Vegane Ernährungspyramide: Aufbau und die kritischen Nährstoffe
Das Wichtigste in Kürze
Die wichtigste Information vorweg: Eine vegane Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es nicht. Auch BZfE, BfR, IQWiG und RKI veröffentlichen keine. Wer eine sucht, findet Modelle anderer Herkunft – und sollte wissen, wessen Modell er da vor sich hat.
Was es stattdessen gibt, ist belastbarer als jede Grafik: eine benannte Liste potenziell kritischer Nährstoffe. Die DGE nennt neben Vitamin B12 auch Jod, Protein, langkettige Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Vitamin B2, Calcium, Eisen, Zink und Selen.
Einer davon nimmt eine Sonderstellung ein. Eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung ist bei veganer Ernährung nach derzeitigem Kenntnisstand nur durch die Einnahme eines Nährstoffpräparats möglich – das ist keine Empfehlung unter mehreren, sondern die Bedingung, unter der die DGE vegane Ernährung überhaupt als gesundheitsfördernd einordnet.
Das erwartet dich in diesem Artikel
1. Was die DGE zu veganer Ernährung sagt
2. Warum es keine amtliche vegane Pyramide gibt
3. Wie die Gießener vegane Pyramide aufgebaut ist
4. Drei Irrtümer über vegane Ernährung
5. Vitamin B12: der Sonderfall
6. Die neun weiteren kritischen Nährstoffe
7. Die Referenzwerte im Überblick
8. Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder
9. Worauf es am Ende ankommt
Häufige Fragen
Quellen
Was die DGE zu veganer Ernährung sagt
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Position 2024 neu bewertet. Das Ergebnis ist weder ein Freibrief noch eine Warnung, sondern eine Aussage mit Bedingungen – und die Bedingungen sind der interessante Teil.
“
„Eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand bei veganer Ernährung nur durch Einnahme eines Nährstoffpräparats möglich.“
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
FAQ vegane Ernährung, Stand 2025
Im Positionspapier von 2024 formuliert die DGE die Gesamteinschätzung so: Eine vegane Ernährung kann – unter der Voraussetzung der Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats, einer ausgewogenen, gut geplanten Lebensmittelauswahl sowie einer bedarfsdeckenden Zufuhr der potenziell kritischen Nährstoffe – eine gesundheitsfördernde Ernährung darstellen.
Drei Bedingungen, nicht drei Empfehlungen
Der Satz ist so gebaut, dass die Bedingungen vor dem Ergebnis stehen. Das B12-Präparat, die geplante Lebensmittelauswahl und die Deckung der übrigen kritischen Nährstoffe sind keine Zusatztipps für Ambitionierte – ohne sie trägt die Aussage nicht.
Bemerkenswert ist außerdem, was die DGE 2024 erstmals gleichrangig mitbewertet hat: neben der Gesundheit auch Umwelt, Tierwohl und soziale Aspekte. Zur Umweltdimension fällt die Einschätzung deutlich aus – vegane Ernährung gilt dort als eine empfehlenswerte Maßnahme zur Verringerung der Umweltbelastungen.
Für diesen Artikel bleibt der Blick trotzdem auf der Ernährungsseite. Wer sich vegan ernährt oder damit anfangen möchte, braucht keine Bewertung seiner Motive, sondern eine Antwort auf die Frage, welche Nährstoffe Aufmerksamkeit brauchen und warum.
Was „potenziell kritisch“ bedeutet
Der Begriff wird im Alltag oft dramatischer gelesen, als er gemeint ist. „Potenziell kritisch“ heißt nicht, dass ein Mangel wahrscheinlich ist. Es heißt, dass die Zufuhr dieses Nährstoffs bei rein pflanzlicher Kost nicht von selbst zustande kommt und deshalb eine Entscheidung verlangt – welche Lebensmittel auf den Teller kommen, in welcher Menge und in welcher Kombination.
Bei einer Mischkost erledigt sich ein Teil dieser Fragen nebenbei, weil tierische Lebensmittel mehrere dieser Nährstoffe gleichzeitig mitbringen. Fällt diese Gruppe weg, fällt auch die Selbstverständlichkeit weg. Genau das beschreibt die DGE mit der Voraussetzung einer „gut geplanten Lebensmittelauswahl“.
