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Die bittere Wahrheit über Zucker: 15 Fragen, 15 ehrliche Antworten

Das Wichtigste in Kürze

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit 2015, weniger als 10 Prozent der täglichen Energie aus freien Zuckern zu decken (WHO, 2015). Die deutschen Fachgesellschaften haben sich dem 2018 angeschlossen und die Zahl übersetzt: bei 2000 Kilokalorien am Tag sind das höchstens 50 Gramm. Deutschland liegt darüber.

Dieser Artikel beantwortet 15 Fragen, die im Alltag wirklich auftauchen. Zu jeder Antwort steht die Institution und das Jahr dabei. Wo es keinen belastbaren Beleg gibt, steht auch das da, statt einer griffigen Behauptung.

Die ersten fünf Fragen drehen sich um Mengen, die nächsten fünf um Sorten und Ersatz, die letzten fünf um Körper, Werte und Veranlagung. Wer nur eine Zahl mitnehmen will, findet sie im Kapitel Zucker in Zahlen. Wer wissen will, was sich messen lässt, springt weiter nach hinten.

Das erwartet dich in diesem Artikel

1. Worum es hier geht, worum nicht
2. Fragen 1 bis 5: die Mengen
3. Fragen 6 bis 10: Sorten und Ersatz
4. Mythos-Check: vier Sätze, die sich halten
5. Zucker in Zahlen
6. Zwischenstand nach zehn Fragen
7. Fragen 11 bis 15: Körper, Werte, Veranlagung
8. Zuckerarten im Vergleich
9. Was ein Test dazu beitragen kann
10. Grenzen: was hier nicht drinsteht
11. Sechs Teelöffel sind eine Zahl, die man sich merkt
Häufige Fragen
Quellen

Worum es hier geht, worum nicht

Zucker ist kein Gift. Er ist auch kein harmloses Beiwerk. Er ist ein Energieträger mit einer Obergrenze, und über diese Obergrenze sind sich die Weltgesundheitsorganisation und die deutschen Fachgesellschaften seit Jahren einig.

Das Problem ist selten der Löffel im Kaffee. Es ist die Summe aus Getränken, Fertigsoßen, Müsliriegeln und dem Glas Saft, das als Obstportion durchgeht. Genau diese Summe ist schwer zu sehen, weil sie sich über den Tag verteilt.

Was du hier nicht findest: eine Verbotsliste, einen Ernährungsplan oder das Versprechen, dass eine einzelne Umstellung eine Krankheit verhindert. Was du findest: 15 Fragen mit einer Antwort, die eine Herkunft hat.

Kernaussage

Die Empfehlungen zu Zucker sind kein Verbot, sondern eine Obergrenze in Prozent der täglichen Energie. Wer sie kennt, kann selbst entscheiden, wo er sie ausgibt.

Fragen 1 bis 5: die Mengen

1. Wie viel Zucker ist zu viel?

Die WHO rief die Länder 2015 dazu auf, die tägliche Zufuhr freier Zucker auf weniger als 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr zu senken. Im Original: „reduce their daily intake of free sugars to less than 10% of their total energy intake“ (WHO, 2015). Eine weitere Senkung unter 5 Prozent, also auf rund 25 Gramm oder sechs Teelöffel pro Tag, brächte nach derselben Mitteilung zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen.

Die 10 Prozent aus der WHO-Empfehlung von 2015 sind eine Obergrenze, keine Zielmarke. Und sie sind ein Anteil, kein fester Gramm-Wert. Wer viel isst, darf rechnerisch mehr Zucker essen als jemand mit kleinem Bedarf, was in der Praxis niemandem hilft. Deshalb haben die deutschen Fachgesellschaften die Zahl umgerechnet.

Belegte Fundstelle

„Bei einer geschätzten Gesamtenergiezufuhr von 2000 kcal pro Tag entspricht diese Empfehlung einer maximalen Zufuhr von 50 g freien Zuckern.“

Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Adipositas-Gesellschaft und Deutsche Diabetes Gesellschaft
Konsensuspapier „Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland“, Zusammenfassung, Seite 5, 2018

50 Gramm klingen nach viel. Eine halbe Literflasche Limonade schöpft davon einen großen Teil aus, ohne dass ein Mensch satt wird. Wichtig bleibt der Nachsatz aus dem Konsensuspapier (2018): Die Zahl gilt für geschätzte 2000 Kilokalorien am Tag. Wer deutlich weniger oder mehr isst, hat eine andere Grammzahl.

