Genetische Übereinstimmung von Mensch und Tier: die Tabelle mit Quellen
3. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Wie viel DNA Mensch und Tier teilen, hängt davon ab, was gezählt wird. Beim Schimpansen stimmen in einer Stichprobe 95 Prozent der Basenpaare, also der Bausteine der DNA, genau überein, wenn Einschübe und Lücken mitzählen (Britten, 2002). Wer nur ausgetauschte Basen zählt, landet nahe der alten Faustregel von 98,5 Prozent (Britten, 2002).
Bei der Maus lässt sich weniger als die Hälfte der gesamten DNA als gemeinsam ererbte, orthologe Sequenz dem Menschen zuordnen (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002).
Für 77 Prozent der untersuchten menschlichen Krankheitsgene fand sich in der Fruchtfliege eine ähnliche Sequenz, was keine gleiche DNA bedeutet (Reiter u. a., 2001).
Eine Prozentzahl zu Hund oder Kartoffel sagt erst etwas, wenn dabei steht, ob Basenpaare oder Gene verglichen wurden.
In diesem Artikel
Wie viel DNA teilen Mensch und Tier?
Das hängt zuerst davon ab, was gezählt wird. Beim Schimpansen stimmen in einer Stichprobe 95 Prozent der Basenpaare genau überein, wenn Einschübe und Lücken mitgezählt werden (Britten, 2002).
Die Zahl, die sich am festesten gehalten hat, lautet anders: 98,5 Prozent Übereinstimmung mit dem Schimpansen. Britten hielt diese alte Faustregel 2002 für wahrscheinlich falsch und nannte für seine Stichprobe die 95 Prozent als bessere Schätzung (Britten, 2002). Der Abstand entsteht durch die Zählweise: Wer nur ausgetauschte Basen zählt, kommt auf rund 98,5 Prozent, wer Einschübe und Lücken mitzählt, auf rund 95 Prozent (Britten, 2002).
Für alles Weitere helfen ein paar Grundbegriffe, die sich schnell erklären lassen. Das Genom ist die gesamte DNA einer Art. Gezählt wird sie in Basenpaaren, den paarweise verbundenen Bausteinen des DNA-Strangs, und ihre Abfolge in einem Stück DNA heißt Sequenz.
Ein Alignment ist der Abgleich zweier Sequenzen, Base für Base. Das funktioniert wie der Vergleich zweier Fassungen desselben Textes: Hier ist ein Buchstabe ausgetauscht, dort fehlt ein Stück oder ist eingeschoben. Den Austausch einer Base nennt die Fachsprache Substitution; Einschübe und Lücken fasst sie als Indels zusammen, ein Kunstwort aus den englischen Begriffen insertion und deletion.
Beim Vergleich mit der Maus kommt eine weitere Größe hinzu, die orthologe Sequenz. Gemeint ist DNA, die zwei Arten von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt haben und die sich deshalb einander zuordnen lässt (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002). Bei einzelnen Genen spricht man von einem Gegenstück, wenn ein Gen der anderen Art eine ähnliche Sequenz hat (Reiter u. a., 2001).
Kernaussage
Wie viel DNA zwei Arten teilen, ist keine feste Größe, sondern das Ergebnis einer Zählweise.
Tabelle: Wie viel DNA teilt der Mensch mit Tieren, je nach Zählweise?
Jede Zeile der Tabelle nennt ihre Studie mit Jahr und daneben, was gezählt wurde. Der Schimpanse steht zweimal darin, weil dieselbe Stichprobe je nach Zählweise zwei Ergebnisse liefert (Britten, 2002).
Lies jede Zeile am besten von rechts nach links: erst die Zählweise, dann die Zahl. So fällt sofort auf, dass die Zeilen verschiedene Einheiten messen und sich deshalb nicht zu einer Rangliste ordnen lassen.