Umgekehrt sagt der Begriff auch etwas über die Mischkost. Vitamin D steht ebenfalls auf der Liste – und ist ein Nährstoff, dessen Versorgung in Deutschland unabhängig von der Ernährungsform Aufmerksamkeit verlangt. Nicht jeder Punkt auf dieser Liste ist ein Argument über vegane Ernährung.
Warum es keine amtliche vegane Pyramide gibt
Hier steht die Information, die den meisten Artikeln zu diesem Stichwort fehlt: Weder die DGE noch das BZfE, das BfR, das IQWiG oder das RKI veröffentlichen eine vegane Ernährungspyramide. Was diese Institutionen an grafischen Modellen anbieten, ist mischkostbasiert.
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Positionspapier 2024, FAQ 2025 und Referenzwerte (Stand Ableitung 2018). Die dritte Kachel beruht auf einer Prüfung der Webangebote der genannten Institutionen am 5. August 2026.
Die DGE arbeitet mit der dreidimensionalen Lebensmittelpyramide und dem Ernährungskreis, das BZfE mit einer Pyramide, in der acht Lebensmittelgruppen auf sechs Ebenen Platz finden. Beide Modelle enthalten tierische Lebensmittel als eigene Bausteine – eine vegane Variante weisen sie nicht aus.
Warum das kein Versäumnis ist
Der Grund liegt in der Datenlage. Die DGE hält fest, dass sie für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Seniorinnen und Senioren aufgrund der weiterhin limitierten Datenlage keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine vegane Ernährung aussprechen kann. Ein grafisches Standardmodell für alle Altersgruppen setzt genau die Datenbasis voraus, die hier fehlt.
Dazu kommt die Natur des Formats. Eine Pyramide vereinfacht bewusst – sie muss auf einen Blick funktionieren. Genau diese Vereinfachung wird bei veganer Ernährung zum Problem, sobald ein Nährstoff nicht über Lebensmittel gedeckt werden kann. Für ein Präparat gibt es in einer Lebensmittelpyramide keinen Platz.
Praktisch heißt das: Wenn dir eine „vegane Ernährungspyramide“ begegnet, sieh nach, wer sie herausgibt. Das ist keine Kleinigkeit – bei einem Modell, nach dem sich jemand jahrelang ernährt, ist die Herkunft die entscheidende Qualitätsangabe.
Kurz zusammengefasst
Eine vegane Ernährungspyramide wird von keiner der maßgeblichen deutschen Institutionen herausgegeben – weder von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung noch vom BZfE, BfR, IQWiG oder RKI. Deren grafische Modelle sind mischkostbasiert. Wer sich an einer veganen Pyramide orientiert, orientiert sich damit immer an einem Modell privater oder verbandlicher Herkunft. Verbindlich ist stattdessen die DGE-Liste der potenziell kritischen Nährstoffe und die Referenzwerte dazu.
Wie die Gießener vegane Pyramide aufgebaut ist
Es gibt ein Modell, auf das gleich zwei staatliche Stellen als Orientierung verweisen: die Gießener vegane Lebensmittelpyramide. Sie stammt nicht von einer Behörde, sondern vom Forschungsinstitut für pflanzenbasierte Ernährung (IFPE) und Veganuary – und sie basiert laut Verbraucherzentrale auf den Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr der DGE.
Das BZfE bezeichnet sie als mögliche Richtschnur, die neben der Anzahl der empfehlenswerten Portionen einzelner Lebensmittelgruppen pro Tag auch entsprechende Mengen empfiehlt. Diese Zuordnung ist wichtig: Die Pyramide ist damit sekundär belegt, nicht amtlich.
Die Ebenen von unten nach oben
Die Basis bilden Getränke. Eine gute Versorgung mit Getränken ist die Grundlage einer ausgewogenen Ernährung, mindestens 1,5 Liter täglich, wobei Wasser als bester Durstlöscher gilt. Darüber folgt die Ebene mit Gemüse und Obst.
Die dritte Ebene sind Vollkorngetreideprodukte, denen das Modell eine große Rolle zuweist – drei Portionen täglich. Darüber liegen Hülsenfrüchte und andere Proteinquellen mit zwei Portionen täglich, gefolgt von zwei Portionen Milch- und Milchproduktalternativen.
Weiter oben stehen Nüsse und Samen sowie die daraus hergestellten Muse, mit zwei bis drei Portionen von jeweils 25 bis 30 Gramm. Die Spitze bilden Öle und Fette mit zwei bis drei Esslöffeln täglich.
