Proteine zum Abnehmen: Was an der Wirkung belegt ist
Aktualisiert am 23.09.2026 · Geprüft vom mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Ja, mit mäßigem Effekt. Eiweiß, fachlich Protein, bremst im Kaloriendefizit, also wenn du weniger Energie aufnimmst, als du verbrauchst, den Verlust fettfreier Masse: alles außer Fett, darunter die Muskeln. Außerdem sättigt es etwas besser. Eine Metaanalyse, die 24 Studien gemeinsam auswertet, fand mit eiweißreicherer Kost im Mittel 0,87 kg mehr Fettverlust (Wycherley u. a., 2012).
Über zwei Jahre blieb der Gewichtsverlust mit 25 und mit 15 % Eiweißanteil an der Energie nah beieinander, 3,6 gegen 3,0 kg (Sacks u. a., 2009).
Für die Verarbeitung von Eiweiß braucht der Körper mehr Energie als für Kohlenhydrate oder Fett, doch diese Nahrungsthermogenese macht bei gemischter Kost insgesamt nur 5 bis 15 % des Tagesverbrauchs aus (Westerterp, 2004).
Eine Übersichtsarbeit, die den Studienstand bündelt, sieht Vorteile bei 1,2 bis 1,6 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht und Tag (Leidy u. a., 2015), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt gesunden Erwachsenen unter 65 Jahren 0,8 g (DGE, 2017).
Helfen Proteine beim Abnehmen?
Ja, mit mäßigem Effekt: In kurzen Studien verloren Teilnehmende mit eiweißreicherer, kalorienreduzierter Kost im Mittel 0,79 kg mehr Gewicht als mit eiweißnormaler Kost (Wycherley u. a., 2012).
Auf Joghurtbechern und Riegeln steht „High Protein“, und wer abnehmen will, fragt sich, ob das etwas bringt oder nur Geld kostet. Die Antwort hat zwei Teile. In kurzen Studien mit genau vorgegebener Kost verlor, wer im Defizit mehr Eiweiß aß, mehr Fett und behielt mehr fettfreie Masse, fasst die Übersichtsarbeit von Leidy u. a. (2015) zusammen. Längere Studien lieferten dagegen begrenzte und widersprüchliche Ergebnisse.
Eiweiß kann dabei auf zwei Ebenen wirken. Beim Essen selbst sättigt es etwas besser, und seine Verarbeitung kostet den Körper mehr Energie als die von Kohlenhydraten oder Fett (Leidy u. a., 2015; Westerterp, 2004). Im Körper bremst es während des Defizits den Verlust fettfreier Masse. Die folgenden Kapitel gehen diese Wege einzeln durch.
Das Gegengewicht liefert eine Studie mit 811 übergewichtigen Erwachsenen und vier Diäten, die die Energie unterschiedlich auf die Nährstoffe verteilten. Nach sechs Monaten hatte jede der vier Gruppen im Mittel 6 kg abgenommen, 7 % des Ausgangsgewichts (Sacks u. a., 2009). Kalorienreduzierte Kost wirkte, gleich welchen Nährstoff sie betonte. Eiweiß ist damit ein Baustein im Defizit, kein Ersatz dafür.
Eiweiß beim Abnehmen: Welche Zahlen sind belegt?
Vier Zahlen tragen das Thema, und nur eine davon ist eine Empfehlung: 0,8 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht und Tag für gesunde Erwachsene von 19 bis unter 65 Jahren (DGE, 2017).
Dieser Referenzwert, also die empfohlene Zufuhr für Gesunde, stammt aus den Referenzwerten der DGE; einen eigenen Wert fürs Abnehmen nennt ihre Tabelle nicht. Die zweite Zahl ist ein Bereich aus Studien, keine Empfehlung an dich, und das Kapitel zur Eiweißmenge ordnet ihn ein.
Eiweiß und Abnehmen in vier Zahlen
0,8 g
Eiweiß je kg Körpergewicht und Tag: DGE-Referenzwert für Gesunde von 19 bis unter 65 Jahren
1,2 bis 1,6 g
je kg und Tag: Bereich aus Studien zum Abnehmen, keine Empfehlung
im Mittel 0,87 kg
mehr Fettverlust mit eiweißreicherer, kalorienreduzierter Kost, Studiendauer im Mittel gut zwölf Wochen
5 bis 15 %
des Tagesverbrauchs entfallen bei gemischter Kost auf die Nahrungsthermogenese insgesamt
Quelle: DGE, Referenzwerte Protein, 2017 · Leidy u. a., 2015 · Wycherley u. a., 2012 · Westerterp, 2004
Die dritte Zahl wirkt klein, und die Autoren sehen das ebenso: Sie nennen den Vorteil „modest“, also mäßig. Die Zahl stammt aus 24 Studien mit zusammen 1.063 Teilnehmenden, die statistische Spanne der Schätzung reicht von 0,48 bis 1,26 kg (Wycherley u. a., 2012).
