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Immunsystem stärken ist wichtig – wie geht das richtig?

Das Wichtigste in Kürze

Ein gesundes Immunsystem lässt sich nicht „hochfahren" – nur arbeitsfähig halten. Belegt ist die Gegenrichtung: Schlafmangel, chronischer Stress, Rauchen, viel Alkohol und echte Nährstoffmängel schwächen die Abwehr. Wer diese Faktoren beseitigt, tut mehr als jedes Präparat.

Dieser Artikel zeigt, was das Immunsystem ist, welche Hebel belegt sind, welche zehn Mikronährstoffe eine anerkannte Immunfunktion haben, was überschätzt wird – und wann Infektanfälligkeit ärztlich abgeklärt gehört.

Das erwartet dich in diesem Artikel

Auffällig am Forschungsstand ist ein Muster: Belegt ist vor allem, dass bestimmte Faktoren die Abwehr schwächen – nicht, dass irgendetwas sie über das Normalmaß hinaus steigert.

Hebel Effekt Was konkret hilft
Schlaf Schlafmangel schwächt Abwehr und Impfantwort 7–9 Stunden, feste Zeiten
Bewegung Moderat unterstützend, extrem belastend Regelmäßig statt selten extrem
Ernährung & Mikronährstoffe Mangel schwächt, Überschuss nützt nicht Vielseitig essen, nur bei Mangel ergänzen
Stress Dauerstress dämpft über Cortisol die Abwehr Feste Erholungsphasen einplanen
Rauchstopp Rauch schädigt die Atemwegs-Schleimhaut Aufhören – der wirksamste Einzelschritt
Alkohol Stört Immunzellen und Schleimhäute Konsum deutlich reduzieren
Impfungen Einziger Weg zu spezifischem Schutz Impfstatus prüfen, auffrischen
Hygiene Senkt die Erregerlast, statt zu stärken Händewaschen, Lüften, Abstand

Vier Alltagsfaktoren tauchen in der Forschung immer wieder auf:

Schlaf

Regeneration

Im Tiefschlaf laufen Abläufe des Immungedächtnisses ab. Schlafmangel schwächt die Abwehr.

Bewegung

Kreislauf der Abwehrzellen

Moderate Bewegung bringt Immunzellen in Umlauf. Extreme Belastung wirkt gegenteilig.

Ernährung

Bausteine der Abwehr

Zehn Mikronährstoffe haben eine EFSA-anerkannte Immunfunktion. Entscheidend ist die Versorgung.

Stress

Dauerbelastung

Kurzer Stress ist unproblematisch. Anhaltende Belastung dämpft die Immunantwort.

Was ist das Immunsystem überhaupt?

Das Immunsystem ist kein Organ, sondern ein Netzwerk aus Zellen, Botenstoffen und Geweben: Knochenmark, Thymusdrüse, Milz, Lymphknoten, Schleimhäute und weiße Blutkörperchen. Ein Netzwerk ohne zentralen Regler hat auch keinen Schalter, an dem sich die Abwehr „hochdrehen" ließe.

Angeborene Abwehr: die schnelle, unspezifische Eingreiftruppe

Sie ist von Geburt an vorhanden und reagiert in Minuten bis Stunden: Fresszellen wie Makrophagen und neutrophile Granulozyten, natürliche Killerzellen und das Komplementsystem. Sie erkennt keine einzelnen Erreger, sondern allgemeine Muster. Fieber und Abgeschlagenheit sind deshalb kein Zeichen von Schwäche, sondern einer arbeitenden Abwehr.

Erworbene Abwehr: das Gedächtnis deines Körpers

Die erworbene Abwehr braucht mehrere Tage, arbeitet dafür hochspezifisch: B-Zellen bilden passgenaue Antikörper, T-Zellen zerstören infizierte Körperzellen. Nach einem Infekt bleiben Gedächtniszellen zurück, die beim nächsten Kontakt schneller reagieren – genau dieses Prinzip nutzen Impfungen.

Haut, Schleimhäute und Darmmikrobiom als erste Barriere

Die meisten Erreger scheitern schon vorher: an der Haut mit ihrem sauren Schutzfilm, am Schleim und den Flimmerhärchen der Atemwege, an Magensäure und Tränenflüssigkeit. Ein großer Teil der Immunzellen sitzt in der Darmschleimhaut.