Auffällig an diesem Aufbau ist, was er nicht leisten kann. Eine Pyramide ordnet Mengen, sie ordnet keine Nährstoffe. Ob am Ende genug B12, Jod oder Selen zusammenkommt, lässt sich an Portionszahlen nicht ablesen – und genau deshalb geht dieser Artikel im nächsten Schritt von den Lebensmitteln zu den Nährstoffen über.
Was an der Reihenfolge auffällt
Wer die vegane Pyramide neben die allgemeine legt, sieht den entscheidenden Unterschied auf einer einzigen Ebene. Dort, wo im Mischkost-Modell tierische Lebensmittel stehen, stehen hier Hülsenfrüchte und andere Proteinquellen sowie Milch- und Milchproduktalternativen – der Platz bleibt derselbe, der Inhalt wechselt.
Auffällig ist außerdem, wie prominent Nüsse und Samen eingeordnet sind. Zwei bis drei Portionen von jeweils 25 bis 30 Gramm sind mehr, als die meisten Menschen im Alltag beiläufig essen – hier steckt eine bewusste Entscheidung, keine Randnotiz.
Und ein Punkt, den man leicht überliest: Die Pyramide sagt nichts über Nahrungsergänzung. Sie ordnet Lebensmittel. Dass bei veganer Ernährung mindestens ein Präparat dazugehört, steht nicht in der Grafik, sondern in der Position der DGE – ein weiterer Grund, sich nicht allein an einem Bild zu orientieren.
Drei Irrtümer über vegane Ernährung
Rund um dieses Thema stehen sich zwei Lager gegenüber, und beide arbeiten mit Verkürzungen. Drei davon lassen sich mit den Quellen klar auflösen.
Vitamin B12: der Sonderfall
Von den zehn genannten Nährstoffen steht einer außerhalb der Reihe. Bei den übrigen Nährstoffen geht es um eine kluge Lebensmittelauswahl; bei B12 geht es um ein Präparat. Diese Unterscheidung zieht sich durch die gesamte DGE-Position und ist der Grund, warum B12 in diesem Artikel ein eigenes Kapitel bekommt.
Der Grund ist biologisch und nicht ideologisch. Vitamin B12 wird von Mikroorganismen gebildet – im Verdauungstrakt von Tieren synthetisieren Bakterien das Vitamin, weshalb es laut BfR in nennenswerten Mengen nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt, insbesondere in Leber, rotem Muskelfleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten.
Bei den übrigen Nährstoffen geht es um eine kluge Lebensmittelauswahl; bei B12 geht es um ein Präparat.
Zur Dosierung von Nahrungsergänzungsmitteln nennt das BfR eine Obergrenze: Es empfiehlt, dass Nahrungsergänzungsmittel für Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene höchstens 25 Mikrogramm Vitamin B12 pro Tagesdosis enthalten sollten (Stand 2023).
Drei Zahlen, die nicht dasselbe meinen
An dieser Stelle kommt es regelmäßig zu Verwirrung, deshalb hier die Unterscheidung: Der DGE-Schätzwert von 4,0 Mikrogramm pro Tag beschreibt die Zufuhr über Lebensmittel. Die BfR-Höchstmenge von 25 Mikrogramm pro Tagesdosis beschreibt, was ein Präparat maximal enthalten sollte. Das sind zwei verschiedene Größen, keine widersprüchlichen Angaben.
Warum eine Präparatdosis über dem Tagesbedarf liegen kann, hat mit der Aufnahme zu tun: Der Körper nimmt B12 nicht beliebig auf, sondern über einen begrenzten Mechanismus. Wie viel davon ankommt, ist eine andere Frage als die, wie viel geschluckt wird – und genau das trennt Bedarfswert und Präparatdosis.
Die konkrete Dosierung gehört ins Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt. Beide zitierten Institutionen sagen das ausdrücklich: Das BfR empfiehlt die Supplementierung nach ärztlicher Rücksprache, die DGE die regelmäßige Überprüfung der Versorgung.
Warum ein Mangel erst spät auffällt
Vitamin B12 ist der Nährstoff mit der längsten Verzögerung zwischen Ursache und Wirkung. Das BfR beschreibt es so: Ein Vitamin-B12-Mangel tritt oft erst nach jahrelanger Mangelaufnahme auf, weil der Körper in der Lage ist, rund 2 bis 5 Milligramm des Vitamins zu speichern.
