Freier Androgenindex: wie er berechnet wird und was er leistet
Das Wichtigste in Kürze
Der Freie Androgenindex ist eine Rechengröße aus zwei Laborwerten. Die Formel lautet: Testosteron in Nanomol pro Liter mal 100, geteilt durch SHBG in Nanomol pro Liter (Urologielehrbuch, Manski D, abgerufen 13.08.2026). Das Ergebnis ist eine Zahl ohne Einheit.
Der Index beschreibt, welcher Anteil des Testosterons rechnerisch nicht fest an das Transporteiweiß gebunden ist. Dieselbe Quelle nennt für Männer einen altersabhängigen Bereich zwischen 30 und 150 und ordnet Werte unter 30 als Hinweis auf einen relativen Testosteronmangel ein.
Du liest zuerst, wofür der Index gebaut wurde. Danach folgen die Formel Schritt für Schritt, die belegte Einschränkung, drei verbreitete Sätze im Faktencheck, der Vergleich mit dem berechneten freien Testosteron, die Rolle bei Frauen und die Grenzen einer Rechengröße.
Das erwartet dich in diesem Artikel
1. Wofür der Index gebaut wurde
2. Die eine Einschränkung, die alles ordnet
3. Die Formel Schritt für Schritt
4. Drei Sätze über den Index im Faktencheck
5. Warum die Einheit über das Ergebnis entscheidet
6. Index, freies Testosteron und Gesamtwert im Vergleich
7. Wie sich ein Indexwert lesen lässt
8. Der Index bei Frauen
9. Für wen der Index etwas beiträgt
10. Was ein Test aus Kapillarblut hier zeigen kann
11. Grenzen: was eine Rechengröße nicht leistet
12. Worauf es beim Freien Androgenindex ankommt
Häufige Fragen
Quellen
Wofür der Index gebaut wurde
Testosteron liegt im Blut überwiegend gebunden vor. Das sexualhormonbindende Globulin bindet fest, und die feste Bindung des Hormons am Transportprotein verhindert die biologische Aktivität (Urologielehrbuch, Manski D, abgerufen 13.08.2026).
Daraus entsteht ein diagnostisches Problem. Der Gesamtwert enthält den gebundenen Anteil mit, und zwei Menschen mit derselben Zahl können sich in der Verfügbarkeit deutlich unterscheiden.
Der Freie Androgenindex ist der einfachste Versuch, dieses Problem zu lösen. Er setzt die beiden Größen ins Verhältnis, die sich beide ohne Speziallabor bestimmen lassen, und liefert eine Zahl, die etwas über die Verteilung sagt.
Warum es überhaupt mehrere Wege gibt
Die genaueste Methode wäre die direkte Bestimmung des freien Testosterons. Das MSD Manual, Ausgabe für Fachkreise, hält dazu fest, dass diese Bestimmung eine Äquilibriumdialyse erfordert, die technisch schwierig und nicht überall verfügbar ist (Stand April 2025).
Damit bleiben zwei Rechenwege. Der eine bezieht Albumin mit ein und liefert ein berechnetes freies Testosteron. Der andere lässt Albumin weg und liefert den Index.
Beide Wege beantworten dieselbe Frage mit unterschiedlichem Aufwand. Welcher auf einem Befund steht, hängt vom Labor und vom angeforderten Profil ab.
Warum eine Verhältniszahl überhaupt hilft
Ein Verhältnis hat gegenüber zwei Einzelwerten einen praktischen Vorteil. Es beantwortet die Frage, die eigentlich interessiert, in einer Zahl statt in zweien.
Der Gesamtwert allein trägt diese Antwort nicht. Das MSD Manual nennt für ihn einen Normalbereich von 300 bis 1000 Nanogramm pro Deziliter (Stand April 2025), und innerhalb dieser Spanne von mehr als dem Dreifachen sagt eine einzelne Zahl wenig über die Verfügbarkeit.
Der SHBG-Wert allein trägt sie ebenso wenig. Er beschreibt eine Bindungskapazität, und ohne das Hormon, das gebunden werden soll, bleibt diese Kapazität ohne Gegenstand.
