Proteinbedarf im Alter: wie viel Eiweiß ab 65 zählt
Das Wichtigste in Kürze
Ab 65 Jahren nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Schätzwert von 1,0 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht am Tag, für 19 bis unter 65 Jahre sind es 0,8 Gramm (DGE, 2017). Bei 70 Kilogramm sind das 70 Gramm statt 56 Gramm. Die Rechnung ist einfach: dein Gewicht in Kilogramm mal 1,0.
So klar diese Zahl aussieht, so wenig allein steht sie. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nennt für dieselbe Altersgruppe 0,83 Gramm je Kilogramm (EFSA, 2012). Dieser Artikel zeigt beide Werte, erklärt den Unterschied und rechnet ihn in Gramm pro Tag um.
Die Rechnung steht in Kapitel 4, der Vergleich der Bezugswerte in Kapitel 5. Wer wissen will, woran er im Alltag erkennt, ob er die Menge erreicht, springt zu Kapitel 6.
Das erwartet dich in diesem Artikel
1. Warum sich der Eiweißbedarf ab 65 verschiebt
2. Wie viel Eiweiß ab 65 zählt: die Referenzwerte
3. Warum DGE und EFSA auseinandergehen
4. So rechnest du deinen Proteinbedarf aus
5. Welcher Bezugswert für dich zählt
6. Woran du erkennst, ob du den Wert erreichst
7. Was ein Aminosäuren-Test zeigt und was nicht
8. Wo diese Zahlen aufhören
9. Was du ab morgen ändern kannst
Häufige Fragen
Quellen
Warum sich der Eiweißbedarf ab 65 verschiebt
Es gibt einen Geburtstag, an dem sich eine Ernährungsempfehlung ändert, ohne dass sich am Menschen etwas geändert hätte. Mit 65 steigt der Schätzwert für die Proteinzufuhr in den deutschen Referenzwerten von 0,8 auf 1,0 Gramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag (DGE, 2017). Am Tag davor galt die niedrigere Zahl, am Tag danach die höhere.
Der Sprung ist eine Vereinfachung, kein biologisches Ereignis. Dahinter steht eine Veränderung, die über Jahre läuft: Die Körperzusammensetzung verschiebt sich, der Anteil an fettfreier Masse nimmt ab, der Fettanteil zu. Diese Verschiebung beschreibt die DGE in ihrer Übersicht zur Ernährung älterer Menschen ausdrücklich als Merkmal des Alterns, nicht als Krankheit (DGE, 2023).
Für den starken Verlust an Muskelmasse und Muskelkraft im Alter gibt es einen Fachbegriff: Sarkopenie. Er beschreibt einen Zustand, den eine ärztliche Praxis feststellt, nicht ein Etikett für jeden älteren Menschen. Wichtig für diesen Artikel ist nur: Für Menschen mit Sarkopenie nennt dieselbe DGE-Übersicht eine höhere Zufuhr von 1,2 bis 1,5 Gramm hochwertigem Protein je Kilogramm Körpergewicht (DGE, 2023). Ob ein solcher Zustand vorliegt, klärt eine Untersuchung, kein Rechner im Internet.
Dazu kommt ein Alltagsproblem, das mit dem Bedarf nichts zu tun hat, aber mit der Versorgung: Der Energiebedarf sinkt. Die DGE gibt für ältere Menschen bei einem PAL-Wert von 1,4, also überwiegend sitzender Lebensweise, rund 1.700 Kilokalorien am Tag für Frauen und 2.100 für Männer an (DGE, 2023). Weniger Energie heißt in der Praxis: kleinere Portionen. Der Eiweißbedarf sinkt dabei aber nicht mit, er steigt sogar.
Die Frage, mit der die meisten hier ankommen
Kaum jemand sucht nach dem Wort Proteinbedarf, weil ihn Nährstoffkunde interessiert. Dahinter steht meist eine konkretere Beobachtung: Der Einkauf fällt schwerer als vor fünf Jahren, die Treppe kostet mehr Kraft, das Essen schmeckt weniger. Und irgendwo wurde aufgeschnappt, dass ältere Menschen mehr Eiweiß brauchen.
