Östrogenmangel und Schilddrüse: Wechseljahre oder Unterfunktion?
28. Oktober 2026ca. 16 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Wechseljahre und Störungen der Schilddrüse können ähnliche Beschwerden machen, vor allem bei Schlaf und Stimmung. Hitzewallungen und Schweißausbrüche gelten als typisch für die Wechseljahre (IQWiG, 2023), Frieren und Kälteempfindlichkeit sprechen eher für eine Unterfunktion (IQWiG, 2024). Ob die Schilddrüse beteiligt ist, klärt ein Bluttest auf TSH (IQWiG, 2025), nicht das Lebensalter.
Bei Beschwerden außer Hitzewallungen ist laut Leitlinie nicht klar, ob sie hormonell bedingt sind (DGGG, 2020).
In der US-Studie SWAN hing der TSH-Wert nicht mit dem Stadium der Wechseljahre zusammen (Sowers u. a., 2003).
Wer Schilddrüsenhormon nimmt und neu Östrogen bekommt, bespricht das mit der Praxis, weil Östrogen den Bedarf an Thyroxin erhöhen kann (Arafah, 2001).
In diesem Artikel
Östrogenmangel oder Schilddrüse: Warum ähneln sich die Beschwerden?
Weil Wechseljahre und Schilddrüse an denselben Stellen spürbar werden können, vor allem bei Schlaf und Stimmung. Sicher den Hormonen zuordnen lassen sich laut Leitlinie nur die Hitzewallungen (DGGG, 2020).
Kernaussage
Anders als bei Hitzewallungen ist bei den übrigen Wechseljahresbeschwerden laut Leitlinie nicht klar, ob sie hormonell bedingt sind (DGGG, 2020).
Mitte vierzig, und etwas hat sich verschoben. Du schläfst schlechter als vor ein paar Jahren, und an manchen Tagen reicht ein kleiner Anlass, damit die Stimmung kippt. Dazu kommt eine Müdigkeit, die sich nicht wegschlafen lässt. Der naheliegende Gedanke: Das sind die Wechseljahre. Er kann stimmen. Nur ist er nicht die einzige Erklärung, und um genau diese Lücke geht es hier.
In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel (IQWiG, 2023). Östrogen gehört zu den Geschlechtshormonen, und für sein Absinken steht im Alltag das Wort Östrogenmangel. Typisch sind vor allem Hitzewallungen und Schweißausbrüche (IQWiG, 2023). Die hormonelle Umstellung kann außerdem das Ein- oder Durchschlafen erschweren und zu Stimmungsschwankungen oder depressiven Verstimmungen führen (IQWiG, 2023).
Die Schilddrüse arbeitet mit eigenen Hormonen. Bei einer Unterfunktion fehlen Schilddrüsenhormone, und der Stoffwechsel verlangsamt sich (IQWiG, 2024). Das kann sich an ganz unterschiedlichen Stellen zeigen. Laut IQWiG (2024) gehören unter anderem diese Beschwerden dazu:
- Schwäche und Müdigkeit
- Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten
- eine leichte bis mäßige Gewichtszunahme
- trockene Haut
- trockenes Haar und Haarausfall
- starke Regelblutungen oder Störungen des Menstruationszyklus
Legt man diese Liste neben die der Wechseljahre, berühren sich beide an mehr als einer Stelle. Gedrückte Stimmung steht auf beiden Seiten, als depressive Verstimmung in den Wechseljahren (IQWiG, 2023) und als Depression bei einer Unterfunktion (IQWiG, 2024). Schwäche und Müdigkeit stehen auf der Liste der Unterfunktion (IQWiG, 2024). In den Wechseljahren wiederum können Hitzewallungen den Nachtschlaf stören (IQWiG, 2023). Wer morgens müde aufwacht, kann daraus allein also nicht ablesen, auf welcher Seite die Ursache liegt.
Dazu kommt das Alter. In Ländern wie Deutschland haben ungefähr 5 von 100 Menschen eine Unterfunktion (IQWiG, 2024). Frauen und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen (IQWiG, 2024). Der Satz „In diesem Alter sind es sowieso die Wechseljahre“ greift deshalb zu kurz. Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebensphase und keine Krankheit, aber sie schließen nicht aus, dass zur selben Zeit die Schilddrüse aus dem Takt gerät.
