IgG und die anderen Antikörper: was die Klassen unterscheidet
21. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Antikörper sind die gezielte Antwort der erworbenen Abwehr auf körperfremde Stoffe, die Antigene (IQWiG, 2023). Ihr Fachwort lautet Immunglobulin, abgekürzt Ig, und der Buchstabe dahinter nennt die Klasse (Schroeder & Cavacini, 2010). Bei Allergien ist ein IgE-Wert im Blut ein Hinweis, kein Nachweis (IQWiG, 2024).
Es gibt fünf Antikörperklassen, und IgG teilt sich in vier Unterklassen (Schroeder & Cavacini, 2010).
IgM ist der erste Antikörper einer neuen Abwehr (Sathe & Cusick, 2022), IgG der häufigste im Blutserum (Vidarsson u. a., 2014).
IgG4 gegen Lebensmittel zeigt laut EAACI (2008) keine Unverträglichkeit an, sondern eine normale Reaktion des Immunsystems auf Gegessenes.
In diesem Artikel
Was ist IgG?
IgG steht für Immunglobulin G und ist der häufigste Antikörper im Blut (Vidarsson u. a., 2014). Es ist eine von fünf Antikörperklassen und teilt sich selbst in vier Unterklassen (Schroeder & Cavacini, 2010).
Immunglobulin ist das Fachwort für Antikörper, und das Kürzel Ig steht für genau dieses Wort. Der Buchstabe dahinter bezeichnet die Klasse, Fachleute sprechen auch von Isotypen (Schroeder & Cavacini, 2010). IgG heißt also Immunglobulin G (Vidarsson u. a., 2014), IgA heißt Immunglobulin A (Patel & Jialal, 2023). Eine Übersichtsarbeit im Journal of Allergy and Clinical Immunology unterscheidet fünf Hauptklassen (Schroeder & Cavacini, 2010):
- IgM, Immunglobulin M
- IgG, Immunglobulin G
- IgA, Immunglobulin A
- IgD, Immunglobulin D
- IgE, Immunglobulin E
Über IgG hält eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Frontiers in Immunology fest, dass es von diesen fünf Klassen im menschlichen Blutserum am häufigsten vorkommt (Vidarsson u. a., 2014). Wer IgG auf einem Laborbefund liest, liest also zuerst den Namen einer Antikörperklasse. Eine Diagnose steckt in dem Kürzel allein nicht.
Innerhalb von IgG unterscheidet die Immunologie, also die Lehre von der körpereigenen Abwehr, vier Unterklassen: IgG1 bis IgG4 (Schroeder & Cavacini, 2010). Eine Unterklasse ist eine Untergruppe innerhalb einer Klasse, und jede der vier hat laut derselben Übersichtsarbeit eigene biologische Eigenschaften (Schroeder & Cavacini, 2010). Auch IgA teilt sich, und zwar in die beiden Unterklassen IgA1 und IgA2 (Schroeder & Cavacini, 2010).
Wichtig wird diese Feinheit, sobald auf einem Befund oder in einem Angebot nicht einfach IgG steht, sondern eine Unterklasse. IgG4 ist so ein Fall. Was ein IgG4-Wert gegen Lebensmittel bedeutet und was nicht, ordnet das Kapitel IgG gegen Nahrungsmittel weiter unten ein. Bis dahin genügt eine Unterscheidung: IgG ist eine Klasse der Abwehr, IgG4 eine ihrer Unterklassen.
IgG und die Antikörperklassen in Zahlen
5
Hauptklassen von Antikörpern (Schroeder & Cavacini, 2010)
4
Unterklassen von IgG, von IgG1 bis IgG4 (Schroeder & Cavacini, 2010)
1968
wurde IgE benannt, als letzte der fünf Klassen entdeckt (Hostoffer & Joseph, 2023)
Quelle: Schroeder & Cavacini, 2010; Hostoffer & Joseph, 2023
Was ist der Unterschied zwischen Antigen und Antikörper?
