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Durchfall durch Stress: wie Psyche und Darm zusammenhängen

7. Oktober 2026ca. 14 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam

Das Wichtigste in Kürze

Durchfall durch Stress ist keine Einbildung. Darm und Gehirn tauschen sich über Nerven in beide Richtungen aus, und Stress hemmt den Vagusnerv, eine Nervenverbindung zwischen beiden (Bonaz u. a., 2018). Von einem Reizdarm sprechen Fachleute unter anderem erst, wenn Beschwerden länger als drei Monate anhalten (IQWiG, 2023). Warnzeichen wie Blut im Stuhl gehören in die Praxis.

Im Experiment regt das Stresshormon-System um CRF, den Corticotropin-Releasing-Faktor, die Dickdarmbewegung an; beim Menschen ist das nicht nachgewiesen (Taché & Million, 2015).

Nach Schätzungen haben etwa 10 bis 20 von 100 Menschen einen Reizdarm, und Stress gilt dabei als möglicher Auslöser (IQWiG, 2023).

Für psychologische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie zeigten Studien, dass sie beim Reizdarm zumindest einigen Menschen oder wenigstens kurzfristig helfen (IQWiG, 2023).

In diesem Artikel

Durchfall durch Stress: bildest du dir das nur ein?

Nein. Darm und Gehirn tauschen sich in beide Richtungen aus, und die Darmbakterien sind an diesem Austausch beteiligt (Bonaz u. a., 2018).

Der Ablauf ist schnell erzählt. Ein wichtiger Termin rückt näher, und kurz vor dem Losgehen muss es plötzlich sehr schnell gehen. Danach ist der Bauch wieder ruhig, und zurück bleibt die Frage, ob das alles nur im Kopf stattfindet. Die Antwort ist ein Ja mit Einschränkung: Der Kopf ist beteiligt, aber über einen körperlichen Weg.

Fachleute nennen diesen Weg die Darm-Hirn-Achse. Gemeint ist der Austausch zwischen Darm und Gehirn, an dem auch die Darmbakterien teilhaben; er läuft unter anderem über Nerven und in beide Richtungen (Bonaz u. a., 2018). Der Darm meldet also nach oben, und das Gehirn wirkt nach unten zurück.

Wie diese Achse insgesamt aufgebaut ist, beschreibt der Beitrag über die Verbindung von Darm und Gehirn. Hier geht es um einen Ausschnitt daraus: warum der Darm bei Stress mit Durchfall reagieren kann und wann eher ein Reizdarm dahintersteckt.

Ein Reizdarm, in der Fachsprache Reizdarmsyndrom, bezeichnet Darmbeschwerden, die über Monate anhalten und sich keiner anderen Erkrankung zuordnen lassen (IQWiG, 2023). Das IQWiG (2023), das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, hat zusammengetragen, was beim Reizdarm als möglicher Auslöser gilt. Psychische Belastungen und Stress gehören dazu (IQWiG, 2023).

Daneben nennt das IQWiG (2023) Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittelunverträglichkeiten. Der Satz, der unmittelbar darauf folgt, ist für die Einordnung der wichtigere:

Belegte Fundstelle

„Bei vielen dieser Faktoren ist allerdings unklar, ob sie eher Ursache oder Folge eines Reizdarmsyndroms sind.“

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, „Reizdarmsyndrom“, 2023

Für dich heißt das: Stress kann beim Reizdarm mitwirken, aber die Richtung ist offen. Ob die Anspannung den Darm aus dem Takt bringt oder ob die Beschwerden selbst für Anspannung sorgen, lässt sich laut IQWiG (2023) bei diesen Faktoren nicht sicher trennen.

Damit sind zwei Irrtümer zugleich berührt. Wer Durchfall bei Stress für eingebildet hält, übersieht den körperlichen Weg zwischen Darm und Gehirn. Wer ihn für immer harmlos hält, übersieht die Warnzeichen, die weiter unten stehen.

Wie kann Stress auf den Darm schlagen?

Zwei der in Übersichtsarbeiten beschriebenen Wege stehen hier im Mittelpunkt: das Stresshormon-System um CRF, untersucht vor allem im Experiment (Taché & Million, 2015), und der Vagusnerv, den Stress hemmt (Bonaz u. a., 2018).