Erst gemeinsam ergeben die beiden eine Aussage. Der Index macht genau das und nimmt dafür in Kauf, dass die beiden Ausgangszahlen im Ergebnis nicht mehr sichtbar sind.
Die eine Einschränkung, die alles ordnet
Bevor die Formel kommt, gehört die wichtigste Einordnung an den Anfang. Sie entscheidet darüber, wie viel Gewicht ein Indexwert überhaupt tragen kann.
Belegte Fundstelle
„Der freie Androgenindex gilt als weniger zuverlässig als die rechnerische Bestimmung des freien Testosterons, da die Konzentration von Albumin nicht berücksichtigt wird.“
Dr. med. Dirk Manski
Urologielehrbuch, Abschnitt SHBG und Freier Androgenindex, abgerufen 13.08.2026
Der Satz benennt den Preis der Einfachheit. Der Index braucht zwei Werte statt drei, und genau der dritte fehlt ihm.
Albumin bindet Testosteron locker, und dieser locker gebundene Anteil steht am Gewebe zur Verfügung. Wer ihn weglässt, rechnet mit einer vereinfachten Annahme über die Verteilung.
Für dich beim Lesen heißt das: Der Index ist eine Orientierung. Wenn auf demselben Befund ein berechnetes freies Testosteron steht, ist dieses die belastbarere der beiden Zahlen.
Die Formel Schritt für Schritt
Die Rechnung ist so einfach, dass sie sich im Kopf nachvollziehen lässt. Sie lautet: Freier Androgenindex gleich Testosteron in Nanomol pro Liter mal 100, geteilt durch SHBG in Nanomol pro Liter (Urologielehrbuch, Manski D, abgerufen 13.08.2026).
Drei Bestandteile stecken darin, und jeder hat eine Aufgabe. Das Testosteron im Zähler steht für die vorhandene Menge, das SHBG im Nenner für die Bindungskapazität, und der Faktor 100 bringt das Ergebnis in einen Zahlenbereich, der sich gut lesen lässt.
Was die Rechnung anschaulich bedeutet
Steht viel Testosteron wenig Bindungskapazität gegenüber, wird der Bruch groß und der Index hoch. Steht wenig Testosteron viel Bindungskapazität gegenüber, wird er klein.
Daraus folgt eine Eigenschaft, die im Alltag oft überrascht. Der Index kann fallen, ohne dass sich am Testosteron etwas geändert hat, nämlich dann, wenn SHBG gestiegen ist.
Und er kann steigen, ohne dass mehr Testosteron gebildet wird, wenn SHBG sinkt. Ein Indexwert allein sagt deshalb nicht, welche der beiden Größen sich bewegt hat.
Das ist kein Fehler der Formel, sondern ihre Bauart. Ein Verhältnis beschreibt eine Beziehung und nicht die beiden Zahlen, aus denen es entsteht.
Deshalb gehören alle drei Zahlen auf den Befund
Ein Befund, auf dem nur der Index steht, verschenkt Information. Wer Testosteron und SHBG daneben sieht, kann die Frage nach der Ursache selbst stellen.
Praktisch heißt das beim Lesen: Notiere dir alle drei Zahlen, auch wenn du zunächst nur an einer interessiert bist. Beim nächsten Befund entscheidet genau das darüber, ob ein Vergleich möglich ist.
Zwei gedachte Fälle mit demselben Index
Der folgende Vergleich ist ein Rechenbeispiel und ausdrücklich kein Fall aus der Praxis. Zwei Männer haben denselben Freien Androgenindex, und die beiden Wege dorthin sind verschieden.
Beim ersten liegen sowohl Testosteron als auch SHBG im mittleren Bereich. Das Verhältnis stimmt, und die beiden Bestandteile geben keinen Anlass zu weiteren Fragen.
Beim zweiten liegen beide Werte niedrig. Der Bruch ergibt dieselbe Zahl, weil sich Zähler und Nenner gemeinsam nach unten verschoben haben, und trotzdem ist die Lage eine andere.
Ein niedriges Testosteron bei niedrigem SHBG wirft Fragen auf, die der Index nicht stellt. Genau deshalb ersetzt er die beiden Ausgangswerte nicht, sondern fasst sie zusammen.
