Unverträglichkeits- & Allergietests: IgE, IgG & die wissenschaftliche Einordnung
Unverträglichkeits- und Allergietests messen Antikörper im Blut: IgE-Tests zeigen eine allergische Sensibilisierung, IgG-Tests die Bildung von Antikörpern gegen einzelne Lebensmittel. Ein positiver IgE-Wert belegt allein noch keine Allergie, und IgG-Lebensmitteltests werden von Allergie-Fachgesellschaften ausdrücklich nicht zur Diagnose von Unverträglichkeiten empfohlen. Die Ergebnisse sind Anhaltspunkte, keine Diagnose, und gehören fachlich eingeordnet.
Worum es bei Unverträglichkeits- und Allergietests wissenschaftlich geht
Reaktionen auf Lebensmittel haben sehr unterschiedliche Ursachen – und entsprechend unterschiedliche Diagnostik. Eine Allergie ist eine Reaktion des Immunsystems, meist über Antikörper vom Typ IgE. Eine Intoleranz (Unverträglichkeit) ist dagegen in der Regel eine Stoffwechsel- oder Enzymfrage, etwa bei Laktose, und hat mit dem allergischen IgE-System nichts zu tun. Diese Unterscheidung ist die Grundlage jeder seriösen Einordnung.
Bluttests bestimmen dazu bestimmte Antikörper. Spezifisches IgE zeigt, ob eine allergische Sensibilisierung gegen ein Allergen vorliegt; die europäische Fachgesellschaft EAACI beschreibt in ihrer Leitlinie, wie solche Werte zu interpretieren sind [1]. IgG-Antikörper gegen Lebensmittel bilden dagegen häufig nur ab, womit das Immunsystem Kontakt hatte – sie gelten als Zeichen von Exposition und Toleranz, nicht von Krankheit [2].
Diese Seite erklärt, was IgE- und IgG-Tests messen, wie echte Intoleranzen (z. B. Laktose, Zöliakie) korrekt festgestellt werden, wie die Probe verarbeitet wird und wo die wissenschaftlichen Grenzen liegen. Ziel ist eine ehrliche, überprüfbare Einordnung – kein Heilversprechen.
Tests und Marker im Überblick
| Test / Marker | Was gemessen wird | Wissenschaftliche Einordnung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Spezifisches IgE (AllergieCheck) | IgE-Antikörper gegen Allergene (Lebensmittel, Pollen, Tierhaare u. a.). | Zeigt eine Sensibilisierung. Eine klinische Allergie liegt erst vor, wenn dazu Symptome passen – ärztlich zu bestätigen. | EAACI 2023 [1] |
| IgG gegen Lebensmittel (NutriCheck) | IgG-Antikörper gegen einzelne Nahrungsmittel. | Marker für Kontakt/Toleranz. Von Fachgesellschaften nicht zur Diagnose von Unverträglichkeiten empfohlen. | EAACI 2008 [2] · DGAKI [3] |
| Laktoseintoleranz | Genetik (MCM6/LCT) und/oder H2-Atemtest. | Etablierte, spezifische Diagnostik – nicht über IgG-Lebensmitteltests abbildbar. | Enattah 2002 [4] |
| Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) | Transglutaminase-IgA (tTG-IgA), ggf. HLA-DQ2/DQ8, Dünndarmbiopsie. | Klar definierte Leitlinien-Diagnostik – kein IgG-Lebensmitteltest. | S2k-Leitlinie 2022 [5] |
| Histamin-/Fruktose-Intoleranz | Klinische Kriterien, ggf. H2-Atemtest, Auslassversuch. | Eigene Diagnostikwege; nicht über IgG-Antikörper nachweisbar. | DGAKI [3] |
Wichtig: Ein Antikörperwert ist ein Laborbefund, keine Diagnose. Die Bewertung erfolgt immer im Zusammenhang mit Beschwerden und ärztlicher Einschätzung.
Die Marker im Detail
Allergie oder Unverträglichkeit? Die zentrale Unterscheidung
Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem – häufig mit IgE-Antikörpern – auf einen an sich harmlosen Stoff. Eine Unverträglichkeit dagegen entsteht meist ohne allergische Reaktion, etwa weil ein Enzym fehlt (Laktase bei Laktoseintoleranz) oder ein Stoff schlecht aufgenommen wird. Beide fühlen sich für Betroffene ähnlich an, brauchen aber verschiedene Tests. Ein einzelner Bluttest deckt nicht alle Ursachen ab.
Spezifisches IgE: Sensibilisierung ist nicht gleich Allergie
Ein IgE-Test zeigt, ob der Körper gegen ein Allergen sensibilisiert ist. Viele Menschen haben nachweisbares IgE, ohne beim Kontakt Symptome zu entwickeln. Erst wenn messbares IgE und passende Beschwerden zusammenkommen, spricht man von einer Allergie; die EAACI-Leitlinie beschreibt diesen Zusammenhang und den Stellenwert der ärztlichen Bewertung [1].