Ein Antigen ist ein körperfremder Stoff, der das Immunsystem aktiviert, ein Antikörper ist die gezielte Antwort der erworbenen Abwehr darauf (IQWiG, 2023). Kurz: Das Antigen löst aus, der Antikörper antwortet.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz IQWiG, beschreibt das Immunsystem als etwas, das durch viele körperfremde Stoffe und Substanzen aktiviert werden kann, die sogenannten Antigene (IQWiG, 2023). Ein Antigen ist damit der Anlass einer Abwehrreaktion. Es gehört nicht zum Körper, und es ist auch nicht die Reaktion selbst.
Bei der Abwehr unterscheidet das IQWiG (2023) zwei Teile: das angeborene, auch unspezifisch genannte, und das erworbene, auch spezifisch genannte Immunsystem. Spezifisch heißt in diesem Zusammenhang, dass die Abwehr auf ganz bestimmte Erreger ausgerichtet ist. Genau dieser erworbene Teil bildet Antikörper und setzt sie gezielt gegen Krankheitserreger ein, mit denen der Körper schon früher Kontakt hatte (IQWiG, 2023).
Die beiden Wörter klingen ähnlich, und beim Lernen für eine Prüfung liegt eine Verwechslung nahe. Eine einfache Merkhilfe ergibt sich aus der Beschreibung des IQWiG (2023): Das Antigen ist der fremde Stoff, den Antikörper bildet der Körper selbst. Wer sich das Wortpaar als Auslöser und Antwort einprägt, kann die beiden Begriffe in jeder Aufgabe auseinanderhalten.
Welche Werte im Blut zur Abwehr gehören und was sich davon messen lässt, ordnet der Beitrag Blutwerte und Immunsystem ein. Dieser Beitrag bleibt bei den Antikörpern und ihren Klassen.
Belegte Fundstelle
„Die erworbene (spezifische) Immunabwehr bildet sogenannte Antikörper und setzt sie gezielt gegen ganz bestimmte Krankheitserreger ein, mit denen der Körper schon früher Kontakt hatte.“
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, „Wie funktioniert das Immunsystem?“, 2023
In diesem Satz steckt, was für alle Antikörperklassen gilt: Antikörper sind keine allgemeine Schutzschicht, sondern gezielt gegen bestimmte Erreger gerichtet (IQWiG, 2023). Die Klassen, um die es in den folgenden Kapiteln geht, sind verschiedene Gruppen dieser gezielten Antwort. Welche Klasse wofür steht, zeigt die Tabelle im nächsten Kapitel.
IgM und IgG: Was ist der Unterschied?
IgM ist der erste Antikörper, den die erworbene Abwehr gegen ein neues Antigen ausschüttet (Sathe & Cusick, 2022). IgG ist der häufigste Antikörper im Blutserum (Vidarsson u. a., 2014).
Die beiden Angaben beschreiben verschiedene Eigenschaften: bei IgM die Stellung am Anfang einer neuen Abwehr, bei IgG die Menge im Blut. Ein Kapitel aus der medizinischen Nachschlagereihe StatPearls beschreibt IgM als Teil der erworbenen Antwort des Körpers auf einen fremden Erreger (Sathe & Cusick, 2022). Darin steht auch der Satz, auf den es ankommt: IgM ist der erste Antikörper, den die erworbene Abwehr als Antwort auf ein fremdes Antigen ausschüttet (Sathe & Cusick, 2022).
Über IgG hält eine Übersichtsarbeit fest, dass es von den fünf Klassen im menschlichen Blutserum am häufigsten vorkommt (Vidarsson u. a., 2014). Dazu kommen die vier Unterklassen IgG1 bis IgG4, jede mit eigenen biologischen Eigenschaften (Schroeder & Cavacini, 2010). Beide Aussagen stammen aus der Grundlagen-Immunologie und beschreiben die Klasse, nicht den Wert eines einzelnen Menschen.