Diese Speicher sind der Grund, warum die ersten Jahre einer veganen Ernährung ohne Präparat oft beschwerdefrei verlaufen – und warum daraus kein Entwarnungssignal wird. Nach etwa ein bis vier Jahren B12-freier Ernährung ist der Speicher in der Leber laut BfR um die Hälfte entleert; erste klinische Symptome zeigen sich erst, wenn er auf 5 bis 10 Prozent abgesunken ist.
Für die Praxis heißt das: „Mir geht es gut“ ist bei diesem Nährstoff kein Beleg für eine ausreichende Versorgung. Das ist auch der Grund, warum die DGE die regelmäßige Überprüfung nennt und nicht die Beobachtung des eigenen Befindens.
Zu den Folgen wird das BfR konkret: Ein klassischer Mangel wirkt sich auf die Blutbildung aus, und die Blutarmut geht mit Blässe, Müdigkeit, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen einher. Die DGE nennt darüber hinaus psychische Auffälligkeiten wie Gedächtnisschwäche und depressive Verstimmungen sowie neurologische Störungen.
Die neun weiteren kritischen Nährstoffe
Die vollständige DGE-Aufzählung lautet: Neben Vitamin B12 gehören auch Jod, Protein, langkettige Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Vitamin B2, Calcium, Eisen, Zink und Selen zu den potenziell kritischen Nährstoffen. In der ausführlichen Fassung nennt die DGE außerdem Vitamin A als möglichen weiteren Kandidaten – vorsichtiger formuliert und damit nicht gleichrangig belegt.
Jod – der Nährstoff mit eigener Handlungsanweisung
Jod ist nach B12 der einzige Nährstoff, zu dem die DGE eine konkrete Präparat-Empfehlung ausspricht: Erwachsenen wird geraten, in ärztlicher Absprache täglich 100 Mikrogramm Jod als Präparat einzunehmen, wenn nicht genügend jodhaltige Lebensmittel verzehrt werden. Als Alternativen nennt sie mit Jod angereicherte Lebensmittel, etwa Pflanzendrinks, und den regelmäßigen Verzehr von Algen mit deklariertem Jodgehalt.
Zink – der Wert, der bei veganer Kost steigt
Zink ist der einzige der genannten Nährstoffe, dessen Referenzwert die DGE nach der Phytatzufuhr staffelt. Bei niedriger Phytatzufuhr liegt die empfohlene Zufuhr bei 11 Milligramm für Männer und 7 Milligramm für Frauen, bei hoher Phytatzufuhr bei 16 beziehungsweise 10 Milligramm pro Tag.
Für vegane Ernährung ist das keine akademische Unterscheidung. Phytat steckt in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen – also genau in den Lebensmittelgruppen, die in der veganen Pyramide weit unten stehen. Wer sich vegan ernährt, liegt damit in der Regel näher an der hohen Stufe als an der niedrigen.
Protein, Omega-3 und der Rest
Bei Protein geht es der DGE ausdrücklich nicht nur um die Menge, sondern um die unentbehrlichen Aminosäuren. Bei den langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA hebt sie besonders Schwangere, Stillende sowie Kinder und Jugendliche hervor.
Calcium, Eisen, Selen und Vitamin B2 stehen ohne eigene Sonderregel auf der Liste – was nicht bedeutet, dass sie unwichtiger wären. Es bedeutet, dass sie sich über die Lebensmittelauswahl decken lassen, während B12 und Jod eine zusätzliche Entscheidung verlangen.
Eine Beobachtung zur Liste insgesamt: Sie ist nicht neu zusammengestellt worden, um vegane Ernährung schlechtzureden. Dieselben Nährstoffe tauchen in Ernährungsempfehlungen für vegetarische Kost, für ältere Menschen und für Schwangere auf – jeweils aus anderen Gründen. Was die vegane Liste besonders macht, ist ihre Länge, nicht ihre Zusammensetzung.
Und ein Hinweis zur Reihenfolge des Vorgehens: Wer alle zehn Punkte gleichzeitig angeht, gibt meist nach wenigen Wochen auf. Sinnvoller ist die Staffelung, die sich aus den Quellen selbst ergibt – zuerst B12, weil es ohne Präparat nicht geht, dann Jod, weil es die zweite konkrete Handlungsanweisung hat, dann alles Weitere über die Lebensmittelauswahl.