Übereinstimmung Mensch und Tier · je Zeile mit Quelle
| Art | Zahl | Gezählt wurde |
|---|---|---|
| Schimpanse, nur ausgetauschte Basen | 1,4 Prozent Unterschied in der Stichprobe (Britten, 2002); im ganzen Genom etwa 35 Millionen geänderte Einzelbasen (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005) | Austausch einzelner Basen im Alignment; wer nur diesen zählt, kommt auf rund 98,5 Prozent Übereinstimmung (Britten, 2002) |
| Schimpanse, mit Einschüben und Lücken | 95 Prozent der Basenpaare genau gleich (Britten, 2002); im ganzen Genom fünf Millionen Einschübe oder Lücken (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005) | Basenpaare einer Stichprobe von 779.000 Basenpaaren, Indels mitgezählt (Britten, 2002) |
| Maus | weniger als die Hälfte der Genome (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002) | Genomsequenz, die sich als orthologe, also gemeinsam ererbte Sequenz zuordnen lässt |
| Fruchtfliege | 77 Prozent der gesuchten menschlichen Krankheitsgene, 714 Gene (Reiter u. a., 2001) | nur menschliche Krankheitsgene aus OMIM, einer Datenbank, die Gene des Menschen mit Krankheiten verzeichnet; gezählt, wenn die Fliege ein Gegenstück mit ähnlicher Sequenz hat |
Quellen: Britten (2002); Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium (2005); Mouse Genome Sequencing Consortium (2002); Reiter u. a. (2001).
Die Maus-Zeile misst Genomsequenz, die Fruchtfliegen-Zeile misst Gene. Wer beide Zahlen gegeneinander aufrechnet, vergleicht Meter mit Kilogramm. Schon beim Schimpansen stehen zwei Zahlen nebeneinander, und beide stimmen für ihre Zählweise.
Warum schwanken die Prozentzahlen je nach Methode?
Weil jede Methode etwas anderes zählt. In Brittens Stichprobe macht der Austausch einzelner Basen 1,4 Prozent Unterschied aus, Einschübe und Lücken bringen weitere 3,4 Prozent hinzu (Britten, 2002).
Für seinen Vergleich nahm Britten fünf DNA-Abschnitte des Schimpansen und glich sie mit den am besten passenden Bereichen des menschlichen Genoms ab (Britten, 2002). Zusammen umfasste diese Stichprobe 779.000 Basenpaare (Britten, 2002). Das ist ein kleiner Ausschnitt, aber er reicht, um das Prinzip zu zeigen.
Der Rechenweg ist kurz. Zusammen ergeben 1,4 und 3,4 Prozent einen Unterschied von 4,8 Prozent, rechnerisch also 95,2 Prozent genau gleiche Basenpaare; Britten nennt rund 95 Prozent als bessere Schätzung (Britten, 2002). Zieht man nur die 1,4 Prozent ab, bleiben rechnerisch 98,6 Prozent, nahe an der alten Faustregel von 98,5 Prozent (Britten, 2002).
Der ganze Abstand steckt damit in einer einzigen Entscheidung: ob ein fehlendes oder eingeschobenes Stück als Abweichung zählt. Wer Indels weglässt, zählt nur ausgetauschte Basen. Wer sie mitzählt, findet mehr Unterschied.
Der Blick aufs ganze Schimpansengenom bei Varki und Altheide
Gestützt auf die Schimpansen-Sequenz von 2005 beträgt der Unterschied zwischen beiden Genomen nicht etwa 1, sondern etwa 4 Prozent (Varki und Altheide, 2005). Er setzt sich aus rund 35 Millionen Unterschieden einzelner Basen und rund 90 Millionen Basenpaaren an Einschüben und Lücken zusammen (Varki und Altheide, 2005).
Auch Britten zählt Einschübe und Lücken mit und kommt im Titel seiner Arbeit auf 5 Prozent Unterschied (Britten, 2002). Beide Arbeiten stützen sich aber auf verschieden große Grundlagen: Britten auf fünf Abschnitte (Britten, 2002), die Übersichtsarbeit auf die Sequenz des Schimpansengenoms (Varki und Altheide, 2005). Eine einzelne Zahl verdeckt solche Unterschiede in der Datengrundlage.
Basenpaare oder Gene: Welche Einheit steckt in der Prozentzahl?
Eine Zahl in Basenpaaren lässt sich nicht mit einer Zahl in Genen gleichsetzen. Ein Gen ist eine andere Zähleinheit als ein Basenpaar, und ein Vergleich in Genen beantwortet eine andere Frage als ein Vergleich in Basen.
Wie groß beide Einheiten beim Menschen sind, zeigen die Artikel über die DNA des Menschen in Zahlen und über die Zahl der menschlichen Gene. Dasselbe gilt eine Ebene weiter für Proteine: Wer Proteine vergleicht, zählt wieder etwas anderes als jemand, der Basen vergleicht.