Welche Zeichen zum sinkenden Östrogen selbst gehören, beschreibt der Beitrag über die Zeichen eines Östrogenmangels. Hier geht es um die Frage danach: Wie trennt man die Wechseljahre von der Schilddrüse?
Welche Beschwerden sprechen eher für die Wechseljahre?
Vor allem Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die häufigsten Beschwerden dieser Lebensphase (IQWiG, 2023). Laut Leitlinie sind sie die Beschwerden, bei denen der hormonelle Ursprung als klar gilt (DGGG, 2020).
Die Östrogenabnahme beginnt ab etwa Mitte vierzig, und die Menopause liegt im Durchschnitt bei 51 Jahren (IQWiG, 2023). In diese Jahre fallen die Hitzewallungen, und sie bleiben nicht immer auf den Tag beschränkt.
Belegte Fundstelle
„Typisch sind vor allem Hitzewallungen und Schweißausbrüche: Sie sind die häufigsten Beschwerden und können auch den Nachtschlaf stören.“
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, „Wechseljahrsbeschwerden“, 2023
Wie verbreitet Hitzewallungen sind, hängt von der Phase ab. Vor der Menopause haben laut Leitlinie 14 bis 51 % der Frauen Hitzewallungen (DGGG, 2020). Während der Menopause sind es etwa 50 %, danach 30 bis 80 % (DGGG, 2020).
Auch zur Dauer gibt es zwei Angaben, und beide stehen hier nebeneinander. Laut IQWiG (2023) lassen Hitzewallungen meistens nach etwa 4 bis 5 Jahren nach. Die Leitlinie nennt eine Dauer von 7,4 Jahren im Median, also als Wert in der Mitte: Bei der einen Hälfte dauerten sie kürzer, bei der anderen länger (DGGG, 2020). Die Zahlen stammen aus verschiedenen Quellen und lassen sich nicht gegeneinander verrechnen.
Für die Abgrenzung zur Schilddrüse ist das der wichtigste Punkt. Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind typisch für die Wechseljahre (IQWiG, 2023). Bei Schlaf und Stimmung ist laut Leitlinie dagegen offen, ob die Hormone dahinterstecken (DGGG, 2020). Bei Schlafproblemen ohne Hitzewallungen bleibt deshalb die Frage, ob die Ursache hormonell ist oder woanders liegt, etwa bei der Schilddrüse.
Die Wechseljahre selbst sind keine Krankheit, sondern eine Lebensphase, die jede Frau anders erlebt. Wann die Beschwerden über die Jahre zu- und abnehmen, beschreibt der Beitrag zum Verlauf der Wechseljahresbeschwerden.
Welche Beschwerden sprechen eher für eine Unter- oder Überfunktion?
Frieren und Kälteempfindlichkeit sprechen eher für eine Unterfunktion (IQWiG, 2024). Gewichtsverlust trotz Heißhunger gehört zu den typischen Beschwerden einer Überfunktion (IQWiG, 2024).
Welche Zeichen passen zu einer Schilddrüsenunterfunktion?
Für die Abgrenzung von den Wechseljahren vor allem Kälteempfindlichkeit und Frieren (IQWiG, 2024). Wer in einer Lebensphase friert, in der Hitzewallungen als typisch gelten (IQWiG, 2023), hat damit einen Hinweis, der eher zur Schilddrüse passt.
Auch eine leichte bis mäßige Gewichtszunahme und trockene Haut stehen auf der Liste der Unterfunktion (IQWiG, 2024). Beides beweist allein nichts. Zusammen mit Frieren ist es aber ein Grund, den TSH-Wert prüfen zu lassen, den Wert des Hormons, das die Schilddrüse anregt. Wie Schilddrüse und Körpergewicht zusammenhängen, ordnet der Beitrag zu Schilddrüse und Gewicht ein.
Welche Zeichen passen zu einer Schilddrüsenüberfunktion?
Unter anderem Gewichtsverlust trotz Heißhunger und Schwitzen mit warmer, feuchter Haut (IQWiG, 2024). Der häufigste Grund einer Überfunktion ist die Basedow-Krankheit (IQWiG, 2024).