2. Was sind „freie Zucker“, und zählt Obst mit?

Freie Zucker sind ein definierter Begriff, kein Gefühl. Das Konsensuspapier (2018) schreibt: „Freie Zucker umfassen Mono- und Disaccharide, die Hersteller oder Verbraucher Lebensmitteln zusetzen, sowie in Honig, Sirupen, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften natürlich vorkommende Zucker.“

Mono- und Disaccharide sind Einfach- und Zweifachzucker, also Traubenzucker, Fruchtzucker und der Haushaltszucker aus beiden zusammen. Aus der Definition folgt eine überraschend klare Grenze: Der Apfel, den du isst, taucht darin nicht auf. Der Apfelsaft, den du trinkst, schon.

Das ist keine Spitzfindigkeit. Saft wird schneller getrunken als Obst gegessen wird, und die Fasern der ganzen Frucht bleiben im Trester zurück. Wer seinen Zucker senken will, findet in Getränken meist den größten einzelnen Posten.

3. Wie viel Zucker essen wir wirklich?

Für das Wirtschaftsjahr 2024/25 meldet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2026): „Damit lag der Pro-Kopf-Verbrauch mit 33,2 Kilogramm über dem Vorjahr (31,1 Kilogramm), jedoch niedriger als 2022/23 (33,9 Kilogramm).“ Das sind gut neunzig Gramm am Tag, wenn man die Jahresmenge gleichmäßig verteilt.

Ein Verbrauchswert ist allerdings kein Verzehrswert. Er beschreibt, was in den Markt geht, einschließlich dessen, was in der Industrie verarbeitet, weggeworfen oder verfüttert wird. Wer daraus einen Teller macht, rechnet zu grob. Der Wert taugt für den Trend, nicht für das eigene Frühstück.

4. Liegen wir damit über der Grenze?

Für den tatsächlichen Verzehr greift das Konsensuspapier (2018) auf die Nationale Verzehrsstudie II zurück. Dort steht: „Mit steigendem Alter nahm die Zufuhr freier Zucker fortlaufend ab, sodass sie bei Frauen zwischen 15 und 80 Jahren bei 13,9 En% (Energieprozent) und bei Männern zwischen 15 und 80 Jahren bei 13 En% liegt.“

Die Autoren ziehen daraus einen kurzen Schluss: „Die Zufuhr freier Zucker liegt für alle Bevölkerungsgruppen allerdings weiterhin deutlich oberhalb von 10 En%“ (Konsensuspapier, 2018). Das ist die Antwort auf die Frage. Nicht knapp darüber, sondern deutlich, und in jeder Altersgruppe.

5. Gibt es eine sichere Menge?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2022 genau das versucht und ist damit nicht durchgekommen. In ihrer Mitteilung heißt es: „The scientific evidence did not allow us to set a tolerable upper intake level for dietary sugars, which was the original goal of this assessment.“ Sinngemäß: Die vorliegende Evidenz erlaubte es nicht, eine tolerierbare Höchstmenge festzulegen.

Stattdessen formuliert die Behörde eine Richtung statt einer Grenze: „intakes of added and free sugars should be as low as possible as part of a nutritionally adequate diet“ (EFSA, 2022). Zugesetzte und freie Zucker sollen im Rahmen einer bedarfsdeckenden Ernährung so niedrig wie möglich sein.

Das ist unbequemer als eine Zahl, aber ehrlicher. Es gibt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen alles gut und oberhalb dessen alles schlecht wäre. Es gibt eine Richtung.

Fragen 6 bis 10: Sorten und Ersatz

6. Ist brauner Zucker besser als weißer?

Für die Einordnung als freier Zucker macht die Farbe keinen Unterschied. Die Definition im Konsensuspapier (2018) stellt allein darauf ab, dass Hersteller oder Verbraucher den Zucker zusetzen. Brauner Zucker, den du in den Teig rührst, zählt also genauso mit wie weißer.