Die Referenzwerte im Überblick
Die folgende Übersicht stellt die Werte für Erwachsene zusammen. Achte auf die Spalte „Art des Werts“ – der Unterschied zwischen empfohlener Zufuhr und Schätzwert ist keine Formalie, sondern eine Aussage über die Sicherheit der Datenlage.
| Nährstoff | Wert für Erwachsene | Art des Werts | Besonderheit bei veganer Ernährung |
|---|---|---|---|
| Vitamin B12 | 4,0 µg/Tag | Schätzwert | Präparat zwingend – ohne Supplement nicht deckbar |
| Jod | 150 µg/Tag | Empfohlene Zufuhr | 100 µg als Präparat in ärztlicher Absprache, wenn die Zufuhr nicht reicht |
| Eisen | Männer 11 mg/Tag · Frauen vor der Menopause 16 mg, danach 14 mg | Empfohlene Zufuhr | Keine gesonderte Präparat-Empfehlung im verwendeten Quellenmaterial |
| Zink | Männer 11–16 mg/Tag · Frauen 7–10 mg/Tag | Empfohlene Zufuhr | Gestaffelt nach Phytatzufuhr – bei veganer Kost meist die obere Stufe |
| Calcium | 1.000 mg/Tag | Empfohlene Zufuhr | Keine gesonderte Präparat-Empfehlung im verwendeten Quellenmaterial |
| Vitamin D | 20 µg/Tag (800 IE) | Schätzwert bei fehlender Eigenproduktion | Betrifft nicht nur vegan lebende Menschen – gilt allgemein |
| Selen | Männer 70 µg/Tag · Frauen 60 µg/Tag | Schätzwert | Keine gesonderte Präparat-Empfehlung im verwendeten Quellenmaterial |
| Protein | 19–65 Jahre 0,8 g/kg Körpergewicht/Tag · ab 65 Jahren 1,0 g/kg | Empfohlene Zufuhr; ab 65 Jahren Schätzwert | Es geht um die unentbehrlichen Aminosäuren, nicht allein um die Menge |
Alle Werte: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Stand der Ableitung je nach Nährstoff zwischen 2012 und 2025. Vitamin B2 und die langkettigen Omega-3-Fettsäuren stehen zwar auf der DGE-Liste der potenziell kritischen Nährstoffe, sind hier aber nicht mit Zahlenwert aufgeführt, weil sie im verwendeten Quellenmaterial nicht als Erwachsenen-Referenzwert vorlagen.
Was sich davon messen lässt
Referenzwerte beschreiben die Zufuhr. Ob im Körper ankommt, was zugeführt wird, ist eine andere Frage – und die lässt sich für einen Teil dieser Nährstoffe über das Blut beantworten.
Die Unterscheidung ist bei veganer Ernährung besonders relevant, weil die Aufnahme mancher Nährstoffe aus pflanzlichen Quellen anders verläuft als aus tierischen. Der Zink-Wert mit seiner Phytat-Staffelung ist genau dafür das Beispiel: Dieselbe zugeführte Menge kommt nicht in gleichem Maße an, je nachdem, womit sie zusammen gegessen wird.
Eine Messung ersetzt deshalb keine Ernährungsplanung, und eine Ernährungsplanung ersetzt keine Messung. Beides beantwortet unterschiedliche Fragen – die eine, was auf den Teller gehört, die andere, ob die Rechnung aufgegangen ist.

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Bestimmt 15 Biomarker aus Kapillarblut und deckt davon fünf der hier genannten kritischen Nährstoffe ab: Vitamin B12 und Transcobalamin, 25-OH-Vitamin-D3, Calcium, Zink und Selen – dazu Ferritin, Folsäure, Magnesium und weitere. Was der Test nicht leistet: Er enthält keinen Jodwert und damit ausgerechnet nicht den zweiten Nährstoff mit eigener Präparat-Empfehlung. Er misst auch kein Protein, kein Vitamin B2 und keine Omega-3-Fettsäuren. Er stellt keine Diagnose und ersetzt kein Arztgespräch.
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Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder
Hier fällt die DGE-Position deutlich zurückhaltender aus als für Erwachsene allgemein, und diese Zurückhaltung gehört ungekürzt weitergegeben.
Für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Seniorinnen und Senioren kann die DGE aufgrund der weiterhin limitierten Datenlage keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine vegane Ernährung aussprechen. Sie spricht in diesen Gruppen von einem Risiko für potenzielle, teilweise irreversible Konsequenzen bei inadäquater Durchführung – und rät deshalb dringend zu einer Ernährungsberatung durch qualifizierte Fachkräfte.
