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Mariendistel und Artischocke: was für Leber und Verdauung belegt ist

7. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam

Das Wichtigste in Kürze

Die Beleglage ist schwach. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (2018) stuft Mariendistel und Artischocke als traditionelle pflanzliche Arzneimittel ein, also auf Grund langjähriger Anwendung, nicht auf Grund nachgewiesener Wirksamkeit. In 18 Studien bei Lebererkrankungen veränderte Mariendistel weder die Sterblichkeit noch die Komplikationen (Rambaldi u. a., 2007). Für Artischocke bei Oberbauchbeschwerden spricht eine einzelne Studie (Holtmann u. a., 2003).

Silymarin, der Hauptbestandteil des Mariendistel-Extrakts (NCCIH, 2025), senkte bei Menschen mit Lebererkrankungen die Leberwerte ALT und AST nur minimal und ohne klinische Bedeutung (de Avelar u. a., 2017).

Artischockenblätter sind in der Monographie, einem Fachtext der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA/HMPC, 2018), nur für Verdauungsbeschwerden eingestuft, und Lebererkrankungen zählen dort zu den Gegenanzeigen.

Ein einzelner Laborwert erlaubt meist keinen Schluss auf eine Krankheit (IQWiG, 2025).

In diesem Artikel

Was ist Mariendistel, und wofür wird sie verwendet?

Mariendistel ist eine Pflanze, deren Extrakt als Hauptbestandteil Silymarin enthält, eine Mischung von Stoffen; so beschreibt es die US-Behörde National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH, 2025). Früher wurde Mariendistel bei Lebererkrankungen und zur Steigerung der Muttermilch verwendet (NCCIH, 2025).

Die Studienlage in Zahlen

1088

Menschen mit Lebererkrankung durch Alkohol oder Hepatitis-Viren in 18 Studien zur Mariendistel (Rambaldi u. a., 2007)

247

Personen mit Oberbauchbeschwerden ohne erkennbare Ursache in einer sechswöchigen Studie zur Artischocke (Holtmann u. a., 2003)

262

Personen in 3 Studien zu Artischocke und Cholesterin (Wider u. a., 2013)

Quellen: zwei Cochrane-Übersichten (Rambaldi u. a., 2007; Wider u. a., 2013) und eine Einzelstudie (Holtmann u. a., 2003)

Heute steht Mariendistel als Kapsel im Regal, und wer nach Erfahrungen mit Mariendistel-Kapseln sucht, findet Berichte von Einzelnen. Ein Erfahrungsbericht beschreibt, wie es einem Menschen ergangen ist. Was über diesen Einzelfall hinausgeht, steht in Studien und in den Fachtexten der Arzneimittelbehörden.

In Europa ist das die Monographie, ein Fachtext der Europäischen Arzneimittel-Agentur zu einer einzelnen Arzneipflanze (EMA/HMPC, 2018). Die Monographie zu Mariendistelfrüchten nennt als Anwendungsgebiet die Linderung von Verdauungsbeschwerden und Völlegefühl (EMA/HMPC, 2018). Die Unterstützung der Leberfunktion kommt hinzu, allerdings erst, nachdem ernsthafte Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen sind (EMA/HMPC, 2018).

Entscheidend ist die Kategorie. Mariendistel gilt dort als traditionelles pflanzliches Arzneimittel: Die Einstufung beruht ausschließlich auf langjähriger Anwendung, nicht auf nachgewiesener Wirksamkeit (EMA/HMPC, 2018). Das ist keine Abwertung, sondern eine genaue Angabe darüber, worauf die Einstufung ruht.

Die Artischocke hat eine eigene Monographie, und zwar für ihre Blätter (EMA/HMPC, 2018). Auch sie ist dort ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel, eingestuft für Verdauungsbeschwerden; Lebererkrankungen führt die Monographie bei ihr als Gegenanzeige (EMA/HMPC, 2018). Wer beide Pflanzen gedanklich als Leberkur zusammenfasst, übersieht diesen Unterschied.

Was hinter dem Versprechen steckt, die Leber zu entgiften, und wie sich die Leberwerte einordnen lassen, steht im Beitrag zu „Leber entgiften“ und den Leberwerten. Hier geht es nur um die beiden Pflanzen und um das, was über sie belegt ist.