Ob brauner Zucker daneben noch andere Bestandteile mitbringt, ist eine zweite Frage, und für sie liegt uns hier kein belastbarer Beleg vor. Wir behaupten deshalb nichts dazu. Was gesichert ist: Auf die Menge, die du auf deine Obergrenze anrechnen musst, wirkt sich die Sorte nicht aus.

7. Honig ist doch kein Zucker, oder?

Doch. Und hier ist der Grund: Die Definition nennt Honig ausdrücklich beim Namen. „Freie Zucker umfassen Mono- und Disaccharide, die Hersteller oder Verbraucher Lebensmitteln zusetzen, sowie in Honig, Sirupen, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften natürlich vorkommende Zucker“ (Konsensuspapier, 2018).

Derselbe Satz erfasst Agavendicksaft, Reissirup, Ahornsirup und Apfeldicksaft. Sie sind Sirupe. Dass ein Süßungsmittel unverarbeitet aussieht oder im Reformhaus steht, ändert an der Zurechnung nichts.

8. Ist Fruchtzucker die harmlosere Variante?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat sich 2009 in einer Stellungnahme damit befasst. Darin steht: „Fruktose erhöht im Stoffwechsel die Plasmakonzentration der Blutfette (Triglyceride) und das ‚schädliche' LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin).“

Weiter heißt es in derselben Stellungnahme: „Eine überhöhte Fruktosezufuhr wird im Zusammenhang gesehen mit der Pathogenese der nicht alkoholisch bedingten Fettleber (NAFLD, Non-alcoholic fatty liver disease)“ (BfR, Stellungnahme Nr. 041/2009). Das ist eine Einschätzung von 2009, und wir datieren sie hier bewusst so.

Gemeint ist die überhöhte Zufuhr, nicht der Apfel. Fruchtzucker aus ganzen Früchten fällt nach der Definition von 2018 nicht unter die freien Zucker. Fruchtzucker aus Saft, Sirup und gesüßten Getränken schon, und dort kommen die Mengen zusammen.

9. Sind Süßstoffe die Lösung?

Die WHO hat 2023 eine eigene Leitlinie dazu veröffentlicht und rät davon ab, Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen. In der Mitteilung dazu wird Francesco Branca mit dem Satz zitiert: „Replacing free sugars with NSS does not help with weight control in the long term.“ Freie Zucker durch Süßstoffe zu ersetzen hilft langfristig nicht bei der Gewichtskontrolle.

Die Empfehlung richtet sich gegen den Einsatz von Süßstoffen „to control body weight or reduce the risk of noncommunicable diseases“ (WHO, 2023). Im Faktenblatt „Healthy diet“ wird die WHO 2026 noch deutlicher und schreibt, die Reduktion freier Zucker solle ohne Süßstoffe erreicht werden.

Was Süßstoffe im Blutzucker tun und wo die Studienlage dünn wird, haben wir an anderer Stelle ausführlich aufgedröselt: Süßstoffe und Blutzucker, was belegt ist.

10. Macht Zucker süchtig?

Für diese Frage liegt uns kein Beleg vor, der eine klare Antwort tragen würde. Also geben wir keine. Was viele Menschen beschreiben, ist ein unterschiedlich stark ausgeprägtes Verlangen nach Süßem, das nach einer süßen Mahlzeit stärker sein kann als davor.

Belegt ist etwas anderes, und es reicht als Begründung: „Eine hohe und häufige Zuckerzufuhr steht u.a. im Zusammenhang mit Übergewicht bzw. Adipositas, erhöhten Risiken für zahlreiche mit Übergewicht assoziierten Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und kardiovaskulären Erkrankungen sowie der Entstehung von Zahnkaries“ (Konsensuspapier, 2018). Es kommt also auf Menge und Häufigkeit an, nicht auf ein Etikett.

Mythos-Check: vier Sätze, die sich hartnäckig halten

Die vier folgenden Sätze hört man in jeder zweiten Küche. Keiner davon ist böswillig, drei davon sind nachweislich zu kurz gedacht, und einer wird von der WHO ausdrücklich nicht empfohlen.

Mythos

„Brauner Zucker ist die gesündere Wahl.“

Was belegt ist

Die Definition der freien Zucker fragt nicht nach der Farbe, sondern danach, ob der Zucker zugesetzt wurde (Konsensuspapier, 2018). Auf deine Obergrenze wird er voll angerechnet.