Für das Lernen lässt sich der Unterschied auf ein Wortpaar bringen: IgM zuerst (Sathe & Cusick, 2022), IgG am häufigsten (Vidarsson u. a., 2014). Mit diesem Paar und der Tabelle unten hast du die Grundlagen der beiden Klassen beisammen.
Stehen IgM und IgG auf deinem eigenen Befund, ist die Lage eine andere als in der Prüfung. Dieses Kapitel erklärt die Klassen, nicht deinen Befund. Für die Deutung ist das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt der richtige Ort.
Antikörperklassen im Überblick
| Klasse | Was belegt ist | Quelle |
|---|---|---|
| IgG | häufigster Antikörper im Blutserum, vier Unterklassen | Vidarsson u. a., 2014; Schroeder & Cavacini, 2010 |
| IgM | erster Antikörper einer neuen Abwehr | Sathe & Cusick, 2022 |
| IgA | wichtigster Antikörper der Schleimhäute | Patel & Jialal, 2023 |
| IgE | vor allem mit Allergien verbunden, Abwehr von Parasiten | Hostoffer & Joseph, 2023 |
| IgD | fünfte Klasse | Schroeder & Cavacini, 2010 |
Die Tabelle fasst je Klasse eine belegte Kernaussage zusammen, die Fundstelle steht in der rechten Spalte. So kannst du sie als Lernhilfe nutzen oder als Spickzettel, wenn auf einem Befund eine dieser Abkürzungen auftaucht und du vor dem Arztgespräch nachschlagen willst.
Welche Aufgaben haben IgA und IgE?
IgA ist der wichtigste Antikörper der Schleimhäute (Patel & Jialal, 2023). IgE ist vor allem mit Allergien verbunden und an der Abwehr von Parasiten beteiligt (Hostoffer & Joseph, 2023).

Ein Kapitel der Nachschlagereihe StatPearls zählt IgA zu den fünf grundlegenden Immunglobulinen und beschreibt es als den vorherrschenden Antikörper der Abwehr an den Schleimhäuten, wo es für deren Gleichgewicht zentral ist (Patel & Jialal, 2023). Genannt werden dafür die Schleimhäute in diesen Bereichen (Patel & Jialal, 2023):
- Darm
- Atemwege
- Harn- und Geschlechtsorgane
Dazu kommt, dass IgA zwei Unterklassen hat, IgA1 und IgA2 (Schroeder & Cavacini, 2010). Merken lässt sich IgA am besten über seinen Ort: Es ist der Antikörper der Schleimhäute (Patel & Jialal, 2023).
IgE ist die Klasse, die zuletzt entdeckt wurde. Benannt wurde es 1968, als letzter der fünf menschlichen Antikörper (Hostoffer & Joseph, 2023). Dasselbe Nachschlagewerk verbindet IgE typischerweise mit den unterschiedlichen Erscheinungsformen allergischer Erkrankungen (Hostoffer & Joseph, 2023). Außerdem trägt IgE deutlich zur Abwehr von Parasiten bei (Hostoffer & Joseph, 2023).
Wer sich mit Allergien beschäftigt, stößt deshalb früher oder später auf IgE. Dass IgE mit Allergien verbunden ist, heißt allerdings nicht, dass jeder IgE-Wert eine Allergie bedeutet. Was ein solcher Wert aussagt, ordnet das nächste Kapitel ein.
Wie sich eine Allergie von einer Unverträglichkeit abgrenzt, zeigt der Beitrag über Allergie und Unverträglichkeit bei Nüssen an einem Beispiel aus dem Alltag. Einen eigenen Beitrag gibt es außerdem zu Kreuzallergien.
Für die Prüfung genügt auch hier ein Paar: IgA steht für die Schleimhäute (Patel & Jialal, 2023), IgE für Allergien und für die Abwehr von Parasiten (Hostoffer & Joseph, 2023).
