmeempfehlung. Wer Medikamente einnimmt oder eine Vorerkrankung hat, bespricht jede Veränderung zuerst in der Hausarztpraxis.
Ist Vitamin D nun entzündungshemmend oder nicht?
Als allgemeine Aussage hält der Satz nicht. Gefunden wurde eine Senkung von Entzündungswerten bei gestörtem Zuckerstoffwechsel (Hsu u. a., 2026), bei Übergewicht dagegen keine Veränderung (Gouveia u. a., 2024).
Der Satz vom Anfang, „Vitamin D wirkt entzündungshemmend“, ist keine Tatsache, sondern eine Verkürzung. Er macht aus einem Befund für bestimmte Gruppen eine Regel für alle.
Für dich ergibt sich daraus eine andere Reihenfolge als die, mit der die Suche begonnen hat. Zuerst zählt, wie dein Vitamin-D-Stand ist und warum ein CRP erhöht ist, falls es das ist. Erst danach stellt sich die Frage nach Vitamin D, und die beantwortest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, nicht mit einer Metaanalyse.
Die Studien liefern den Rahmen. Deine Werte liefern den Ausgangspunkt.
Häufige Fragen
Wo speichert der Körper Vitamin D?
Hauptspeicherorte für Vitamin D sind das Fett- und Muskelgewebe des Körpers, geringere Mengen finden sich auch in der Leber (BfR, 2025). Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist Vitamin D fettlöslich und kann deshalb sehr gut im Körper gespeichert werden (BfR, 2025). Wie gut du selbst versorgt bist, zeigt der Blutwert 25-OH-Vitamin-D3, den du mit deiner Praxis einordnest.
Was bedeutet „normale Funktion des Immunsystems“ bei Vitamin D?
Es ist der Wortlaut einer zugelassenen gesundheitsbezogenen Angabe: „Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ (EU, 2012). Festgelegt hat die EU-Kommission sie in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 vom 16. Mai 2012 (EU, 2012). Die Angabe beschreibt einen Beitrag zur normalen Funktion. Von einer Stärkung über das Normale hinaus ist darin keine Rede, von Entzündung ebenso wenig.
Ist die Wirkung von Vitamin D bei Diabetes anders?
Eine Umbrella-Übersicht über sieben Metaanalysen fand bei Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel eine signifikante Senkung des CRP und der Botenstoffe TNF-α und IL-6 (Hsu u. a., 2026). Bei Übergewicht und Asthma zeigte sich dagegen keine signifikante Veränderung (Hsu u. a., 2026). Die Autoren sprechen von gestörtem Zuckerstoffwechsel und beschreiben die Beleglage insgesamt als uneinheitlich. Eine Empfehlung folgt daraus nicht: Wer Diabetes hat, bespricht jede Frage zu Vitamin D mit der behandelnden Praxis.
Hilft Vitamin D bei Übergewicht gegen erhöhte Entzündungswerte?
In den hier ausgewerteten Studien nicht. Bei Menschen mit Übergewicht und Vitamin-D-Mangel ohne Begleiterkrankungen veränderte die Gabe das CRP nicht, ausgewertet wurden 11 Studien mit 504 Teilnehmenden (Gouveia u. a., 2024). Auch die Umbrella-Übersicht fand bei Übergewicht keine signifikanten Veränderungen der Entzündungsmarker (Hsu u. a., 2026). Wer mit Übergewicht Beschwerden hat, findet in der Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Steigt IL-6 durch Vitamin D?
Eine Metaanalyse von 24 Studien fand einen signifikanten Anstieg von IL-6, einem Botenstoff des Immunsystems (Mazidi u. a., 2018). Das ist ein Einzelbefund. Bei Übergewicht mit Mangel blieb IL-6 in einer anderen Metaanalyse unverändert (Gouveia u. a., 2024), bei gestörtem Zuckerstoffwechsel sank es (Hsu u. a., 2026). Der Anstieg lässt sich deshalb nicht als „Vitamin D fördert Entzündungen“ deuten; er zeigt, wie uneinheitlich die Beleglage je nach Gruppe ist.
Nächster Schritt
Vitamin-D-Stand und CRP kennen
Mit dem VitalCheck kennst du den Stand beider Werte und hast eine Grundlage für das Gespräch mit deiner Praxis.
Zum VitalCheck Vitamin-D-Mangel: Ursachen und Zeichen Der Hintergrund zum niedrigen Vitamin-D-WertWeiterlesen
Quellen
- Chen u. a.: Effect of vitamin D supplementation on the level of circulating high-sensitivity C-reactive protein, Nutrients (2014) – europepmc.org
- Mazidi u. a.: Impact of vitamin D supplementation on C-reactive protein, BMC Nutrition (2018) – europepmc.org
- Gouveia u. a.: Vitamin D supplementation does not alter inflammatory markers in overweight and obese individuals, Nutrition Research (2024) – europepmc.org
- Hsu u. a.: The effects of vitamin D supplementation on inflammatory biomarkers: an umbrella study, Inflammopharmacology (2026) – europepmc.org
Die Angaben zum hs-CRP und zur Untergruppe stützen sich auf [1]. Dass beim CRP kein gesicherter Effekt auftrat, belegen [2] und [3]; die Ergebnisse nach Gruppen und die Einschätzung „uneinheitlich“ stammen aus [4]. Die zugelassene Angabe zum Immunsystem steht in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission, ABl. L 136/1 vom 25.05.2012 (EU, 2012), die Angabe zur Speicherung in den Fragen und Antworten zu Vitamin D des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR, 2025). Stand der Produktangaben zum VitalCheck: 29.09.2026, geprüft von der Redaktion.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Vitamin D Entzündungswerte
Dieser Artikel wurde vom mybody®x Redaktions- & Fachteam recherchiert und geschrieben. Grundlage sind vier Auswertungen randomisierter Studien aus den Jahren 2014 bis 2026 sowie Angaben der EU und des Bundesinstituts für Risikobewertung. Mehr über das Team auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 29.09.2026 · Zuletzt aktualisiert am 29.09.2026
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