Das Darmmikrobiom ist an dieser Feinabstimmung beteiligt; seine Vielfalt fördert vor allem ballaststoffreiche Kost. Dass ein Probiotikum die Infektanfälligkeit gesunder Erwachsener senkt, ist dagegen schwächer belegt als beworben.

Kann man das Immunsystem wirklich „stärken"?

Die ehrliche Antwort: Ein gesundes Immunsystem lässt sich nicht über sein normales Leistungsniveau hinaus steigern – wohl aber arbeitsfähig halten. Es ist kein Motor mit Gaspedal, sondern ein Gleichgewicht: stark genug gegen Erreger, präzise genug, um körpereigenes Gewebe zu verschonen.

Kernaussage: Es gibt keinen Schalter, der die Abwehr „hochfährt". Belegt ist nur die Gegenrichtung – Mängel und Dauerbelastung schwächen das Immunsystem. Wer diese Faktoren beseitigt, stellt die normale Funktion wieder her – mehr ist nicht belegt.

Warum „Immunboosting" ein Marketingbegriff ist

In der Fachsprache existiert der Begriff nicht. Er suggeriert eine messbare Größe, die es nicht gibt: Kein Laborwert bildet ab, „wie stark" ein Immunsystem ist. In der EU sind zudem nur wissenschaftlich geprüfte gesundheitsbezogene Angaben erlaubt.

Laut EFSA-Bewertung im Rahmen der EU-Health-Claims-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006) dürfen Nährstoffe nur damit beworben werden, dass sie „zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen" – nicht damit, dass sie diese steigern.

Mehr ist nicht immer besser: der Blick auf Autoimmunerkrankungen

Ein überaktives Immunsystem ist kein erstrebenswerter Zustand. Bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder rheumatoider Arthritis richtet sich die Abwehr gegen körpereigenes Gewebe, bei Allergien gegen harmlose Stoffe. Gesucht ist kein möglichst starkes, sondern ein gut reguliertes Immunsystem. Wer immundämpfende Medikamente einnimmt, sollte immunstimulierende Präparate ärztlich besprechen.

Welche Hebel sind wirklich belegt?

Die wirksamsten Maßnahmen sind unspektakulär und kosten meist nichts – sie entfernen bekannte Schwächungsfaktoren.

Schlaf: der am besten untersuchte Einzelfaktor

In den Tiefschlafphasen laufen Prozesse ab, die für das immunologische Gedächtnis wichtig sind. Wer chronisch kurz schläft, erkrankt nach Erregerkontakt häufiger, und die Antikörperbildung nach Impfungen fällt schwächer aus. Für die meisten Erwachsenen sind sieben bis neun Stunden zu konstanten Zeiten die Grundlage.

Bewegung: moderat und regelmäßig statt selten und extrem

Bei Belastung werden Immunzellen vermehrt in den Kreislauf gespült und patrouillieren anschließend verstärkt durch Gewebe und Lymphorgane. Bei sehr intensiven, langen Belastungen kehrt sich der Effekt kurzfristig um – nach einem Marathon ohne Erholung häufen sich Atemwegsinfekte. Regelmäßig moderat bewegen bringt mehr als seltene Extremeinheiten; im fieberhaften Infekt gilt Sportpause.

Ernährung: Versorgung sichern statt Superfoods jagen

Antikörper sind Eiweiße, und Immunzellen teilen sich bei einem Infekt sehr schnell – beides braucht Eiweiß, Energie und mehrere Mikronährstoffe. Mangelernährung ist weltweit die häufigste Ursache einer geschwächten Abwehr; in Deutschland entsteht das Problem eher durch Einseitigkeit. Ein einzelnes Lebensmittel „stärkt" nichts – es zählt das Muster über Wochen.

Stress: kurzfristig unproblematisch, dauerhaft belastend

Akuter Stress aktiviert das Immunsystem sogar vorübergehend; kritisch ist die Dauerbelastung über Wochen. Bleibt der Cortisolspiegel erhöht, dämpft das auch erwünschte Immunreaktionen. Hinzu kommen indirekte Effekte: schlechterer Schlaf, weniger Bewegung, mehr Alkohol und Zigaretten.