Das stimmt, gemessen an den Referenzwerten. Entscheidend ist trotzdem etwas anderes: Ohne eine Zahl, die zu deinem Körper passt, bleibt der Satz eine Stimmung. Deshalb beginnt dieser Artikel bei den Werten der Fachgesellschaften und endet bei der Frage, woran du im Alltag siehst, ob du sie erreichst.
Wie viel Eiweiß ab 65 zählt: die Referenzwerte
Drei Zahlen bestimmen die gesamte Diskussion. Sie tragen dieselbe Einheit, Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht und Tag, und sie stammen von zwei Institutionen, die beide seriös arbeiten.
Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht und Tag
0,8 g
Schätzwert für Erwachsene von 19 bis unter 65 Jahren (DGE, 2017)
1,0 g
Schätzwert für Erwachsene ab 65 Jahren (DGE, 2017)
0,83 g
Referenzwert für alle Erwachsenen, ältere ausdrücklich eingeschlossen (EFSA, 2012)
Quellen: DGE, Referenzwerte Protein, 2017 · EFSA, Population Reference Intakes for Protein, 2012
Die ersten beiden Zahlen stammen aus derselben Tabelle und beschreiben denselben Nährstoff. Der Unterschied zwischen ihnen ist der Grund, warum dieser Artikel existiert: Ab 65 wird ein Viertel mehr angesetzt als davor.
Die dritte Zahl kommt aus Parma. Das zuständige EFSA-Gremium hat 2012 für Erwachsene einen Referenzwert von 0,83 Gramm je Kilogramm Körpergewicht und Tag abgeleitet und ältere Erwachsene dabei ausdrücklich in dieselbe Gruppe gestellt (EFSA, 2012). Wer beide Werte nebeneinanderlegt, hat für denselben Menschen zwei Antworten.
Neben den Werten je Kilogramm nennt die DGE-Übersicht zur Ernährung älterer Menschen auch fertige Tagesmengen: 57 Gramm Protein am Tag für Frauen und 67 Gramm für Männer (DGE, 2023). Diese Angaben beziehen sich auf ein Referenzgewicht, nicht auf dein Gewicht. Für eine Frau mit 75 Kilogramm ist die eigene Rechnung deshalb genauer als die pauschale Zahl.
Warum DGE und EFSA auseinandergehen
Zwei Fachgesellschaften, dieselbe Altersgruppe, verschiedene Zahlen. Das wirkt zunächst wie ein Widerspruch, den jemand auflösen müsste. Tatsächlich löst ihn die DGE selbst auf, und zwar in einem Satz, der auf ihrer eigenen Referenzwert-Seite steht.
Belegte Fundstelle
„Hierbei handelt es sich um Schätzwerte; der Proteinbedarf für ältere Erwachsene lässt sich nicht mit wünschenswerter Genauigkeit bestimmen, daher kann keine empfohlene Zufuhr abgeleitet werden.“
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Protein, Ableitung 2017
Das ist eine bemerkenswerte Offenheit. Die DGE sagt nicht: So viel Eiweiß brauchen ältere Menschen. Sie sagt: So viel schätzen wir, und für eine belastbare Empfehlung reicht die Datenlage nicht. Wer den Satz kennt, liest die 1,0 Gramm anders als jemand, der nur die Zahl gesehen hat.
Die EFSA kommt auf einem anderen Weg zu ihrer Zahl. Ihr Referenzwert von 0,83 Gramm je Kilogramm stammt aus Stickstoffbilanz-Studien an Erwachsenen, und das zuständige Gremium sah 2012 keinen ausreichenden Grund, für ältere Menschen einen eigenen, höheren Wert auszuweisen (EFSA, 2012). Beide Institutionen bewerten also nicht verschiedene Daten, sondern dieselbe unsichere Lage verschieden vorsichtig.
Kernaussage
Für dieselbe Altersgruppe stehen zwei Referenzwerte nebeneinander: 1,0 Gramm je Kilogramm Körpergewicht (DGE, 2017) und 0,83 Gramm (EFSA, 2012). Bei 70 Kilogramm sind das 70 gegen rund 58 Gramm am Tag. Die Lücke ist kein Rechenfehler, sondern eine unterschiedlich vorsichtige Bewertung derselben Studienlage.
