Geschichte der DNA-Entdeckung: von Miescher bis zum Humangenom
3. Oktober 2026ca. 16 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Entdeckt hat die DNA der Schweizer Arzt Friedrich Miescher: Er gewann 1869 in Tübingen aus weißen Blutkörperchen einen Stoff aus den Zellkernen und nannte ihn „Nuklein“ (Dahm, 2005). Watson und Crick veröffentlichten 1953 eine Arbeit zur Struktur der DNA, also zu ihrem molekularen Aufbau (Watson und Crick, 1953).
1944 zeigte eine Arbeit, dass eine Substanz, die Bakterien von einem Typ in einen anderen verwandelte, hauptsächlich aus DNA bestand und die Veränderung weitervererbt wurde (Avery u. a., 1944).
Der genetische Fingerabdruck, ein DNA-Muster, das einen einzelnen Menschen oder seinen eineiigen Zwilling kennzeichnet, wurde 1985 veröffentlicht (Jeffreys u. a., 1985).
Das Genom, also die gesamte DNA des Menschen, war laut genome.gov (NHGRI, 2024) im April 2003 zu 92 Prozent gelesen und 2022 erstmals vollständig.
In diesem Artikel
Zeitleiste der DNA-Entdeckung: Welche Stationen gibt es?
Zwischen Mieschers Fund im Jahr 1869 (Dahm, 2005) und der ersten vollständigen Sequenz des menschlichen Genoms im Jahr 2022 laut genome.gov (NHGRI, 2024) liegen rechnerisch 153 Jahre. Eine Sequenz ist die gelesene Abfolge der DNA-Bausteine.
Die Stationen bauen aufeinander auf, sie ersetzen einander nicht. Zuerst ging es um den Stoff selbst, dann um seine Verbindung zu einer vererbbaren Eigenschaft, danach um seinen Aufbau, um die Regel, nach der seine Information wirkt, um die Zuordnung zu einzelnen Menschen und zuletzt um das Lesen des ganzen Genoms.
Lies die Tabelle deshalb als Kette von Antworten, nicht als Liste von Rekorden. Die rechte Spalte nennt zu jeder Station die Arbeit, auf die sie sich stützt, mit Jahr.
Zeitleiste der DNA-Forschung von 1869 bis 2022
| Jahr | Station | Quelle |
|---|---|---|
| 1869 | Friedrich Miescher gewinnt in Tübingen aus weißen Blutkörperchen eine erste grobe Reinigung von DNA und nennt den Stoff nach seinem Vorkommen im Zellkern „Nuklein“. | (Dahm, 2005) |
| 1944 | Eine Substanz, die Pneumokokken, also Bakterien, von einem Typ in einen anderen verwandelt, besteht hauptsächlich aus DNA; die Veränderung wird weitervererbt. | (Avery u. a., 1944) |
| 1953 | Im selben Heft der Zeitschrift Nature erscheinen zwei Arbeiten zum molekularen Aufbau der DNA. | (Watson und Crick, 1953; Franklin und Gosling, 1953) |
| 1962 | Nobelpreis für Entdeckungen über die molekulare Struktur der Nukleinsäuren, der Stoffklasse, zu der die DNA gehört. | NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026) |
| 1968 | Nobelpreis für die Deutung des genetischen Codes und seiner Funktion bei der Proteinsynthese, dem Aufbau von Eiweißen. Der genetische Code ist die Regel, über die die Erbinformation dabei wirkt. | NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026) |
| 1985 | Veröffentlichung des genetischen Fingerabdrucks, eines DNA-Musters, das einen einzelnen Menschen oder seinen eineiigen Zwilling kennzeichnet. | (Jeffreys u. a., 1985) |
| 1990 | Beginn des Humangenomprojekts, eines Forschungsvorhabens zur Sequenz des menschlichen Genoms. | genome.gov (NHGRI, 2024) |
| 1998 | Prototypen von Chips bestimmen 1998 gleichzeitig 500 SNPs, also Varianten an einzelnen Stellen der DNA. | (Wang u. a., 1998) |
| 2000 | Im Juni wird die Rohfassung, eine erste lückenhafte Sequenz, bei einer Veranstaltung im Weißen Haus vorgestellt. | genome.gov (NHGRI, 2024) |
| 2003 | Im April 2003 meldet das Konsortium des Projekts eine Sequenz mit 92 Prozent des Genoms und weniger als 400 Lücken. | genome.gov (NHGRI, 2024) |
| 2022 | Am 31. März 2022 meldet ein Forschungsverbund die erste wirklich vollständige Sequenz. | genome.gov (NHGRI, 2024) |
Quelle und Jahr stehen in jeder Zeile in der rechten Spalte.