Rauchstopp und Alkohol: die größten vermeidbaren Belastungen

Rauchen trifft die Abwehr an ihrer empfindlichsten Stelle: Der Rauch lähmt die Flimmerhärchen der Atemwege und verändert die lokale Immunantwort dauerhaft. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Tabakkonsum weltweit einer der bedeutendsten vermeidbaren Risikofaktoren für Atemwegserkrankungen. Auch Alkohol beeinträchtigt Fresszellen und Lymphozyten.

Impfungen und Hygiene: gezielter Schutz statt allgemeiner Stärkung

Impfungen machen die Abwehr nicht allgemein „stärker", sondern trainieren sie auf einen konkreten Erreger – messbar an Antikörpern und Gedächtniszellen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Impfen zu den wirksamsten Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit. Hygiene wirkt anders: Händewaschen, Lüften und Abstand senken die Erregerlast.

Welche Mikronährstoffe haben eine belegte Immunfunktion?

Zehn Mikronährstoffe dürfen in der EU offiziell damit beworben werden, dass sie zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen: Vitamin D, Vitamin C, Zink, Selen, Eisen, Vitamin B12, Folsäure, Kupfer, Vitamin A und Vitamin B6. Diese Liste stammt aus Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Entscheidend ist das Kleingedruckte: Die Aussage gilt für den Beitrag zur normalen Funktion. Ein Mangel beeinträchtigt die Abwehr – zusätzliche Zufuhr bei guter Versorgung nützt nichts.

Nährstoff Rolle im Immunsystem Typische Quellen
Vitamin D Steuert Abwehrreaktionen mit Sonnenlicht; kaum Nahrung (fetter Fisch)
Vitamin C Antioxidativer Schutz von Immunzellen Paprika, Brokkoli, Zitrusfrüchte
Zink Zellteilung, Reifung von Immunzellen Fleisch, Käse, Linsen, Kürbiskerne
Selen Bestandteil antioxidativer Schutzenzyme Fisch, Eier, Nüsse
Eisen Zellteilung und Sauerstofftransport Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkorn
Vitamin B12 Zellteilung und Blutbildung Fleisch, Fisch, Eier; vegan nur als Supplement
Folsäure (Folat) Schnelle Zellteilung bei einer Immunantwort Blattgemüse, Hülsenfrüchte
Kupfer Bestandteil von Enzymen der Abwehrzellen Nüsse, Vollkorn, Kakao
Vitamin A Intakte Schleimhäute als erste Barriere Leber, Eier; Beta-Carotin in Karotten
Vitamin B6 Eiweißstoffwechsel und Antikörperbildung Fisch, Vollkorn, Kartoffeln

Kernaussage: Mikronährstoffe wirken wie Bauteile, nicht wie Treibstoff. Fehlt ein Bauteil, funktioniert die Abwehr schlechter. Sind alle vorhanden, bringt ein zusätzliches keinen Nutzen mehr.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen echten Mangel?

Erhöht ist das Risiko unter anderem bei rein pflanzlicher Ernährung (Vitamin B12, teils Eisen und Zink), bei starker Regelblutung (Eisen), in Schwangerschaft und Stillzeit, im höheren Lebensalter (Vitamin D, B12), bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Zöliakie sowie nach bariatrischen Operationen. Auch Dauermedikamente wie Protonenpumpenhemmer können die Aufnahme von Vitamin B12 verschlechtern. Gehörst du zu einer dieser Gruppen, ist eine gezielte Messung sinnvoller als ein pauschales Kombipräparat.

Warum ist Vitamin D in Deutschland der größte Engpass?

Vitamin D ist der Nährstoff mit der größten Versorgungslücke – aus geografischem Grund: Der Körper bildet es überwiegend selbst in der Haut, aber nur unter ausreichender UVB-Strahlung. Im Winterhalbjahr reicht der Sonnenstand in unseren Breiten nicht aus, und über die Ernährung lässt sich das kaum ausgleichen: Nennenswerte Mengen liefert fast nur fetter Seefisch.