Die vierte Zahl beschreibt einen Posten im Energieverbrauch, keinen Fettabbau. Das IQWiG, das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, setzt ihn mit ungefähr 10 % des Kalorienumsatzes an (IQWiG, 2022). Beide Angaben passen zusammen; was sie fürs Abnehmen bedeuten, klärt das Kapitel zur Thermogenese.
Macht Eiweiß beim Abnehmen satter?
Etwas, ja: Mehr Sättigung mit eiweißreicherer Kost meldeten drei von fünf Studien einer Metaanalyse (Wycherley u. a., 2012). Dass danach weniger gegessen wird, ist damit nicht gesagt.
Mehr Einzelheiten liefert die Übersichtsarbeit von Leidy u. a. (2015). Sie wertet Akutstudien aus, also Versuche, die die Wirkung einzelner Mahlzeiten messen. Nach eiweißreicheren Mahlzeiten fühlten sich die Teilnehmenden satter, und Hormone, die mit Sättigung zusammenhängen, lagen höher. Die Arbeit spricht von einem mäßigen Effekt.
Ein Befund bremst die Erwartung. Auf die Energiemenge bei der nächsten Mahlzeit zeigten dieselben Studien keinen belegten Effekt (Leidy u. a., 2015). Wer satter vom Tisch aufsteht, isst beim nächsten Mal also nicht zwingend weniger.
Eine Verbindung zur Verarbeitungsenergie zieht Westerterp (2004): Die durch Eiweiß ausgelöste Thermogenese habe einen wichtigen Einfluss auf die Sättigung, schreibt er sinngemäß. Gemeint ist damit die Energie, die der Körper für die Verarbeitung der Nahrung aufwendet.
Für den Alltag bleibt ein echter, aber mäßiger Vorteil. Das satte Gefühl ist angenehm, das Kaloriendefizit ersetzt es nicht.
Thermogenese: Verbraucht der Körper für Eiweiß mehr Energie?
Ja: In der Rangfolge der Nahrungsthermogenese steht Eiweiß an zweiter Stelle hinter Alkohol. Kohlenhydrate folgen danach, Fett steht am Ende (Westerterp, 2004).
Wie groß der Abstand je Nährstoff ausfällt, beziffert die ausgewertete Zusammenfassung der Übersichtsarbeit nicht; Prozentwerte je Nährstoff stehen hier deshalb nicht. Was der Begriff meint, beschreibt das IQWiG auf seiner Seite zu den Ursachen von Adipositas, also starkem Übergewicht, in einem Satz ohne Fachsprache.
Belegte Fundstelle
„Mit thermischer Wirkung der Nahrung ist die Energie gemeint, die der Körper benötigt, um aufgenommene Nahrungsmittel zu verdauen, zu speichern und umzuwandeln.“
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, „Ursachen für Adipositas“, aktualisiert am 24.08.2022
Als wichtigste Einflussgrößen nennt Westerterp (2004) den Energiegehalt der Kost und ihren Anteil an Eiweiß und Alkohol. Mit einem hohen Eiweißanteil liegt die Nahrungsthermogenese höher, mit einem hohen Fettanteil niedriger.
Einen Vorbehalt formuliert das IQWiG selbst: Es sei umstritten, inwieweit die thermische Wirkung der Nahrung etwa bei Ernährungsumstellungen eine Rolle spiele (IQWiG, 2022). Die Rangfolge der Übersichtsarbeit und die Einschränkung des IQWiG gehören deshalb nebeneinander.
Eiweiß verbrennt also kein Fett. Seine Verarbeitung kostet mehr Energie als die von Kohlenhydraten oder Fett, doch die Verarbeitungsenergie insgesamt ist mit ungefähr 10 % ein kleiner Posten neben dem Ruheumsatz, der Energie für lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag und Atmung, mit im Durchschnitt etwa 70 % (IQWiG, 2022).
Schützt Eiweiß im Kaloriendefizit die Muskeln?