Mensch und Schimpanse in einer Stichprobe
1,4 %
Unterschied durch ausgetauschte einzelne Basen (Britten, 2002)
3,4 %
zusätzlicher Unterschied durch Einschübe und Lücken, die Indels (Britten, 2002)
rund 95 %
der Basenpaare genau gleich, als bessere Schätzung für 779.000 Basenpaare (Britten, 2002)
Quelle: Britten R. J., Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA, 2002
Mensch und Schimpanse: Was trennt die beiden Genome?
Die beiden Genome trennen etwa 35 Millionen Änderungen einzelner Basen und fünf Millionen Einschübe oder Lücken (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005). Hinzu kommen verschiedene Umbauten an Chromosomen, die derselbe Katalog aufführt.

Entstanden ist dieser Katalog, als 2005 eine erste Sequenz des Schimpansengenoms vorlag und mit dem menschlichen Genom verglichen wurde (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005). Das Konsortium beschreibt ihn selbst als weitgehend vollständig. Wie ein Genom überhaupt gelesen wird, zeigt der Artikel über die Gensequenzierung.
Gezählt werden die Unterschiede, die sich seit der Trennung beider Arten von ihrem gemeinsamen Vorfahren angesammelt haben (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005). Diesen Vorfahren hatten Mensch und Schimpanse vor etwa 5 bis 7 Millionen Jahren (Varki und Altheide, 2005).
Indels beim Schimpansen: Ereignisse oder Basenpaare zählen?
Die fünf Millionen sind Ereignisse, also einzelne Einschübe oder Lücken (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005). Die Übersichtsarbeit nennt dagegen rund 90 Millionen Basenpaare an Einschüben und Lücken und zählt damit Basen statt Ereignisse (Varki und Altheide, 2005).
Beide Angaben widersprechen sich nicht. Sie messen in verschiedenen Einheiten, und genau darin liegt der Kern des ganzen Themas. Eine Zahl beschreibt das, was jemand zu zählen beschlossen hat.
Was die Schimpansen-Zahl bedeutet und was nicht
Die etwa 4 Prozent Unterschied beschreiben DNA-Sequenz, gezählt in Basen (Varki und Altheide, 2005). Eine Angabe über die Zahl unterschiedlicher Gene sind sie nicht.
Varki und Altheide haben ihre Übersichtsarbeit mit der Suche nach Nadeln im Heuhaufen überschrieben (Varki und Altheide, 2005). Der Heuhaufen ist dabei der Vergleich zweier ganzer Genome. Wer daraus eine einzige Prozentzahl macht, hat den Heuhaufen gewogen, aber noch keine Nadel gefunden.
Belegte Fundstelle
„Durch den Vergleich mit dem menschlichen Genom haben wir einen weitgehend vollständigen Katalog der genetischen Unterschiede erstellt, die sich angesammelt haben, seit sich die Arten Mensch und Schimpanse von unserem gemeinsamen Vorfahren getrennt haben …“
Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium (2005)
Initial sequence of the chimpanzee genome and comparison with the human genome, Nature, 2005 · aus dem Englischen übertragen
Maus und Fruchtfliege: Was lässt sich überhaupt vergleichen?
Bei der Maus die Genomsequenz, bei der Fruchtfliege einzelne Gene. Von den Genomen von Maus und Mensch lässt sich weniger als die Hälfte einander als orthologe Sequenz zuordnen (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002).
Maus: Reihenfolge der Gene und orthologe Sequenz
Über den größten Teil der Genome liegen die Gene von Maus und Mensch in derselben Reihenfolge (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002). Die orthologe Sequenz deckt dagegen weniger als die Hälfte der Genome ab (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002).
Das Konsortium beschreibt das Ausmaß der gemeinsam ererbten Sequenz selbst als deutlich geringer als das der gemeinsamen Anordnung (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002). Schon bei der Maus gibt es also zwei Antworten, je nachdem, ob man auf die Lage der Gene schaut oder auf die Sequenz selbst. Eine Prozentzahl, die das nicht sagt, lässt offen, welche der beiden gemeint ist.
Fruchtfliege Drosophila melanogaster: Gegenstücke zu Krankheitsgenen
Für 714 verschiedene menschliche Krankheitsgene, das sind 77 Prozent der gesuchten, fand die Studie eine passende Sequenz im Genom der Fliege (Reiter u. a., 2001). Gezählt wurden also Gene mit einem Gegenstück, keine Basenpaare.