Schützt Mariendistel die Leber?

Belegt ist das nicht. Für Wirkungen der Mariendistel fehlen hochwertige Belege, und Studien bei Lebererkrankungen sind widersprüchlich oder zu dünn für Schlussfolgerungen (NCCIH, 2025).

Die genaueste Antwort liefert eine Cochrane-Übersicht, also eine systematische Gesamtauswertung der Studien zu einer Frage. Sie umfasste 18 Studien mit 1088 Menschen, die eine Lebererkrankung durch Alkohol oder durch die Viren Hepatitis B oder C hatten (Rambaldi u. a., 2007).

Verglichen mit einem Scheinmittel oder keiner Behandlung veränderte Mariendistel die Sterblichkeit nicht (Rambaldi u. a., 2007). Auch bei den Komplikationen der Lebererkrankung und beim Gewebebild der Leber zeigte sich kein Effekt (Rambaldi u. a., 2007). Nebenwirkungen traten unter Mariendistel nicht häufiger auf als ohne sie (Rambaldi u. a., 2007).

Ein Detail zeigt, wie dünn die Beleglage ist. Über alle Studien gerechnet war die leberbedingte Sterblichkeit unter Mariendistel geringer; sobald nur die Studien mit hoher Qualität zählten, verschwand dieser Vorteil (Rambaldi u. a., 2007). Die Autoren stellen den Nutzen der Mariendistel für diese Erkrankten deshalb in Frage und verweisen auf den Mangel an hochwertigen Belegen (Rambaldi u. a., 2007).

Senkt Mariendistel die Leberwerte?

Nur minimal. Eine Metaanalyse, also eine gemeinsame Berechnung über die Daten aus 6 Studien, untersuchte Silymarin bei Menschen mit Lebererkrankungen (de Avelar u. a., 2017). ALT, auch GPT genannt, und AST sind zwei Leberwerte im Blut; beide sanken unter Silymarin nur minimal und ohne klinische Bedeutung (de Avelar u. a., 2017).

Ohne klinische Bedeutung heißt: statistisch messbar, für die Behandlung aber ohne Belang. Die Gamma-GT, ein Enzym (IQWiG, 2025), veränderte sich gar nicht (de Avelar u. a., 2017). Die Autoren halten Studien mit besser geeignetem Aufbau für nötig (de Avelar u. a., 2017).

Wer selbst einen auffälligen Wert hat, ohne sich krank zu fühlen, findet die Einordnung im Beitrag über erhöhte Leberwerte ohne Beschwerden. Die Tabelle stellt die Studienergebnisse zu beiden Pflanzen nebeneinander, mit der Quelle in jeder Zeile.

Was die Studien zeigen

Frage Ergebnis Quelle
Mariendistel bei Lebererkrankungen Kein Effekt auf die Sterblichkeit. Auch Komplikationen und Gewebebild blieben unverändert. Rambaldi u. a., 2007
Silymarin und Leberwerte ALT und AST nur minimal gesenkt, ohne klinische Bedeutung. Gamma-GT unverändert. de Avelar u. a., 2017
Artischocke bei Oberbauchbeschwerden Besser als ein Scheinmittel, in einer einzelnen Studie Holtmann u. a., 2003
Artischocke und Cholesterin Hinweis auf eine Senkung, nicht überzeugend belegt Wider u. a., 2013

Was sagen Leberwerte über die Wirkung von Mariendistel?

Ein Leberwert zeigt einen Zustand, keine Ursache. Steigt etwa die Gamma-GT, sind laut IQWiG (2025) weitere Untersuchungen und Laborwerte nötig, um die Ursache zu finden.

Die Gamma-GT, kurz GGT, ist ein Enzym, das der Körper braucht, um das Molekül Glutathion zu spalten (IQWiG, 2025). Als Normalwerte nennt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen bei Frauen unter 40 U/l und bei Männern unter 60 U/l (IQWiG, 2025). U/l steht für Einheiten je Liter.

Erhöhte Werte können laut IQWiG (2025) unter anderem auftreten:

  • nach Alkoholkonsum
  • bei einer Leberentzündung (Hepatitis)
  • bei einer Fettleber
  • bei einem Stau der Gallenflüssigkeit
  • durch Medikamente, etwa entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Antibiotika

Die Liste zeigt, warum ein einzelner Wert so wenig verrät, solange niemand nach dem Grund gesucht hat. Das IQWiG (2025) fasst es in einem Satz zusammen.