Das ist die allgemeine Eigenschaft von Verhältniszahlen. Sie verdichten Information, und beim Verdichten geht Information verloren. Wer den Index liest, sollte wissen, welche.
Drei Sätze über den Index im Faktencheck
Diese drei Sätze begegnen einem, sobald der Index auf einem Befund auftaucht. Alle drei lassen sich an der Beleglage prüfen.
Geprüft gegen die Beleglage
Verbreitet
„Der Index ist genauer als der Gesamtwert.“
Belegt
Er bezieht die Bindungskapazität ein, die der Gesamtwert ausblendet. Zugleich gilt er als weniger zuverlässig als die rechnerische Bestimmung des freien Testosterons, weil Albumin unberücksichtigt bleibt (Urologielehrbuch, Manski D, abgerufen 13.08.2026).
Verbreitet
„Ein Index unter 30 bedeutet Testosteronmangel.“
Belegt
Werte unter 30 sprechen laut derselben Quelle für einen relativen Testosteronmangel, der Normbereich für Männer liegt altersabhängig zwischen 30 und 150 (abgerufen 13.08.2026). Sprechen für ist etwas anderes als beweisen, und maßgeblich bleibt der Referenzbereich des auswertenden Labors.
Verbreitet
„Den Index kann ich mir aus jedem Befund selbst ausrechnen.“
Belegt
Die Formel setzt beide Werte in Nanomol pro Liter voraus. Steht das Testosteron auf dem Befund in Nanogramm pro Deziliter, muss es zuerst umgerechnet werden, sonst ergibt die Rechnung eine Zahl ohne Bedeutung.
Der dritte Punkt ist der, der am häufigsten schiefgeht. Er hat mit Medizin nichts zu tun und mit Einheiten alles, und deshalb bekommt er ein eigenes Kapitel.
Warum die Einheit über das Ergebnis entscheidet
Für Testosteron sind zwei Einheiten gebräuchlich. Das MSD Manual, Ausgabe für Fachkreise, nennt den Normalbereich in beiden: 300 bis 1000 Nanogramm pro Deziliter, entsprechend 10,5 bis 35 Nanomol pro Liter (Stand April 2025).
SHBG dagegen wird üblicherweise in Nanomol pro Liter angegeben. Das Urologielehrbuch nennt dafür je nach Alter und Labor einen Bereich von 15 bis 60 Nanomol pro Liter (abgerufen 13.08.2026).
Daraus folgt die Fehlerquelle. Wer ein Testosteron in Nanogramm pro Deziliter ungeprüft in die Formel setzt, teilt zwei Größen, die nicht zueinander passen, und bekommt einen Index in völlig falscher Größenordnung.
Die Prüfung dauert einen Blick. Steht neben deinem Testosteronwert die Einheit ng/dl, gehört vor die Rechnung eine Umrechnung. Steht dort nmol/l, passt es.
Woran du eine falsche Größenordnung erkennst
Ein Rechenfehler bei den Einheiten fällt auf, wenn man weiß, wo das Ergebnis liegen sollte. Für Männer nennt das Urologielehrbuch einen altersabhängigen Bereich zwischen 30 und 150 (abgerufen 13.08.2026).
Landet deine Rechnung bei mehreren Tausend, hast du sehr wahrscheinlich ein Testosteron in Nanogramm pro Deziliter eingesetzt. Landet sie bei einer Zahl unter eins, stimmt vermutlich etwas mit dem Nenner nicht.
Diese Plausibilitätsprüfung ersetzt keine sorgfältige Rechnung, aber sie fängt den häufigsten Fehler ab. Und sie kostet nichts außer einem zweiten Blick auf den Befund.
Der bequemere Weg bleibt trotzdem, den Index vom Labor rechnen zu lassen. Dort stehen beide Werte ohnehin in derselben Einheit, und die Umrechnung entfällt.