Eine Übersichtsarbeit fasst vorhandene Forschung zusammen, statt selbst neue Daten zu erheben. Beide Arbeiten, auf die sich dieses Kapitel stützt, sind von dieser Art (Taché & Million, 2015; Bonaz u. a., 2018). Das ist kein Mangel, aber es bestimmt, wie fest die einzelnen Aussagen stehen.

Stresshormone und Darm: was das CRF-System im Experiment zeigt

Im Experiment regt die Aktivierung des CRF-Systems die Dickdarmbewegung an und löst Durchfall aus (Taché & Million, 2015).

CRF steht für Corticotropin-Releasing-Faktor, einen Teil des Stresshormon-Systems. In den Versuchen, die Taché & Million (2015) zusammenfassen, wurde der Darm außerdem schmerzempfindlicher. Hemmstoffe, die das CRF-System bremsen, dämpften diese Wirkungen wieder (Taché & Million, 2015).

Die Autoren sehen darin ein Erklärungsmodell für Durchfall beim Reizdarm (Taché & Million, 2015). Zwei Einschränkungen gehören direkt dazu. Die Befunde stammen vor allem aus Tierversuchen und sind beim Menschen nicht nachgewiesen (Taché & Million, 2015). Als Behandlung ist aus den Hemmstoffen bisher nichts geworden (Taché & Million, 2015).

Stress und Vagusnerv: wie die Nervenverbindung zum Darm gebremst wird

Stress hemmt den Vagusnerv und ist an Darmerkrankungen wie dem Reizdarm beteiligt (Bonaz u. a., 2018).

Der Vagusnerv ist ein gemischter Nerv. Er besteht zu 80 Prozent aus Fasern, die Meldungen vom Darm zum Gehirn leiten, und zu 20 Prozent aus Fasern, die in die Gegenrichtung laufen (Bonaz u. a., 2018). Im Bild gesprochen ist er eine Hausleitung zwischen Keller und Dachgeschoss, in der die meisten Drähte vom Darm nach oben führen (Bonaz u. a., 2018).

Dieselbe Übersicht beschreibt, dass sich Stress ungünstig auf den Magen-Darm-Trakt und auf die Darmbakterien auswirkt (Bonaz u. a., 2018). Stress bremst also genau die Leitung, über die Darm und Gehirn sich austauschen (Bonaz u. a., 2018).

Stress und Reizdarm: Durchfall oder Verstopfung

Beim Reizdarm gelten psychische Belastungen und Stress als mögliche Auslöser, und der Stuhlgang kann sich in beide Richtungen verändern, zu Durchfall oder zu Verstopfung (IQWiG, 2023).

Laut einer Übersicht zur S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom (von Schassen u. a., 2021), an der zwei Autoren der Leitlinie mitgeschrieben haben, spielen dabei Störungen der Darm-Hirn-Achse mit. Auch psychische Begleiterkrankungen spielen nach dieser Übersicht mit (von Schassen u. a., 2021).

Auch Verstopfung kommt in dieser Beschreibung vor. Das IQWiG (2023) nennt beim Reizdarm beide Formen des veränderten Stuhlgangs, und die möglichen Auslöser gelten für den Reizdarm insgesamt. Wie sich Verstopfung mit Bauchschmerzen einordnen lässt und wann sie in die Praxis gehört, steht im Beitrag über Bauchschmerzen bei Verstopfung.

Kernaussage

Durchfall bei Stress ist keine Einbildung, aber noch kein Reizdarm: Von dem sprechen Fachleute unter anderem erst bei Beschwerden über mehr als drei Monate (IQWiG, 2023).

Reizdarm oder Infekt: was steckt hinter Durchfall bei Stress?

Von einem Reizdarm sprechen Fachleute erst, wenn mehrere Bedingungen zusammenkommen, darunter Beschwerden über mehr als drei Monate (IQWiG, 2023). Nach Schätzungen haben etwa 10 bis 20 von 100 Menschen einen Reizdarm (IQWiG, 2023).

Das IQWiG (2023) beschreibt, wann Fachleute von einem Reizdarmsyndrom sprechen. Die Punkte gelten zusammen, nicht einzeln.

Wann Fachleute von einem Reizdarm sprechen

Dauer Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen halten länger als drei Monate an (IQWiG, 2023).

Stuhlgang Er ist verändert und wird zum Beispiel häufiger oder seltener, oder es kommt zu Durchfall oder Verstopfung (IQWiG, 2023).