Laut Robert Koch-Institut (RKI, Fact Sheet 2016) sind 30,2 % der Erwachsenen in Deutschland mangelhaft mit Vitamin D versorgt (25(OH)D unter 30 nmol/l); nur 38,4 % erreichen den als ausreichend geltenden Wert von mindestens 50 nmol/l.

Diese Zahlen sind Jahresdurchschnitte; am Ende des Winters fallen die Werte deutlich niedriger aus.

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt der Schätzwert für die Vitamin-D-Zufuhr bei fehlender körpereigener Bildung bei 20 Mikrogramm pro Tag für Jugendliche und Erwachsene.

Ehrlich eingeordnet ist die Studienlage zu Vitamin D und Atemwegsinfekten uneinheitlich: Eine Ergänzung nützt offenbar vor allem bei ausgeprägtem Mangel – bei gut Versorgten zeigt sich der Effekt nicht. Wer wissen will, wo er steht, lässt 25-OH-Vitamin-D3 bestimmen und dosiert danach.

Was wirkt nicht oder wird überschätzt?

Ein großer Teil des Marktes für „Immunprodukte" verspricht mehr, als er belegen kann.

Hochdosiertes Vitamin C gegen Erkältungen

Vitamin C verhindert bei gesunden Erwachsenen keine Erkältungen – so die zentrale Aussage der bekanntesten systematischen Übersichtsarbeit dazu.

Laut Cochrane-Review von Hemilä und Chalker (2013) senkt eine regelmäßige Vitamin-C-Einnahme die Häufigkeit von Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung nicht (Risikoverhältnis 0,97 über 29 Studien mit 11.306 Teilnehmenden). Die Dauer verkürzte sich im Mittel um 8 % bei Erwachsenen und 14 % bei Kindern.

Acht Prozent klingen nach mehr, als sie sind: Bei sieben Tagen Erkältung ist das etwa ein halber Tag – und nur bei dauerhafter Einnahme, nicht beim Griff zur Brausetablette. Eine Ausnahme: Bei extremer Belastung – untersucht wurden Marathonläufer, Skifahrer und Soldaten unter subarktischen Bedingungen – halbierte sich in fünf Studien mit 598 Teilnehmenden das Erkältungsrisiko (Risikoverhältnis 0,48). Für den Alltag lässt sich daraus nichts ableiten.

„Immunbooster"-Shots und Wundermittel

Ingwer-Shots, Acerola-Konzentrate und Kombipräparate mit zwanzig Zutaten sind nicht schädlich, aber ihr Nutzen wird systematisch überschätzt: Sie liefern meist genau die Nährstoffe, die bei normaler Ernährung ohnehin ausreichen. Der Etikett-Test hilft: „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei" ist die zugelassene EFSA-Formulierung für einen enthaltenen Nährstoff – kein Nachweis, dass das Produkt Infekte verhindert. Für Echinacea ist die Datenlage widersprüchlich.

Supplemente ohne bekannten Mangel

„Ein bisschen extra kann nicht schaden" stimmt für wasserlösliche Vitamine ungefähr – für fettlösliche Vitamine und Spurenelemente nicht. Hoch dosiertes Zink kann über längere Zeit die Kupferaufnahme beeinträchtigen und so einen zweiten Mangel erzeugen.

Wann wird zu viel gefährlich?

Für mehrere immunrelevante Nährstoffe hat die EFSA tolerierbare Gesamtzufuhrmengen (Tolerable Upper Intake Levels) festgelegt – die Tagesmenge, die für gesunde Erwachsene auf Dauer als unbedenklich gilt.

Laut EFSA liegt die tolerierbare tägliche Gesamtzufuhr für Erwachsene bei 25 mg Zink, 255 µg Selen (EFSA, 2023) und 100 µg Vitamin D. Diese Werte gelten für die Summe aus Lebensmitteln und Präparaten – nicht nur für das Supplement allein.

Zink: mehr ist kontraproduktiv

Zink ist der Klassiker der Überdosierung, weil viele Erkältungspräparate hohe Mengen enthalten. Kurzfristig sind Übelkeit, Bauchschmerzen und metallischer Geschmack möglich; über Wochen leidet die Kupferversorgung. Für Zinklutschtabletten bei akuter Erkältung gibt es Hinweise auf eine leicht verkürzte Beschwerdedauer – als Dauerlösung ist Zink nicht gedacht.