Index, freies Testosteron und Gesamtwert im Vergleich
Drei Wege führen zur Frage nach dem verfügbaren Testosteron. Die Tabelle stellt sie entlang derselben vier Kriterien gegenüber.
| Kriterium | Gesamttestosteron | Freier Androgenindex | Berechnetes freies Testosteron |
|---|---|---|---|
| Benötigte Werte | Einer: das Testosteron selbst | Zwei: Testosteron und SHBG, beide in Nanomol pro Liter | Drei: Testosteron, SHBG und Albumin |
| Was er ausgibt | Eine Konzentration mit Einheit | Eine Verhältniszahl ohne Einheit | Eine Konzentration mit Einheit |
| Wo seine Schwäche liegt | Blendet die Bindung vollständig aus, nach dem 50. Lebensjahr weniger empfindlich | Berücksichtigt Albumin nicht und gilt deshalb als weniger zuverlässig | Bleibt eine Rechnung und hängt von drei Eingangswerten ab |
| Wann er sinnvoll ist | Als erste Orientierung bei jüngeren Männern | Wenn nur Testosteron und SHBG vorliegen und eine schnelle Einordnung reicht | Wenn alle drei Werte vorliegen und die Frage genauer beantwortet werden soll |
Die letzte Zeile ordnet die Rollen. Der Index ist der schnelle Weg, das berechnete freie Testosteron der sorgfältigere, und beide beantworten dieselbe Frage.
Wie sich ein Indexwert lesen lässt
Der erste Schritt ist der Vergleich mit dem Referenzbereich des Labors und nicht mit einer Zahl aus dem Internet.
Ein Verhältnis sagt, dass sich etwas verschoben hat. Es sagt nicht, welche der beiden Zahlen sich bewegt hat.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen formuliert die Grundregel dafür so: Maßgeblich ist der Referenzbereich, der auf dem eigenen Laborbefund angegeben ist, und Referenzwerte können von Labor zu Labor abweichen (Stand 02.04.2025).
Der zweite Schritt ist die Rückfrage an die Bestandteile. Ein niedriger Index bei hohem SHBG erzählt eine andere Geschichte als ein niedriger Index bei niedrigem Testosteron.
Der dritte Schritt ist die Uhrzeit. Weil das Testosteron im Zähler steht, überträgt sich der Tagesrhythmus auf den Index. Das MSD Manual nennt für die Abnahme den Morgen vor 10 Uhr (Stand April 2025), und diese Vorgabe gilt für die Rechengröße genauso wie für den Ausgangswert.
Was den Nenner bewegt
Weil SHBG im Nenner steht, verschieben alle Einflüsse auf das Transporteiweiß den Index mit. Das Urologielehrbuch nennt für diese Einflüsse zwei Richtungen.
Erhöhend wirken unter anderem das Alter, Östrogene, ein Testosteronmangel, eine Schilddrüsenüberfunktion, Lebererkrankungen und zahlreiche Medikamente. Erniedrigend wirken unter anderem Androgene, eine Schilddrüsenunterfunktion, das metabolische Syndrom und eine Steroidtherapie (abgerufen 13.08.2026).
Die Liste erklärt, warum ein Indexwert ohne Zusammenhang wenig trägt. Zwei sehr unterschiedliche Ausgangslagen, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion und eine Lebererkrankung, wirken auf den Nenner in dieselbe Richtung.
Für dich beim Lesen heißt das: Ein auffälliger Index ist zuerst ein Anlass, die Bestandteile anzusehen, und danach ein Anlass, die naheliegenden Erklärungen aus dieser Liste zu prüfen. Beides gehört in ein Gespräch und nicht in eine Selbstdeutung.
Der Index bei Frauen
Der Freie Androgenindex wird auch bei Frauen bestimmt, und die Referenzbereiche unterscheiden sich deutlich von denen der Männer. Das ist zu erwarten, weil die zugrunde liegenden Testosteronwerte um ein Vielfaches niedriger liegen.
Die Rechnung bleibt dieselbe, und die Einschränkung bleibt ebenfalls dieselbe. Auch hier fehlt Albumin, und auch hier ist der Index eine Orientierung und kein Befund.
Was hinzukommt, ist der Zyklus. Weil sich Hormonwerte im Zyklusverlauf verschieben, hängt die Deutung am Zeitpunkt der Probe. Was daraus folgt, behandelt der Schwesterartikel Hormonwerte und der richtige Zyklustag.