Wer hat die DNA entdeckt?
Die DNA hat Friedrich Miescher entdeckt, ein junger Schweizer Arzt, der 1869 in Tübingen eine erste grobe Reinigung des Stoffs gewann (Dahm, 2005). Wegen seines Vorkommens in den Zellkernen nannte er ihn „Nuklein“.
Miescher hatte gerade seine Ausbildung zum Arzt abgeschlossen, als er nach Tübingen ins Labor des Biochemikers Hoppe-Seyler ging (Dahm, 2005). Sein Ziel war, die Bausteine des Lebens aufzuklären. Als Ausgangsmaterial wählte er weiße Blutkörperchen, die Leukozyten, und untersuchte zuerst die Eiweiße dieser Zellen, die Proteine.
Bei dieser Arbeit stieß er auf eine neue Substanz. Dahm bewertet das Ergebnis als die erste grobe Reinigung von DNA (Dahm, 2005). Eine hochgereinigte DNA-Fraktion beschreibt dann die Arbeit von 1944 (Avery u. a., 1944).
Kernaussage
Die Geschichte der DNA beginnt 1869 mit Friedrich Miescher, nicht erst 1953 (Dahm, 2005).
Der Name, den Miescher wählte, lebt weiter. Der Begriff Nuklein steckt laut Dahm bis heute in Desoxyribonukleinsäure, englisch deoxyribonucleic acid, kurz DNA (Dahm, 2005).
Der Einwand liegt nahe: Haben nicht Watson und Crick die DNA entdeckt? Nein. Die beiden veröffentlichten eine Arbeit zur Struktur, und zwischen ihr im Jahr 1953 (Watson und Crick, 1953) und Mieschers Fund im Jahr 1869 (Dahm, 2005) liegen rechnerisch 84 Jahre.
Für die ganze Zeitleiste hilft eine Unterscheidung. Entdecken heißt bei Miescher, einen Stoff zu gewinnen und ihm einen Namen zu geben. Was dieser Stoff mit Vererbung zu tun hat, zeigten erst spätere Stationen.
DNA und Vererbung: Was zeigte die Arbeit von 1944?
Die Arbeit von 1944 zeigte, dass eine Substanz, die Bakterien von einem Typ in einen anderen verwandelte, hauptsächlich aus DNA bestand (Avery u. a., 1944). Die Veränderung wurde über Generationen weitergegeben.
Die Arbeit erschien im Journal of Experimental Medicine, Erstautor war Avery (Avery u. a., 1944). Mitautoren waren MacLeod und McCarty. Ihr Thema war die Transformation, die Umwandlung von Bakterien eines Typs in einen anderen durch eine übertragene Substanz. Untersucht wurden Pneumokokken, eine Bakterienart, von der die Arbeit die Typen II und III betrachtet.
Aus Pneumokokken vom Typ III gewannen die Forschenden eine hochgereinigte, biologisch aktive Fraktion, also einen abgetrennten Anteil des Zellmaterials (Avery u. a., 1944). Schon in winzigen Mengen verwandelte sie unter geeigneten Kulturbedingungen kapsellose Pneumokokken vom Typ II in vollständig bekapselte, also von einer Kapsel umhüllte Zellen. Diese gehörten zum Typ III und damit zu dem Typ der durch Hitze abgetöteten Bakterien, aus denen die Fraktion stammte.
Die verwandelnde Substanz enthielt kein nachweisbares Eiweiß, sie bestand hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, aus DNA (Avery u. a., 1944). Die Arbeit beschreibt sie als zähflüssige Form der Desoxyribonukleinsäure.