Belegte Fundstelle

„Von einem Laborwert allein lässt sich meist nicht auf eine Krankheit schließen.“

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, „Gamma-GT (GGT)“, 2025

Für die Mariendistel heißt das zweierlei. Ein erhöhter Wert ist zuerst ein Anlass, die Ursache ärztlich klären zu lassen; auch die Monographie sieht Mariendistel zur Unterstützung der Leberfunktion erst vor, nachdem ernsthafte Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen sind (EMA/HMPC, 2018). Und ein Wert, der sich verändert, verrät nicht, warum er das tut.

Wann ein Wert als bedenklich gilt, erklärt der Beitrag ab wann Leberwerte kritisch sind. Mögliche Gründe für einen Anstieg ordnet der Beitrag zu den Ursachen einer erhöhten Gamma-GT ein.

Was ist zur Artischocke bei Verdauungsbeschwerden belegt?

Eine traditionelle Einstufung und eine einzelne Studie mit positivem Ergebnis. Artischockenblätter sind laut Monographie (EMA/HMPC, 2018) ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden, und in einer Studie linderte ein Extrakt Oberbauchbeschwerden besser als ein Scheinmittel (Holtmann u. a., 2003).

Frau zupft Grünkohl in eine dunkle Schale

Die Monographie beschreibt das Anwendungsgebiet genauer: Verdauungsbeschwerden mit einem Völlegefühl, wobei sie Blähbauch und Blähungen ausdrücklich nennt (EMA/HMPC, 2018). Wie bei der Mariendistel beruht die Einstufung ausschließlich auf langjähriger Anwendung (EMA/HMPC, 2018). Ein Anwendungsgebiet für die Leber sieht sie bei der Artischocke nicht vor.

Wer Artischocke für die Leber nimmt, sollte deshalb die Gegenanzeigen kennen, also die Umstände, unter denen ein Arzneimittel nicht angewendet werden soll. Die Monographie zählt unter anderem Lebererkrankungen und Gallensteine dazu (EMA/HMPC, 2018). Auch ein Verschluss der Gallenwege gehört zu den Gegenanzeigen, ebenso Gallenerkrankungen, die ärztliche Betreuung brauchen (EMA/HMPC, 2018).

Was zeigt die Studie zur Artischocke bei Oberbauchbeschwerden?

Funktionelle Dyspepsie ist der Fachbegriff für Oberbauchbeschwerden ohne erkennbare Ursache. In einer sechswöchigen Studie mit 247 Betroffenen bekam ein Teil einen Artischockenblätterextrakt, der andere ein Scheinmittel (Holtmann u. a., 2003). Der Extrakt linderte die Beschwerden besser als das Scheinmittel und verbesserte die krankheitsbezogene Lebensqualität stärker (Holtmann u. a., 2003).

Das ist ein ernst zu nehmendes Ergebnis, aber eines aus einer einzelnen Studie mit einem bestimmten Präparat (Holtmann u. a., 2003). Ob andere Präparate gleich abschneiden, lässt sich daraus nicht ablesen. Und die Studie (Holtmann u. a., 2003) handelt von Oberbauchbeschwerden, nicht von der Leber.

Zum Cholesterin gibt es eine Cochrane-Übersicht: 3 Studien mit 262 Personen deuten an, dass Artischockenblätterextrakt das Cholesterin senken könnte, überzeugend belegt ist das nicht (Wider u. a., 2013). Einen Hinweis zu haben ist etwas anderes, als eine Wirkung zu kennen.

Wie verträglich sind Mariendistel und Artischocke?

Mariendistel ist meist gut verträglich (NCCIH, 2025). Für beide Pflanzen setzen die Monographien aber Grenzen beim Alter und in der Schwangerschaft (EMA/HMPC, 2018).

Die häufigsten Nebenwirkungen der Mariendistel betreffen die Verdauung, vor allem Blähungen und Übelkeit (NCCIH, 2025). Allergische Reaktionen sind möglich, vor allem bei einer Allergie gegen verwandte Pflanzen (NCCIH, 2025). Gemeint sind Korbblütler: Eine Überempfindlichkeit gegen diese Pflanzenfamilie ist in beiden Monographien eine Gegenanzeige (EMA/HMPC, 2018).

