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Alkohol und Histamin: welche Getränke bei Histaminintoleranz

21. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam

Das Wichtigste in Kürze

Alkohol kann den Abbau von Histamin möglicherweise bremsen, weil dieselben abbauenden Enzyme beteiligt sind (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß). Wie viel Histamin im Glas steckt, unterscheidet sich zwischen den Getränken und schwankt auch innerhalb einer Sorte stark. Ein roter Kopf nach dem Trinken muss dabei nicht vom Histamin kommen.

Alkohol kann den Histaminabbau möglicherweise bremsen, eine direkte Hemmung der DAO, des Hauptenzyms für den Abbau von Histamin aus der Nahrung, ist aber nicht belegt (Bartko u. a., 2016).

Rotwein enthält im Median, also beim mittleren Wert der Messungen, mehr Histamin als Weißwein oder Bier, und die Spannweite ist groß (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020).

Ein roter Kopf kann auch vom Abbau des Alkohols selbst kommen, über einen anderen Weg als Histamin (Brooks u. a., 2009, sinngemäß).

In diesem Artikel

Alkohol und Histaminintoleranz: Wie hängt das zusammen?

Laut Leitlinie kann gleichzeitig getrunkener Alkohol den Abbau von Histamin möglicherweise behindern, weil dieselben abbauenden Enzyme beteiligt sind (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß). Ob Alkohol die DAO direkt hemmt, ist dagegen nicht geklärt.

Ein Glas Rotwein zum Abendessen, und später ist das Gesicht rot und die Nase läuft. Wer das kennt, fragt sich beim nächsten Glas, ob es am Wein liegt oder am Alkohol darin. Die Antwort hat zwei Teile. Getränke bringen unterschiedlich viel Histamin mit, und der Alkohol selbst greift möglicherweise in dessen Abbau ein (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß).

Was Histamin ist und welche Aufgaben es im Körper übernimmt, steht im Beitrag zu den Grundlagen zu Histamin. Dieser Artikel setzt dort an, wo Alkohol ins Spiel kommt: beim Abbau im Körper und beim Gehalt im Glas.

Welche Enzyme bauen Histamin aus Essen und Getränken ab?

Im menschlichen Körper sind zwei Hauptwege für den Abbau von Histamin bekannt, getragen von den Enzymen DAO und HNMT (Comas-Basté u. a., 2020). Die DAO, ausgeschrieben Diaminoxidase, gilt als Hauptenzym für den Abbau von Histamin, das mit der Nahrung aufgenommen wird (Maintz & Novak, 2007). Die HNMT, kurz für Histamin-N-Methyltransferase, baut Histamin innerhalb der Zellen ab, die DAO wirkt außerhalb der Zellen (DGAKI u. a., 2021).

Man kann sich die beiden Enzyme wie zwei Abteilungen eines Entsorgungsbetriebs vorstellen: Die eine räumt im Inneren der Zellen auf, die andere davor. Im Darm ist laut Leitlinie neben der DAO möglicherweise auch die HNMT am Abbau von Histamin beteiligt (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß).

Worum konkurrieren Alkohol und Histamin?

Eine Übersichtsarbeit nennt Alkohol und sein Abbauprodukt Acetaldehyd als mögliche Verstärker, weil beide mit Histamin um das Enzym ALDH konkurrieren (Comas-Basté u. a., 2020, sinngemäß). ALDH steht für Aldehyddehydrogenase, ein Enzym, das laut dieser Übersicht gleichzeitig am Abbau von Histamin und von Alkohol beteiligt ist (Comas-Basté u. a., 2020). Acetaldehyd entsteht im Körper, wenn Alkohol abgebaut wird (Brooks u. a., 2009, sinngemäß).

Eine ältere Übersicht nennt Alkohol als möglichen Auslöser von Beschwerden bei Histaminunverträglichkeit (Maintz & Novak, 2007). Auffällig ist, wie vorsichtig die Quellen formulieren. Die Leitlinie (DGAKI u. a., 2021) spricht von einer möglichen Behinderung des Abbaus, die beiden Übersichten (Comas-Basté u. a., 2020; Maintz & Novak, 2007) von möglichen Verstärkern und Auslösern.