Die ausgelösten Veränderungen waren typspezifisch (Avery u. a., 1944): Es entstanden Zellen genau des Typs, aus dem die Fraktion stammte. Die Veränderung, die die DNA-Fraktion auslöste, wurde über Generationen weitergegeben. Damit wird die Arbeit zur Station der Vererbung in dieser Zeitleiste.
Die Autoren formulierten vorsichtig. Mit „hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich“ ließen sie offen, ob die Fraktion nur aus DNA bestand (Avery u. a., 1944). Genauer gesagt: 1944 ist die Station, an der eine DNA-Fraktion mit einer vererbbaren Eigenschaft von Bakterien verbunden wurde.
Die Veränderung, die die DNA-Fraktion auslöste, wurde über Generationen weitergegeben.
Struktur der DNA: Was wurde 1953 veröffentlicht?
1953 erschienen im selben Heft der Zeitschrift Nature eine Arbeit von Watson und Crick über eine Struktur der DNA (Watson und Crick, 1953) und eine Arbeit von Franklin und Gosling über die molekulare Anordnung in einem Salz der DNA (Franklin und Gosling, 1953). Den Nobelpreis von 1962 gab es laut NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026) für Entdeckungen über die molekulare Struktur der Nukleinsäuren.
Die Arbeit von Watson und Crick trägt den Titel „Molecular structure of nucleic acids; a structure for deoxyribose nucleic acid“ (Watson und Crick, 1953). Auf Deutsch heißt das: Molekulare Struktur der Nukleinsäuren; eine Struktur für die Desoxyribonukleinsäure. Sie steht in Nature, Band 171, auf den Seiten 737 bis 738 (Watson und Crick, 1953).
Im selben Heft, auf den Seiten 740 bis 741, erschien die Arbeit von Franklin und Gosling (Franklin und Gosling, 1953). Ihr Titel lautet „Molecular configuration in sodium thymonucleate“, übersetzt: Molekulare Anordnung im Natriumthymonukleat, einem Salz der DNA.
Wie die DNA aufgebaut ist, erklärt der Artikel Wie ist die DNA aufgebaut? Für die Zeitleiste zählt etwas anderes: 1953 erschienen Arbeiten zur Struktur, gewonnen und benannt war der Stoff seit 1869 (Dahm, 2005).
1962 erhielten Francis Crick, James Watson und Maurice Wilkins gemeinsam den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, laut NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026) jeder mit einem Drittel des Preises. Die Begründung lautet übersetzt:
Belegte Fundstelle
„für ihre Entdeckungen über die molekulare Struktur der Nukleinsäuren und ihre Bedeutung für die Informationsübertragung in lebender Materie“
NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026)
Begründung des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin 1962, aus dem Englischen übertragen
Die Begründung nennt zwei Dinge, die molekulare Struktur und ihre Bedeutung für die Informationsübertragung in lebender Materie. Der zweite Teil weist auf die nächste Station der Zeitleiste, die Deutung des genetischen Codes.
Genetischer Code der DNA: Wofür gab es 1968 den Nobelpreis?
Den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1968 gab es laut NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026) „für ihre Deutung des genetischen Codes und seiner Funktion bei der Proteinsynthese“. Ausgezeichnet wurden Robert W. Holley und Har Gobind Khorana.

Mit den beiden teilte sich Marshall W. Nirenberg den Preis, der laut NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026) gemeinsam vergeben wurde. Im englischen Original steht „interpretation“, wörtlich Deutung.
Der genetische Code ist die Regel, über die die Erbinformation bei der Proteinsynthese wirkt, also beim Aufbau von Eiweißen in der Zelle. Die Begründung von 1968 nennt beides zusammen, den Code und seine Funktion bei diesem Aufbau.
Wie die Regeln des Codes im Einzelnen lauten, steht im Artikel Genetischer Code einfach erklärt: dort die Regeln des Codes, hier seine Entschlüsselung als Station.
In der Zeitleiste schließt 1968 an 1962 an. Die Begründung von 1962 sprach von der Bedeutung der Struktur für die Informationsübertragung, die von 1968 von der Deutung des Codes.