Was sagt ein Antikörpertest im Blut aus?
Bei der Blutuntersuchung auf eine Nahrungsmittelallergie geht es meist um IgE-Antikörper (IQWiG, 2023). Ein solcher Test ist laut IQWiG (2024) ein Hinweis auf eine Allergie, kein Nachweis.
Das IQWiG beschreibt diese Blutuntersuchung so: Geprüft wird, ob der Körper bestimmte Antikörper, meist IgE-Antikörper, gegen ein Nahrungsmittel gebildet hat (IQWiG, 2023). Ein IgE-Wert auf dem Befund ist also das Ergebnis dieser Prüfung. Was er bedeutet, ist die eigentliche Frage.
Die Antwort steht auf der Seite des IQWiG (2024) zu Allergietests. Der Test ist dort „nur ein Hinweis auf eine Allergie, kein Nachweis“ (IQWiG, 2024). Mehr IgE-Antikörper im Blut kann es auch ohne Allergie geben, zum Beispiel bei Menschen, die rauchen, oder bei einer Parasiten-Infektion (IQWiG, 2024). Und die Menge an Allergie-Antikörpern hängt nicht unbedingt mit der Stärke der Beschwerden zusammen (IQWiG, 2024).
Ein Hinweis lenkt den Blick auf eine Möglichkeit, ein Nachweis würde sie bestätigen. Beim IgE-Wert im Blut bleibt es beim Hinweis, weil mehr IgE auch andere Gründe haben kann (IQWiG, 2024). Dazu kommt, dass eine Sensibilisierung ohne Beschwerden möglich ist (RKI-Kommission, 2016).
Für diesen Zustand zwischen Antikörper und Allergie gibt es ein eigenes Wort. Das Vorhandensein spezifischer IgE-Antikörper, also solcher gegen einen bestimmten Stoff, bezeichnet man als allergische Sensibilisierung (RKI-Kommission, 2016). Sie ist die Voraussetzung für eine Allergie, also dafür, dass allergische Beschwerden auftreten (RKI-Kommission, 2016). Eine Sensibilisierung kann aber auch bestehen, ohne dass beim Kontakt mit dem Allergen, dem auslösenden Stoff, Beschwerden auftreten. Die Kommission Umweltmedizin am Robert Koch-Institut spricht dann von einer klinisch stummen Sensibilisierung (RKI-Kommission, 2016).
Daraus folgt ein Satz, den du dir für jeden IgE-Befund merken kannst: Ein spezifischer IgE-Wert zeigt eine Sensibilisierung, noch keine Allergie (RKI-Kommission, 2016). Ob eine Allergie vorliegt, ordnet die Ärztin oder der Arzt zusammen mit deinen Beschwerden ein.
Für dich heißt das: Ein IgE-Wert ist ein Baustein für das Gespräch in der ärztlichen Praxis, nicht dessen Ergebnis. Diese Fragen kannst du mitnehmen:
- Gegen welchen Stoff richtet sich der gemessene IgE-Wert?
- Passen meine Beschwerden zeitlich zu diesem Stoff?
- Kommt ein anderer Grund für mehr IgE infrage, etwa Rauchen (IQWiG, 2024)?
- Welcher nächste Schritt ist in meinem Fall sinnvoll?
Wie ein Labor solche Antikörper misst, ist eine eigene Frage. Ein solches Verfahren beschreibt der Beitrag über das Messverfahren ELISA. Hier geht es um die Klassen und um das, was ein Wert aussagt.
Kapitel auf einen Blick
Bei der Allergie-Blutuntersuchung geht es meist um IgE (IQWiG, 2023). Ein solcher Test ist ein Hinweis auf eine Allergie, kein Nachweis (IQWiG, 2024). Mehr IgE kann es auch ohne Allergie geben, etwa bei Menschen, die rauchen (IQWiG, 2024). Spezifisches IgE heißt Sensibilisierung, und eine Sensibilisierung kann ohne Beschwerden bestehen (RKI-Kommission, 2016).