Was zeigt die Laborstudie zu Alkohol und DAO?

Im Netz liest man, Alkohol schalte die DAO aus. Eine Laborstudie hat genau diese Frage geprüft: Alkohol und seine Abbauprodukte hemmten dort in relevanten Konzentrationen die Aktivität einer gentechnisch hergestellten menschlichen DAO nicht (Bartko u. a., 2016, sinngemäß). Die Autoren schließen, dass ihre Labordaten nicht für eine direkte Hemmung der DAO im Körper sprechen (Bartko u. a., 2016, sinngemäß).

Ein Freibrief ist das Ergebnis nicht. Es stammt aus dem Labor, nicht aus Versuchen mit Menschen. Die Leitlinie hält eine Bremse beim Histaminabbau durch Alkohol für möglich (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß).

Kernaussage

Alkohol kann den Histaminabbau möglicherweise bremsen, eine direkte Hemmung der DAO ist aber nicht belegt.

Welche Maßnahmen rund um Histamin durch Studien gestützt sind und welche eher Geheimtipps bleiben, ordnet der Beitrag was bei Histamin belegt ist ein.

Wie viel Histamin steckt in Wein und Bier?

Rotwein enthält im Median 1,90 mg/kg Histamin und damit mehr als Weißwein oder Bier (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Hinter diesem mittleren Wert steht eine große Spannweite.

Die Zahlen stammen aus einer Tabelle, die eine Übersichtsarbeit aus einem Nachschlagewerk zur Lebensmittelsicherheit übernommen hat (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Angegeben ist der Gehalt in Milligramm je Kilogramm, kurz mg/kg. Der Median ist der mittlere Wert der Messungen. Er beschreibt die Mitte der Proben, nicht die einzelne Flasche.

Histamin im Median, je Kilogramm

1,90 mg/kg

Rotwein, Median aus 260 Proben (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020)

0,45 mg/kg

Weißwein, Median aus 83 Proben (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020)

0,70 mg/kg

Bier, Median aus 176 Proben (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020)

Quelle: Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020

Wie weit die Werte auseinanderliegen, zeigen die Höchstwerte. Die histaminreichste Rotweinprobe enthielt 55,00 mg/kg (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Das ist ein Einzelwert am oberen Rand und kein typisches Glas, aber er zeigt, wie groß der Abstand zum Median sein kann.

Eine Messstudie an 100 hochwertigen Rotweinen zeigt ebenfalls eine große Spannweite: Der Median lag dort bei 7,2 mg/l, die Spanne reichte von 0,5 bis 26,9 mg/l (Konakovsky u. a., 2011). Gemessen wurde hier in Milligramm je Liter, kurz mg/l, und an anderen Proben.

Die Gehalte schwankten zwischen den Weinen stark, und zwar unabhängig von der Rebsorte (Konakovsky u. a., 2011, sinngemäß). Hohe Mengen fanden sich auch in hoch bewerteten Weinen (Konakovsky u. a., 2011, sinngemäß). Von den untersuchten Weinen lagen 34 Prozent über einer gedachten Grenze von 10 mg/l, die die Autoren zum Vergleich angesetzt haben (Konakovsky u. a., 2011). Ein guter Ruf schützt also nicht vor Histamin im Glas.

Wein und Bier sind nicht die einzigen Quellen. Welche Lebensmittel außerdem Histamin enthalten, zeigt der Beitrag Lebensmittel mit Histamin. Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) führt Rotwein in seinem Glossar als Beispiel an (gesundheitsinformation.de, abgerufen am 21.10.2026).

Belegte Fundstelle

„Auch bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Schokolade oder reifer Käse enthalten größere Mengen an Histamin und können bei empfindlichen Menschen Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.“

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, Glossar „Histamin“, abgerufen am 21.10.2026

Welcher Alkohol hat wenig Histamin?

Im Median enthalten Weißwein und Bier weniger Histamin als Rotwein (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Der Alkohol in jedem dieser Getränke kann den Histaminabbau zudem möglicherweise bremsen (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß).