Merksatz: Die Struktur beschreibt, wie das Molekül gebaut ist. Der Code beschreibt, wie seine Information beim Aufbau von Eiweißen wirkt.
Was ist der genetische Fingerabdruck der DNA?
Der genetische Fingerabdruck ist ein DNA-Muster, das laut der Arbeit von 1985 vollständig kennzeichnend für einen einzelnen Menschen ist, oder für seinen eineiigen Zwilling (Jeffreys u. a., 1985). Beschrieben hat ihn Jeffreys mit zwei Mitautoren in der Zeitschrift Nature.
Die Arbeit steht in Nature, Band 316, auf den Seiten 76 bis 79 (Jeffreys u. a., 1985), die Mitautoren heißen Wilson und Thein. Ihr Titel „Individual-specific ‚fingerprints‘ of human DNA“ heißt übersetzt: individualspezifische ‚Fingerabdrücke‘ menschlicher DNA.
Grundlage des Musters sind Minisatelliten, Abschnitte der DNA, die die Arbeit als hochvariabel beschreibt, also als besonders veränderlich (Jeffreys u. a., 1985). Mit weiteren Sonden, also Nachweiswerkzeugen für bestimmte DNA-Abschnitte, erfassten die Forschenden zusätzliche Gruppen solcher Minisatelliten.
Die so erzeugten Fingerabdrücke bleiben im Körper gleich (Jeffreys u. a., 1985). Die Autoren sahen sie als direkt einsetzbar zur Identifizierung von Menschen, die Klärung der Elternschaft eingeschlossen.
Die Ausnahme gehört zur Aussage dazu. Ein eineiiger Zwilling teilt das Muster, und deshalb kennzeichnet der Fingerabdruck einen Menschen nur mit diesem Zusatz (Jeffreys u. a., 1985).
Wer wissen will, seit wann es DNA-Tests gibt, findet in dieser Zeitleiste 1985 als erste Station, an der DNA zur Identifizierung eines Menschen beschrieben wird (Jeffreys u. a., 1985). Vorher ging es um die DNA als Stoff, ab hier auch um den Menschen, von dem sie stammt.
Kapitel auf einen Blick
1985 beschrieben Jeffreys und Kollegen DNA-Fingerabdrücke aus hochvariablen Minisatelliten (Jeffreys u. a., 1985). Das Muster bleibt im Körper gleich und kennzeichnet einen einzelnen Menschen, sein eineiiger Zwilling teilt es. Die Autoren hielten es für direkt einsetzbar, um Menschen zu identifizieren.
Was leistete das Humangenomprojekt für die DNA-Forschung?
Das Humangenomprojekt lief laut genome.gov (NHGRI, 2024) von 1990 bis 2003 und meldete im April 2003 eine Sequenz, die 92 Prozent des menschlichen Genoms abdeckte. Die übrigen Lücken schloss laut genome.gov (NHGRI, 2024) erst 2022 ein anderer Forschungsverbund.
Das Humangenomprojekt war ein Forschungsvorhaben, das eine Sequenz des menschlichen Genoms erstellte. Laut genome.gov (NHGRI, 2024) nennt das National Human Genome Research Institute es sinngemäß eines der ehrgeizigsten und wichtigsten wissenschaftlichen Vorhaben der Menschheitsgeschichte. Rechnerisch dauerte es laut genome.gov (NHGRI, 2024) 13 Jahre.
Im Juni 2000 wurde laut genome.gov (NHGRI, 2024) die Rohfassung bei einer Veranstaltung im Weißen Haus vorgestellt, also eine erste, noch lückenhafte Sequenz. Diese Rohfassung enthielt laut genome.gov (NHGRI, 2024) mehr als 150.000 Lücken, Stellen, an denen sich die Abfolge der DNA nicht genau bestimmen ließ.
Im April 2003 meldete das Konsortium, also der Verbund der beteiligten Forschungsgruppen, laut genome.gov (NHGRI, 2024) eine im Wesentlichen vollständige Sequenz mit 92 Prozent des Genoms und weniger als 400 Lücken. Gegenüber der Rohfassung war sie deutlich verbessert und genauer.