Mythos

„Honig ist kein Zucker, sondern ein Naturprodukt.“

Was belegt ist

Honig steht namentlich in der Definition der freien Zucker, zusammen mit Sirupen, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften (Konsensuspapier, 2018). Beides zugleich zu sein, ist kein Widerspruch.

Mythos

„Fruchtzucker ist harmlos, er kommt ja aus Obst.“

Was belegt ist

Das BfR schreibt in seiner Stellungnahme Nr. 041/2009, eine überhöhte Fruktosezufuhr werde im Zusammenhang mit der Entstehung einer nicht alkoholisch bedingten Fettleber gesehen. Gemeint ist die Menge, nicht die Frucht.

Mythos

„Mit Süßstoff statt Zucker nimmt man ab.“

Was belegt ist

Die WHO rät in ihrer Leitlinie von 2023 vom Einsatz von Süßstoffen zur Gewichtskontrolle ab. Freie Zucker durch Süßstoffe zu ersetzen helfe langfristig nicht bei der Gewichtskontrolle.

Zucker in Zahlen

Vier Zahlen fassen zusammen, worum die ersten zehn Fragen kreisen. Zwei davon sind Empfehlungen, zwei beschreiben die Wirklichkeit. Der Abstand dazwischen ist die eigentliche Nachricht.

unter 10 %

der täglichen Energie aus freien Zuckern, empfohlen von der WHO (2015)

25 g

rund sechs Teelöffel, die Marke für unter 5 Prozent mit zusätzlichem Nutzen (WHO, 2015)

33,2 kg

Zucker je Kopf im Wirtschaftsjahr 2024/25, gemeldet von der BLE (2026)

13,9 En%

tatsächliche Zufuhr freier Zucker bei Frauen, 13 En% bei Männern (Konsensuspapier, 2018)

Empfohlen sind weniger als 10 Energieprozent, gemessen wurden 13 und 13,9 Energieprozent (Konsensuspapier, 2018). Die Lücke ist also kein Ausrutscher einzelner Menschen, sondern eine Eigenschaft der Ernährung, die in Deutschland üblich ist.

Zwischenstand nach zehn Fragen

Zehn Fragen sind beantwortet, und ein Muster ist erkennbar. Die Fachgesellschaften streiten nicht über die Richtung, sondern über die Genauigkeit einer Zahl, die sich für jeden Menschen anders ausrechnet.

Auffällig ist außerdem, wie oft die Antwort von einer Definition abhängt und nicht von einer Wirkung. Ob Honig, Sirup oder brauner Zucker anders zählen, entscheidet ein Satz aus dem Jahr 2018, nicht das Bauchgefühl im Supermarkt.

Auf einen Blick

Freie Zucker sind alles, was zugesetzt wird, plus Honig, Sirupe, Fruchtsaftkonzentrate und Fruchtsäfte. Empfohlen sind weniger als 10 Energieprozent. In Deutschland sind es 13 bis 13,9. Eine tolerierbare Höchstmenge ließ sich nicht festlegen, und Süßstoffe werden zur Gewichtskontrolle nicht empfohlen. Belege: WHO 2015 und 2023, Konsensuspapier 2018, EFSA 2022.

Fragen 11 bis 15: Körper, Werte, Veranlagung

11. Wo versteckt sich Zucker?

Am zuverlässigsten dort, wo niemand ihn sucht. Fruchtsaftkonzentrat in der Tomatensoße, Sirup im Müsliriegel, Fruchtsaft in der Kinderquetschie: Alle drei stehen als freie Zucker in der Definition von 2018, und keiner von ihnen trägt das Wort Zucker im Namen.

Zwei Stellen auf der Packung helfen weiter. Die Zutatenliste ist nach Menge sortiert, das oberste Drittel entscheidet also. In der Nährwerttabelle steht die Zeile „davon Zucker“, und die zählt allen Zucker im Produkt zusammen, auch den von Natur aus enthaltenen.

Diese Zeile ist deshalb kein direkter Kandidat für deine 50-Gramm-Rechnung, sondern eine Näherung. Bei einer Fertigsoße, in der von Natur aus fast nichts Süßes steckt, kommt sie der Sache trotzdem nahe.