Bei der Basedow-Krankheit bildet die Schilddrüse mehr Hormone als nötig (IQWiG, 2024). Zu den typischen Beschwerden einer Überfunktion zählt das IQWiG (2024):
- Schwitzen, warme und feuchte Haut
- Haarausfall
- Zittern und nervöse Unruhe
- Gereiztheit und Schlaflosigkeit
- Gewichtsverlust trotz Heißhunger
- Schwäche und Müdigkeit
Etwa 300 von 100.000 Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Basedow (IQWiG, 2024). Meist tritt die Erkrankung zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr auf (IQWiG, 2024), in einem Zeitraum also, der die Wechseljahre einschließt.
Hier liegt die zweite Überschneidung. Schwitzen kommt in den Wechseljahren als Schweißausbruch vor (IQWiG, 2023) und bei einer Überfunktion als Schwitzen mit warmer Haut (IQWiG, 2024). Auch Schlaflosigkeit und Gereiztheit bei einer Überfunktion (IQWiG, 2024) erinnern an die Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen der Wechseljahre (IQWiG, 2023). Deutlicher wird es beim Gewicht: Abnehmen trotz Heißhunger passt nicht zu den typischen Wechseljahreszeichen.
Welche Beschwerde eher wozu passt
| Beschwerde | Passt eher zu | Quelle |
|---|---|---|
| Hitzewallungen und Schweißausbrüche | Wechseljahre | IQWiG, 2023 |
| Frieren, Kälteempfindlichkeit | Unterfunktion | IQWiG, 2024 |
| Schwitzen, warme und feuchte Haut | Überfunktion | IQWiG, 2024 |
| Gewichtsverlust trotz Heißhunger | Überfunktion | IQWiG, 2024 |
| Leichte bis mäßige Gewichtszunahme, trockene Haut | Unterfunktion | IQWiG, 2024 |
| Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen | Wechseljahre und Schilddrüse: Schlaflosigkeit und Gereiztheit bei Überfunktion, Depressionen bei Unterfunktion | IQWiG, 2023 und 2024 |
Keine Beschwerde beweist das eine oder das andere. Klarheit bringen Blutwerte.
Haarausfall steht auf beiden Schilddrüsenlisten, bei der Unterfunktion (IQWiG, 2024) ebenso wie bei der Überfunktion (IQWiG, 2024). Um die Haare selbst und die Werte dazu geht es im Beitrag zu Haarausfall und Schilddrüsenwerten. Hier bleibt der Blick auf der Frage, ob es die Wechseljahre sind oder die Schilddrüse.
Pille und Hormontherapie: Wie wirkt Östrogen auf die Schilddrüsenwerte?
Östrogene aus der Pille und aus der Östrogenersatztherapie erhöhen das Transporteiweiß TBG (MedlinePlus, 2026). Bei Frauen mit gesunder Schilddrüse blieben freies T4 und TSH unter Östrogen trotzdem gleich (Arafah, 2001).
TBG, ausgeschrieben Thyroxin-bindendes Globulin, ist ein Eiweiß, das Schilddrüsenhormone im Körper transportiert (MedlinePlus, 2026). Ein Teil des Hormons T4 ist an dieses Eiweiß gebunden, ein anderer nicht. Freies T4, kurz fT4, ist der nicht an Eiweiß gebundene Anteil, und Gesamt-T4 umfasst beide. Hohe oder niedrige TBG-Spiegel verändern das Verhältnis zwischen Gesamt-T4 und freiem T4 (MedlinePlus, 2026).
Ein Bild dafür: TBG ist der Lieferwagen, T4 die Ladung. Mehr Wagen bedeuten mehr gebundene Ladung im Umlauf und damit ein höheres Gesamt-T4, so wie es die Studie im nächsten Abschnitt bei gesunden Frauen gemessen hat (Arafah, 2001). Deshalb ist unter Östrogen das freie T4 die Messgröße, auf die es ankommt (MedlinePlus, 2026).
Was zeigte die Studie zu Östrogen und Schilddrüse?
In einer kleinen Studie bekamen 36 Frauen eine Östrogentherapie, 11 Frauen nach der Menopause mit normaler Schilddrüsenfunktion und 25 Frauen mit behandelter Unterfunktion (Arafah, 2001). Gemessen wurde alle 6 Wochen über 48 Wochen (Arafah, 2001).