Die verbliebenen Lücken füllte ein anderer Verbund. Am 31. März 2022 meldete das Telomere-to-Telomere-Konsortium (T2T) laut genome.gov (NHGRI, 2024) die erste wirklich vollständige Sequenz des menschlichen Genoms, rechnerisch 19 Jahre nach dem Abschluss des Projekts.
Mit welcher Technik eine solche Sequenz entsteht, beschreibt der Artikel zur Gensequenzierung. Wie hoch die Zahl der Gene in diesem Genom ist, steht im Artikel zur Genzahl des Menschen.
Das Humangenomprojekt in Zahlen
1990–2003
Laufzeit des Humangenomprojekts laut genome.gov (NHGRI, 2024)
92 %
Anteil des menschlichen Genoms in der Sequenz vom April 2003 laut genome.gov (NHGRI, 2024)
unter 400
Lücken in der Sequenz vom April 2003 laut genome.gov (NHGRI, 2024)
2022
erste wirklich vollständige Sequenz, gemeldet am 31. März 2022 laut genome.gov (NHGRI, 2024)
Quelle: genome.gov (NHGRI, 2024)
Von SNP-Chips bis heute: Was liest eine DNA-Analyse?
1998 beschrieben Forschende Prototypen von Chips, die 500 SNPs gleichzeitig bestimmen (Wang u. a., 1998). Heute liest ein Speicheltest nach diesem Prinzip den Genotyp an vorab festgelegten Stellen, also welche Variante ein Mensch dort trägt, nicht das ganze Genom.
SNPs, kurz für Einzelnukleotid-Polymorphismen, sind laut der Arbeit die häufigste Form der Variation im menschlichen Genom (Wang u. a., 1998). Gemeint sind Varianten an einzelnen Stellen der DNA. Die Autoren nennen sie ein starkes Werkzeug für medizinisch-genetische Studien.
Ein SNP-Chip bestimmt die Varianten an festgelegten Stellen der DNA gleichzeitig, und dieses Bestimmen heißt Genotypisierung. Die Arbeit von 1998 beschreibt Prototypen, also erste Versuchsausführungen solcher Chips, mit 500 SNPs auf einmal (Wang u. a., 1998). Insgesamt nennt sie 3.241 Kandidaten-SNPs, also mögliche SNPs, und 2.227 kartierte SNPs, die einer Stelle im Genom zugeordnet wurden (Wang u. a., 1998).
Nach diesem Prinzip arbeitet auch der NutriCare | INFINITY DNA-Test von mybody®x (MYBODY Lab GmbH): Er bestimmt aus einer Speichelprobe 140 Genvariationen an vorab festgelegten Stellen, laut mybody®x (Produktangaben, 2026).
Das Verfahren ist SNP-Genotypisierung mit über 700.000 SNPs, keine Ganzgenomsequenzierung, die das gesamte Genom lesen würde, laut mybody®x (Produktangaben, 2026). Der Test liest Varianten der DNA, den Genotyp, aus einer Speichelprobe. Er ist kein diagnostisches Verfahren und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Ein Beispiel aus dem Test ist die Analyse „Reaktion auf Kohlenhydrate“ mit dem Gen FTO. Sie beschreibt eine Veranlagung, keine Vorhersage, denn die Anlage ist keine Festlegung.
Der Vergleich zeigt, was sich seit den Prototypen verändert hat: 500 SNPs auf einem Chip von 1998 (Wang u. a., 1998), über 700.000 SNPs im heutigen Verfahren laut mybody®x (Produktangaben, 2026). Worin sich Genotypisierung und Sequenzierung unterscheiden, erklärt der Artikel Genotypisierung oder Sequenzierung: der Unterschied.
