B-Vitamine und Schilddrüse: was B12 mit Hashimoto zu tun hat
28. September 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Bei Hashimoto, einer vom Immunsystem ausgelösten Entzündung der Schilddrüse, kann ein B12-Mangel über den Magen entstehen: Eine begleitende autoimmune Magenentzündung kann die Belegzellen der Magenschleimhaut zerstören, die den für die B12-Aufnahme nötigen Intrinsic Factor bilden (NICE, 2024). Dass eine Überfunktion, bei der die Schilddrüse mehr Hormone als nötig bildet, auch mehr B-Vitamine verlangt, ist nicht belegt.
Eine Metaanalyse, also eine rechnerische Zusammenfassung von 64 Studien, fand einen B12-Mangel bei 18 Prozent der Menschen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung, zu der Hashimoto zählt (Benites-Zapata u. a., 2023).
Bei Überfunktion hatten 6 Prozent einen B12-Mangel, und der mittlere B12-Spiegel unterschied sich nicht signifikant, also nicht statistisch belastbar, von dem Gesunder (Benites-Zapata u. a., 2023).
Ob die Schilddrüsenfunktion gestört ist, zeigen Blutwerte wie das TSH, ein Steuerhormon aus der Hirnanhangdrüse; ob Hashimoto dahintersteckt, zeigt erst ein weiterer Bluttest auf Antikörper gegen Schilddrüsengewebe (IQWiG, 2024).
In diesem Artikel
Schilddrüse: Was ist eine Unter-, was eine Überfunktion?
Bei einer Unterfunktion bildet die Schilddrüse nicht genug Hormone, bei einer Überfunktion mehr als nötig. In Ländern wie Deutschland haben ungefähr 5 von 100 Menschen eine Unterfunktion (IQWiG, 2024).
Die Hormone der Schilddrüse wirken auf den Stoffwechsel. Fehlen sie, verlangsamt er sich, und das kann nach dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen, zum Beispiel Müdigkeit oder Verstopfung (IQWiG, 2024).
Bei einer Überfunktion ist es umgekehrt. Werden zu viele Hormone gebildet, laufen nach der Beschreibung des IQWiG viele Körperfunktionen unnötigerweise „auf Hochtouren“ (IQWiG, 2024). Eine Überfunktion kommt bei ungefähr 1 von 100 Personen vor, bei Frauen öfter als bei Männern (IQWiG, 2024).
Die Hashimoto-Thyreoiditis, kurz Hashimoto, ist eine Entzündung der Schilddrüse, die vom Immunsystem ausgeht. Mit der Zeit entwickelt sich daraus oft eine Unterfunktion, und hierzulande ist Hashimoto der häufigste Grund dafür (IQWiG, 2024). Schätzungsweise 4 von 1.000 Frauen und 1 von 1.000 Männern erkranken daran, die meisten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr (IQWiG, 2024).
Schilddrüsenerkrankungen in Zahlen
ungefähr 5 von 100(IQWiG, 2024)
Menschen in Ländern wie Deutschland haben eine Schilddrüsenunterfunktion.
ungefähr 1 von 100(IQWiG, 2024)
Personen haben eine Schilddrüsenüberfunktion.
schätzungsweise 4 von 1.000(IQWiG, 2024)
Frauen erkranken an einer Hashimoto-Thyreoiditis, bei Männern ist es 1 von 1.000 (IQWiG, 2024).
Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, 2024
Rechnerisch liegt die Erkrankungsrate bei Frauen damit etwa beim Vierfachen der Rate bei Männern (IQWiG, 2024). B12 ist eines der B-Vitamine und arbeitet im Stoffwechsel eng mit Folat, einem weiteren B-Vitamin, zusammen, weshalb es für Zellteilung und Blutbildung von Bedeutung ist (DGE, 2025). Wer mit einer Schilddrüsendiagnose lebt, fragt sich vielleicht, ob die Schilddrüse mehr davon braucht. Die ehrliche Antwort unterscheidet zwischen den Erkrankungen, und bei Hashimoto führt sie über den Magen.
Wie Vitamin D und Schilddrüse zusammenhängen, ordnet der Beitrag Vitamin-D3-Mangel und Schilddrüse ein: dort Vitamin D, hier B12 und die Frage nach den übrigen B-Vitaminen.
Hashimoto und Vitamin B12: Was hat der Magen damit zu tun?
Der Weg zu einem B12-Mangel kann bei Hashimoto über den Magen führen: Bei etwa 10 bis 40 Prozent der Hashimoto-Betroffenen wurden Magenerkrankungen beschrieben (Cellini u. a., 2017).

Umgekehrt haben etwa 40 Prozent der Menschen mit autoimmuner Gastritis, einer vom Immunsystem ausgelösten Entzündung des Magens, auch Hashimoto (Cellini u. a., 2017). Beschrieben wurde diese Verbindung von Schilddrüse und Magen, das thyrogastrische Syndrom, erstmals Anfang der 1960er Jahre (Cellini u. a., 2017).
Belegte Fundstelle
„Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis entzündet sich die Schilddrüse. Die Ursache ist eine Fehlreaktion des Immunsystems.“
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, „Hashimoto-Thyreoiditis“, 2024
Die Gesundheitsinformation des IQWiG ergänzt, dass eine Hashimoto-Thyreoiditis gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten kann (IQWiG, 2024). Welche das am Magen sind und was daraus für B12 folgt, beschreiben Studien zur Gastritis.
Wie nimmt der Körper B12 über Magen und Darm auf?