Eine dritte Stimme macht das Bild vollständig. In derselben DGE-Übersicht zur Ernährung älterer Menschen wird eine Einschätzung wiedergegeben, die über beide Werte hinausgeht: Fachgruppen aus mehreren europäischen Gesellschaften sehen eine Proteinzufuhr von 1,0 bis 1,2 Gramm je Kilogramm Körpergewicht als optimal an (DGE, 2023). Das ist keine institutionelle DGE-Empfehlung, sondern eine dort wiedergegebene Fachmeinung. Genau so gehört sie gelesen.
Der Einwand liegt nahe: Wozu drei Zahlen, wenn man eine sucht? Weil die Spannweite selbst die Information ist. Sie sagt dir, dass 58 Gramm am Tag nicht falsch und 84 Gramm nicht übertrieben sind, wenn du 70 Kilogramm wiegst. Wer diese Spanne kennt, muss nicht auf die eine richtige Zahl warten, sondern kann sich innerhalb eines belegten Korridors bewegen.
So rechnest du deinen Proteinbedarf aus
Die Rechnung selbst braucht keinen Taschenrechner und keine App. Sie besteht aus einer Multiplikation und einer Division, und beide lassen sich im Kopf machen.
Der Rechenweg in drei Schritten
Schritt 1
Gewicht bestimmen
Morgens, nach dem Aufstehen, ohne Schuhe. Ein einzelner Wert reicht; Tagesschwankungen von einem Kilogramm ändern an der Rechnung nichts.
Schritt 2
Mit dem Referenzwert malnehmen
Kilogramm mal 1,0 ergibt den DGE-Schätzwert ab 65 Jahren in Gramm pro Tag (DGE, 2017). Bei 68 Kilogramm sind das 68 Gramm.
Schritt 3
Auf die Mahlzeiten verteilen
Die Tagesmenge durch die Zahl deiner Hauptmahlzeiten teilen. Aus 68 Gramm auf drei Mahlzeiten werden rund 23 Gramm je Mahlzeit.
Drei Beispiele machen die Größenordnung greifbar. Wer 60 Kilogramm wiegt, kommt mit dem DGE-Schätzwert auf 60 Gramm am Tag. Bei 70 Kilogramm sind es 70 Gramm, bei 80 Kilogramm 80 Gramm. Alle drei Werte beziehen sich auf den Schätzwert von 1,0 Gramm je Kilogramm ab 65 Jahren (DGE, 2017).
Rechnet man dieselben drei Menschen mit dem EFSA-Referenzwert, verschiebt sich das Ergebnis nach unten: rund 50, rund 58 und rund 66 Gramm (EFSA, 2012). Der Abstand beträgt bei 70 Kilogramm etwa zwölf Gramm am Tag. Das ist ungefähr die Menge, die in einem größeren Becher Naturjoghurt oder einer kleinen Portion Linsen steckt.
Welches Gewicht du einsetzt, wenn die Waage nicht passt
Die Referenzwerte beziehen sich auf das Körpergewicht. Bei starkem Übergewicht führt das zu einer Zahl, die vor allem das Fettgewebe mitrechnet, obwohl der Proteinbedarf an der fettfreien Masse hängt. Bei deutlichem Untergewicht ist es umgekehrt.
Genauer gesagt: Nicht die Rechnung ist in diesen Fällen falsch, sondern die Eingangsgröße ist unsicher. Wer weit vom Normalgewicht entfernt ist, bespricht die passende Bezugsgröße besser in der Hausarztpraxis oder mit einer Ernährungsfachkraft, statt sie zu schätzen. Das ist keine Ausrede, sondern die ehrlichere Antwort.
Wer die allgemeine Formel unabhängig vom Alter nachlesen will, findet sie im Beitrag Eiweißbedarf pro Tag. Dieser Artikel hier bleibt bei der Altersgruppe ab 65 und bei der Frage, welcher Bezugswert dafür gilt.