Aus dem mybody®x-Sortiment · DNA-Test
NutriCare | INFINITY DNA-Test
Bestimmt aus einer Speichelprobe 140 Genvariationen per SNP-Genotypisierung, also an vorab festgelegten Stellen der DNA, ausgewertet in einem Fachlabor in Deutschland. Er liest nicht das ganze Genom. Er ist kein diagnostisches Verfahren und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Laborauswertung 15–25 Werktage nach Probeneingang
Stand der Angaben: 03.10.2026
Zum INFINITY DNA-TestGrenzen: Was frühe und heutige DNA-Analysen nicht leisten
Die Quellen nennen ihre Grenzen selbst. Die Sequenz vom April 2003 deckte laut genome.gov (NHGRI, 2024) 92 Prozent des Genoms ab, und der genetische Fingerabdruck unterscheidet eineiige Zwillinge nicht (Jeffreys u. a., 1985).
Die Sequenz von 2003 war laut genome.gov (NHGRI, 2024) so vollständig, wie es die Technik zum Lesen von DNA damals erlaubte. Vollständig im wörtlichen Sinn war erst die Sequenz von 2022.
Der Fingerabdruck kennzeichnet laut der Arbeit einen einzelnen Menschen oder seinen eineiigen Zwilling (Jeffreys u. a., 1985). Zwei eineiige Zwillinge lassen sich mit ihm deshalb nicht auseinanderhalten.
Auch die frühen Arbeiten ziehen ihre Grenzen selbst. Die Arbeit von 1944 zeigte die Umwandlung an Pneumokokken und ließ offen, ob die Fraktion ausschließlich aus DNA bestand (Avery u. a., 1944). Die Chips von 1998 waren ausdrücklich Prototypen (Wang u. a., 1998).
Für den INFINITY gilt: Er liest vorab festgelegte Stellen statt des ganzen Genoms und ist laut mybody®x (Produktangaben, 2026) kein diagnostisches Verfahren. Fragen zu Erbkrankheiten gehören in die ärztliche oder humangenetische Beratung, denn solche Krankheiten untersucht der Test nicht.
DNA-Entdeckung: kein Moment, sondern eine Kette von Stationen
Die DNA hat nicht ein Mensch an einem Tag entdeckt. Miescher gewann und benannte den Stoff, die Arbeit um Avery verband ihn mit einer vererbbaren Eigenschaft von Bakterien, 1953 erschienen Arbeiten zu seiner Struktur, und mit dem Humangenomprojekt begann das Lesen ganzer Genome.
Wer also fragt, ob Watson und Crick die DNA entdeckt haben, bekommt jetzt eine genauere Antwort: Sie schrieben über ihre Struktur, gefunden hatte sie Miescher. Und wer heute eine Speichelprobe abgibt, steht am vorläufigen Ende dieser Kette, bei einem Test, der Stellen liest und keine Diagnose stellt.
Häufige Fragen
Wann wurde die DNA entschlüsselt?
Das hängt davon ab, was mit entschlüsselt gemeint ist. Für die Deutung des genetischen Codes gab es laut NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026) im Jahr 1968 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die Sequenz des menschlichen Genoms umfasste laut genome.gov (NHGRI, 2024) im April 2003 92 Prozent des Genoms mit weniger als 400 Lücken, und am 31. März 2022 meldete ein Forschungsverbund die erste wirklich vollständige Sequenz. Vollständig gelesen ist das menschliche Genom also seit 2022.
Seit wann gibt es DNA-Tests?
In dieser Zeitleiste ist 1985 die erste Station, an der DNA einem einzelnen Menschen zugeordnet wird: Damals erschien die Arbeit zum genetischen Fingerabdruck, den die Autoren als direkt einsetzbar zur Identifizierung von Menschen beschrieben (Jeffreys u. a., 1985). Einen anderen Weg zeigten 1998 Prototypen von Chips, die 500 SNPs gleichzeitig bestimmen (Wang u. a., 1998). Solche Chips lesen Varianten an festgelegten Stellen, nicht die ganze Abfolge der DNA.
Woher hat die DNA ihren Namen?
Der Name geht auf Friedrich Miescher zurück, der den Stoff 1869 in Tübingen aus weißen Blutkörperchen gewann (Dahm, 2005). Weil er in den Zellkernen vorkam, nannte Miescher ihn „Nuklein“. Dieser Begriff steckt laut Dahm bis heute im Namen Desoxyribonukleinsäure, auf Englisch deoxyribonucleic acid, abgekürzt DNA. Wer den Namen ausspricht, nennt also den Ort mit, an dem der Stoff gefunden wurde: den Zellkern.