Es bremst den Verlust fettfreier Masse, zu der die Muskeln gehören: In der Metaanalyse von Wycherley u. a. (2012) ging mit eiweißreicherer Kost im Mittel 0,43 kg weniger davon verloren.
Im Defizit verliert der Körper neben Fett auch fettfreie Masse. Die Metaanalyse verglich eiweißreichere mit eiweißnormaler Kost bei gleicher, vorgegebener Kalorienmenge, die Studien dauerten im Mittel gut zwölf Wochen. Die statistische Spanne des Vorteils reicht von 0,09 bis 0,78 kg (Wycherley u. a., 2012).
Über ein Jahr hat eine zweite Studie von Wycherley u. a. 120 Männer mit Übergewicht um die 50 begleitet. Beide Gruppen aßen gleich kalorienreduziert, die eine mit 35 %, die andere mit 17 % Eiweißanteil an der Energie. Beim Gewicht lagen sie am Ende ohne belastbaren Unterschied beieinander, 12,3 gegen 10,9 kg. Fettfreie Masse verlor die Eiweißgruppe weniger, 2,6 statt 3,8 kg, und dieser Unterschied war statistisch abgesichert, also mit geringer Wahrscheinlichkeit ein Zufallsbefund (Wycherley u. a., 2012).
Beim Fett lag die Eiweißgruppe mit 9,9 gegen 7,3 kg vorn, allerdings ohne statistische Sicherheit (Wycherley u. a., 2012). Zur Einordnung gehören die Schwächen der Studie: Nur 68 der 120 Männer blieben bis zum Ende dabei, Frauen waren nicht beteiligt.
Was im Defizit über Eiweiß hinaus für den Muskelerhalt zählt, behandelt der Beitrag Abnehmen ohne Muskelverlust.
Auf einen Blick: die drei Wege, auf denen Eiweiß wirkt
Über die Sättigung wirkt Eiweiß mäßig: Nach eiweißreichen Mahlzeiten fühlen sich Menschen satter, essen danach aber nicht belegbar weniger (Leidy u. a., 2015). Bei der Verarbeitung kostet es mehr Energie als Kohlenhydrate oder Fett, bei einem Gesamtanteil der Nahrungsthermogenese von 5 bis 15 % des Tagesverbrauchs (Westerterp, 2004). Im Defizit bremst es den Verlust fettfreier Masse, in der Metaanalyse im Mittel um 0,43 kg (Wycherley u. a., 2012). Keiner dieser Wege ersetzt das Kaloriendefizit.
Wie viel Protein zum Abnehmen nennen DGE und Studien?
Die DGE nennt für gesunde Erwachsene unter 65 Jahren 0,8 g je Kilogramm Körpergewicht und Tag und keinen eigenen Wert fürs Abnehmen (DGE, 2017). Studien zum Abnehmen arbeiten mit 1,2 bis 1,6 g (Leidy u. a., 2015).
Die beiden Zahlen widersprechen sich nicht, sie beantworten verschiedene Fragen. Der Referenzwert beschreibt die empfohlene Zufuhr für die gesunde Allgemeinbevölkerung. Der Studienbereich beschreibt, womit eiweißreichere, kalorienreduzierte Kost in Studien gearbeitet hat, in denen die Übersichtsarbeit Vorteile für Appetit und Gewicht sah. Eine Empfehlung für dich folgt daraus nicht.
Für einzelne Mahlzeiten nennt dieselbe Übersichtsarbeit möglicherweise mindestens etwa 25 bis 30 g Eiweiß (Leidy u. a., 2015). Das „möglicherweise“ steht dort selbst, als „potentially“, und es gehört zur Zahl dazu.
Mit dem Alter verschiebt sich der Rahmen. Ab 65 Jahren setzt die DGE einen Schätzwert von 1,0 g je Kilogramm an, weil sich der Bedarf Älterer nicht mit wünschenswerter Genauigkeit bestimmen lässt (DGE, 2017). Fachleute europäischer Fachgesellschaften sehen für ältere Menschen 1,0 bis 1,2 g je Kilogramm Körpergewicht als optimal an, berichtet die DGE (DGE, 2023). Was das im Einzelnen heißt, steht im Beitrag Proteinbedarf im Alter richtig berechnen.
Dieser Artikel bleibt bei der Wirkung im Defizit. Wie viel Eiweiß du allgemein am Tag brauchst, erklärt der Beitrag zum Eiweißbedarf pro Tag; was für Frauen gilt, steht unter Eiweißbedarf bei Frauen.