Welcher Bezugswert für dich zählt
Drei Bezugsgrößen, dieselben Kriterien, ein Rechenbeispiel mit 70 Kilogramm. Die Tabelle enthält auch die Zeile, die in Ratgebern meist fehlt: was der jeweilige Wert ausdrücklich nicht ist.
| Kriterium | DGE-Schätzwert ab 65 | EFSA-Referenzwert | Einschätzung europäischer Fachgruppen |
|---|---|---|---|
| Wert je Kilogramm | 1,0 g pro Tag | 0,83 g pro Tag | 1,0 bis 1,2 g pro Tag |
| Gilt für | Erwachsene ab 65 Jahren | alle Erwachsenen, ältere ausdrücklich eingeschlossen | ältere Menschen |
| Herkunft und Stand | Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Ableitung 2017 | Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, 2012 | in einer DGE-Übersicht wiedergegebene Fachmeinung, 2023 |
| Rechenbeispiel bei 70 kg | 70 g pro Tag | rund 58 g pro Tag | 70 bis 84 g pro Tag |
| Was der Wert nicht ist | keine empfohlene Zufuhr – die DGE weist ihn ausdrücklich als Schätzwert aus | keine altersspezifische Angabe, sondern ein Wert für alle Erwachsenen | keine institutionelle Position der DGE, sondern eine dort zitierte Einschätzung |
Gelesen wird die Tabelle am besten von rechts nach links. Die Fachgruppen-Einschätzung markiert das obere Ende des Korridors, der DGE-Schätzwert liegt an dessen unterer Kante, der EFSA-Wert darunter. Wer sich am DGE-Schätzwert orientiert, liegt damit weder am Rand noch im Extrem.
Für die Praxis heißt das: Der DGE-Schätzwert von 1,0 Gramm je Kilogramm ist die brauchbarste Orientierung für Deutschland, weil er hier gilt, die Altersgruppe ausdrücklich benennt und seine eigene Unschärfe mitliefert. Die anderen beiden Werte sind kein Gegenargument, sondern der Rahmen, in dem er steht.
Was dieser Artikel nicht behandelt
Der Eiweißbedarf taucht in mehreren Zusammenhängen auf, und jeder davon hat einen eigenen Beitrag. Hier geht es ausschließlich um die Altersgruppe ab 65 und um die Frage, welche Zahl dafür gilt.
Die allgemeine Berechnung ohne Altersbezug steht im Beitrag Eiweißbedarf pro Tag. Um den Unterschied zwischen den Geschlechtern geht es in Eiweißbedarf für Frauen. Wer ab 60 abnehmen und dabei das Gewicht im Blick hat, findet die Einordnung in Abnehmen ab 60 – dort geht es um das Gewicht, hier um die Versorgung. Die Menge für den gezielten Muskelaufbau behandelt Wie viel Protein für den Muskelaufbau, und die Ernährung im Alter insgesamt, weit über Protein hinaus, beschreibt Ernährung im Alter.
Woran du erkennst, ob du den Wert erreichst
Eine Zielzahl nützt wenig, solange niemand weiß, wo er steht. Der Bedarf entscheidet sich nicht am Rechner, sondern am Frühstückstisch. Deshalb steht am Anfang jeder Kontrolle nicht die Frage nach dem Ziel, sondern die nach dem Ist-Zustand.
Der Bedarf entscheidet sich nicht am Rechner, sondern am Frühstückstisch.
Das einfachste Werkzeug dafür ist ein Protokoll über drei Tage, davon einer am Wochenende. Aufgeschrieben wird nicht die Kalorienzahl, sondern nur, welche eiweißhaltige Komponente in jeder Mahlzeit vorkam: Quark, Joghurt oder Käse, Ei, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte, Nüsse. Wer nach drei Tagen zählt, wie viele Mahlzeiten ohne eine solche Komponente ausgekommen sind, hat seinen Befund.
Der zweite Blick geht auf die Verteilung. Bei vielen Menschen hängt der größte Teil des Eiweißes am Abendessen, während das Frühstück aus Marmeladenbrot und Kaffee besteht. Rechnerisch kann der Tag trotzdem aufgehen. Praktisch fällt es leichter, drei mittlere Portionen unterzubringen als eine große.
Für die Auswahl der Lebensmittel gibt die DGE einen Rahmen vor, der ohne Nährwerttabelle auskommt: mindestens einmal in der Woche Hülsenfrüchte und täglich eine kleine Handvoll Nüsse, ein- bis zweimal Fisch pro Woche, Milch und Milchprodukte jeden Tag und, wenn Fleisch und Wurst auf den Teller kommen, nicht mehr als 300 Gramm pro Woche (DGE, Stand 2024). Wer diesen Rahmen ausfüllt, deckt einen großen Teil der Eiweißversorgung ab, ohne etwas abzuwiegen.