Lebensqualität Die Beschwerden verschlechtern sie spürbar, sodass man Hilfe sucht (IQWiG, 2023).

Ausschluss Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine andere Erkrankung die Beschwerden verursacht (IQWiG, 2023).

Diese Beschreibung betrifft lang anhaltende Beschwerden. Über einen einzelnen Durchfall vor einer Prüfung sagt sie nichts aus, auch wenn sich der Moment ähnlich anfühlen mag.

Vermutet wird unter anderem, dass überempfindliche Darmnerven und Störungen der Darmmuskulatur beim Reizdarm eine Rolle spielen könnten (IQWiG, 2023). Genannt werden außerdem Veränderungen der Darmflora und Entzündungen der Darmwand (IQWiG, 2023).

Laut einer Übersicht zur S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom (von Schassen u. a., 2021) stützt sich die Diagnose auf ein gründliches ärztliches Gespräch und darauf, wichtige andere Erkrankungen gezielt auszuschließen. Steht der Durchfall im Vordergrund, soll er nach dieser Übersicht gründlich abgeklärt werden (von Schassen u. a., 2021). Ein Reizdarm ist also eine Diagnose, die am Ende einer Abklärung steht, nicht an ihrem Anfang.

Und der Infekt? Das Reizdarmsyndrom tritt bei Menschen häufiger auf, die schon einmal eine Darminfektion mit Fieber und heftigem Durchfall hatten (IQWiG, 2023). Dasselbe wurde nach der Einnahme von Antibiotika beobachtet (IQWiG, 2023). Für die Abgrenzung im Einzelfall nennt das IQWiG (2023) Warnzeichen, die eher auf eine andere Darmerkrankung hindeuten; sie stehen im nächsten Kapitel.

Wenn du Durchfall zunächst unabhängig von Stress einordnen willst, findest du die Grundlagen im Beitrag zu Durchfall im Allgemeinen.

Wie belastbar die einzelnen Aussagen in diesem Artikel sind, unterscheidet sich. Die Tabelle zeigt zu jedem Befund, woher er stammt und wie sicher er ist.

Stress und Darm: was belegt ist

Befund Quelle Wie sicher
CRF-System regt im Experiment den Dickdarm an Taché & Million, 2015 vor allem Tierversuche (Taché & Million, 2015)
Stress hemmt den Vagusnerv Bonaz u. a., 2018 Übersichtsarbeit
Stress als möglicher Auslöser des Reizdarms IQWiG, 2023 Ursache oder Folge unklar
Psychologische Verfahren beim Reizdarm IQWiG, 2023 zumindest bei einigen oder kurzfristig (IQWiG, 2023)

Durchfall bei Stress: welche Warnzeichen gehören in die Praxis?

Das IQWiG (2023) nennt zusätzliche Beschwerden, die eher auf eine andere Darmerkrankung hindeuten als auf einen Reizdarm, darunter Blut im Stuhl und Fieber.

Stress ist eine naheliegende Erklärung, wenn der Durchfall vor einem wichtigen Termin kommt. Sie darf den Blick auf Zeichen, die etwas anderes nahelegen, aber nicht verstellen. Geh die folgenden Punkte deshalb in Ruhe für dich durch.

Wann in die Praxis · nach IQWiG (2023)

Deutlicher Gewichtsverlust zusätzlich zu den Darmbeschwerden

Blut im Stuhl zusätzlich zu den Darmbeschwerden

Fieber zusätzlich zu den Darmbeschwerden

Blässe zusätzlich zu den Darmbeschwerden

Das IQWiG (2023) nennt diese Beschwerden als Beispiele, nicht als vollständige Liste. Sie stehen dort im Zusammenhang mit dem Reizdarm: Treten sie zusätzlich auf, deuten sie eher auf eine andere Darmerkrankung hin (IQWiG, 2023).

Im Gespräch erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt auch nach den Lebensumständen, etwa danach, ob die Beschwerden bei Stress häufiger auftreten (IQWiG, 2023). Diese Frage kannst du vorbereiten. Gut ist, wenn du sagen kannst, in welchen Lagen der Durchfall kommt und in welchen nicht.

Kommen Krämpfe dazu, findest du eine weitere Einordnung im Beitrag über Bauchkrämpfe und Durchfall.