Gegrillte Hähnchenbrust mit grünem Spargel und Kirschtomaten, dahinter eine Glaskaraffe mit Wasser

Weißwein lag in der Zusammenstellung mit einem Median von 0,45 mg/kg am niedrigsten (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Frei von Histamin ist er damit nicht. Die histaminreichste Weißweinprobe erreichte 13,00 mg/kg (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020).

Bei Bier lag der Median bei 0,70 mg/kg, und in manchen Bierproben war gar kein Histamin nachweisbar (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Am anderen Ende stand eine Probe mit 21,60 mg/kg (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Dieser Höchstwert liegt über dem höchsten Weißweinwert aus derselben Zusammenstellung.

Wer nach Alkohol ohne Histamin sucht, findet in diesen Daten keine sichere Antwort. Im Glas schwankt der Histamingehalt stark, ein sicher histaminfreies Getränk lässt sich daraus nicht ablesen. Ob ein bestimmter Wein oder ein bestimmtes Bier viel oder wenig enthält, zeigen die Sammelwerte nicht.

Dazu kommt der zweite Teil der Antwort. Auch ein Getränk mit wenig Histamin enthält Alkohol, und der kann den Histaminabbau laut Leitlinie möglicherweise behindern (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß). Ein niedriger Median ist deshalb eine Orientierung, keine Entwarnung.

Um Getränke ohne Alkohol geht es im Beitrag Tee bei Histaminintoleranz. Dieser Artikel bleibt bei Wein und Bier.

Welche Symptome zeigt eine Histaminreaktion auf Alkohol?

Nach histaminreichem Essen oder Alkohol können bei einer Histaminunverträglichkeit unter anderem Kopfschmerzen und ein Flush auftreten, also eine Rötung der Haut (Maintz & Novak, 2007, sinngemäß). Die Beschwerden sind vielgestaltig (Maintz & Novak, 2007, sinngemäß).

Die Übersichtsarbeit zählt unter anderem diese möglichen Beschwerden auf, die nach histaminreichem Essen oder Alkohol bei Histaminunverträglichkeit auftreten können (Maintz & Novak, 2007, sinngemäß):

  • Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Beschwerden an Nase und Augen
  • Nesselsucht
  • Juckreiz
  • Flush, eine Rötung der Haut

Für die Frage aus dem Alltag, das rote Gesicht nach Rotwein, sind zwei Punkte der Liste besonders interessant: der Flush und die Beschwerden an der Nase. Beide passen zu einer Histaminreaktion, beweisen sie aber nicht. Eine Gesichtsrötung nach Alkohol kann auch einen anderen Grund haben, der mit dem Abbau des Alkohols zu tun hat (Brooks u. a., 2009, sinngemäß).

Weil die Zeichen so vielgestaltig sind, ist die Histaminintoleranz nach Einschätzung der Autoren unterschätzt worden (Maintz & Novak, 2007, sinngemäß). Für dich heißt das: Beobachten bringt mehr als Raten.

Halte fest, nach welchem Getränk welche Beschwerden auftreten. Solche Notizen sind eine gute Grundlage für das Gespräch in der Arztpraxis. Bleiben Beschwerden nach Alkohol bestehen oder kehren sie wieder, gehört die Frage dorthin und nicht in die Selbstdiagnose.

Kapitel auf einen Blick

Nach histaminreichem Essen oder Alkohol können bei Histaminunverträglichkeit unter anderem Beschwerden an Haut und Darm auftreten (Maintz & Novak, 2007, sinngemäß). Ein Flush gehört dazu, ist allein aber kein Beweis für Histamin. Notizen zu Getränk und Beschwerden bereiten das Arztgespräch vor. Anhaltende Beschwerden gehören in ärztliche Hände.

Alkohol und Histamin: Was stimmt, was nicht?

Weißwein ist nicht histaminfrei (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Ein roter Kopf nach Alkohol kann auch ohne Histamin entstehen (Brooks u. a., 2009, sinngemäß), und ob Alkohol die DAO direkt hemmt, ist nicht geklärt (Bartko u. a., 2016).

Rund um Alkohol und Histamin kursieren Sätze, die eingängig klingen und sich gut weitererzählen lassen. Drei davon stehen hier neben dem, was die Quellen tatsächlich zeigen.