Für Artischockenblätter berichtet die Monographie leichten Durchfall mit Bauchkrämpfen sowie Sodbrennen (EMA/HMPC, 2018). Allergische Reaktionen sind auch hier möglich (EMA/HMPC, 2018).

Ein zweiter Punkt betrifft die Kapseln selbst. Manche Produkte enthielten deutlich andere Mengen Silymarin als auf dem Etikett angegeben, andere waren verunreinigt (NCCIH, 2025). Was auf der Packung steht, muss also nicht dem Inhalt entsprechen.

Wer Medikamente nimmt, bespricht Mariendistel vorher ärztlich, weil manche Pflanzen und Medikamente sich ungünstig beeinflussen (NCCIH, 2025). Dass die Monographie zur Mariendistel keine Wechselwirkungen berichtet (EMA/HMPC, 2018), ist kein Beleg für Unbedenklichkeit.

Die Monographien empfehlen Mariendistel nicht unter 18 Jahren und Artischocke nicht unter 12 Jahren (EMA/HMPC, 2018). In Schwangerschaft und Stillzeit raten beide mangels ausreichender Daten ab (EMA/HMPC, 2018).

Zwei Signale gehören in die Praxis. Halten die Beschwerden während der Einnahme länger als 2 Wochen an, soll man ärztlich nachfragen, und das gilt für beide Pflanzen (EMA/HMPC, 2018). Treten unter Mariendistel eine Gelbsucht oder eine Verfärbung von Urin oder Stuhl auf, geht es sofort zum Arzt (EMA/HMPC, 2018).

Kapitel auf einen Blick

Mariendistel ist meist gut verträglich, Nebenwirkungen betreffen vor allem die Verdauung (NCCIH, 2025). Die Monographien empfehlen Mariendistel nicht unter 18 Jahren, Artischocke nicht unter 12 Jahren und beide nicht in Schwangerschaft und Stillzeit (EMA/HMPC, 2018). Vor der Einnahme neben Medikamenten steht das Gespräch in der Praxis (NCCIH, 2025). Gelbsucht oder verfärbter Urin oder Stuhl unter Mariendistel sind ein Grund, sofort zum Arzt zu gehen (EMA/HMPC, 2018).

Welche Annahmen über Mariendistel greifen zu kurz?

Zwei Annahmen halten den Quellen nicht stand: dass Mariendistel die Leber nachweislich schützt, und dass ein sinkender Leberwert die Wirkung eines Präparats zeigt.

Annahme: „Mariendistel schützt die Leber.“

Einordnung: Für Wirkungen der Mariendistel fehlen hochwertige Belege (NCCIH, 2025). In der Cochrane-Übersicht veränderte sie bei Lebererkrankungen durch Alkohol oder Hepatitis-Viren weder die Sterblichkeit noch die Komplikationen (Rambaldi u. a., 2007). Und die Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel beruht auf langjähriger Anwendung, nicht auf nachgewiesener Wirksamkeit (EMA/HMPC, 2018).

Annahme: „Sinkt der Leberwert, wirkt das Präparat.“

Einordnung: Selbst in Studien senkte Silymarin die Leberwerte ALT und AST nur minimal und ohne klinische Bedeutung, die Gamma-GT gar nicht (de Avelar u. a., 2017). Die Gamma-GT steigt zudem auch nach Alkohol oder durch Medikamente (IQWiG, 2025). Ein einzelner Laborwert erlaubt meist keinen Schluss auf eine Krankheit (IQWiG, 2025), und erst recht keinen auf die Wirkung einer Kapsel.

Wer Mariendistel nimmt und seine Werte im Blick behält, misst also seine Leber. Die Kapsel misst er damit nicht.

Leberwerte messen: was ein Bluttest zeigt und was nicht

Gamma-GT und GPT lassen sich in einer Blutprobe bestimmen. Das Ergebnis ist ein Ausgangspunkt für das Gespräch in der Praxis und keine Erfolgskontrolle einer Kur.

Die eigenen Leberwerte zu kennen, kann sinnvoll sein, etwa wenn ein Wert bei einer früheren Untersuchung aufgefallen ist oder du vor dem Arzttermin Fragen sammeln willst. Welche Leberwerte es gibt und wofür sie stehen, erklärt der Beitrag Leberwerte verstehen.