IgG gegen Lebensmittel: was der Wert bedeutet – und was nicht
IgG-Antikörper gegen Lebensmittel entstehen als normale Reaktion auf den Kontakt mit Nahrung und werden eher mit Toleranz als mit Unverträglichkeit in Verbindung gebracht. Ein EAACI-Positionspapier und die deutsche Fachgesellschafts-Leitlinie kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass IgG-/IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel nicht zur Diagnose von Unverträglichkeiten geeignet sind [2][3]. Ein IgG-Ergebnis kann allenfalls ein strukturierter Ausgangspunkt für einen fachlich begleiteten Auslass- und Wiedereinführungsversuch sein – nicht mehr.
Echte Nahrungsmittelintoleranzen: Laktose, Fruktose, Histamin
Die Laktoseintoleranz beruht auf einer verminderten Aktivität des Enzyms Laktase; die genetische Anlage (MCM6/LCT) wurde durch Enattah und Kolleg:innen beschrieben [4] und lässt sich zusätzlich per H2-Atemtest prüfen. Fruktosemalabsorption und Histaminintoleranz haben ebenfalls eigene, etablierte Abklärungswege. Keine dieser Intoleranzen wird über einen IgG-Lebensmitteltest diagnostiziert.
Zöliakie: eine eigene, klar definierte Diagnostik
Die Zöliakie ist eine immunvermittelte Erkrankung durch Gluten – aber keine klassische Allergie. Sie wird nach Leitlinie über spezifische Antikörper (Transglutaminase-IgA), gegebenenfalls die genetischen Marker HLA-DQ2/DQ8 und eine Dünndarmbiopsie festgestellt [5]. Wichtig: Für aussagekräftige Ergebnisse darf Gluten vor der Abklärung nicht weggelassen werden. Ein IgG-Lebensmitteltest ersetzt diese Diagnostik nicht.
Datenschutz, Methodik & Qualität
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Die Probe wird als Kapillarblut aus der Fingerkuppe zu Hause entnommen. Im Labor werden die Antikörper (spezifisches IgE bzw. IgG) mit etablierten immunologischen Verfahren bestimmt. Die Werte werden gegen die im Befund ausgewiesenen Bereiche eingeordnet; ihre Bedeutung ergibt sich erst im Zusammenspiel mit Beschwerden und fachlicher Bewertung.
-
1
Probe entnehmen
Kapillarblut zu Hause per Fingerkuppe (Test-Kit inkl. Anleitung).
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2
Rückversand
Kostenfreier Rückversand an das Analyselabor.
-
3
Laboranalyse
Bestimmung der Antikörper (spezifisches IgE bzw. IgG).
-
4
Befundbericht
Erstellung des Berichts und Bereitstellung im Online-Portal.
-
5
Ergebnis
In der Regel 3–5 Werktage nach Probeneingang.
Labor & Akkreditierung: Die Analytik erfolgt in einem nach DIN EN ISO 15189:2024 akkreditierten medizinischen Fachlabor (MVZ GANZIMMUN GmbH, Mainz; DAkkS-Registriernummer D-ML-13151-01-00) [6]. Das Labor nimmt an externen Ringversuchen teil (u. a. INSTAND e.V., Referenzinstitut für Bioanalytik/RfB, UK NEQAS, ERNDIM). Akkreditiert bezeichnet die fachlich-technische Kompetenzprüfung der Analytik durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) [7] und ist von zertifiziert (Managementsystem, z. B. ISO/IEC 27001) zu unterscheiden. Die Akkreditierung betrifft die korrekte Messung des Laborwerts – nicht die Frage, ob ein Testkonzept klinisch zur Diagnose geeignet ist.
Was diese Tests nicht leisten
- IgG-Tests sind keine Diagnostik. Allergie-Fachgesellschaften (EAACI; DGAKI) empfehlen IgG-/IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel nicht zur Diagnose von Unverträglichkeiten; IgG zeigt Kontakt, nicht Krankheit [2][3].
- Sensibilisierung ist keine Allergie. Ein positiver IgE-Wert ohne passende Symptome bedeutet nicht, dass eine Allergie besteht.
- Keine Selbst-Eliminationsdiät. Lebensmittel aufgrund eines Tests eigenmächtig dauerhaft zu streichen, kann zu Fehl- oder Mangelernährung führen. Auslassversuche gehören fachlich begleitet.
- Zöliakie-Verdacht gehört ärztlich abgeklärt. Gluten dazu nicht vorab weglassen; ein IgG-Lebensmitteltest ist dafür ungeeignet.