Ausgangspunkt waren 929 Einträge menschlicher Krankheitsgene aus der Datenbank OMIM, die jeweils mit mindestens einer veränderten Genvariante verbunden sind (Reiter u. a., 2001). Abgeglichen wurden sie mit dem kurz zuvor fertiggestellten Genom der Fruchtfliege Drosophila melanogaster.
Die 714 Gene trafen auf 548 verschiedene Sequenzen der Fliege (Reiter u. a., 2001). Passend heißt dabei ähnlich, nicht identisch: Die Studie hat nach Sequenzähnlichkeit gesucht. Die Angabe von gut drei Viertel der untersuchten Gene ist deshalb eine Aussage über diese Auswahl von Krankheitsgenen, nicht über alle Gene des Menschen (Reiter u. a., 2001).
Das Ergebnis der Studie ist eine Zuordnung. Zu jedem dieser 714 menschlichen Krankheitsgene ist bekannt, welche Sequenz der Fliege ihm ähnelt (Reiter u. a., 2001). Weiter trägt die Zahl nicht, und mehr verspricht sie auch nicht.
Kapitel auf einen Blick
Bei der Maus beschreibt „weniger als die Hälfte“ den Anteil orthologer Genomsequenz (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002). Bei der Fruchtfliege beschreiben 77 Prozent die untersuchten menschlichen Krankheitsgene mit ähnlicher Sequenz in der Fliege (Reiter u. a., 2001). Beide Werte messen etwas anderes als die Prozentzahlen zum Schimpansen. Nebeneinander gestellt ergeben sie keine Rangliste der Verwandtschaft.
Schwein oder Kartoffel: Wie liest man solche Prozentzahlen?
Mit zwei Fragen, bevor du die Zahl übernimmst. Erstens: Welche Einheit wurde gezählt, Basenpaare oder Gene? Zweitens: Galt als übereinstimmend nur, was genau gleich ist, oder auch, was sich ähnelt?
Die erste Frage trennt die Zeilen der Tabelle sauber voneinander. Brittens 95 Prozent zählen Basenpaare (Britten, 2002), die 77 Prozent zur Fruchtfliege zählen Krankheitsgene (Reiter u. a., 2001). Wer beide Werte nebeneinanderstellt, vergleicht zwei verschiedene Einheiten.
Die zweite Frage betrifft den Maßstab. Britten zählte Basenpaare, die genau übereinstimmen, während die Fruchtfliegen-Studie Gene mit ähnlicher Sequenz zählte. Genau gleich und ähnlich sind zwei verschiedene Maßstäbe, auch wenn beide als Übereinstimmung in einer Tabelle landen können.
Daraus folgt eine Regel für jede Tabelle dieser Art: Steht die Zählweise nicht dabei, fehlt der Prozentzahl die halbe Antwort. Die Zahl selbst kann dabei korrekt sein. Ihr fehlt nur der Teil, der sie lesbar macht.
Bei einer Prozentzahl zu Hund oder Schwein stellst du dieselben zwei Fragen, beim Huhn ebenso. Für Banane und Kartoffel gilt die Regel unverändert, auch wenn dort Pflanzen mit dem Menschen verglichen werden. Erst wenn Einheit und Maßstab genannt sind, lässt sich eine solche Zahl neben eine Zeile der Tabelle stellen.
Eine Prozentzahl ohne Zählweise ist keine Antwort, sondern eine halbe.
Innerhalb einer Familie stellt sich die Frage nach geteilter DNA anders. Wie viel du mit Eltern und Geschwistern teilst, erklärt der Artikel über die DNA von Mutter und Vater; hier geht es um den Vergleich zwischen Arten. Die Frage nach der Zählweise stellt sich auch bei einem DNA-Test aus Speichel, denn er vergleicht nicht zwei Arten, sondern liest bei einem Menschen ausgewählte Stellen.
Was liest ein DNA-Test aus Speichel beim Menschen?
Ausgewählte Stellen der DNA eines einzelnen Menschen, keine Arten. Der NutriCare | INFINITY DNA-Test von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) wertet aus einer Speichelprobe 140 Genvariationen aus (mybody®x, 2026).