Welche Nobelpreise gab es für die DNA-Forschung?
In dieser Zeitleiste stehen zwei Nobelpreise für Physiologie oder Medizin, beide laut NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026). Der Preis von 1962 würdigte Entdeckungen über die molekulare Struktur der Nukleinsäuren und ihre Bedeutung für die Informationsübertragung in lebender Materie. Der Preis von 1968 galt der Deutung des genetischen Codes und seiner Funktion bei der Proteinsynthese. Vergeben wurden beide gemeinsam an jeweils drei Forscher, laut NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026).
Wie hat sich die DNA-Analyse seit 1985 verändert?
Die Arbeit von 1985 erzeugte Muster aus hochvariablen Minisatelliten, die einen einzelnen Menschen oder seinen eineiigen Zwilling kennzeichnen (Jeffreys u. a., 1985). Die Chips von 1998 bestimmten dagegen Varianten an festgelegten Einzelstellen, 500 SNPs auf einmal (Wang u. a., 1998). Für das Lesen ganzer Genome steht das Humangenomprojekt, dessen Sequenz laut genome.gov (NHGRI, 2024) im April 2003 92 Prozent des Genoms abdeckte. Jedes dieser Verfahren beantwortet eine eigene Frage.
Nächster Schritt
Was ein DNA-Test heute aus deiner Speichelprobe liest
Der NutriCare | INFINITY DNA-Test bestimmt Genvariationen an vorab festgelegten Stellen und beschreibt Veranlagungen, keine Diagnosen.
Zum INFINITY DNA-Test Wie ein DNA-Test aus der Speichelprobe Varianten liest Der Ablauf Schritt für Schritt erklärtWeiterlesen
Quellen
- Dahm R.: Friedrich Miescher and the discovery of DNA, Developmental Biology 278(2):274–288 (2005) – europepmc.org
- Avery O. T., MacLeod C. M., McCarty M.: Studies on the chemical nature of the substance inducing transformation of pneumococcal types: induction of transformation by a desoxyribonucleic acid fraction isolated from Pneumococcus Type III, Journal of Experimental Medicine 79(2):137–158 (1944) – europepmc.org
- National Human Genome Research Institute: Human Genome Project Fact Sheet (genome.gov, NHGRI, 2024) – genome.gov
- Jeffreys A. J., Wilson V., Thein S. L.: Individual-specific ‚fingerprints‘ of human DNA, Nature 316(6023):76–79 (1985) – europepmc.org
Mieschers Fund und die Herkunft des Namens Nuklein stützen sich auf [1], die Arbeit von 1944 auf [2], die Angaben zum Humangenomprojekt auf [3] und der genetische Fingerabdruck auf [4]. Die bibliografischen Angaben zu den beiden Arbeiten von 1953 stammen aus Europe PMC (Watson und Crick, 1953; Franklin und Gosling, 1953), ebenso die Angaben zu den Chips von 1998 (Wang u. a., 1998). Die Begründungen der Nobelpreise 1962 und 1968 stammen von NobelPrize.org (Nobel Prize Outreach, 2026). Die Angaben zum NutriCare | INFINITY DNA-Test stammen von mybody®x; Stand der Angaben: 03.10.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Geschichte der Genetik DNA-Analyse
Das mybody®x Redaktions- & Fachteam erklärt Genetik und Labordiagnostik so, dass du jede Angabe an ihrer Quelle nachprüfen kannst. Wer hinter den Texten steht, zeigt die Autorenseite.
Veröffentlicht am 03.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 03.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.
Die DNA-Analyse dient der Ernährungs- und Lebensstilberatung. Sie ist kein diagnostisches Verfahren, stellt keine Krankheitsvorhersage dar und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Genetische Varianten beschreiben Wahrscheinlichkeiten in Bevölkerungsgruppen, keine Festlegung für einzelne Personen.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.






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