- Notfälle sofort ärztlich. Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion (Atemnot, Kreislaufprobleme, Schwellungen im Mund-/Rachenraum) den Notruf wählen – kein Selbsttest.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Unverträglichkeit?
Eine Allergie ist eine Reaktion des Immunsystems, meist über IgE-Antikörper. Eine Unverträglichkeit ist dagegen in der Regel eine Enzym- oder Stoffwechselfrage, etwa bei Laktose, und läuft ohne allergische Reaktion ab. Die Beschwerden können ähnlich sein, die Diagnostik ist jedoch unterschiedlich.
Was misst ein IgG-Lebensmitteltest?
Er bestimmt IgG-Antikörper gegen einzelne Lebensmittel. Diese Antikörper entstehen als normale Reaktion auf den Kontakt mit Nahrung. Ein hoher Wert zeigt daher vor allem, dass ein Lebensmittel häufig gegessen wurde – nicht, dass es unverträglich ist.
Sind IgG-Tests zur Diagnose von Unverträglichkeiten geeignet?
Nach dem aktuellen Stand der Fachgesellschaften nein. Sowohl ein EAACI-Positionspapier als auch die deutsche Leitlinie raten von IgG-/IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel als Diagnostik ab. Ein IgG-Ergebnis kann höchstens als strukturierter Ausgangspunkt für einen fachlich begleiteten Auslassversuch dienen.
Was zeigt ein IgE-Allergietest?
Er zeigt, ob eine Sensibilisierung gegen ein Allergen vorliegt. Ob daraus eine klinische Allergie folgt, hängt davon ab, ob beim Kontakt tatsächlich Symptome auftreten. Die Bewertung erfolgt ärztlich, teils mit einem kontrollierten Provokationstest als Goldstandard.
Wie wird eine Laktoseintoleranz festgestellt?
Über den H2-Atemtest und/oder die genetische Anlage im Bereich MCM6/LCT, die die Laktase-Aktivität steuert. Ein IgG-Lebensmitteltest ist dafür nicht geeignet. Entscheidend ist zusätzlich, ob im Alltag beim Verzehr von Milchzucker Beschwerden auftreten.
Wie wird Zöliakie diagnostiziert?
Nach Leitlinie über spezifische Antikörper (Transglutaminase-IgA), gegebenenfalls die genetischen Marker HLA-DQ2/DQ8 und eine Dünndarmbiopsie. Wichtig: Gluten darf vor der Abklärung nicht weggelassen werden, sonst wird das Ergebnis verfälscht. Ein IgG-Lebensmitteltest ersetzt diese Diagnostik nicht.
Was sollte ich mit den Ergebnissen tun?
Nutze den Befund als Gesprächsgrundlage mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft. Ein strukturierter, begleiteter Auslass- und Wiedereinführungsversuch ist aussagekräftiger als das dauerhafte Streichen vieler Lebensmittel auf Verdacht. So lassen sich Mangelernährung und Fehlschlüsse vermeiden.
Wie läuft der Test ab und wie werden meine Daten geschützt?
Die Probe wird als Kapillarblut aus der Fingerkuppe zu Hause entnommen und ins Labor geschickt; die Analyse dauert in der Regel 3–5 Werktage. Die Verarbeitung erfolgt DSGVO-konform, das Informationssicherheits-Managementsystem ist nach ISO/IEC 27001 aufgestellt, und Gesundheitsdaten werden verschlüsselt übertragen.
Quellen
- Santos AF et al. EAACI guidelines on the diagnosis of IgE-mediated food allergy. Allergy 2023;78(12):3057–3076. Allergy (EAACI)
- Stapel SO et al. Testing for IgG4 against foods is not recommended as a diagnostic tool: EAACI Task Force Report. Allergy 2008;63(7):793–796. PubMed
- Kleine-Tebbe J et al. Keine Empfehlung für IgG- und IgG4-Bestimmungen gegen Nahrungsmittel (Leitlinie DGAKI/ÄDA/GPA). Allergo J 2009. Leitlinie (PDF)
- Enattah NS et al. Identification of a variant associated with adult-type hypolactasia (Laktase-Persistenz, MCM6/LCT). Nature Genetics 2002;30:233–237. PubMed
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS). S2k-Leitlinie Zöliakie, AWMF-Reg.-Nr. 021-021, Stand 2022. register.awmf.org
- MVZ GANZIMMUN GmbH. Qualitätsmanagement – Akkreditierung nach DIN EN ISO 15189:2024 (DAkkS D-ML-13151-01-00). ganzimmun.de
- DAkkS – Medizinische Labore / DIN EN ISO 15189 (Erläuterung Akkreditierung). dakks.de
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