12. Was macht Zucker mit Zähnen und Gewicht?

Beim Zahn ist die Lage besonders klar. Das WHO-Faktenblatt „Sugars and dental caries“ (2025) formuliert: „The consumption of free sugars in foods and beverages is the most common risk factor for dental caries and is a shared risk factor across several NCDs.“ Sinngemäß: Der Konsum freier Zucker ist der häufigste Risikofaktor für Karies und ein gemeinsamer Risikofaktor mehrerer nichtübertragbarer Krankheiten.

Beim Gewicht bleibt die Formulierung vorsichtiger. Das Konsensuspapier (2018) spricht von einem Zusammenhang zwischen hoher und häufiger Zuckerzufuhr und Übergewicht, nicht von einer Ursache mit Garantie. Ein Risikofaktor ist eine Wahrscheinlichkeit in Gruppen, keine Vorhersage für dich.

13. Was zeigt der Blutzucker, was der HbA1c?

Der Blutzucker ist eine Momentaufnahme. Er verändert sich mit jeder Mahlzeit, mit Bewegung und mit Schlaf, und ein einzelner Wert sagt deshalb wenig über die Wochen davor. Wie man ihn nach dem Essen liest, steht hier: Blutzucker nach dem Essen einordnen.

Der HbA1c geht den umgekehrten Weg. Er misst den Anteil des Blutfarbstoffs, an den sich Zucker angelagert hat, und bildet damit einen längeren Zeitraum ab statt eines Augenblicks. Welchen Zeitraum genau, ist eine eigene Frage: welchen Zeitraum der HbA1c abbildet.

Beide Werte gehören ins Arztgespräch, nicht in die Selbstdiagnose. Wer den HbA1c ohne Termin ermitteln will, findet ihn im Men's Wellness Check und im Women's Wellness Check von mybody®x (MYBODY Lab GmbH), zwei Bluttests für zuhause, die im Fachlabor in Deutschland ausgewertet werden. Ein Befund daraus ist ein Ausgangspunkt für das Gespräch, keine Diagnose.

14. Reagieren alle Menschen gleich auf Zucker?

Nein, und das ist einer der Gründe, warum pauschale Ratschläge so oft ins Leere laufen. Wie der Körper Kohlenhydrate verwertet und wie er den Blutzucker reguliert, hängt auch von genetischen Anlagen ab. Was daraus im Alltag wird, hängt an vielem anderen.

Die Anlage ist keine Festlegung. Ein Befund über die Blutzuckerregulation beschreibt Wahrscheinlichkeiten in Bevölkerungsgruppen, keine Vorhersage für eine einzelne Person, und er sagt niemandem, wie viel Zucker er essen darf. Wie weit die Forschung zu Genen und Ernährung trägt, ordnet dieser Beitrag ein: Nutrigenomik und personalisierte Ernährung.

15. Was kann ich ab morgen konkret anders machen?

Bei den Getränken anfangen. Sie sind der Posten, der sich am schnellsten und am wenigsten schmerzhaft ändern lässt, weil er kaum sättigt. Danach kommt die Zutatenliste der drei Produkte, die du am häufigsten kaufst.

Und ein Hinweis, der leicht übersehen wird: Die WHO empfiehlt im Faktenblatt „Healthy diet“ (2026), die Reduktion freier Zucker ohne den Einsatz von Süßstoffen zu erreichen. Der Umstieg von Limonade auf die zuckerfreie Variante ist also nicht das Ziel, sondern höchstens eine Zwischenstation.

Kernaussage

Ein Laborwert sagt dir, wo du stehst. Eine genetische Anlage sagt dir, womit du rechnen kannst. Keiner von beiden sagt dir, wie viel Zucker du essen darfst.

Zuckerarten im Vergleich

Die Tabelle fasst zusammen, was in den Fragen 6 bis 9 einzeln stand. Entscheidend ist die zweite Spalte, denn sie bestimmt, ob eine Zuckerart auf deine Obergrenze angerechnet wird.