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Was die Tests nicht leisten, gehört dazu. Ein Leberwert zeigt keine Wirkung eines Präparats: Gamma-GT und GPT sind eine Messung, keine Erfolgskontrolle einer Kur. Ein auffälliger Wert bedeutet nicht automatisch Krankheit. Die Tests dienen der Vorbereitung auf das Arztgespräch und ersetzen keine ärztliche Abklärung.

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Grenzen: Was die Studien zur Mariendistel nicht zeigen

Die Studienlage ist dünn und auf Menschen mit Lebererkrankungen beschränkt. Wer Mariendistel ohne Lebererkrankung nimmt, findet in den Studien zur Mariendistel (Rambaldi u. a., 2007; de Avelar u. a., 2017) keine Antwort.

Die Cochrane-Übersicht zur Mariendistel berücksichtigt Literatur bis Juli 2007 und nur Lebererkrankungen durch Alkohol oder Hepatitis-Viren (Rambaldi u. a., 2007). Die Qualität der eingeschlossenen Studien war gering: Nur 28,6 Prozent wiesen Merkmale hoher methodischer Qualität auf (Rambaldi u. a., 2007).

Die Metaanalyse zu Silymarin schloss ebenfalls nur Menschen mit Lebererkrankungen ein, und Silymarin wurde dort teils zusammen mit anderen Nährstoffen gegeben (de Avelar u. a., 2017). Von 17 Studien in der Übersicht gingen 6 in die gemeinsame Berechnung ein (de Avelar u. a., 2017).

Bei der Artischocke beruht das Ergebnis zu Oberbauchbeschwerden auf einer einzelnen Studie mit einem bestimmten Präparat (Holtmann u. a., 2003). Die Übersicht zum Cholesterin umfasst 3 Studien, von denen eine nur als Kurzfassung vorliegt und eine kleine Teilnehmerzahl hat (Wider u. a., 2013).

Das NCCIH ist eine US-Behörde und bezieht sich auf Nahrungsergänzungsmittel auf dem US-Markt (NCCIH, 2025). Die Monographien wiederum beruhen auf langjähriger Anwendung, nicht auf Wirksamkeitsnachweisen (EMA/HMPC, 2018). Und die Bluttests zeigen Messwerte, keine Wirkung eines Präparats.

Was bleibt von Mariendistel und Artischocke?

Mariendistel und Artischocke sind Pflanzenmittel mit langer Tradition und dünner Studienlage. Für die Leber ist bei der Mariendistel kein Nutzen belegt, und die Artischocke ist für die Leber gar nicht eingestuft. Bei Verdauungsbeschwerden gibt es für beide eine traditionelle Einstufung, für die Artischocke zusätzlich eine einzelne positive Studie (Holtmann u. a., 2003). Ein Leberwert gehört ins Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt, nicht auf das Etikett einer Kapsel.

Häufige Fragen

Was ist Silymarin?

Silymarin ist der Hauptbestandteil des Mariendistel-Extrakts, und zwar kein einzelner Stoff, sondern eine Mischung von Stoffen (NCCIH, 2025). Auf diesen Extraktbestandteil bezieht sich die Metaanalyse zu den Leberwerten: Silymarin senkte bei Menschen mit Lebererkrankungen ALT und AST nur minimal und ohne klinische Bedeutung (de Avelar u. a., 2017). Wie viel Silymarin eine Kapsel tatsächlich enthält, ist nicht sicher, denn manche Produkte wichen deutlich von der Angabe auf dem Etikett ab (NCCIH, 2025).

Wie lange sollte ich Mariendistel ohne ärztlichen Rat nehmen?

Die Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (2018) zieht eine Grenze: Halten die Beschwerden während der Einnahme länger als 2 Wochen an, soll man ärztlich nachfragen (EMA/HMPC, 2018). Zur Unterstützung der Leberfunktion ist Mariendistel dort ohnehin erst vorgesehen, nachdem ernsthafte Erkrankungen ärztlich ausgeschlossen sind (EMA/HMPC, 2018). Wer Medikamente nimmt, bespricht die Einnahme schon vor dem Beginn in der Praxis (NCCIH, 2025).

Darf ich Mariendistel in der Schwangerschaft nehmen?