IgG gegen Nahrungsmittel: Was zeigt der Wert?
IgG4 gegen Lebensmittel zeigt laut EAACI (2008) weder eine Allergie noch eine Unverträglichkeit an, sondern eine normale Reaktion des Immunsystems auf gegessene Lebensmittel. Das IQWiG (2023) empfiehlt IgG-Tests auf Nahrungsmittel derzeit nicht.
Tests auf IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel sind ein eigenes Thema, und das IQWiG (2023) äußert sich dazu ausdrücklich. Die Bestimmung sogenannter IgG- oder IgG4-Antikörper gegen Nahrungsmittel im Blut wird in manchen Praxen als Privatleistung angeboten (IQWiG, 2023). Laut IQWiG (2023) wird diese Untersuchung „derzeit allerdings nicht empfohlen, da sie nicht sehr aussagekräftig ist“.
Noch deutlicher wird die europäische Fachgesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, die European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI, 2008). Eine Arbeitsgruppe der Gesellschaft stellte fest, dass viele Blutproben positive IgG4-Ergebnisse zeigen, ohne dass dazu passende Beschwerden bestehen (EAACI, 2008). Ihr Schluss lautet sinngemäß: IgG4 gegen Lebensmittel zeigt weder eine Allergie noch eine Unverträglichkeit an, sondern eine normale Reaktion des Immunsystems darauf, dass man diese Lebensmittel gegessen hat (EAACI, 2008). Deshalb rät die EAACI (2008), solche Tests bei Beschwerden nach dem Essen nicht zu machen.
Die beiden Einordnungen stammen aus verschiedenen Häusern. Das IQWiG ist ein Institut, die EAACI eine Fachgesellschaft, und beide kommen zum selben Ergebnis: Das IQWiG (2023) empfiehlt die Untersuchung derzeit nicht, die EAACI (2008) rät bei Beschwerden nach dem Essen davon ab.
Was heißt das für einen Wert, der dir vorliegt oder angeboten wird? Ein IgG4-Wert gegen ein Lebensmittel spiegelt nach dieser Einordnung wider, dass dein Immunsystem dem Lebensmittel begegnet ist, weil du es gegessen hast (EAACI, 2008). Ob du das Lebensmittel verträgst, lässt sich daraus nicht ablesen.
IgG bleibt damit, was es im ersten Kapitel war: eine Antikörperklasse der Abwehr und der häufigste Antikörper im Blutserum (Vidarsson u. a., 2014). Ein Werkzeug, um Unverträglichkeiten zu finden, ist es nach der Einordnung von IQWiG (2023) und EAACI (2008) nicht.
Mythos-Check: Antikörperwerte
Behauptung
„Ein IgG-Wert gegen ein Lebensmittel zeigt eine Unverträglichkeit.“
Was die Quelle zeigt
IgG4 gegen Lebensmittel zeigt weder Allergie noch Unverträglichkeit an, sondern eine normale Reaktion auf gegessene Lebensmittel (EAACI, 2008).
Behauptung
„Ein erhöhter IgE-Wert beweist eine Allergie.“
Was die Quelle zeigt
Ein IgE-Wert im Blut ist ein Hinweis auf eine Allergie, kein Nachweis (IQWiG, 2024). Mehr IgE kann es auch ohne Allergie geben (IQWiG, 2024).
Wird dir ein IgG-Test auf Nahrungsmittel angeboten, kannst du diese beiden Einordnungen als Grundlage für deine Entscheidung nehmen. Hast du Beschwerden nach dem Essen, gehören sie in die ärztliche Praxis. Dort lassen sie sich mit deiner Vorgeschichte und, wo nötig, mit den passenden Untersuchungen abklären.