Behauptung und Beleg

Verbreitet

„Alkohol blockiert die DAO.“

Belegt

Nicht geklärt: Im Labor hemmten Alkohol und seine Abbauprodukte die menschliche DAO nicht, es war eine Laborstudie ohne Menschen (Bartko u. a., 2016).

Verbreitet

„Weißwein ist histaminfrei.“

Belegt

Auch Weißwein enthält Histamin: Median 0,45 mg/kg, Höchstwert 13,00 mg/kg (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020).

Verbreitet

„Ein roter Kopf kommt immer vom Histamin.“

Belegt

Ein Alkohol-Flush entsteht auch bei einem erblichen Mangel am Enzym ALDH2, das Acetaldehyd abbaut. Dann staut sich Acetaldehyd im Körper (Brooks u. a., 2009, sinngemäß).

Der dritte Punkt führt zur wichtigsten Unterscheidung dieses Artikels. Wer nach einem Glas rot wird, denkt schnell an Histamin. Ein zweiter, ganz anderer Weg liegt im Abbau des Alkohols selbst.

Histaminintoleranz oder Alkoholunverträglichkeit: Wie unterscheidet man das?

Bei einer Histaminunverträglichkeit wird Histamin aus Essen oder Getränken nicht ausreichend abgebaut, das Hauptenzym dafür ist die DAO (Maintz & Novak, 2007, sinngemäß). Beim Alkohol-Flush staut sich dagegen Acetaldehyd, weil das Enzym ALDH2 fehlt (Brooks u. a., 2009, sinngemäß).

Etwa 36 Prozent der Menschen aus Ostasien reagieren auf Alkohol mit einer Gesichtsrötung (Brooks u. a., 2009). Dazu kommen Übelkeit und Herzrasen (Brooks u. a., 2009). Fachleute sprechen vom Alkohol-Flush. Ursache ist überwiegend ein erblicher Mangel am Enzym ALDH2 (Brooks u. a., 2009, sinngemäß).

Der Weg dahin unterscheidet sich vom Histamin. Bei einem ALDH2-Mangel wird Alkohol zu Acetaldehyd abgebaut, das sich im Körper anstaut, weil die Aktivität von ALDH2 fehlt (Brooks u. a., 2009, sinngemäß). Es geht also um den Abbau des Alkohols selbst, nicht um Histamin aus dem Glas.

Beide Wege können zum selben Bild führen, einem roten Gesicht nach dem Trinken. Bei der Histaminunverträglichkeit nennt die Übersicht weitere mögliche Beschwerden wie Juckreiz (Maintz & Novak, 2007, sinngemäß). Beim Alkohol-Flush gehört die Übelkeit dazu (Brooks u. a., 2009).

Für die Histaminunverträglichkeit ist die Datenlage dünn, was die Angabe einer Häufigkeit erschwert (Comas-Basté u. a., 2020, sinngemäß). Einzelne Autoren schätzen den Anteil auf 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung (Comas-Basté u. a., 2020). Wer beide Zahlen liest, sollte wissen, dass sie verschiedene Gruppen beschreiben.

Wie sich eine Alkoholunverträglichkeit zeigt und wie man ihr nachgehen kann, beschreibt der Beitrag Alkoholunverträglichkeit und ihr Test. Die Tabelle stellt beide Wege nebeneinander.

Histamin oder Alkohol-Flush im Vergleich

Merkmal Histaminunverträglichkeit Alkohol-Flush bei ALDH2-Mangel
Was im Körper passiert Histamin aus Essen oder Getränk wird nicht ausreichend abgebaut, Hauptenzym ist die DAO (Maintz & Novak, 2007) Acetaldehyd staut sich, weil ALDH2 fehlt (Brooks u. a., 2009)
Typische Zeichen Flush und Juckreiz, dazu weitere Beschwerden (Maintz & Novak, 2007) Gesichtsrötung mit Übelkeit (Brooks u. a., 2009)
Wie verbreitet Schätzung einzelner Autoren: 1 bis 3 Prozent (Comas-Basté u. a., 2020) etwa 36 Prozent in Ostasien (Brooks u. a., 2009)

Wer wissen möchte, wie die eigenen Gene für den Alkoholabbau angelegt sind: Der NutriCare | INFINITY DNA-Test von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) wertet im Bericht „Der Alkoholstoffwechsel“ das Gen ALDH2 und zwei weitere Gene des Alkoholabbaus aus, aus einer Speichelprobe, für 269,00 € (Stand 21.10.2026, Änderungen möglich). Der Bericht beschreibt eine Veranlagung, keinen Messwert im Körper; Histamin oder DAO misst kein Test von mybody®x. Er kann ein Gespräch in der Arztpraxis vorbereiten, ersetzt aber keine ärztliche Abklärung.