Ein Punkt, der beim Thema Eiweiß regelmäßig untergeht: die Trinkmenge. Die DGE empfiehlt rund 1,5 Liter am Tag, am besten Wasser oder andere kalorienfreie Getränke (DGE, Stand 2024); für ältere Menschen nennt sie mindestens sechs Gläser zu je 200 Millilitern (DGE, 2023). Wer die Eiweißmenge erhöht, sollte das Trinken deshalb nicht aus dem Blick verlieren.
Kapitel auf einen Blick
Die Kontrolle des Proteinbedarfs beginnt mit einem Protokoll über drei Tage, in dem nur notiert wird, welche eiweißhaltige Komponente in jeder Mahlzeit vorkam. Der zweite Blick gilt der Verteilung über den Tag, weil sich drei mittlere Portionen leichter unterbringen lassen als eine große am Abend. Als Auswahlrahmen genügen die Lebensmittelempfehlungen der DGE (Stand 2024), eine Nährwerttabelle ist dafür nicht nötig.
Was ein Aminosäuren-Test zeigt und was nicht
An dieser Stelle kommt regelmäßig die Frage, ob sich die Eiweißversorgung messen lässt. Die ehrliche Antwort verlangt eine Unterscheidung: Messbar sind Aminosäuren im Blut, also die Bausteine, in die Protein zerlegt wird. Nicht messbar ist daraus, wie viel Eiweiß du gestern gegessen hast.
Bei mybody®x (MYBODY Lab GmbH) bildet der PerformanceCheck diesen Stoffwechsel ab. Er misst 22 Werte aus dem Aminosäurestoffwechsel, darunter alle neun essenziellen Aminosäuren, also jene, die der Körper nicht selbst herstellen kann, sowie Glutamin, Arginin, Taurin und die beiden Harnstoffzyklus-Werte Ornithin und Citrullin (Angaben der Produktseite, abgerufen am 27.08.2026).

Bluttest aus Kapillarblut
PerformanceCheck | Aminosäuren-Test
22 Werte aus dem Aminosäurestoffwechsel, darunter alle neun essenziellen Aminosäuren. Was der Test nicht leistet: Er sagt dir nicht, wie viel Eiweiß du essen sollst, und er ersetzt weder die Rechnung mit dem Referenzwert noch ein Essprotokoll. Die Werte schwanken zudem stark mit der letzten Mahlzeit – die Nüchternvorgabe der Anleitung gehört eingehalten.
Laborauswertung 3–5 Werktage nach Probeneingang
Angabe der Produktseite, abgerufen 27.08.2026
Die Grenze gehört an dieselbe Stelle wie das Angebot, nicht ans Ende. Ein Aminosäurenprofil ist eine Momentaufnahme des Stoffwechsels. Es beantwortet nicht die Frage dieses Artikels, wie viel Gramm Eiweiß auf deinen Teller gehören; diese Frage beantwortet die Rechnung aus Kapitel 4. Wer ein Maß für seine Zufuhr sucht, braucht ein Protokoll, keine Blutabnahme.
Wofür die Messung trotzdem taugt: Sie liefert 22 Zahlen und deren Einordnung als Ausgangspunkt für ein Gespräch – in der Hausarztpraxis oder mit einer Ernährungsfachkraft. Wer seit Monaten wenig Appetit hat oder sich rein pflanzlich ernährt, geht mit Zahlen in dieses Gespräch statt mit einem Eindruck. Weitere Kapillarblut-Analysen stehen in der Kollektion Bluttests.
Sinnvoll für dich, wenn …
du dich überwiegend oder ausschließlich pflanzlich ernährst und wissen willst, wo dein Aminosäurestoffwechsel gerade steht.
dein Essprotokoll zeigt, dass mehrere Mahlzeiten am Tag ohne eiweißhaltige Komponente auskommen, und du das mit Zahlen unterlegen willst.
du einen Ausgangspunkt für ein Gespräch in der Praxis oder mit einer Ernährungsfachkraft suchst.