Welche Lebensmittel eiweißreich sind, zeigt die Übersicht eiweißreiche Lebensmittel zum Abnehmen. Wer eine Vorerkrankung hat, etwa der Nieren, oder Medikamente nimmt, klärt die passende Eiweißmenge zuerst in der Hausarztpraxis.
Proteine zum Abnehmen: Welche Behauptungen stimmen?
Von fünf Behauptungen rund um Eiweiß und Abnehmen hält eine teilweise: Eiweiß macht etwas satter. Die anderen vier stützen die hier ausgewerteten Quellen nicht.
Die Tabelle stellt jede Behauptung neben den Befund, mit Autor und Jahr. Wo eine Quelle nichts hergibt, steht das so da.
Behauptung und Beleg
| Behauptung | Was belegt ist | Quelle |
|---|---|---|
| „Eiweiß verbrennt Fett“ | Nein. Für die Verarbeitung von Eiweiß braucht der Körper mehr Energie als für Kohlenhydrate oder Fett. Diese Nahrungsthermogenese macht bei gemischter Kost insgesamt 5 bis 15 % des Tagesverbrauchs aus, ihre Rolle bei Ernährungsumstellungen ist umstritten. | Westerterp, 2004; IQWiG, 2022 |
| „Eiweiß macht satt“ | Teilweise. Akutstudien zeigen einen mäßigen Effekt; bei der nächsten Mahlzeit wurde nicht belegbar weniger gegessen. Längere Studien fallen widersprüchlich aus. | Leidy u. a., 2015 |
| „Mehr ist immer besser“ | Nicht belegt. Studien zum Abnehmen arbeiten mit 1,2 bis 1,6 g je Kilogramm und Tag, der DGE-Referenzwert für Gesunde liegt bei 0,8 g. Dass größere Mengen zusätzlich helfen, zeigen die Quellen nicht; eine Obergrenze belegen sie ebenfalls nicht. | DGE, 2017; Leidy u. a., 2015 |
| „Ohne Shake geht es nicht“ | Nicht belegt. Die ausgewerteten Studien vergleichen Eiweißanteile der Kost, keine Produkte. Nahrungsergänzung ist eine Möglichkeit unter anderen. | Kein Beleg in den ausgewerteten Quellen |
| „Die Verteilung der Nährstoffe entscheidet“ | Beim Gewicht nicht. Nach zwei Jahren verloren Gruppen mit 15 und mit 25 % Eiweißanteil im Mittel 3,0 und 3,6 kg; kalorienreduzierte Kost wirkte unabhängig davon, welchen Nährstoff sie betonte. | Sacks u. a., 2009 |
Die letzte Zeile verdient einen Satz mehr. Nach zwei Jahren lag der Gewichtsverlust mit 15 und mit 25 % Eiweißanteil nah beieinander (Sacks u. a., 2009), bei der Körperzusammensetzung, also dem Verhältnis von Fett zu fettfreier Masse, zeigen die kürzeren Studien einen mäßigen Vorteil für mehr Eiweiß (Wycherley u. a., 2012). Beides stimmt, es sind zwei verschiedene Messgrößen.
Was kann ein Bluttest zu Eiweiß und Aminosäuren zeigen?
Einen Messwert, keine Mengenangabe: Der Aminosäuren-Test von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) bestimmt 22 Werte aus dem Stoffwechsel der Aminosäuren, der Bausteine, aus denen Eiweiß besteht. Wie viel Eiweiß du essen sollst, sagt er dir nicht.
Pflanzliche und tierische Proteine unterscheiden sich darin, welche Aminosäuren sie enthalten und wie gut der Körper sie verwerten kann; durch die Kombination von Lebensmitteln, etwa Getreide mit Hülsenfrüchten, lässt sich das laut DGE ausgleichen (DGE, 2017). Als essenziell gelten die Aminosäuren, die dein Körper nicht selbst herstellen kann.
Der PerformanceCheck ist ein Bluttest für zu Hause. Er bestimmt 22 Werte, darunter alle neun essenziellen Aminosäuren, aus Kapillarblut, also Blut aus den feinsten Blutgefäßen, das du selbst entnimmst, ohne Arztbesuch. Von 22 Werten und nicht von 22 Aminosäuren ist die Rede, weil nicht jeder Wert eine Aminosäure im engeren Sinn ist: Taurin etwa ist chemisch eine Aminosulfonsäure.