Die Monographie rät davon ab: Mangels ausreichender Daten wird die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen (EMA/HMPC, 2018). Auch die US-Behörde hält fest, dass über die Sicherheit in dieser Zeit wenig bekannt ist (NCCIH, 2025). Das ist bemerkenswert, weil Mariendistel früher zur Steigerung der Muttermilch verwendet wurde (NCCIH, 2025). Für Artischocke gilt in Schwangerschaft und Stillzeit dieselbe Zurückhaltung (EMA/HMPC, 2018).

Was bewirkt Artischocke bei Blähungen?

Die Monographie führt Artischockenblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden mit Völlegefühl und nennt Blähungen ausdrücklich (EMA/HMPC, 2018). Diese Einstufung beruht ausschließlich auf langjähriger Anwendung (EMA/HMPC, 2018). Eine Studie mit 247 Personen fand über 6 Wochen eine bessere Linderung von Oberbauchbeschwerden ohne erkennbare Ursache als unter einem Scheinmittel (Holtmann u. a., 2003). Halten Blähungen während der Einnahme länger als 2 Wochen an, ist eine ärztliche Rückfrage angebracht (EMA/HMPC, 2018).

Senkt Artischocke das Cholesterin?

Überzeugend belegt ist das nicht. Eine Cochrane-Übersicht mit 3 Studien und 262 Personen mit erhöhtem Cholesterin fand einen Hinweis auf eine mögliche Senkung, wertete die Belege aber als noch nicht überzeugend (Wider u. a., 2013). Eine der drei Studien lag nur als Kurzfassung vor, und die Literatur reicht bis Mai 2012 (Wider u. a., 2013). Die Übersicht stützt sich bei der Sicherheit auf begrenzte Daten; danach traten bei kurzer Anwendung nur leichte, vorübergehende Nebenwirkungen auf (Wider u. a., 2013).

Nächster Schritt

Gamma-GT und GPT vor dem Arzttermin kennen

Der Women’s Wellness Check misst die Leberwerte Gamma-GT und GPT aus Kapillarblut, für Männer gibt es den Men’s Wellness Check. Das Ergebnis bereitet das Gespräch in der Praxis vor.

Zum Women’s Wellness Check Was die Leberwerte zeigen Der Ratgeber zu Leberwerten und zum Begriff „Leber entgiften“

Weiterlesen

Quellen

  1. Rambaldi A. u. a.: Milk thistle for alcoholic and/or hepatitis B or C virus liver diseases, Cochrane Database of Systematic Reviews (Stand 2007) – europepmc.org
  2. European Medicines Agency (HMPC): European Union herbal monographs on Silybum marianum fructus and Cynara folium (Stand 2018) – ema.europa.eu (Mariendistel) · ema.europa.eu (Artischocke)
  3. National Center for Complementary and Integrative Health: Milk Thistle: Usefulness and Safety (Stand 2025) – nccih.nih.gov
  4. de Avelar C. R. u. a.: Effect of silymarin on biochemical indicators in patients with liver disease, World J Gastroenterol (Stand 2017) – europepmc.org

Die Aussagen zur Mariendistel bei Lebererkrankungen stützen sich auf [1] und [4]. Anwendungsgebiete und Gegenanzeigen beider Pflanzen stammen aus [2]. Zur Verträglichkeit der Mariendistel und zur Qualität der Produkte trägt [3] bei. Die Studie zur Artischocke bei Oberbauchbeschwerden ist Holtmann u. a. (2003, Alimentary Pharmacology & Therapeutics), die Übersicht zu Artischocke und Cholesterin ist Wider u. a. (2013, Cochrane Database of Systematic Reviews). Die Angaben zur Gamma-GT stammen aus der Gesundheitsinformation „Gamma-GT (GGT)“ des IQWiG (2025) auf gesundheitsinformation.de. Die Angaben zu den Tests stammen aus den Produktangaben von mybody®x. Stand der Angaben: 07.10.2026.

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Leberwerte Pflanzliche Arzneimittel

Das mybody®x Redaktions- & Fachteam schreibt über Laborwerte und Gesundheitsthemen und stützt sich dabei auf die genannten Quellen. Mehr über das Team steht auf der Autorenseite.

Veröffentlicht am 07.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 07.10.2026

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