Eher nicht, wenn …
du herausfinden willst, ob du genug Eiweiß isst. Dafür ist das Protokoll das Mittel, nicht die Blutmessung.
du gerade ungewollt Gewicht verlierst, Schluckbeschwerden hast oder seit Wochen deutlich schwächer bist. Das gehört zuerst in die ärztliche Praxis.
du eine Nierenerkrankung hast. Dann wird die Eiweißmenge ohnehin mit der behandelnden Praxis abgestimmt, und eine Selbstmessung ändert daran nichts.
Wo diese Zahlen aufhören
Der wichtigste Vorbehalt steht schon im Zitat der DGE: Es handelt sich um Schätzwerte, und für ältere Erwachsene lässt sich der Proteinbedarf nicht mit wünschenswerter Genauigkeit bestimmen (DGE, 2017). Eine Zahl, die aus einer solchen Ableitung stammt, ist eine Orientierung für Gruppen, keine Verordnung für eine einzelne Person.
Zweiter Vorbehalt: Protein ist nicht der einzige kritische Nährstoff in dieser Lebensphase. Die DGE nennt für ältere Menschen unter anderem 20 Mikrogramm Vitamin D und 1.000 Milligramm Calcium am Tag (DGE, 2023). Wer nur auf Eiweiß schaut, löst einen Ausschnitt und übersieht den Rest.
Dritter Vorbehalt, und der praktisch wichtigste: Wer eine Nierenerkrankung hat, bespricht jede Erhöhung der Eiweißmenge mit der behandelnden Praxis, bevor er sie umsetzt. Dasselbe gilt bei ungewolltem Gewichtsverlust, anhaltender Schwäche oder Schluckbeschwerden. Diese Anzeichen brauchen eine Untersuchung, keinen Ernährungstipp.
Und ein Vorbehalt gegenüber dem eigenen Angebot: Kein Test dieser Art misst die Eiweißmenge auf deinem Teller. Ein Aminosäurenprofil zeigt den Stoffwechsel zum Zeitpunkt der Probenahme, mehr nicht. Wer das Gegenteil verspricht, verkauft ein Ergebnis, das die Methode nicht hergibt.
Was du ab morgen ändern kannst
Am Anfang stand ein Geburtstag, an dem sich eine Empfehlung ändert, ohne dass sich am Menschen etwas ändert. Genau deshalb ist der 65. Geburtstag ein brauchbarer Anlass: Er zwingt zu einer Rechnung, die vorher niemand angestellt hat.
Diese Rechnung dauert eine Minute. Gewicht in Kilogramm mal 1,0 ergibt die Tagesmenge in Gramm nach dem DGE-Schätzwert ab 65 Jahren (DGE, 2017), geteilt durch die Zahl deiner Hauptmahlzeiten ergibt die Portionsgröße. Was danach kommt, ist keine Umstellung, sondern eine Sortierung: Welche Mahlzeit deines Tages hat bisher keine eiweißhaltige Komponente?
Ein Gedanke, der in keinem der Kapitel oben Platz hatte, gehört hierher. Die drei Referenzwerte unterscheiden sich bei 70 Kilogramm um rund 26 Gramm am Tag. Diese Spanne ist größer als der Unterschied, den die meisten Menschen zwischen einem guten und einem schlechten Essenstag machen. Wer also von 0,83 auf 1,0 Gramm wechselt, verändert seinen Alltag weniger, als die Diskussion um die richtige Zahl vermuten lässt.
Wenn du unsicher bist, ob eine Messung für deine Frage überhaupt das Richtige ist: Die Beratung kostet nichts, und sie verkauft dir nichts.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Proteinbedarf im Alter?
Körpergewicht in Kilogramm mal 1,0 ergibt die Tagesmenge in Gramm. Das entspricht dem Schätzwert der DGE für Erwachsene ab 65 Jahren (DGE, 2017). Bei 70 Kilogramm sind das 70 Gramm Protein am Tag, verteilt auf die Hauptmahlzeiten also rund 23 Gramm je Mahlzeit.
Warum steigt der Eiweißbedarf ab 65?
In den deutschen Referenzwerten steigt der Schätzwert von 0,8 auf 1,0 Gramm je Kilogramm Körpergewicht (DGE, 2017). Hintergrund ist die veränderte Körperzusammensetzung im Alter: Der Anteil fettfreier Masse nimmt ab, der Fettanteil zu (DGE, 2023). Der Sprung bei 65 ist dabei eine Vereinfachung der Referenzwerte, kein biologisches Ereignis an diesem Geburtstag.