Kapitel auf einen Blick

Das IQWiG (2023) nennt deutlichen Gewichtsverlust und Blut im Stuhl als Zeichen, die eher auf eine andere Darmerkrankung hindeuten. Fieber und Blässe gehören ebenfalls dazu (IQWiG, 2023). In der Praxis kommt auch zur Sprache, ob die Beschwerden bei Stress häufiger auftreten (IQWiG, 2023). Stress als Erklärung ersetzt diesen Blick nicht.

Was kannst du bei Durchfall durch Stress tun?

Beobachte, ob die Beschwerden bei Stress häufiger auftreten, und bring das ins Arztgespräch ein, denn genau danach wird dort gefragt (IQWiG, 2023). Für den Reizdarm sind die meisten Behandlungen bisher nicht gut untersucht (IQWiG, 2023).

Frau mit einer Tasse Tee auf dem Sofa

Das klingt ernüchternd, ist aber eine ehrliche Ausgangslage. Für einige Maßnahmen haben Studien gezeigt, dass sie zumindest einigen Menschen oder wenigstens kurzfristig helfen (IQWiG, 2023). Genannt werden darunter psychologische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie und Hypnose (IQWiG, 2023).

Eine ursächliche Standardbehandlung gibt es laut einer Übersicht zur S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom (von Schassen u. a., 2021) nicht. Für alle Formen des Reizdarms kommen nach dieser Übersicht diese Maßnahmen infrage (von Schassen u. a., 2021):

  • Ernährungsmaßnahmen, zum Beispiel die Low-FODMAP-Ernährung, also eine Ernährung mit wenig fermentierbaren Kohlenhydraten (FODMAP)
  • Probiotika
  • psychotherapeutische Verfahren
  • Komplementärmedizin

Steht Verstopfung im Vordergrund, nennt die Übersicht (von Schassen u. a., 2021) zusätzlich lösliche Ballaststoffe. Wer dazu mehr über Flohsamenschalen wissen will, findet einen eigenen Beitrag.

Wie eine Ernährung beim Reizdarm im Alltag aussehen kann, beschreibt der Beitrag über Ernährung bei Reizdarm. Die genannten Maßnahmen stammen aus der Behandlung des Reizdarms. Welche davon für dich infrage kommt, klärt das Gespräch in der Praxis.

Für dieses Gespräch kannst du dich vorbereiten, ohne etwas zu messen. Die Entscheidungshilfe trennt, was du selbst festhalten kannst, von dem, was ärztlich angeschaut gehört.

Was du selbst beobachten kannst

Ob die Beschwerden bei Stress häufiger auftreten, denn danach fragt die Ärztin oder der Arzt (IQWiG, 2023).

Seit wann die Beschwerden bestehen, denn für einen Reizdarm zählt eine Dauer von mehr als drei Monaten (IQWiG, 2023).

Ob sich der Stuhlgang verändert hat und etwa häufiger oder seltener geworden ist (IQWiG, 2023).

Was in die Praxis gehört

Beschwerden, die länger als drei Monate anhalten (IQWiG, 2023).

Beschwerden, die deine Lebensqualität spürbar verschlechtern (IQWiG, 2023).

Warnzeichen wie Blut im Stuhl oder Fieber, die eher auf eine andere Darmerkrankung hindeuten (IQWiG, 2023).

Darmflora messen: was zeigt ein Mikrobiom-Test, und was nicht?

Ein Mikrobiom-Test beschreibt die Darmbakterien, das sogenannte Mikrobiom, anhand einer Stuhlprobe. Eine Diagnose stellt er nicht.

Die Darmbakterien kamen in diesem Artikel schon vor, als Teil des Austauschs zwischen Darm und Gehirn (Bonaz u. a., 2018). Wer sie für sich beschreiben lassen will, kann das über eine Stuhlprobe tun.

Bei mybody®x (MYBODY Lab GmbH) erfasst der Mikrobiom Darm-Test Complete aus einer Stuhlprobe, die du zu Hause selbst entnimmst, unter anderem die Vielfalt der Arten. Dazu kommt ein FODMAP-Index, der einordnet, wie stark fermentierbare Kohlenhydrate bei dir ins Gewicht fallen. Ausgewertet wird die Probe in einem Fachlabor in Deutschland.