Bei den Frauen mit gesunder Schilddrüse blieben freies T4 und TSH gleich, während Gesamt-T4 und TBG stiegen (Arafah, 2001). Das TBG lag bei ihnen nach 12 Wochen im Mittel bei 31,3 statt 20,3 mg/l (Arafah, 2001). Bei den Frauen mit behandelter Unterfunktion stiegen Gesamt-T4 und TBG ebenso (Arafah, 2001). Anders als bei den Gesunden sank bei ihnen aber das freie T4, und der TSH-Wert stieg (Arafah, 2001).
Was bedeutet Östrogen, wenn du Schilddrüsenhormon nimmst?
Bei Frauen, die wegen einer Unterfunktion Thyroxin nehmen, kann Östrogen den Bedarf daran erhöhen (Arafah, 2001). Ändert sich TBG, kann sich die passende Menge Levothyroxin ändern (MedlinePlus, 2026). Levothyroxin, auch L-Thyroxin genannt, ist Schilddrüsenhormon in Tablettenform.
Was das für deine Tablette bedeutet, gehört ins Gespräch mit deiner Praxis. Nimmst du L-Thyroxin und beginnst mit einer Pille oder einer Hormontherapie, sag das beim nächsten Termin dazu. Ob eine Hormontherapie für dich infrage kommt, ist eine eigene Entscheidung, die du dort mit ärztlicher Begleitung triffst.
Verändern die Wechseljahre den TSH-Wert?
In der US-Studie SWAN hing der TSH-Wert nicht mit dem Stadium der Wechseljahre zusammen (Sowers u. a., 2003). Untersucht wurden Frauen vor oder zu Beginn der Übergangsphase, zu einem einzigen Zeitpunkt (Sowers u. a., 2003).

TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, also das Hormon, das die Schilddrüse anregt. Erhöhte TSH-Werte deuten auf eine Unterfunktion hin, erniedrigte können auf eine Überfunktion hinweisen (IQWiG, 2025). Naheliegend ist die Annahme, dass die Wechseljahre diesen Wert verschieben. Eine große Auswertung aus den USA fand bei Frauen vor oder zu Beginn der Übergangsphase keinen Zusammenhang zwischen TSH und dem Stadium der Wechseljahre (Sowers u. a., 2003).
Die SWAN-Auswertung in Zahlen
3.242
Frauen untersucht (Sowers u. a., 2003)
42 bis 52
Jahre alt, vor oder zu Beginn der Übergangsphase (Sowers u. a., 2003)
9,6 %
mit TSH außerhalb von 0,5 bis 5,0 (Sowers u. a., 2003)
Quelle: Sowers u. a., Clinical Endocrinology, 2003
Die Studie SWAN hat 3.242 Frauen zwischen 42 und 52 Jahren aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den USA untersucht (Sowers u. a., 2003). Bei 9,6 % lag der TSH-Wert außerhalb von 0,5 bis 5,0 (Sowers u. a., 2003). Davon lagen 6,2 % über 5,0 und 3,2 % unter 0,5 (Sowers u. a., 2003).
Das Ergebnis, auf das es hier ankommt: TSH hing nicht mit dem Stadium der Wechseljahre zusammen und auch nicht mit den Geschlechtshormonen, darunter Estradiol und das Steuerhormon FSH (Sowers u. a., 2003). Von über 15 Wechseljahresbeschwerden hing nur die Ängstlichkeit mit TSH zusammen, dazu die Dauer der Regelblutung (Sowers u. a., 2003).
Zwei Dinge dazu. Die 9,6 % sind kein Anteil erkrankter Frauen, denn gezählt wurden Werte außerhalb der Grenzen dieser Studie, nicht Frauen mit einer gesicherten Schilddrüsenerkrankung (Sowers u. a., 2003). Und die Grenzen von 0,5 bis 5,0 sind die der Studie (Sowers u. a., 2003), nicht die Referenzbereiche, die in Deutschland gelten. Auf deinem Befund gelten die Referenzbereiche deines Labors.
In dieser Auswertung ließ sich ein auffälliger TSH-Wert nicht mit den Wechseljahren erklären (Sowers u. a., 2003). Er bleibt ein Wert der Schilddrüse und wird auch dort eingeordnet. Was ein erhöhter Wert bedeuten kann, steht im Beitrag zum erhöhten TSH-Wert.
Wechseljahre oder Unterfunktion: Welche Blutwerte unterscheiden beides?