Konkret nennt die DGE zwei beobachtete Folgen. Bei ausschließlich gestillten Säuglingen sich vegan ernährender Mütter wurde ein Vitamin-B12-Mangel mit entsprechenden Folgen schon in den ersten Lebensmonaten beobachtet. Außerdem wurden in der Vergangenheit Gedeihstörungen aufgrund von Energie- und Proteinmangel und weitere Nährstoffdefizite beobachtet.
Zur Schwangerschaft kommt ein weiterer Punkt hinzu: Ein Mangel an Vitamin B12 vor der Schwangerschaft kann laut DGE einen unabhängigen Risikofaktor für Komplikationen wie Fehlgeburt und Präeklampsie darstellen. Die Versorgung sollte in diesen Lebensphasen regelmäßig ärztlich überprüft werden.
Das ist keine Aufforderung, in diesen Phasen umzustellen oder aufzuhören. Es ist die Aufforderung, sich fachlich begleiten zu lassen – und zwar bevor eine Umstellung beginnt, nicht wenn Beschwerden auftreten.
Bemerkenswert ist, wie die DGE ihre Zurückhaltung begründet. Sie sagt nicht, dass vegane Ernährung in diesen Lebensphasen schadet. Sie sagt, dass die Datenlage für eine eindeutige Aussage in die eine oder andere Richtung nicht ausreicht. Das ist ein Unterschied, der in der öffentlichen Diskussion regelmäßig verschwindet – in beide Richtungen.
Wer als Fachkraft dafür infrage kommt, nennt die DGE ebenfalls: qualifizierte Ernährungsfachkräfte, ergänzt um eine gezielte ärztliche Betreuung. Das ist mehr als ein Beratungsgespräch im Vorbeigehen und weniger als eine Therapie – es ist eine Planung mit Kontrollpunkten.
Worauf es am Ende ankommt
Wer nach einer veganen Ernährungspyramide sucht, sucht nach einer einfachen Orientierung. Die gibt es in amtlicher Form nicht – und das ist keine Lücke, die dieser Artikel schließen kann, sondern eine Information, die zur Antwort gehört.
Was es gibt, ist präziser als eine Grafik: eine Liste von zehn potenziell kritischen Nährstoffen, Referenzwerte für jeden davon und zwei Nährstoffe mit eigener Handlungsanweisung – Vitamin B12 mit einem Präparat als Bedingung und Jod mit einer Präparat-Empfehlung in ärztlicher Absprache.
Dein konkreter nächster Schritt: Wenn du dich vegan ernährst und kein B12-Präparat nimmst, ist das der Punkt, an dem du anfängst – in ärztlicher Absprache, dauerhaft und nicht nur in Phasen. Alles Weitere, von Jod über Zink bis Selen, ist danach eine Frage der Lebensmittelauswahl und gegebenenfalls einer Messung.
Und wenn du doch eine Grafik an der Küchentür haben möchtest: Nimm die Gießener Pyramide, aber nimm sie als das, was sie ist – ein Mengenmodell privater Herkunft, das auf DGE-Referenzwerten aufsetzt und von zwei staatlichen Stellen als Orientierung genannt wird. Sie ordnet deinen Einkauf. Die Nährstoffliste ordnet, worauf es dabei ankommt.
Häufige Fragen
Gibt es eine vegane Ernährungspyramide der DGE?
Nein. Weder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung noch das BZfE, BfR, IQWiG oder RKI veröffentlichen eine vegane Ernährungspyramide – ihre grafischen Modelle sind mischkostbasiert. Als Orientierung nennen BZfE und Verbraucherzentrale die Gießener vegane Lebensmittelpyramide, die vom Forschungsinstitut für pflanzenbasierte Ernährung und Veganuary stammt und auf DGE-Referenzwerten basiert.
Welche Nährstoffe sind bei veganer Ernährung kritisch?
Die DGE nennt neben Vitamin B12 auch Jod, Protein, langkettige Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Vitamin B2, Calcium, Eisen, Zink und Selen. In der ausführlichen Fassung führt sie Vitamin A als möglichen weiteren Kandidaten an, vorsichtiger formuliert. Vitamin B12 nimmt eine Sonderstellung ein, weil es ohne Präparat nicht bedarfsdeckend zugeführt werden kann.