Aus dem mybody®x-Sortiment · Bluttest
PerformanceCheck | Aminosäuren-Test
Ein Aminogramm, also die Übersicht deiner Aminosäurewerte, aus Kapillarblut, das du zu Hause selbst entnimmst: 22 Werte, darunter alle neun essenziellen Aminosäuren, die dein Körper nicht selbst herstellen kann. Der Test sagt dir nicht, wie viel Eiweiß du essen sollst, und er macht keinen Muskel größer.
Laborauswertung 3–5 Werktage nach Probeneingang
Für das Abnehmen heißt das: Das Aminogramm, also die Übersicht dieser Werte, zeigt dir, wie deine Aminosäurewerte zum Zeitpunkt der Probe stehen. Es ist ein Ausgangspunkt für das Gespräch in der Hausarztpraxis, keine Anleitung für deinen Speiseplan.
Was der Test nicht kann, steht auf der Produktseite selbst: Er sagt dir nicht, wie viel Eiweiß du essen sollst, und er macht keinen Muskel größer. Aminosäurespiegel schwanken zudem stark mit der letzten Mahlzeit, deshalb gilt die Nüchternvorgabe der Anleitung. Deine Eiweißzufuhr und den Erfolg einer Diät erfasst der Test ebenfalls nicht.
Grenzen: Was leisten Proteine beim Abnehmen nicht?
Sie ersetzen kein Kaloriendefizit, und ihr belegter Vorteil ist mäßig: Die Metaanalyse spricht selbst von „modest benefits“ (Wycherley u. a., 2012).
Die Metaanalyse fasst Studien von im Mittel gut zwölf Wochen zusammen, in denen die Kalorienmenge vorgegeben war (Wycherley u. a., 2012). Wie sich das im Alltag über Jahre verhält, zeigt sie nicht. Längere Studien lieferten begrenzte und widersprüchliche Ergebnisse (Leidy u. a., 2015).
Zur Nahrungsthermogenese nennt die ausgewertete Übersichtsarbeit keine Prozentwerte je Nährstoff, und ihre Rolle bei Ernährungsumstellungen ist laut IQWiG umstritten (IQWiG, 2022). Einen Wert fürs Abnehmen nennt die DGE nicht, eine Obergrenze für Eiweiß ist in den hier ausgewerteten Quellen nicht belegt.
Auch der Aminosäuren-Test verschiebt diese Grenzen nicht. Er liefert Messwerte zum Zeitpunkt der Probe, keine Mengenempfehlung und keine Vorhersage, wie viel du abnimmst. Mit einer Vorerkrankung gehört die Frage nach der passenden Eiweißmenge in die Hausarztpraxis.
Warum Proteine zum Abnehmen, wenn das Defizit zählt?
Weil Eiweiß im Defizit den Verlust fettfreier Masse bremst und etwas besser sättigt (Wycherley u. a., 2012; Leidy u. a., 2015). Den Gewichtsverlust selbst trägt in den Studien das Kaloriendefizit (Sacks u. a., 2009). Das Etikett „High Protein“ verspricht mehr, als die Studien halten.
Ein Befund geht neben den Zahlen leicht unter, und er betrifft das Durchhalten. Dass längere Studien widersprüchlich ausfielen, liegt nach der Übersichtsarbeit von Leidy u. a. (2015) anscheinend vor allem daran, wie gut die Teilnehmenden ihre Kost einhielten. Die praktische Frage lautet dann nicht, ob 1,2 oder 1,6 g, sondern welche Kost du über Monate beibehalten kannst.
Häufige Fragen
Nimmt man mit Proteinen schneller ab?
In kurzen Studien etwas: Mit eiweißreicherer, kalorienreduzierter Kost verloren Teilnehmende über im Mittel gut zwölf Wochen 0,79 kg mehr Gewicht als mit eiweißnormaler Kost (Wycherley u. a., 2012). Über zwei Jahre lag der Gewichtsverlust mit 25 und mit 15 % Eiweißanteil bei 3,6 und 3,0 kg, also nah beieinander (Sacks u. a., 2009). Eine Studie mit Männern fand nach einem Jahr ebenfalls keinen belastbaren Unterschied beim Gewicht (Wycherley u. a., 2012). Eine Vorhersage für dein eigenes Abnehmen ist keine dieser Zahlen.
Hilft Protein beim Abnehmen auch ohne Kaloriendefizit?