Für wen der Index etwas beiträgt
Der Index ist kein Wert, den jeder braucht. Die Gegenüberstellung sagt es in beide Richtungen.
Sinnvoll für dich, wenn …
Auf deinem Befund Testosteron und SHBG stehen und du eine schnelle Einordnung der Verfügbarkeit möchtest.
Du zwei Befunde aus demselben Labor vergleichen willst und beide Male dieselben zwei Werte vorliegen.
Du verstehen willst, warum ein unauffälliger Gesamtwert und ein auffälliges Befinden zusammenpassen können.
Du für ein Gespräch in der Praxis Zahlen mitbringen willst, statt beim ersten Termin erst welche zu erheben.
Eher nicht, wenn …
Auf deinem Befund bereits ein berechnetes freies Testosteron steht. Dann ist dieses die belastbarere Zahl.
Du aus dem Index eine Diagnose ableiten willst. Ein Verhältnis beschreibt eine Verteilung und keinen Befund.
Deine beiden Werte in unterschiedlichen Einheiten vorliegen und du nicht umrechnest.
Die Probe nicht am Morgen entnommen wurde. Der Tagesrhythmus des Testosterons wandert in den Index.
Was ein Test aus Kapillarblut hier zeigen kann
Ein Selbsttest aus Kapillarblut stellt keine Diagnose. Für den Index entscheidet er über eine einzige Frage: ob Testosteron und SHBG gemeinsam auf demselben Befund landen.
Zwei Tests von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) verhalten sich dabei unterschiedlich. Was sie leisten und was nicht, steht in den Karten.

Bluttest aus Kapillarblut
HormonCheck | Männer-Hormon-Test
Führt Testosteron, SHBG und Albumin gemeinsam und gibt daraus freies Testosteron als rechnerischen Wert aus, dazu Estradiol, DHEA-S, LH, FSH, Prolaktin und TSH. Was der Test nicht leistet: Er weist den Freien Androgenindex nicht als eigenen Wert aus. Weil alle drei Eingangsgrößen vorliegen, ist der Rechenweg über Albumin ohnehin der belastbarere. Der Test stellt keine Diagnose.
Laborauswertung 3–5 Werktage nach Probeneingang
Angabe der Produktseite, abgerufen 13.08.2026

Bluttest aus Kapillarblut
Men’s Wellness Check | Männer-Gesundheits-Test
Führt 17 Werte über mehrere Bereiche hinweg, darunter Testosteron, Cortisol, TSH, das Cholesterinprofil, Homocystein, Leber- und Nierenwerte sowie PSA. Was der Test nicht leistet: Er führt kein SHBG. Damit fehlt der Nenner der Formel, und ein Freier Androgenindex lässt sich aus seinem Befund nicht bilden. Für diese Frage ist er nicht der passende Test.
Laborauswertung 3–5 Werktage nach Probeneingang
Angabe der Produktseite, abgerufen 13.08.2026
Vier Punkte entscheiden darüber, ob aus einem Indexwert eine brauchbare Information wird.
Einheiten prüfen
Beide Werte müssen in Nanomol pro Liter vorliegen, sonst ergibt die Formel Unsinn.
Morgens messen
Der Tagesrhythmus des Testosterons wandert über den Zähler in den Index.
Beide Bestandteile notieren
Ohne Testosteron und SHBG lässt sich später nicht sagen, was sich bewegt hat.
Auffälliges besprechen
Ein niedriger Index mit Beschwerden gehört mit dem Befund in eine ärztliche Praxis.
Kapitel auf einen Blick
Der Freie Androgenindex entsteht aus Testosteron und SHBG und braucht keinen eigenen Test, sondern einen Befund, auf dem beide Werte stehen. Liegt zusätzlich Albumin vor, ist das berechnete freie Testosteron die belastbarere Zahl. Entscheidend sind vier Punkte: Einheiten prüfen, morgens messen, beide Bestandteile notieren und Auffälliges besprechen.
Grenzen: was eine Rechengröße nicht leistet
Die erste Grenze ist die belegte Einschränkung. Der Index berücksichtigt Albumin nicht und gilt deshalb als weniger zuverlässig als das rechnerisch bestimmte freie Testosteron (Urologielehrbuch, Manski D, abgerufen 13.08.2026).