Ob zwischen Unverträglichkeiten und dem Körpergewicht ein Zusammenhang besteht, ist Thema im Beitrag über Unverträglichkeit und Gewicht.
Antikörper: Wo liegen die Grenzen des Wissens?
Die Angaben zu den Klassen stammen aus Lehrbuchkapiteln und Übersichtsarbeiten der Grundlagen-Immunologie (Schroeder & Cavacini, 2010; Vidarsson u. a., 2014). Die Aussagen zu Tests betreffen Allergietests (IQWiG, 2023; IQWiG, 2024).
Damit du die Aussagen dieses Beitrags richtig gewichten kannst, hier die Einschränkungen im Einzelnen:
- Die Angaben zu den einzelnen Klassen stammen aus Kapiteln der Nachschlagereihe StatPearls (Sathe & Cusick, 2022; Patel & Jialal, 2023; Hostoffer & Joseph, 2023) und aus Übersichtsarbeiten (Schroeder & Cavacini, 2010; Vidarsson u. a., 2014). Sie beschreiben Grundlagen der Immunologie, keine Messwerte einzelner Menschen.
- Die Einordnung von IgG4 gegen Lebensmittel stammt aus einem Positionspapier, dem Bericht einer Arbeitsgruppe der EAACI aus dem Jahr 2008, und nicht aus einer Studie (EAACI, 2008).
- Die Aussagen des IQWiG betreffen Allergietests und beschreiben die ärztliche Untersuchung mit Blut aus der Armvene (IQWiG, 2024). Sie gelten für diese Fragestellung.
- Die IQWiG-Seite zur Nahrungsmittelallergie trägt den Stand vom 12.07.2023, die Seite zum Immunsystem den vom 31.05.2023 (IQWiG, 2023). Für beide war die nächste Aktualisierung für 2026 geplant (IQWiG, 2023).
- Der Begriff Sensibilisierung folgt der Begriffsbestimmung in einem Positionspapier der Kommission Umweltmedizin am Robert Koch-Institut von 2016 (RKI-Kommission, 2016).
Für das Verstehen eines Begriffs oder das Lernen für eine Prüfung trägt dieser Stand gut. Die Deutung eines eigenen Befunds bleibt Sache der Praxis, die ihn angefordert hat.
Antikörper: Was du jetzt weißt
Antigene lösen die Abwehr aus, Antikörper sind ihre gezielte Antwort (IQWiG, 2023). Ein IgG4-Wert gegen ein Lebensmittel spiegelt die Begegnung mit diesem Lebensmittel wider, nicht deine Verträglichkeit (EAACI, 2008). Hast du nach dem Essen wiederkehrende Beschwerden, ist die ärztliche Praxis die richtige Anlaufstelle. Das Wissen über die Klassen ersetzt dieses Gespräch nicht, aber es bereitet dich darauf vor.
Häufige Fragen
Was ist IgG4?
IgG4 ist eine der vier Unterklassen von IgG, die anderen heißen IgG1 bis IgG3 (Schroeder & Cavacini, 2010). Jede dieser Unterklassen hat eigene biologische Eigenschaften (Schroeder & Cavacini, 2010). Im Zusammenhang mit Lebensmitteln hält die europäische Fachgesellschaft EAACI (2008) fest, dass IgG4 gegen Lebensmittel eine normale Reaktion des Immunsystems auf gegessene Lebensmittel anzeigt, keine Allergie und keine Unverträglichkeit.
Wo werden Antikörper gebildet?
Antikörper bildet die erworbene, also spezifische Abwehr des Körpers (IQWiG, 2023). Sie setzt die Antikörper gezielt gegen bestimmte Krankheitserreger ein, mit denen der Körper schon früher Kontakt hatte (IQWiG, 2023). Für IgM nennt ein Lehrbuchkapitel die Plasmazellen: Diese Zellen bilden IgM als Teil der erworbenen Antwort auf einen fremden Erreger (Sathe & Cusick, 2022).