Zuckerart Zählt als freier Zucker? Energie Was die Belege sagen Wo er im Alltag steckt
Haushaltszucker, weiß oder braun Ja, vollständig. Die Definition stellt auf das Zusetzen ab, nicht auf die Farbe (Konsensuspapier, 2018). Liefert Energie. Der genaue Brennwert steht auf der Nährwerttabelle des Produkts. Hohe und häufige Zufuhr steht im Zusammenhang mit Übergewicht und Karies (Konsensuspapier, 2018). Gebäck, Süßwaren, Frühstücksflocken, Kaffee und Tee.
Honig und Sirupe Ja. Honig, Sirupe und Fruchtsaftkonzentrate werden in der Definition namentlich genannt (Konsensuspapier, 2018). Liefert Energie wie zugesetzter Zucker. Brennwert siehe Etikett. Zur Gesundheitswirkung einzelner Sorten liegt hier kein Beleg vor. Die Zurechnung ändert sich dadurch nicht. Müsli, Riegel, Marinaden, Brotaufstriche, gesüßte Milchgetränke.
Fruchtzucker aus ganzem Obst Nein. Die ganze Frucht taucht in der Definition nicht auf (Konsensuspapier, 2018). Liefert Energie, dazu Wasser und Fasern der Frucht. Das BfR bezieht seine Warnung 2009 ausdrücklich auf eine überhöhte Fruktosezufuhr. Apfel, Birne, Beeren, Banane als ganze Frucht.
Fruchtzucker aus Saft und Zusatz Ja. Fruchtsäfte und Fruchtsaftkonzentrate stehen ausdrücklich in der Definition (Konsensuspapier, 2018). Liefert Energie, ohne die Fasern der ganzen Frucht. Laut BfR-Stellungnahme Nr. 041/2009 erhöht Fruktose im Stoffwechsel Triglyceride und LDL-Cholesterin. Säfte, Schorlen, Smoothies, Quetschbeutel, Fertigsoßen.
Süßstoffe Nein, sie sind keine Zucker. Als Ersatz empfiehlt die WHO sie trotzdem nicht (WHO, 2023). Zum Brennwert liegt hier kein Beleg vor. Die WHO rät 2023 vom Einsatz zur Gewichtskontrolle ab und empfiehlt 2026, die Zuckerreduktion ohne Süßstoffe zu erreichen. Zuckerfreie Getränke, Kaugummi, Joghurt, Tischsüße.

Was ein Test dazu beitragen kann

An dieser Stelle wird es ehrlicherweise unspektakulär. Kein Test der Welt sagt dir, wie viele Gramm Zucker für dich richtig sind, denn diese Zahl hängt an deiner Gesamtenergiezufuhr und nicht an deinen Genen. Was ein Test beitragen kann, ist eine andere Information.

Die DNA Stoffwechselanalyse von mybody®x liest über 80 Genvariationen aus einer Speichelprobe und ordnet sie in 24 Analyseberichten ein. Darunter sind Anlagen, die beschreiben, wie dein Körper mit Kohlenhydraten umgeht und wie er den Blutzucker reguliert. Welcher der 24 Berichte welchen Teil davon abdeckt, ist in unserem Wissensstand nicht einzeln dokumentiert, und wir zählen deshalb hier keine Berichtsnamen auf.

Die Anlage ist keine Festlegung.

Der praktische Nutzen liegt darin, aufzuhören mit dem Rätselraten, warum eine Umstellung bei der Nachbarin funktioniert und bei dir nicht. Ein Befund liefert einen Ausgangspunkt. Was daraus wird, entscheidest du.

DNA Stoffwechselanalyse von mybody®x (MYBODY Lab GmbH), Testkit

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Über 80 Genvariationen, 24 Analyseberichte in 5 Kapiteln auf rund 140 Seiten, dazu ein 28-Tage-Plan und ein Rezeptbuch. Was der Test nicht leistet: Er stellt keine Diagnose, er nennt keine erlaubte Zuckermenge, und er enthält keine Bewertung von über 1.000 Lebensmitteln.

Preis 197,00 € Stand 08.09.2026, Änderungen möglich
Probenart Speichel
Bearbeitungszeit Kit-Versand 1–3 Werktage
Laborauswertung 15–25 Werktage nach Probeneingang
Labor Auf der Produktseite nicht angegeben
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Grenzen: was hier nicht drinsteht

Dieser Artikel arbeitet mit Empfehlungen von Behörden und Fachgesellschaften. Er ersetzt kein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, und er trifft keine Aussage über deinen Fall. Wer bereits eine Stoffwechselerkrankung hat, bekommt seine Zielwerte dort, nicht hier.