Zur Verbindung von Darm und Gehirn heißt es in der Beschreibung des Tests: „Bestimmte Darmbakterien bilden Botenstoffe. Der Zusammenhang wird in Studien untersucht, nicht behauptet.“ Die Botenstoffe selbst misst der Test nicht.

Was er nicht leisten kann, steht gleich daneben: „Er stellt keine Diagnose und sagt nichts über Erkrankungsrisiken. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht, dass etwas vorliegt, und ein unauffälliges schließt nichts aus.“ Das Ergebnis ist eine Vorbereitung auf das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und ersetzt keine ärztliche Abklärung.

Mikrobiom Darm-Test Complete von mybody®x: Titelseite und Auswertung

Aus dem mybody®x-Sortiment · Darmtest

Mikrobiom Darm-Test | Complete

Erfasst aus einer Stuhlprobe unter anderem die Vielfalt der Arten. Dazu kommt ein FODMAP-Index. Er stellt keine Diagnose und sagt nichts über Erkrankungsrisiken. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht, dass etwas vorliegt, und ein unauffälliges schließt nichts aus.

Preis 189,00 € Stand 07.10.2026, Änderungen möglich
Probenart Stuhlprobe, zu Hause selbst entnommen
Bearbeitungszeit Kit-Versand 1–3 Werktage
Laborauswertung 8–10 Werktage nach Probeneingang
Zum Mikrobiom Darm-Test

Grenzen: wie sicher ist das Wissen über Durchfall durch Stress?

Ein Teil der Erklärung stützt sich vor allem auf Tierversuche (Taché & Million, 2015), ein anderer auf Übersichtsarbeiten und eine Laieninformation.

Die Befunde zum CRF-System stammen vor allem aus Tierversuchen; beim Menschen sind sie nicht nachgewiesen (Taché & Million, 2015). Wer liest, dass Stresshormone Durchfall auslösen, sollte deshalb das „im Experiment“ mitlesen.

Die Arbeiten von Taché & Million (2015) und Bonaz u. a. (2018) sind erzählende Übersichtsarbeiten. Sie fassen Forschung zusammen und sind selbst keine neuen Studien.

Die Angaben zur Leitlinie stammen aus einer Übersicht zur S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom (von Schassen u. a., 2021), also aus der Zusammenfassung durch zwei Leitlinienautoren, nicht aus dem Leitlinientext selbst. Diese Übersicht gilt nur für Erwachsene (von Schassen u. a., 2021).

Die Seite des IQWiG (2023) ist eine Laieninformation, aktualisiert im Februar 2023; die nächste Aktualisierung ist für 2026 geplant (IQWiG, 2023). Sie beschreibt den Reizdarm, nicht den einzelnen Durchfall bei Aufregung.

Der Mikrobiom Darm-Test Complete stellt keine Diagnose. Er beschreibt die Darmbakterien in einer Probe und bleibt eine Vorbereitung auf das Arztgespräch.

Ist Durchfall durch Stress ein Grund zur Sorge?

Ein Durchfall vor einem wichtigen Termin ist keine Einbildung, und für sich genommen ist er noch kein Reizdarm. Der Weg zwischen Darm und Gehirn ist beschrieben, auch wenn ein Teil der Belege aus Tierversuchen stammt. Entscheidend sind Dauer und Begleitzeichen: Halten die Beschwerden über Monate an oder kommen Warnzeichen dazu, gehört die Frage in die Praxis. Dein Bauch übertreibt nicht, er meldet sich.

Häufige Fragen

Kann Stress auch Verstopfung auslösen?

Beim Reizdarm kann sich der Stuhlgang in beide Richtungen verändern, zu Durchfall oder zu Verstopfung, und psychische Belastungen und Stress gelten dabei als mögliche Auslöser (IQWiG, 2023). Ob Stress Ursache oder Folge ist, bleibt bei diesen Faktoren laut IQWiG (2023) unklar. Von einem Reizdarm sprechen Fachleute unter anderem erst, wenn Beschwerden länger als drei Monate anhalten (IQWiG, 2023). Steht Verstopfung im Vordergrund, nennt eine Übersicht zur S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom (von Schassen u. a., 2021) unter anderem lösliche Ballaststoffe.

Wie viele Menschen haben einen Reizdarm?