Untersucht werden ausgewählte SNPs, also einzelne vererbbare Abschnitte deiner DNA (mybody®x, 2026). Laut Produktangaben (mybody®x, 2026) lautet das Verfahren: „SNP-Genotypisierung mit über 700.000 SNPs. Keine Ganzgenomsequenzierung.“ Genotypisierung heißt, dass vorab festgelegte Einzelpositionen geprüft werden; eine Ganzgenomsequenzierung würde dagegen das ganze Genom lesen.
Was der Test ausgibt, ist der Genotyp, also welche Variante du an den geprüften Stellen trägst. Er stellt keine Diagnose und untersucht keine Erbkrankheiten. Ein Beispiel ist die Analyse zur Reaktion auf Kohlenhydrate mit dem Gen FTO: Sie beschreibt eine Veranlagung, und die Anlage ist keine Festlegung.
Wie verschieden die Größenordnungen sind, zeigt ein Vergleich. SNP-Chips sind DNA-Mikroarrays, die genetische Varianten an vielen Hunderttausend festgelegten Stellen im Genom prüfen (Weedon u. a., 2021). Der Artvergleich zwischen Mensch und Schimpanse zählt dagegen rund 35 Millionen Unterschiede einzelner Basen (Varki und Altheide, 2005).
Wie sich beide Verfahren unterscheiden, erklärt der Artikel über den Unterschied zwischen Genotypisierung und Sequenzierung. Für den Test selbst gilt: Er ist kein diagnostisches Verfahren und ersetzt keine ärztliche Beratung (mybody®x, 2026).
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Zum INFINITY DNA-TestGrenzen: Was die Zahlen in der Tabelle nicht aussagen
Jede Zahl gilt nur für das, was ihre Studie gezählt hat. Die 77 Prozent zur Fruchtfliege gelten nur für die untersuchten menschlichen Krankheitsgene und beschreiben ähnliche, nicht gleiche Sequenz (Reiter u. a., 2001).
Die Maus-Angabe gilt nur für orthologe Sequenz: Weniger als die Hälfte der Genome lässt sich so zuordnen (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002). Wer daraus einen Anteil gemeinsamer Gene macht, liest etwas hinein, das die Zahl nicht misst.
Die Schimpansen-Zahl hängt an der Zählweise. Brittens 95 Prozent gelten ausdrücklich für seine Stichprobe von fünf Abschnitten mit 779.000 Basenpaaren, erhoben, bevor die erste Sequenz des Schimpansengenoms vorlag (Britten, 2002).
Für den Speicheltest aus dem vorigen Kapitel gilt eine eigene Grenze. Er liest ausgewählte Stellen eines einzelnen Menschen, eine Aussage zur Verwandtschaft mit Tieren liefert er nicht.
Welche Zahl zur Übereinstimmung sollte man sich merken?
Keine Zahl allein, sondern jede zusammen mit ihrer Zählweise. Beim Schimpansen ändert schon die Entscheidung über Einschübe und Lücken das Ergebnis. Bei Maus und Fruchtfliege wechselt sogar die Einheit, von der Genomsequenz zu einzelnen Genen. Die Frage, wie viel DNA Mensch und Tier teilen, beginnt deshalb mit einer Gegenfrage: Was wurde gezählt?
Häufige Fragen
Wie ähnlich sind sich Mensch und Schwein genetisch?
Eine Antwort darauf ist nur so gut wie die Angabe, was gezählt wurde. Bevor du eine Prozentzahl zum Schwein übernimmst, prüfst du, ob sie Basenpaare oder Gene beschreibt und ob genau gleiche oder nur ähnliche Abschnitte zählen. Wie stark das Ergebnis davon abhängt, zeigt der Schimpanse: Dieselbe Stichprobe liefert zwei verschiedene Werte, je nachdem, ob Einschübe und Lücken mitzählen (Britten, 2002). Für den Hund gilt dieselbe Prüfung.
Was bedeutet genetische Verwandtschaft zwischen Mensch und Tier?
Genetisch verwandt sind zwei Arten, wenn sich ein Teil ihrer DNA auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen lässt. Bei Maus und Mensch lässt sich weniger als die Hälfte der Genome als solche gemeinsam ererbte, orthologe Sequenz zuordnen (Mouse Genome Sequencing Consortium, 2002). Mensch und Schimpanse hatten ihren gemeinsamen Vorfahren vor etwa 5 bis 7 Millionen Jahren (Varki und Altheide, 2005). Seitdem haben sich die Unterschiede angesammelt, die das Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium 2005 in seinem Katalog zusammengestellt hat.