Muss ich bei veganer Ernährung wirklich B12 supplementieren?
Ja. Eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand bei veganer Ernährung nur durch Einnahme eines Nährstoffpräparats möglich, und zwar dauerhaft, regelmäßig und zuverlässig (DGE, FAQ 2025). Das BfR empfiehlt die Einnahme nach ärztlicher Rücksprache und nennt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 25 Mikrogramm pro Tagesdosis (Stand 2023).
Liefern Algen, Sauerkraut oder Shiitake pflanzliches B12?
Diese Lebensmittel können laut DGE Vitamin-B12-Verbindungen enthalten. Die darin enthaltenen Formen sind für den Menschen jedoch nicht verfügbar und tragen nicht zu einer ausreichenden Versorgung bei (Stand 2018). Für die Jodversorgung nennt die DGE Algen dagegen ausdrücklich als Möglichkeit – allerdings nur mit deklariertem Jodgehalt.
Ist vegane Ernährung in der Schwangerschaft möglich?
Die DGE spricht für Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche und ältere Menschen aufgrund der limitierten Datenlage weder eine Empfehlung dafür noch dagegen aus. Sie weist auf ein Risiko für potenzielle, teilweise irreversible Konsequenzen bei inadäquater Durchführung hin und rät dringend zu einer Ernährungsberatung durch qualifizierte Fachkräfte sowie zur regelmäßigen ärztlichen Überprüfung der Versorgung.
Zufuhr ist nicht Versorgung
Referenzwerte sagen, wie viel hineingehen sollte. Ob es ankommt, zeigt das Blut. Fünf der hier genannten kritischen Nährstoffe lassen sich messen – Jod gehört ausdrücklich nicht dazu.
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Für den Teil der Liste, bei dem es um Protein und die unentbehrlichen Aminosäuren geht.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Neubewertung der Position zu veganer Ernährung, Positionspapier 2024 — dge.de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): FAQs vegane Ernährung, Stand 2025 — dge.de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (Vitamin B12, Jod, Eisen, Zink, Calcium, Vitamin D, Selen, Protein) — dge.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Vitamin B12 bei pflanzenbasierter Ernährung, Stand 2023 — bfr.bund.de
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Vegan und vollwertig essen, Stand 2023 — bzfe.de
- Verbraucherzentrale: Vegan essen und trinken – so gelingt es rein pflanzlich, Stand 2026 — verbraucherzentrale.de
Die Gesamteinschätzung zu veganer Ernährung und die Aussagen zu den vier bewerteten Dimensionen stammen aus Quelle [1]. Die Liste der potenziell kritischen Nährstoffe, die Aussagen zur B12-Supplementierung und zur Jod-Präparat-Empfehlung, die Angaben zu Sauerkraut, Algen und Shiitake sowie sämtliche Aussagen zu Schwangerschaft, Stillzeit und Kindern stammen aus Quelle [2]. Alle Zahlenwerte der Referenzwerttabelle einschließlich der Unterscheidung zwischen empfohlener Zufuhr und Schätzwert stammen aus Quelle [3]. Die Angaben zur Bildung von Vitamin B12 durch Mikroorganismen und die Höchstmenge von 25 Mikrogramm pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln stammen aus Quelle [4]. Die Einordnung der Gießener veganen Lebensmittelpyramide als Richtschnur stammt aus Quelle [5], ihr Aufbau von unten nach oben aus Quelle [6]. Dass keine der genannten Institutionen eine vegane Ernährungspyramide herausgibt, beruht auf einer Prüfung ihrer Webangebote am 5. August 2026 und ist als solche gekennzeichnet. Produktangaben stammen von den mybody®x-Produktseiten, abgerufen am 5. August 2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Ernährungswissenschaft Mikronährstoffe Pflanzliche Ernährung
Dieser Beitrag wurde vom mybody®x Redaktions- und Fachteam erstellt und fachlich geprüft. Das Team vereint Fachwissen aus Nutrigenetik, Mikrobiom- und Darmwissenschaft, Blutanalyse-Interpretation, Ernährungswissenschaft und Labordiagnostik.
Veröffentlicht am 5. August 2026 · Zuletzt aktualisiert am 5. August 2026
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel gehören in ärztliche Absprache. In Schwangerschaft und Stillzeit, im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter sowie im höheren Lebensalter rät die DGE bei veganer Ernährung dringend zur Begleitung durch qualifizierte Fachkräfte.


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