Zwei Lücken sind uns beim Schreiben aufgefallen, und wir benennen sie lieber. Zum Brennwert einzelner Zuckerarten und zu den Inhaltsstoffen von braunem Zucker haben wir keine belastbare Fundstelle geprüft. Beides steht deshalb nirgends im Text als Zahl.

Wann das Thema in die Praxis gehört

Starker Durst und häufiges Wasserlassen

Wenn beides neu auftritt und anhält, ist das ein Fall für einen Termin, nicht für eine Ernährungsumstellung auf eigene Faust.

Ein auffälliger Laborwert

Ein einzelner Wert aus einem Selbsttest ist ein Anlass zum Nachfragen. Die Einordnung nimmt eine ärztliche Praxis vor, mit Blick auf deine Vorgeschichte.

Eine bestehende Behandlung

Wer Medikamente nimmt, die den Blutzucker betreffen, bespricht jede größere Umstellung vorher. Auch eine Reduktion kann eine Anpassung nötig machen.

Sechs Teelöffel sind eine Zahl, die man sich merkt

Am Anfang stand die Feststellung, dass Zucker ein Energieträger mit einer Obergrenze ist. Das Ende ist dieselbe Feststellung, nur in einer Form, die man sich merken kann. Die WHO nennt 2015 für die schärfere Empfehlung von unter 5 Prozent rund 25 Gramm oder sechs Teelöffel pro Tag.

Sechs Teelöffel lassen sich vorstellen, 10 Energieprozent nicht. Und wer einmal ausgerechnet hat, wie viele Teelöffel in einem halben Liter Limonade stecken, braucht danach keine Verbotsliste mehr.

Vier Handgriffe ohne Verzicht als Programm

Getränke zuerst

Saft, Schorle und Limonade sind der größte einzelne Posten und der, der am wenigsten sättigt. Wasser daneben zu stellen genügt oft schon.

Das obere Drittel der Zutatenliste lesen

Die Liste ist nach Menge sortiert. Steht dort Sirup, Fruchtsaftkonzentrat oder eine Zutat auf -ose, ist der Posten relevant.

Süße nach hinten schieben statt streichen

Das Konsensuspapier von 2018 spricht von hoher und häufiger Zufuhr. Häufigkeit ist der Hebel, der sich leichter drehen lässt als die Menge.

Den Umweg über Süßstoff nicht als Ziel verbuchen

Die WHO empfiehlt 2026 im Faktenblatt „Healthy diet“, die Reduktion ohne Süßstoffe zu erreichen. Als Zwischenschritt ist er trotzdem erlaubt.

Niemand muss den Zucker aus seinem Leben streichen, um bei sechs Teelöffeln in der Nähe zu landen. Es reicht, zu wissen, wo er steckt. Das kostet dich eine Minute im Supermarkt, und diese Minute verkauft dir nichts.

Häufige Fragen

Zählt der Zucker in Milch mit?

Die Definition der freien Zucker im Konsensuspapier von DGE, DAG und DDG (2018) nennt Milch nicht. Sie erfasst zugesetzte Ein- und Zweifachzucker sowie die Zucker in Honig, Sirupen, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften. Der Milchzucker in ungesüßter Milch fällt damit nicht unter die freien Zucker. Sobald ein Milchgetränk gesüßt ist, zählt der zugesetzte Anteil sehr wohl mit, und bei Kakaogetränken oder Fruchtjoghurt macht dieser Anteil häufig den Unterschied aus.

Gelten die 50 Gramm auch für Kinder?

Nein, jedenfalls nicht unbesehen. Die Empfehlung der WHO von 2015 ist ein Anteil an der Gesamtenergiezufuhr und gilt für Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Die 50 Gramm sind eine Umrechnung des Konsensuspapiers (2018) für geschätzte 2000 Kilokalorien am Tag. Wer weniger Energie braucht, hat eine entsprechend kleinere Grammzahl. Das Konsensuspapier hält außerdem fest, dass die Zufuhr freier Zucker mit steigendem Alter fortlaufend abnimmt, jüngere Altersgruppen also am weitesten über der Empfehlung liegen.

Sind Agavendicksaft und Reissirup anders zu bewerten?