Alkohol und Histamin: Wo liegen die Grenzen des Wissens?

Die Gehalte in Wein und Bier sind Sammelwerte aus der Literatur. Woher die einzelnen Messungen stammen und aus welchem Jahr, ist offen (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Der Befund zur DAO stammt aus einer Laborstudie ohne Menschen (Bartko u. a., 2016).

Die Rotweinstudie einer österreichischen Arbeitsgruppe hat ausgewählte hochwertige Rotweine gemessen (Konakovsky u. a., 2011). Sie liefert Gehalte, keine Gesundheitsdaten. Ihre Werte stammen aus anderen Proben und stehen in einer anderen Einheit als die Sammelwerte, jede Messreihe gilt für sich.

Die Laborstudie arbeitete mit gentechnisch hergestellter menschlicher DAO (Bartko u. a., 2016). Dass sie keine Hemmung fand, heißt nicht, dass Alkohol bei Histaminunverträglichkeit unbedenklich ist.

Im Glas schwankt der Histamingehalt stark, ein sicher histaminfreies Getränk lässt sich daraus nicht ablesen.

Der Satz der Leitlinie, Alkohol könne den Histaminabbau möglicherweise behindern, stützt sich auf eine einzelne Quelle (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß). Die Übersicht von Maintz und Novak (2007) ist älter als die Leitlinie (DGAKI u. a., 2021) und bewertet die Histaminintoleranz in der Tendenz zustimmender. Wo beide sich widersprechen, gilt die Leitlinie (DGAKI u. a., 2021), und die Autoren der Übersicht forderten selbst weitere sorgfältig kontrollierte Studien (Maintz & Novak, 2007, sinngemäß).

Die Zahl zum Alkohol-Flush beschreibt Menschen aus Ostasien (Brooks u. a., 2009). Die Häufigkeit der Histaminunverträglichkeit beruht auf Schätzungen einzelner Autoren, nicht auf einer Erhebung (Comas-Basté u. a., 2020).

Alkohol und Histamin: Was du jetzt tun kannst

Ein rotes Gesicht nach Rotwein kann zwei Spuren haben: das Histamin im Glas und den Abbau des Alkohols selbst. Die Messwerte zu Wein und Bier sind eine Orientierung, keine Freigabe für ein bestimmtes Getränk. Deine Notizen zu Getränk und Beschwerden sind der beste Ausgangspunkt für das Gespräch in der Arztpraxis. Ein einzelnes Glas sagt wenig, ein Muster sagt mehr.

Häufige Fragen

Was ist Acetaldehyd?

Acetaldehyd ist das Abbauprodukt, das im Körper entsteht, wenn Alkohol verarbeitet wird (Brooks u. a., 2009, sinngemäß). Im Zusammenhang mit Histamin taucht es auf, weil eine Übersicht Alkohol und Acetaldehyd als mögliche Verstärker nennt: Beide konkurrieren mit Histamin um das Enzym ALDH (Comas-Basté u. a., 2020, sinngemäß). Bei einem erblichen ALDH2-Mangel staut sich Acetaldehyd im Körper und führt zu einer Gesichtsrötung (Brooks u. a., 2009, sinngemäß). In einer Laborstudie hemmte Acetaldehyd die Aktivität der menschlichen DAO nicht (Bartko u. a., 2016).

Was ist ALDH2?