Für die Schilddrüse der TSH-Wert: Liegt er im Referenzbereich, reicht das, um eine Funktionsstörung auszuschließen (IQWiG, 2025). Die Wechseljahre werden bei Frauen ab 45 Jahren laut Leitlinie dagegen anhand der Beschwerden festgestellt (DGGG, 2020).
Wie werden die Wechseljahre festgestellt?
Bei Frauen ab 45 Jahren werden Peri- und Postmenopause anhand der Beschwerden festgestellt (DGGG, 2020). Perimenopause meint die Übergangsphase, Postmenopause die Zeit danach.
FSH, das Follikelstimulierende Hormon, ist ein Steuerhormon. Die Leitlinie sieht es zur Feststellung der Wechseljahre nur in Ausnahmefällen vor, bei Frauen zwischen 40 und 45 mit Wechseljahresbeschwerden oder unter 40 bei Verdacht auf ein vorzeitiges Erlöschen der Eierstockfunktion (DGGG, 2020). Der Gedanke „Ein Hormontest zeigt, ob ich in den Wechseljahren bin“ trifft deshalb nicht den Kern. Ab 45 Jahren zählen laut Leitlinie die Beschwerden (DGGG, 2020).
Welcher Blutwert zeigt, ob die Schilddrüse beteiligt ist?
Laut IQWiG (2024) werden Bluttests gemacht, weil viele Symptome einer Unterfunktion auch andere Ursachen haben können. Der Suchwert ist TSH: Liegt er im Referenzbereich, reicht das, um eine Funktionsstörung der Schilddrüse auszuschließen (IQWiG, 2025). Erhöhte Werte deuten auf eine Unterfunktion hin, erniedrigte können auf eine Überfunktion hinweisen (IQWiG, 2025).
Laut IQWiG (2025) liegt der Referenzbereich, also die Spanne, die als unauffällig gilt, für Erwachsene bei 0,3 bis 3,5 mU/l und ab 50 Jahren bei 0,3 bis 4,5 mU/l. Jedes Labor gibt eigene Referenzbereiche an, deshalb zählt der Bereich auf deinem Befund (IQWiG, 2025). Neben TSH gibt es die beiden freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4. Das freie T4 kam schon bei der Pille vor: Unter Östrogen ist es die Größe, die mehr aussagt als das Gesamt-T4 (MedlinePlus, 2026).
Welche Hormonwerte sich in der Übergangszeit bewegen, ordnet der Beitrag zu den Hormonwerten in der Perimenopause ein.
Der Menopause Check von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) misst aus Kapillarblut acht Hormonwerte, darunter Estradiol und Progesteron, die Steuerhormone FSH und LH und für die Schilddrüse den TSH-Wert. Aus der Schilddrüse führt er nur TSH, fT3 und fT4 nicht. Er liefert Werte für das Gespräch in der Praxis und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Kapillarblut entnimmst du per Fingerpieks zu Hause selbst. Solange du noch einen Zyklus hast, notiere den Zyklustag, weil Estradiol und Progesteron ebenso wie FSH und LH über den Zyklus stark schwanken. Den TSH-Wert darin liest du als Wert für die Schilddrüse, nicht als Zeichen für die Wechseljahre.
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Acht Hormonwerte aus Kapillarblut, für die Schilddrüse der TSH-Wert, ausgewertet in einem Fachlabor in Deutschland. Die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 misst der Test nicht. Er liefert Werte für das Gespräch in der Praxis und ersetzt keine Diagnose.
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Wechseljahre oder Schilddrüse: Wann solltest du ärztlich nachfragen?
Wenn Beschwerden nicht zu den typischen Wechseljahreszeichen passen, etwa Frieren (IQWiG, 2024) oder Gewichtsverlust trotz Heißhunger (IQWiG, 2024). Und wenn du Schilddrüsenhormon nimmst und neu Östrogen dazukommt (Arafah, 2001).
Die Praxis ist dabei kein Hindernis, sondern die Stelle, an der Beschwerden und Werte zusammenkommen. Diese Anlässe sprechen dafür, nachzufragen:
- Du frierst oder bist kälteempfindlich geworden, obwohl in dieser Lebensphase eher Hitzewallungen typisch sind (IQWiG, 2023 und 2024).
- Du nimmst ab, obwohl du mehr Hunger hast als sonst, ein typisches Zeichen einer Überfunktion (IQWiG, 2024).