Selen: schmaler Bereich zwischen Bedarf und Zuviel

Selen hat den schmalsten Sicherheitsabstand: Der Bedarf liegt bei etwa 60 bis 70 Mikrogramm pro Tag, die Obergrenze bei 255. Eine chronische Überdosierung kann Haarausfall, brüchige Nägel und knoblauchartigen Atemgeruch verursachen. Vorsicht bei Paranüssen: Ihr Selengehalt schwankt stark.

Vitamin D: das Problem hoch dosierter Präparate

Vitamin D ist fettlöslich und wird gespeichert. Eine Überdosierung entsteht praktisch nie durch Sonne oder Ernährung, sondern durch dauerhaft hoch dosierte Präparate. Die Folge ist ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut mit Übelkeit, starkem Durst und Verwirrtheit; langfristig drohen Nierenschäden.

Wann solltest du ärztlich abklären lassen?

Wiederkehrende Infekte sind meistens harmlos – vor allem bei engem Kontakt zu kleinen Kindern. Es gibt aber Konstellationen, bei denen die Ursachensuche ärztlich gehört.

Laut IQWiG (gesundheitsinformation.de) erkälten sich Erwachsene im Durchschnitt zwei- bis viermal pro Jahr; Kinder bringen typischerweise sechs bis acht Erkältungen jährlich aus Kindergarten oder Schule mit nach Hause.

Wann Infektanfälligkeit ärztlich gehört

  • Deutlich häufigere Infekte als im Umfeld üblich
  • Ungewöhnlich schwere oder lange Verläufe, etwa wiederholte Lungenentzündungen
  • Anhaltendes oder wiederkehrendes Fieber ohne erkennbare Ursache
  • Infekte, die trotz Behandlung nicht ausheilen
  • Ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder starke Erschöpfung
  • Bekannte Immunsuppression – etwa unter Chemotherapie oder Biologika
  • Chronische Grunderkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankungen
  • Schlecht heilende Wunden oder häufige Pilzinfektionen

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Häufigkeit und Schwere: Sechs leichte Erkältungen bei einem Kita-Elternteil sind unauffällig, zwei schwere Infekte mit Krankenhausaufenthalt nicht. Bei Verdacht auf eine gestörte Immunfunktion stehen gezielte Untersuchungen zur Verfügung – Differenzialblutbild, Immunglobuline, weiterführende immunologische Diagnostik. Sofort ärztliche Hilfe brauchst du bei hohem Fieber mit starkem Krankheitsgefühl, Atemnot, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit.

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Wenn Nährstoffmängel die einzige belegte ernährungsbezogene Schwachstelle sind, ist Messen der logische erste Schritt – nicht das vorsorgliche Einnehmen.

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Ehrlich eingeordnet gehören zwei Einschränkungen dazu. Erstens: Vitamin C ist in diesem Test nicht enthalten, ebenso wenig Vitamin A und Vitamin B6. Das ist vertretbar, weil ein Vitamin-C-Mangel in Deutschland selten ist – wissen solltest du es trotzdem.

Zweitens, und das ist der wichtigere Punkt: Der Test misst deine Nährstoffversorgung, nicht deine Immunfunktion. Er zeigt, ob ein Baustein fehlt – nicht, wie gut deine Abwehr arbeitet. Bei echter Infektanfälligkeit ersetzt er deshalb keine ärztliche Abklärung, kann sie aber sinnvoll vorbereiten.

Angaben zu Preis, Probenart, Bearbeitungszeit und Markern stammen von der mybody®-Produktseite (Stand: Juli 2026) und können sich ändern.

Einordnung: Was ein Test kann – und was nicht

Ein Nährstoff-Bluttest gibt dir eine Standortbestimmung: Er zeigt, ob deine Werte im Referenzbereich liegen, und macht Veränderungen im Verlauf sichtbar.

Was er nicht kann: die Leistungsfähigkeit deines Immunsystems bewerten – die bildet kein einzelner Wert ab. Und er benennt keine Ursachen: Ein niedriger Ferritinwert sagt nicht, ob zu geringe Zufuhr, starke Regelblutung oder eine Blutungsquelle dahintersteckt. Diese Zuordnung ist ärztliche Arbeit.