Die zweite Grenze ist die Zweideutigkeit des Verhältnisses. Derselbe Indexwert kann aus sehr unterschiedlichen Kombinationen von Testosteron und SHBG entstehen, und die Zahl allein trennt diese Fälle nicht.
Die dritte Grenze betrifft die Ursache. Ein niedriger Index beantwortet nicht, wo im Regelkreis etwas anders läuft. Dafür beschreibt das MSD Manual die gleichzeitige Bestimmung von Gesamttestosteron, FSH und LH (Stand April 2025).
Die vierte Grenze ist die Vergleichbarkeit. Weil Referenzbereiche zwischen Laboren abweichen können und der Index aus zwei labortypischen Messungen entsteht, sind zwei Werte aus demselben Labor leichter zu vergleichen als zwei aus verschiedenen.
Was der Index über Beschwerden aussagt
Die Beschwerden, die Menschen zu einem Hormonbefund führen, sind meist unspezifisch: Müdigkeit, nachlassender Antrieb, verminderte Libido. Sie haben viele mögliche Ursachen.
Ein Index ordnet eine dieser Ursachen ein und schließt die übrigen nicht aus. Schlafmangel und unzureichende Erholung etwa stehen in der Ursachenliste für anhaltende Müdigkeit an vorderer Stelle (MSD Manual, Ausgabe für Fachkreise, Stand April 2025), und daran ändert kein Hormonwert etwas.
Umgekehrt gilt dasselbe. Ein unauffälliger Index bedeutet nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Er bedeutet, dass eine mögliche Erklärung nach diesem Rechenweg unauffällig ausfällt.
Genau darin liegt der ehrliche Nutzen einer Rechengröße. Sie beantwortet eine Frage von mehreren, und sie tut das schnell. Mehr sollte man von ihr nicht erwarten.
Worauf es beim Freien Androgenindex ankommt
Wenn du aus diesem Artikel eine einzige Handlung mitnimmst, dann diese: Schreib dir zu jedem Index die beiden Zahlen dazu, aus denen er entstanden ist.
Der Grund ist unspektakulär. Ein Verhältnis lässt sich später nicht in seine Bestandteile zerlegen, und ohne diese Bestandteile bleibt beim nächsten Befund offen, welche Seite sich bewegt hat.
Am Anfang stand die Frage, was der Index leistet. Die ehrlichste Antwort lautet: eine schnelle Orientierung mit einer bekannten Schwäche. Wer alle drei Werte hat, nimmt den längeren Rechenweg und bekommt die bessere Zahl.
Der Einwand liegt nahe, dass ein Artikel über eine Formel wenig übrig lässt, wenn die Formel am Ende die zweitbeste Lösung ist. Der Nutzen bleibt trotzdem: Wer weiß, wie der Index entsteht, erkennt an seinem eigenen Befund sofort, ob die bessere Zahl daneben steht oder ob sie fehlt.
Und wer weiß, dass SHBG im Nenner steht, deutet einen fallenden Index nicht vorschnell als fallendes Testosteron. Das ist die eigentliche Einsicht aus einer Formel mit zwei Bestandteilen.
Häufige Fragen
Wie wird der Freie Androgenindex berechnet?
Die Formel lautet: Testosteron in Nanomol pro Liter mal 100, geteilt durch SHBG in Nanomol pro Liter (Urologielehrbuch, Manski D, abgerufen 13.08.2026). Das Ergebnis ist eine Verhältniszahl ohne Einheit. Voraussetzung ist, dass beide Werte in derselben Einheit vorliegen; ein Testosteron in Nanogramm pro Deziliter muss vorher umgerechnet werden.
Welcher Wert gilt als normal?
Für Männer nennt das Urologielehrbuch einen altersabhängigen Bereich zwischen 30 und 150 und ordnet Werte unter 30 als Hinweis auf einen relativen Testosteronmangel ein (abgerufen 13.08.2026). Maßgeblich bleibt der Referenzbereich, der auf dem eigenen Laborbefund angegeben ist, weil Referenzwerte von Labor zu Labor abweichen können (IQWiG, Stand 02.04.2025).