Nach Schätzungen haben etwa 10 bis 20 von 100 Menschen ein Reizdarmsyndrom (IQWiG, 2023). Die Zahl stammt aus einer Laieninformation des IQWiG mit Stand 2023 und ist ausdrücklich eine Schätzung. Ein Reizdarm im Sinne dieser Beschreibung setzt unter anderem Beschwerden voraus, die länger als drei Monate anhalten und die Lebensqualität spürbar verschlechtern (IQWiG, 2023). Ein einzelner Durchfall vor einer Prüfung ist damit nicht gemeint.

Was ist der Vagusnerv?

Der Vagusnerv ist ein gemischter Nerv, über den Darm und Gehirn Meldungen austauschen. Er besteht zu 80 Prozent aus Fasern, die vom Darm zum Gehirn leiten, und zu 20 Prozent aus Fasern in die Gegenrichtung (Bonaz u. a., 2018). Stress hemmt diesen Nerv, und die Übersicht von Bonaz u. a. (2018) bringt Stress mit Darmerkrankungen wie dem Reizdarm in Verbindung. Beschrieben ist das in einer erzählenden Übersichtsarbeit, also einer Zusammenfassung vorhandener Forschung (Bonaz u. a., 2018).

Kann ein Reizdarm nach einer Magen-Darm-Infektion entstehen?

Beobachtet wurde, dass das Reizdarmsyndrom bei Menschen häufiger auftritt, die schon einmal eine Darminfektion mit Fieber und heftigem Durchfall hatten (IQWiG, 2023). Dasselbe gilt für Menschen, die Antibiotika eingenommen haben (IQWiG, 2023). Das IQWiG (2023) beschreibt das als Beobachtung. Fieber gehört zugleich zu den Zeichen, die eher auf eine andere Darmerkrankung hindeuten (IQWiG, 2023); ein Durchfall mit Fieber gehört deshalb ärztlich abgeklärt.

Warum muss ich bei Aufregung plötzlich dringend auf die Toilette?

Beim Reizdarm spüren manche ganz plötzlich so starken Stuhldrang, dass sie schnell eine Toilette benötigen (IQWiG, 2023). Ein mögliches Erklärungsmodell kommt aus der Forschung zum Stresshormon-System: Im Experiment regt die Aktivierung des CRF-Systems die Dickdarmbewegung an und löst Durchfall aus (Taché & Million, 2015). Diese Befunde stammen vor allem aus Tierversuchen und sind beim Menschen nicht nachgewiesen (Taché & Million, 2015). Die Beschreibung des IQWiG (2023) bezieht sich auf den Reizdarm, nicht auf einen einzelnen Drang vor einem Termin.

Nächster Schritt

Deine Darmflora als Ausgangspunkt

Der Mikrobiom Darm-Test Complete beschreibt unter anderem die Vielfalt deiner Darmbakterien. Er ist eine Vorbereitung auf das Arztgespräch und stellt keine Diagnose.

Zum Mikrobiom Darm-Test Wie Darm und Gehirn sich austauschen Die Darm-Hirn-Achse im Überblick

Weiterlesen

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Reizdarmsyndrom (Stand 2023) – gesundheitsinformation.de
  2. von Schassen H., Andresen V., Layer P.: Die neue Leitlinie Reizdarmsyndrom: Was ist neu?, Dtsch Med Wochenschr (2021) – europepmc.org
  3. Taché Y., Million M.: Role of Corticotropin-releasing Factor Signaling in Stress-related Alterations of Colonic Motility and Hyperalgesia (2015) – europepmc.org
  4. Bonaz B. u. a.: The Vagus Nerve at the Interface of the Microbiota-Gut-Brain Axis, Front Neurosci (2018) – europepmc.org

Die Angaben zum Reizdarm und zu den Warnzeichen stützen sich auf [1]. Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten nach der Leitlinie stammen aus der Übersicht [2]. Das Stresshormon-System beschreibt [3], den Vagusnerv [4]. Die Angaben zum Mikrobiom Darm-Test Complete stammen aus den Produktdaten von mybody®x. Stand der Angaben: 07.10.2026.

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mybody®x Redaktions- & Fachteam

Darmgesundheit Reizdarm

Dieser Beitrag stammt vom mybody®x Redaktions- & Fachteam. Wir ordnen Gesundheitsinformationen ein und nennen zu jeder Zahl Quelle und Jahr. Mehr über uns auf der Autorenseite.

Veröffentlicht am 07.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 07.10.2026

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