ALDH2 ist ein Enzym, das Acetaldehyd abbaut, also das Abbauprodukt von Alkohol (Brooks u. a., 2009, sinngemäß). Fehlt seine Aktivität wegen eines erblichen Mangels, staut sich Acetaldehyd im Körper, und es kommt zum Alkohol-Flush mit geröteter Haut im Gesicht (Brooks u. a., 2009, sinngemäß). Weltweit haben laut dieser Übersicht etwa 540 Millionen Menschen einen ALDH2-Mangel (Brooks u. a., 2009). Das ist ein anderer Weg als bei einer Histaminunverträglichkeit, bei der es um den Abbau von Histamin geht.

Hemmt Alkohol die DAO?

Das ist nicht geklärt. In einer Laborstudie hemmten Alkohol und seine Abbauprodukte die Aktivität der menschlichen DAO nicht, die Forschenden hatten das Enzym gentechnisch hergestellt (Bartko u. a., 2016, sinngemäß). Frühere Berichte zu dieser Frage nennen die Autoren widersprüchlich (Bartko u. a., 2016, sinngemäß). Unabhängig davon hält die Leitlinie für möglich, dass gleichzeitig getrunkener Alkohol den Histaminabbau behindert, weil dieselben abbauenden Enzyme beteiligt sind (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß).

Wie viel Histamin war in den untersuchten Rotweinen?

In einer Messstudie an 100 hochwertigen Rotweinen lag der Median bei 7,2 mg/l, die Spanne reichte von 0,5 bis 26,9 mg/l (Konakovsky u. a., 2011). Über einer gedachten Grenze von 10 mg/l, die die Autoren zum Vergleich angesetzt haben, lagen 34 Prozent der Weine (Konakovsky u. a., 2011). Die Unterschiede zeigten sich unabhängig von der Rebsorte (Konakovsky u. a., 2011, sinngemäß). Auch hoch bewertete Weine enthielten in dieser Studie hohe Mengen (Konakovsky u. a., 2011, sinngemäß).

Enthält Bier Histamin?

Ja. In einer Zusammenstellung aus der Literatur lag Histamin in 176 Bierproben im Median bei 0,70 mg/kg (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Die histaminreichste Probe erreichte 21,60 mg/kg, in manchen Proben war dagegen kein Histamin nachweisbar (Bover-Cid u. a., 2014, nach Comas-Basté u. a., 2020). Dazu kommt der Alkohol im Bier, der den Histaminabbau laut Leitlinie möglicherweise behindert (DGAKI u. a., 2021, sinngemäß).

Nächster Schritt

Histamin im Alltag einordnen

Welche Maßnahmen bei Histamin durch Studien gestützt sind und welche nicht, ordnet der nächste Beitrag ein.

Was bei Histamin belegt ist Lebensmittel mit Histamin Welche Lebensmittel Histamin enthalten

Weiterlesen

Quellen

  1. Reese I. u. a. (DGAKI u. a.): Guideline on management of suspected adverse reactions to ingested histamine, Allergologie select (2021) – europepmc.org
  2. Comas-Basté O. u. a.: Histamine Intolerance: The Current State of the Art, Biomolecules (2020), Tabelle nach Bover-Cid u. a. (2014) – europepmc.org
  3. Konakovsky V. u. a.: Levels of histamine and other biogenic amines in high-quality red wines, Food Additives & Contaminants (2011) – europepmc.org
  4. Bartko J. u. a.: Recombinant human diamine oxidase activity is not inhibited by ethanol, acetaldehyde, disulfiram, diethyldithiocarbamate or cyanamide, Alcohol (2016) – europepmc.org

Die Aussage zum gebremsten Histaminabbau stützt sich auf die Leitlinie [1]. Die Gehalte in Wein und Bier sowie die Schätzung zur Verbreitung stammen aus der Übersicht [2], die Schwankungen zwischen einzelnen Rotweinen aus der Messstudie [3]. Der Laborbefund zur DAO stammt aus [4]. Produktangaben von mybody®x: Stand 21.10.2026, Änderungen möglich.

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Histaminunverträglichkeit Alkoholstoffwechsel

Das Redaktions- & Fachteam von mybody®x ordnet Studien und Leitlinien zu Ernährung und Verträglichkeit für den Alltag ein. Wer hinter den Texten steht, zeigt die Autorenseite.

Veröffentlicht am 21.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 21.10.2026

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