Was zeigt der DNA-Vergleich über die Evolution?
Er zeigt, welche Unterschiede seit der Trennung zweier Arten entstanden sind. Für Mensch und Schimpanse umfasst der Katalog dieser Unterschiede etwa 35 Millionen Änderungen einzelner Basen (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005). Dasselbe Konsortium fand, dass die Evolution der proteincodierenden Gene, also der Gene mit dem Bauplan für ein Protein, bei beiden Arten sehr ähnlich verläuft (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005). Ein solcher Vergleich beschreibt die Geschichte zweier Arten, nicht die Eigenschaften eines einzelnen Menschen.
Wie wurde die DNA von Mensch und Schimpanse verglichen?
Zum Beispiel auf zwei Wegen mit verschieden großer Grundlage. Britten verglich fünf DNA-Abschnitte des Schimpansen mit zusammen 779.000 Basenpaaren mit den am besten passenden Bereichen des menschlichen Genoms (Britten, 2002). Danach lag eine erste Sequenz des Schimpansengenoms vor, die das Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium mit dem menschlichen Genom abglich (Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium, 2005). Grundlage war beide Male ein Alignment, also der Abgleich zweier Sequenzen Base für Base.
Warum teilen wir so viel DNA mit Tieren?
Ob es viel ist, hängt daran, was „teilen“ heißt. In der Studie zur Fruchtfliege heißt es nicht gleich, sondern ähnlich: Für 714 menschliche Krankheitsgene, 77 Prozent der gesuchten, fand sich in der Fliege eine passende Sequenz (Reiter u. a., 2001). Passend bedeutet Sequenzähnlichkeit, keine identische DNA. Untersucht wurden zudem nur Gene, die beim Menschen mit einer Krankheit verbunden sind, insgesamt 929 Einträge aus der Datenbank OMIM (Reiter u. a., 2001).
Nächster Schritt
Den eigenen Genotyp einordnen
Der NutriCare | INFINITY DNA-Test liest aus einer Speichelprobe ausgewählte Stellen deiner DNA und beschreibt Veranlagungen, keine Festlegungen.
Zum INFINITY DNA-Test Wie ein DNA-Test aus der Speichelprobe Varianten liest Der Ablauf Schritt für SchrittWeiterlesen
Quellen
- Britten R. J.: Divergence between samples of chimpanzee and human DNA sequences is 5%, counting indels, Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (Stand 2002) – europepmc.org
- Varki A., Altheide T. K.: Comparing the human and chimpanzee genomes: searching for needles in a haystack, Genome Research (Stand 2005) – europepmc.org
- Mouse Genome Sequencing Consortium: Initial sequencing and comparative analysis of the mouse genome, Nature (Stand 2002) – europepmc.org
- Reiter L. T. u. a.: A systematic analysis of human disease-associated gene sequences in Drosophila melanogaster, Genome Research (Stand 2001) – europepmc.org
Die Werte zum Schimpansen stützen sich auf [1] und [2], die Angabe zur Maus auf [3], die Werte zur Fruchtfliege auf [4]. Das Zitat zum Schimpansengenom stammt aus der Arbeit des Chimpanzee Sequencing and Analysis Consortium (2005), die Angabe zu SNP-Chips aus Weedon u. a. (2021); beide sind an ihrer Stelle im Text belegt. Die Angaben zum NutriCare | INFINITY DNA-Test stammen von den Produktseiten von mybody®x, Stand der Angaben: 03.10.2026. Die Studien [1] bis [4] wurden am 03.10.2026 abgerufen.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Vergleichende Genetik Evolution
Dieser Artikel stammt vom mybody®x Redaktions- & Fachteam. Er stützt sich auf Studien und eine Übersichtsarbeit aus Fachzeitschriften und nennt zu jeder Zahl, was gezählt wurde. Mehr über das Team auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 03.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 03.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.
Die DNA-Analyse dient der Ernährungs- und Lebensstilberatung. Sie ist kein diagnostisches Verfahren, stellt keine Krankheitsvorhersage dar und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Genetische Varianten beschreiben Wahrscheinlichkeiten in Bevölkerungsgruppen, keine Festlegung für einzelne Personen.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.






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