- Zu den Schlafproblemen kommen Zittern oder nervöse Unruhe (IQWiG, 2024).
- Du nimmst L-Thyroxin, und eine Pille oder eine Hormontherapie kommt neu dazu (MedlinePlus, 2026).
- Ein TSH-Wert auf einem Befund liegt außerhalb des Referenzbereichs deines Labors (IQWiG, 2025).
Für das Gespräch lohnt es sich, aufzuschreiben, seit wann die Beschwerden bestehen und ob Hitzewallungen dabei sind. Notiere auch alle Hormone, die du nimmst, die Pille eingeschlossen. Ein vorhandener Befund mit TSH-Wert gehört ebenfalls in die Mappe.
Ein auffälliger Wert bedeutet nicht automatisch Krankheit. Er ist ein Grund, genauer hinzusehen, und die Praxis entscheidet, welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind.
Kapitel auf einen Blick
Hitzewallungen und Schweißausbrüche gelten als typisch für die Wechseljahre (IQWiG, 2023). Frieren passt eher zu einer Unterfunktion, Gewichtsverlust trotz Heißhunger eher zu einer Überfunktion (IQWiG, 2024). Bei Schlaf und Stimmung ist laut Leitlinie offen, ob die Hormone die Ursache sind (DGGG, 2020). Wer L-Thyroxin nimmt, bespricht neues Östrogen mit der Praxis (Arafah, 2001).
Grenzen: Was Studien und Test zur Schilddrüse nicht zeigen
Die Studien zu TSH und Östrogen sind klein oder auf einen Abschnitt der Wechseljahre begrenzt (Sowers u. a., 2003; Arafah, 2001). Und der Menopause Check misst aus der Schilddrüse nur TSH.
SWAN ist eine Querschnittsauswertung aus den USA, also eine Messung zu Studienbeginn ohne Verlauf über die Jahre (Sowers u. a., 2003). Untersucht wurden nur Frauen vor oder zu Beginn der Übergangsphase, Frauen nach der Menopause waren nicht dabei (Sowers u. a., 2003).
Die Studie zu Östrogen und Thyroxin ist klein: 36 Frauen, ausgewertet nur in der Zusammenfassung, dem sogenannten Abstract (Arafah, 2001). Eine Vergleichsgruppe ohne Östrogen nennt diese Zusammenfassung nicht (Arafah, 2001). Grundlage für die Leitlinienaussagen ist die englische Kurzfassung mit Stand 2020 (DGGG, 2020).
Der Menopause Check misst aus der Schilddrüse nur TSH, fT3, fT4 und Schilddrüsen-Antikörper sind nicht enthalten. Die Hormonwerte im Test schwanken über den Zyklus, deshalb lässt sich ein Befund ohne Zyklustag kaum einordnen. Ein Bluttest zeigt den Zustand jetzt, nicht den Verlauf.
Wechseljahre oder Schilddrüse: Was bringt am Ende Klarheit?
Hitzewallungen und Schweißausbrüche gehören zu den Wechseljahren, bei Schlaf und Stimmung bleibt dagegen offen, woher sie kommen. Deshalb beantwortest du die Frage „Wechseljahre oder Schilddrüse?“ nicht mit dem Kalender allein, sondern für die Schilddrüse mit einem Blutwert. Ein TSH-Wert im Referenzbereich reicht laut IQWiG (2025), um eine Funktionsstörung der Schilddrüse auszuschließen. Der Gedanke „Das sind die Wechseljahre“ vom Anfang kann also stimmen, nur schließt er die Schilddrüse nicht aus.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter beginnen die Wechseljahre?
Die Östrogenabnahme beginnt ab etwa Mitte vierzig, und die Menopause liegt im Durchschnitt bei 51 Jahren (IQWiG, 2023). Das ist ein Durchschnitt, kein Fahrplan: Wann die Umstellung einsetzt und wie sie sich anfühlt, ist bei jeder Frau anders. Ab 45 Jahren werden Peri- und Postmenopause laut Leitlinie anhand der Beschwerden festgestellt (DGGG, 2020). Bei Beschwerden zwischen 40 und 45 Jahren kann FSH als Ausnahme hinzukommen (DGGG, 2020).
Wie lange dauern Hitzewallungen?