Warum nennen DGE und EFSA verschiedene Werte?
Die DGE setzt für Menschen ab 65 Jahren 1,0 Gramm je Kilogramm an (DGE, 2017), die EFSA 0,83 Gramm für alle Erwachsenen einschließlich der älteren (EFSA, 2012). Beide bewerten dieselbe unsichere Datenlage, die DGE vorsichtiger nach oben. Sie weist ihre Zahl ausdrücklich als Schätzwert aus und nicht als empfohlene Zufuhr.
Wie viel Gramm Eiweiß am Tag brauchen Frauen und Männer ab 65?
Als fertige Tagesmengen nennt die DGE für ältere Menschen 57 Gramm für Frauen und 67 Gramm für Männer (DGE, 2023). Diese Werte beziehen sich auf ein Referenzgewicht. Wer deutlich mehr oder weniger wiegt, rechnet besser selbst mit dem eigenen Gewicht.
Kann ein Bluttest zeigen, ob ich genug Eiweiß esse?
Nein. Ein Aminosäuren-Test bildet den Aminosäurestoffwechsel zum Zeitpunkt der Probenahme ab, nicht deine Zufuhr über die Woche. Ob du deine Menge erreichst, zeigt ein Essprotokoll über drei Tage. Der Test liefert Zahlen für ein Gespräch in der Praxis, keine Antwort auf die Mengenfrage.
Nächster Schritt
Wenn du deinem Stoffwechsel Zahlen geben willst
Der PerformanceCheck misst 22 Werte aus dem Aminosäurestoffwechsel aus Kapillarblut. Er beantwortet nicht die Mengenfrage, dafür bleibt die Rechnung aus Kapitel 4 zuständig. Er liefert aber einen Ausgangspunkt für das nächste Gespräch.
Zum PerformanceCheck Alle Bluttests ansehenWeiterlesen
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Die allgemeine Formel ohne Altersbezug, Schritt für Schritt erklärt.
Dort geht es um das Gewicht in dieser Lebensphase, hier um die Versorgung.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Protein (Ableitung 2017) – dge.de
- European Food Safety Authority (EFSA): EFSA sets population reference intakes for protein (09.02.2012) – efsa.europa.eu
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Körperzusammensetzung und kritische Nährstoffe im Alter (DGEwissen 9.2023) – dge.de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): DGE-Empfehlungen – gut essen und trinken (Stand 30.04.2024) – dge.de
Das wörtliche Zitat zu den Schätzwerten sowie die Werte 0,8 und 1,0 Gramm je Kilogramm Körpergewicht stammen aus [1]. Der Referenzwert von 0,83 Gramm je Kilogramm und die Einordnung älterer Erwachsener in dieselbe Gruppe stammen aus [2]. Die Angaben zur veränderten Körperzusammensetzung, die Tagesmengen von 57 und 67 Gramm, die wiedergegebene Fachmeinung von 1,0 bis 1,2 Gramm, der Wert von 1,2 bis 1,5 Gramm bei Sarkopenie sowie die Angaben zu Vitamin D, Calcium, Energiebedarf und Trinkmenge stammen aus [3]; die dort wiedergegebene Einschätzung europäischer Fachgruppen ist im Text als solche gekennzeichnet und nicht als institutionelle Position der DGE. Die lebensmittelbezogenen Empfehlungen zu Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch, Fleisch und Trinkmenge stammen aus [4]. Alle vier Quellen wurden am 27.08.2026 live aufgerufen und geprüft. Angaben zu Preis, Probenart, Messumfang und Labor stammen von der Produktseite von mybody®x, abgerufen am 27.08.2026; die Bearbeitungszeiten folgen der zentralen Vorgabe je Testart.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Ernährungswissenschaft Blutanalyse-Interpretation Labordiagnostik
Dieser Artikel entstand im Redaktions- und Fachteam von mybody®x. Das Team verbindet Ernährungswissenschaft, Blutanalyse-Interpretation und Labordiagnostik. Wer daran mitarbeitet, steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 27.08.2026 · Zuletzt aktualisiert am 27.08.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.


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