Dafür enthalten die hier ausgewerteten Quellen keinen Beleg. Die Studien zum Gewicht prüften mehr Eiweiß jeweils in kalorienreduzierter Kost (Wycherley u. a., 2012; Sacks u. a., 2009). Bei ausgeglichener Energiebilanz, wenn Aufnahme und Verbrauch also gleich sind, entfallen auf die Nahrungsthermogenese 5 bis 15 % des Tagesverbrauchs, mit einem hohen Eiweißanteil mehr (Westerterp, 2004). Eine Gewichtsabnahme leitet die Übersichtsarbeit daraus nicht ab.
Abnehmen mit Eiweiß: Brauche ich Shakes oder Pulver?
Einen Beleg dafür enthalten die ausgewerteten Studien nicht. Die Metaanalyse über 24 Studien verglich eiweißreichere mit eiweißnormaler Kost, also Anteile an der Ernährung, keine bestimmten Produkte (Wycherley u. a., 2012). Ob du Eiweiß über Lebensmittel oder über Nahrungsergänzung aufnimmst, bleibt deine Entscheidung. Pflanzliche und tierische Proteine unterscheiden sich in ihren Aminosäuren; die Kombination, etwa von Getreide mit Hülsenfrüchten, kann das laut DGE ausgleichen (DGE, 2017).
Gibt es beim Abnehmen mit Proteinen eine Obergrenze?
In den hier ausgewerteten Quellen ist keine Obergrenze belegt, und Aussagen zu Risiken sehr eiweißreicher Kost enthalten sie nicht. Belegt sind zwei Bezugsgrößen: 0,8 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht und Tag als Referenzwert für gesunde Erwachsene unter 65 Jahren (DGE, 2017) und 1,2 bis 1,6 g als Bereich aus Studien zum Abnehmen (Leidy u. a., 2015). Wer eine Vorerkrankung hat oder Medikamente nimmt, klärt die passende Menge in der Hausarztpraxis.
Hilft Eiweiß beim Abnehmen, den Grundumsatz zu halten?
Etwas, laut einer Metaanalyse: Mit eiweißreicherer Kost sank der Ruheumsatz im Mittel um 595,5 Kilojoule am Tag weniger als mit eiweißnormaler, bei einer breiten statistischen Spanne von 67,0 bis 1.124,1 Kilojoule (Wycherley u. a., 2012). Kilojoule ist die Energieeinheit, in der die Studie rechnet. Der Ruheumsatz, auch Grundumsatz genannt, macht im Durchschnitt etwa 70 % des Kalorienbedarfs aus und hängt vor allem vom Anteil der Muskelmasse am Gewicht ab (IQWiG, 2022).
Nächster Schritt
Deine Aminosäurewerte als Ausgangspunkt
Der Aminosäuren-Test bestimmt 22 Werte aus Kapillarblut, das du zu Hause entnimmst. Wie viel Eiweiß du essen sollst, sagt er nicht; dazu führt der Beitrag unten.
Zum Aminosäuren-Test Wie viel Eiweiß brauchst du am Tag? Tagesmenge und Referenzwerte erklärtWeiterlesen
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Protein (Ableitung 2017) – dge.de · Körperzusammensetzung und kritische Nährstoffe im Alter (Stand 2023) – dge.de
- Wycherley u. a.: Metaanalyse eiweißreicher Reduktionskost, American Journal of Clinical Nutrition (2012) – europepmc.org · Wycherley u. a.: Einjahresstudie mit Männern, Nutrition & Diabetes (2012) – europepmc.org · Leidy u. a.: The role of protein in weight loss and maintenance, American Journal of Clinical Nutrition (2015) – europepmc.org
- Westerterp: Diet induced thermogenesis, Nutrition & Metabolism (2004) – europepmc.org · Sacks u. a.: Vergleich kalorienreduzierter Diäten mit unterschiedlicher Nährstoffverteilung, New England Journal of Medicine (2009) – europepmc.org
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Ursachen für Adipositas (Stand 2022) – gesundheitsinformation.de
Die Referenzwerte stützen sich auf [1]. Die Ergebnisse zu Sättigung und Muskelerhalt stammen aus [2], der Vergleich über zwei Jahre aus [3]; zur Nahrungsthermogenese tragen [3] und [4] bei. Produktangaben stammen von der mybody®x-Produktseite, der Preis wurde am 23.09.2026 abgefragt.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Ernährung und Abnehmen Bluttests
Das mybody®x Redaktions- & Fachteam schreibt über Ernährung und Labortests und belegt jede Zahl mit Institution oder Autor und Jahr. Wer dahintersteht, zeigt die Autorenseite.
Veröffentlicht am 23.09.2026 · Zuletzt aktualisiert am 23.09.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund. Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.





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