Ist der Index besser als das freie Testosteron?
Nein. Der Freie Androgenindex gilt als weniger zuverlässig als die rechnerische Bestimmung des freien Testosterons, weil die Konzentration von Albumin nicht berücksichtigt wird (Urologielehrbuch, abgerufen 13.08.2026). Wenn auf einem Befund beide Zahlen stehen, ist das berechnete freie Testosteron die belastbarere.
Warum sinkt mein Index, obwohl mein Testosteron gleich blieb?
Weil SHBG im Nenner steht. Steigt das Transporteiweiß, fällt der Index, auch wenn sich am Testosteron nichts geändert hat. Ein bekannter Grund dafür ist das Lebensalter: Da SHBG im Alter ansteigt, ist der Gesamttestosteronspiegel nach dem 50. Lebensjahr ein weniger empfindlicher Parameter (MSD Manual, Ausgabe für Fachkreise, Stand April 2025).
Kann ich den Index selbst ausrechnen?
Rechnerisch ja, sofern beide Werte in Nanomol pro Liter vorliegen. Die Deutung ist die eigentliche Schwierigkeit: Ein Index ohne die beiden zugrunde liegenden Zahlen, ohne die Uhrzeit der Abnahme und ohne den Referenzbereich des Labors bleibt eine Zahl ohne Zusammenhang. Auffällige Ergebnisse gehören in eine ärztliche Praxis.
Nächster Schritt
Drei Werte statt zwei
Wer Testosteron, SHBG und Albumin gemeinsam vorliegen hat, braucht den Umweg über den Index nicht. Der HormonCheck führt alle drei und gibt daraus freies Testosteron rechnerisch aus. Er stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Zum HormonCheck Zum Men’s Wellness CheckWeiterlesen
Das könnte dich auch interessieren
Der Nenner der Formel, ausführlich erklärt.
Der Zähler der Formel und die Frage dahinter.
Quellen
- Manski D: Urologielehrbuch, Abschnitt Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) und Freier Androgenindex, abgerufen 13.08.2026 – urologielehrbuch.de
- MSD Manual, Ausgabe für Fachkreise: Männlicher Hypogonadismus, Jimbo M (Stand April 2025) – msdmanuals.com
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Laborwerte richtig verstehen, Stand 02.04.2025 – gesundheitsinformation.de
- MSD Manual, Ausgabe für Fachkreise: Müdigkeit, Wasserman MR (Stand April 2025) – msdmanuals.com
Die Formel des Freien Androgenindex, das wörtliche Zitat zur fehlenden Berücksichtigung von Albumin, der Normbereich zwischen 30 und 150 für Männer, die Einordnung von Werten unter 30, der SHBG-Normbereich von 15 bis 60 Nanomol pro Liter und die Aussage zur Bindung am Transportprotein stammen aus Quelle [1]. Der Normalbereich des Gesamttestosterons in beiden Einheiten, die Aussage zur Äquilibriumdialyse, der Anstieg von SHBG im Alter, die Vorgabe zur Abnahme vor 10 Uhr und der Hinweis auf die gleichzeitige Bestimmung von FSH und LH stammen aus [2]. Die Erläuterung des Referenzbereichs und der Hinweis auf Abweichungen zwischen Laboren stammen aus [3]. Die Einordnung von Schlafmangel als Ursache anhaltender Müdigkeit stützt sich auf [4]. Angaben zu Preis, Werten, Probenart und Labor stammen von den Produktseiten von mybody®x, abgerufen am 13.08.2026; die Bearbeitungszeiten folgen der zentralen Vorgabe für Bluttests. Alle Quellen wurden am 13.08.2026 aufgerufen und geprüft.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Labordiagnostik Blutanalyse-Interpretation Ernährungswissenschaft Nutrigenetik
Dieser Artikel entstand im Redaktions- und Fachteam von mybody®x. Das Team verbindet Labordiagnostik, Ernährungswissenschaft und die Interpretation von Blutanalysen. Wer daran mitarbeitet, steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 13.08.2026 · Zuletzt aktualisiert am 13.08.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.






Compartir:
SHBG: was der Wert über verfügbare Hormone bedeutet