Laut IQWiG (2023) lassen Hitzewallungen meistens nach etwa 4 bis 5 Jahren nach. Die Leitlinie nennt eine Dauer von 7,4 Jahren im Median (DGGG, 2020). Die beiden Angaben stammen aus unterschiedlichen Quellen und stehen deshalb nebeneinander, statt zu einer Zahl verrechnet zu werden. Wie lange Hitzewallungen bei dir anhalten, lässt sich aus beiden Zahlen nicht ablesen.
Verändert die Pille die Schilddrüsenwerte?
Östrogene aus der Pille erhöhen das Transporteiweiß TBG, und hohe oder niedrige TBG-Spiegel verändern das Verhältnis zwischen Gesamt-T4 und freiem T4 (MedlinePlus, 2026). In einer Studie mit Östrogentherapie blieben bei Frauen mit gesunder Schilddrüse freies T4 und TSH gleich (Arafah, 2001). Untersucht wurden dort 36 Frauen unter einer Östrogentherapie, die Art der Östrogengabe nennt die Zusammenfassung nicht (Arafah, 2001). Wenn du L-Thyroxin nimmst und mit der Pille beginnst, sprich das in deiner Praxis an.
Muss man in den Wechseljahren die Hormone messen lassen?
Ab 45 Jahren nicht, um die Wechseljahre festzustellen: Laut Leitlinie werden Peri- und Postmenopause dann anhand der Beschwerden festgestellt (DGGG, 2020). FSH soll dafür nur in Ausnahmefällen genutzt werden, etwa bei Frauen zwischen 40 und 45 Jahren mit Wechseljahresbeschwerden (DGGG, 2020). Anders ist es bei der Schilddrüse. Weil viele Symptome einer Unterfunktion auch andere Ursachen haben können, werden Bluttests gemacht (IQWiG, 2024).
Wie häufig ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
In Ländern wie Deutschland haben ungefähr 5 von 100 Menschen eine Schilddrüsenunterfunktion (IQWiG, 2024). Frauen und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen (IQWiG, 2024). Für die Basedow-Krankheit, den häufigsten Grund einer Überfunktion, gibt das IQWiG (2024) an, dass etwa 300 von 100.000 Frauen im Laufe ihres Lebens daran erkranken. Ob du selbst betroffen bist, zeigt keine Statistik, sondern ein Blutwert.
Nächster Schritt
Hormonwerte und TSH für das Gespräch in der Praxis
Der Menopause Check misst aus Kapillarblut acht Hormonwerte, für die Schilddrüse den TSH-Wert. Die Einordnung bleibt Sache der Praxis.
Zum Menopause Check Welche Hormonwerte sich zuerst ändern Hormonwerte in der PerimenopauseWeiterlesen
Quellen
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Wechseljahrsbeschwerden, gesundheitsinformation.de (Stand 2023) – gesundheitsinformation.de
- Ortmann O. u. a.: Peri- and postmenopause – diagnosis and interventions, S3-Leitlinie der DGGG (AWMF 015-062), Kurzfassung in Archives of Gynecology and Obstetrics (Stand 2020) – europepmc.org
- Sowers M. u. a.: Thyroid stimulating hormone (TSH) concentrations and menopausal status in women at the mid-life: SWAN, Clinical Endocrinology (2003) – europepmc.org
- Arafah B. M.: Increased need for thyroxine in women with hypothyroidism during estrogen therapy, The New England Journal of Medicine (2001) – europepmc.org
Die Angaben zu den typischen Wechseljahresbeschwerden und zum Alter der Menopause stützen sich auf [1], die zur Feststellung der Wechseljahre und zur Dauer der Hitzewallungen auf [2]. Der Zusammenhang zwischen TSH und Wechseljahren stützt sich auf [3], die Wirkung von Östrogen auf den Thyroxinbedarf auf [4]. Die Aussagen zu Unter- und Überfunktion stammen aus weiteren Seiten des IQWiG auf gesundheitsinformation.de (2024), die TSH-Referenzbereiche ebenfalls vom IQWiG (2025). Die Angaben zum Transporteiweiß TBG stammen aus der MedlinePlus Medical Encyclopedia der U.S. National Library of Medicine (2026). Produktangaben zum Menopause Check aus dem mybody®x-Sortiment, Stand der Angaben: 28.10.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Frauengesundheit Schilddrüse
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Veröffentlicht am 28.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 28.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.
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Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.






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