Aus Sicht der Definition nicht. Das Konsensuspapier (2018) nennt Sirupe ausdrücklich als Bestandteil der freien Zucker, und Agavendicksaft, Reissirup, Ahornsirup und Apfeldicksaft sind Sirupe. Sie werden also voll auf die Empfehlung von weniger als 10 Energieprozent angerechnet. Ob eine dieser Varianten darüber hinaus Eigenschaften hat, die sie von Haushaltszucker unterscheiden, haben wir für diesen Artikel nicht belegen können und behaupten es deshalb nicht.

Muss ich Gramm zählen, um unter der Grenze zu bleiben?

Das verlangt keine der zitierten Stellen. Die EFSA kam 2022 sogar zu dem Ergebnis, dass sich eine tolerierbare Höchstmenge für Zucker wissenschaftlich nicht festlegen ließ, und formuliert stattdessen eine Richtung: so niedrig wie möglich im Rahmen einer bedarfsdeckenden Ernährung. Für den Alltag reicht deshalb meist ein Überblick über die zwei oder drei größten Posten. Wer sie kennt, kommt ohne Waage und ohne Zählen aus.

Was bedeutet eigentlich Energieprozent?

Energieprozent, oft mit En% abgekürzt, ist der Anteil eines Nährstoffs an der gesamten Energie, die jemand am Tag aufnimmt. Die Angabe ist unabhängig davon, wie viel jemand isst, und deshalb vergleichbar zwischen Menschen mit unterschiedlichem Bedarf. Das Konsensuspapier (2018) rechnet die Empfehlung von weniger als 10 En% für eine geschätzte Zufuhr von 2000 Kilokalorien in höchstens 50 Gramm freie Zucker um. Für die gemessene Zufuhr nennt es 13,9 En% bei Frauen und 13 En% bei Männern zwischen 15 und 80 Jahren.

Nächster Schritt

Von der Empfehlung zum eigenen Ausgangspunkt

Die Zahlen oben gelten für Bevölkerungsgruppen. Wenn du wissen willst, wie dein Körper mit Kohlenhydraten umgeht oder wo dein Langzeitwert steht, führen zwei unterschiedliche Wege dorthin.

DNA Stoffwechselanalyse ansehen Was der HbA1c zeigt

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Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation: WHO calls on countries to reduce sugars intake among adults and children (Stand 2015) – who.int
  2. DGE, DAG und DDG: Konsensuspapier Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland (Stand 2018) – dge.de
  3. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Zucker, Daten und Berichte (Stand 2026, Daten 2024/25) – ble.de
  4. Weltgesundheitsorganisation: WHO advises not to use non-sugar sweeteners for weight control (Stand 2023) – who.int
  5. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit: Added and free sugars should be as low as possible (Stand 2022) – efsa.europa.eu
  6. Bundesinstitut für Risikobewertung: Stellungnahme Nr. 041/2009 zur Fruktosezufuhr (Stand 2009) – bfr.bund.de

Die Empfehlung von unter 10 Prozent und die Angabe von 25 Gramm stammen aus [1], die Umrechnung auf 50 Gramm und die Definition der freien Zucker aus [2]. Die Verbrauchszahlen stehen in [3], die Aussagen zu Süßstoffen in [4], die fehlende Höchstmenge in [5] und die Einschätzung zur Fruktose in [6]. Zwei weitere WHO-Faktenblätter sind im Text an Ort und Stelle benannt: Sugars and dental caries (2025) und Healthy diet (2026). Angaben zu Produkten von mybody®x wurden am 08.09.2026 gegen die Produktseiten geprüft.

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mybody®x Redaktions- & Fachteam

Ernährung Blutzucker und Laborwerte Genetik und Stoffwechsel

Hinter diesem Text steht das Redaktions- und Fachteam von mybody®x, das jede Zahl gegen die genannte Primärquelle prüft, bevor sie erscheint. Wer dahintersteht, steht auf der Autorenseite.

Veröffentlicht am 08.09.2026 · Zuletzt aktualisiert am 08.09.2026

Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig, maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund. Die DNA-Analyse dient der Ernährungs- und Lebensstilberatung. Sie ist kein diagnostisches Verfahren, stellt keine Krankheitsvorhersage dar und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Genetische Varianten beschreiben Wahrscheinlichkeiten in Bevölkerungsgruppen, keine Festlegung für einzelne Personen.

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