Am größten ist der Nutzen, wenn du den Befund als Gesprächsgrundlage verwendest – mit konkreten Zahlen, deiner Medikamentenliste und deinen Beschwerden.

Fazit

Das Immunsystem lässt sich nicht „boosten", aber schützen. Die wirksamen Hebel sind unspektakulär: ausreichend schlafen, sich moderat bewegen, abwechslungsreich essen, chronischen Stress reduzieren, nicht rauchen, Alkohol begrenzen, den Impfstatus prüfen und Hygiene ernst nehmen.

Bei den Mikronährstoffen gilt eine Regel: Ein Mangel schwächt, ein Überschuss nützt nicht. Der relevanteste Engpass ist Vitamin D im Winterhalbjahr – hoch dosierte Zink-, Selen- oder Vitamin-D-Präparate ohne bekannten Mangel bringen kein Plus, sondern ein Risiko.

Und der wichtigste Vorbehalt: Ein gut versorgtes Immunsystem ist kein Schutzversprechen. Auch wer alles richtig macht, wird sich erkälten. Verlaufen Infekte ungewöhnlich häufig, schwer oder langwierig, gehört das ärztlich abgeklärt – nicht mit einem Supplement beantwortet.

Häufige Fragen (FAQ)

Kann man das Immunsystem wirklich stärken?
Welche Nährstoffe sind für das Immunsystem wichtig?
Hilft hoch dosiertes Vitamin C gegen Erkältungen?
Sollte ich im Winter Vitamin D einnehmen?
Kann zu viel Zink oder Selen schaden?
Wie viele Erkältungen pro Jahr sind normal?
Kann ein Bluttest zeigen, wie stark mein Immunsystem ist?
Sind „Immunbooster"-Shots und Echinacea sinnvoll?

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Quellen

  1. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Health Claims – wissenschaftliche Bewertung gesundheitsbezogener Angaben nach Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. efsa.europa.eu
  2. EFSA: Dietary Reference Values und Tolerable Upper Intake Levels (u. a. Zink 25 mg/Tag, Vitamin D 100 µg/Tag); Selen-Obergrenze 255 µg/Tag laut EFSA-Gutachten 2023. efsa.europa.eu · Selen-Gutachten
  3. Robert Koch-Institut (RKI), Journal of Health Monitoring 2/2016: Fact Sheet „Vitamin-D-Status in Deutschland" – 30,2 % der Erwachsenen unter 30 nmol/l, 38,4 % ab 50 nmol/l. rki.de
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Vitamin-D-Zufuhr – Schätzwert 20 µg/Tag bei fehlender endogener Synthese. dge.de
  5. Hemilä H, Chalker E (2013): „Vitamin C for preventing and treating the common cold", Cochrane Database of Systematic Reviews. cochranelibrary.com
  6. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Fact Sheet „Immunization coverage". who.int
  7. IQWiG / gesundheitsinformation.de: „Erkältung" – Häufigkeit, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten. gesundheitsinformation.de

Quellenzuordnung: Health Claims [1], Obergrenzen [2], Vitamin-D-Status [3], Zufuhr-Schätzwert [4], Vitamin C [5], Impfungen [6], Erkältungshäufigkeit [7]. Produktangaben stammen von der mybody®-Produktseite; Änderungen möglich.

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mybody® Redaktions- & Fachteam

Immunologie-Grundlagen Mikronährstoffe Labordiagnostik Ernährungswissenschaft

Dieser Beitrag wurde vom mybody® Redaktions- und Fachteam erstellt, das Fachwissen aus Labordiagnostik, Ernährungswissenschaft und Nutrigenetik bündelt. Mehr über unser Team erfährst du auf unserer Redaktions- und Autorenseite.

Veröffentlicht am 27. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert am 27. Juli 2026

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ein gut versorgtes Immunsystem ist kein Schutz vor Infektionen. Bei häufigen, schweren oder langwierigen Infekten, bekannter Immunsuppression oder vor der Einnahme hoch dosierter Präparate wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.

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