Was bedeutet Sensibilisierung?
Sensibilisierung heißt, dass spezifische IgE-Antikörper gegen einen bestimmten Stoff vorhanden sind (RKI-Kommission, 2016). Sie ist die Voraussetzung für eine Allergie, aber nicht dasselbe. Eine Sensibilisierung kann auch bestehen, ohne dass beim Kontakt mit dem Allergen Beschwerden auftreten. Die Kommission Umweltmedizin am Robert Koch-Institut nennt das eine klinisch stumme Sensibilisierung (RKI-Kommission, 2016).
Warum kann IgE ohne Allergie erhöht sein?
Mehr IgE-Antikörper im Blut kann es auch ohne Allergie geben, zum Beispiel bei Menschen, die rauchen, oder bei einer Parasiten-Infektion (IQWiG, 2024). Der Hinweis auf Parasiten passt zu einem Lehrbuchkapitel, nach dem IgE zur Abwehr von Parasiten beiträgt (Hostoffer & Joseph, 2023). Außerdem hängt die Menge an Allergie-Antikörpern nicht unbedingt mit der Stärke der Beschwerden zusammen (IQWiG, 2024).
Was ist IgD?
IgD ist eine der fünf Hauptklassen von Antikörpern, die eine Übersichtsarbeit zur Struktur der Immunglobuline beschreibt (Schroeder & Cavacini, 2010). Wie bei den anderen Klassen steht Ig für Immunglobulin, das Fachwort für Antikörper, und der Buchstabe D bezeichnet die Klasse. Als Merksatz für das Lernen: fünf Klassen, und IgD ist eine davon (Schroeder & Cavacini, 2010).
Nächster Schritt
Wie misst ein Labor Antikörper?
Dieser Beitrag erklärt die Klassen. Wie ein Messverfahren für Antikörper abläuft, zeigt der Beitrag über den ELISA.
ELISA einfach erklärt Blutwerte und Immunsystem Welche Werte zur Abwehr gehörenWeiterlesen
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Wie funktioniert das Immunsystem? (Stand 2023); Welche Allergietests gibt es? (Stand 2024); Nahrungsmittelallergie: Diagnose und Behandlung (Stand 2023) – gesundheitsinformation.de
- Schroeder H. W., Cavacini L.: Structure and function of immunoglobulins, Journal of Allergy and Clinical Immunology (Stand 2010); Vidarsson G., Dekkers G., Rispens T.: IgG subclasses and allotypes, Frontiers in Immunology (Stand 2014) – europepmc.org
- StatPearls: Biochemistry, Immunoglobulin M (Stand 2022); Biochemistry, Immunoglobulin A (Stand 2023); Immunoglobulin E (Stand 2023) – europepmc.org
- EAACI Task Force: Testing for IgG4 against foods is not recommended as a diagnostic tool, Allergy (Stand 2008); Kommission Umweltmedizin am Robert Koch-Institut: Aktueller Stand zur Verbreitung von Allergien in Deutschland (Stand 2016) – europepmc.org, rki.de
Der Unterschied zwischen Antigen und Antikörper sowie die Aussagen zu Allergietests im Blut stützen sich auf [1]. Die Zahl der Klassen und Unterklassen und die Angaben zu IgG stützen sich auf [2], die Angaben zu den einzelnen Klassen auf [3]. Die Einordnung von IgG4 gegen Lebensmittel und der Begriff Sensibilisierung stützen sich auf [4]. Alle Quellen wurden im Oktober 2026 abgerufen und geprüft.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Immunologie Laborbegriffe
Dieser Beitrag stammt vom Redaktions- und Fachteam von mybody®x (MYBODY Lab GmbH). Wir ordnen Laborbegriffe anhand von Fachquellen ein und nennen zu jeder Aussage die Fundstelle. Mehr über das Team findest du auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 21.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 21.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.
Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.





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