Damit B12 aus der Nahrung in die Darmzellen gelangt, muss es an den Intrinsic Factor gebunden sein, einen Stoff, der in den Magenzellen gebildet wird (DGE, 2025). Krankheiten des Magens können die Bildung dieses Faktors beeinflussen und dann unabhängig von der Zufuhr zu einem B12-Mangel führen (DGE, 2025). Das Problem liegt in diesem Fall nicht in der Menge auf dem Teller, sondern in der Aufnahme.
Genau hier setzt die autoimmune Gastritis an. Das britische National Institute for Health and Care Excellence beschreibt sie als Entzündung des Magenkörpers, die selbst meist keine Beschwerden macht, aber die Belegzellen zerstören kann (NICE, 2024). Belegzellen sind die Zellen der Magenschleimhaut, die Magensäure und Intrinsic Factor bilden (Cellini u. a., 2017).
Gehen sie verloren, entsteht eine doppelte Lücke: Es wird weniger Magensäure gebildet, die B12 aus der Nahrung freisetzt, und weniger Intrinsic Factor, der die Aufnahme ermöglicht (NICE, 2024). Dieselbe Säurelücke verschlechtert auch die Aufnahme von Eisen (NICE, 2024). Man kann sich die Belegzellen wie eine Poststelle vorstellen: Die Säure öffnet den Umschlag, der Intrinsic Factor schreibt die Adresse, unter der der Darm die Sendung annimmt. Fällt die Poststelle aus, kommt weniger an, auch wenn genug Post da ist.
Wie kann aus der Magenentzündung eine Blutarmut werden?
Cellini und Kollegen beschreiben eine Abfolge: Zunächst kann durch den Säuremangel eine Blutarmut aus Eisenmangel entstehen, später, wenn die Magenschleimhaut weiter schwindet, eine perniziöse Anämie (Cellini u. a., 2017). Gemeint ist damit die Blutarmut am Ende dieser Kette, wenn Belegzellen und Intrinsic Factor fehlen. In ihrer lebensbedrohlichen Form ist sie heute sehr selten, weil ein B12-Mangel besser erkannt und behandelt wird (NICE, 2024).
Auch die Aufnahme von Levothyroxin, dem Wirkstoff in Tabletten mit Schilddrüsenhormon, kann bei autoimmuner Gastritis gestört sein (Cellini u. a., 2017). Wer solche Tabletten einnimmt, bespricht das mit der Praxis.
Wie das in einer Klinik aussehen kann, zeigt eine Studie aus Israel mit 115 Menschen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung: 32 von ihnen, also 28 Prozent, hatten niedrige B12-Werte (Ness-Abramof u. a., 2006). Einen Teil davon ordneten die Autoren als perniziöse Anämie ein, erkennbar an einem erhöhten Gastrin bei niedrigem B12; Gastrin ist ein Laborwert, den sie zur Einordnung des Magens heranzogen (Ness-Abramof u. a., 2006). Bei allen fünf Teilnehmenden mit erhöhtem Gastrin, die eine Magenspiegelung mit Gewebeprobe bekamen, fand sich eine atrophische Gastritis, also eine Magenentzündung mit Schwund der Schleimhaut (Ness-Abramof u. a., 2006).
Die Autoren schreiben auch, dass Anzeichen eines B12-Mangels unauffällig sein und übersehen werden können, gerade bei Menschen mit bekannter Autoimmunerkrankung (Ness-Abramof u. a., 2006). Wie ein B12-Mangel zur Blutarmut führt und wie sie sich vom Eisenmangel unterscheidet, erklärt der Beitrag Blutarmut durch B12- und Folsäuremangel.
Wie verbreitet ist ein B12-Mangel bei Schilddrüsenerkrankungen?
Das hängt von der Erkrankung ab. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023 fand einen B12-Mangel bei 18 Prozent der Menschen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung und bei 6 Prozent der Menschen mit Überfunktion (Benites-Zapata u. a., 2023).
Eine Metaanalyse fasst die Ergebnisse einzelner Studien rechnerisch zusammen. Die Arbeit von Benites-Zapata und Kollegen wertete 64 Studien mit zusammen 28.597 Teilnehmenden aus (Benites-Zapata u. a., 2023). Autoimmune Schilddrüsenerkrankung ist dabei der Sammelbegriff für Schilddrüsenerkrankungen, die vom Immunsystem ausgehen, darunter Hashimoto.
Die Tabelle zeigt die gepoolten, also über alle Studien zusammengefassten Anteile mit B12-Mangel und daneben, wie sich der mittlere B12-Spiegel von dem gesunder Vergleichspersonen unterschied.
B12 bei Schilddrüsenerkrankungen · Metaanalyse 2023
| Schilddrüsenerkrankung | B12-Mangel gepoolt (Benites-Zapata u. a., 2023) | Mittlerer B12-Spiegel im Vergleich |
|---|---|---|
| Unterfunktion | 27 % | im Mittel 60,67 pg/ml niedriger als bei Gesunden |
| Autoimmune Schilddrüsenerkrankung | 18 % | kein signifikanter Unterschied zu Gesunden |
| Überfunktion | 6 % | kein signifikanter Unterschied zu Gesunden |
Für die Unterfunktion zeigte sich ein Unterschied: Die B12-Werte lagen im Mittel um 60,67 Pikogramm pro Milliliter (pg/ml) niedriger als bei Gesunden (Benites-Zapata u. a., 2023). Bei autoimmuner Schilddrüsenerkrankung und bei Überfunktion fand die Analyse dagegen keinen signifikanten Unterschied im mittleren B12-Spiegel (Benites-Zapata u. a., 2023).
Was heißt das für Hashimoto und B12?
Die Anteile stehen in der Zusammenfassung der Arbeit ohne Vergleichswert für Menschen ohne Schilddrüsenerkrankung. Ob Menschen mit Hashimoto eher einen B12-Mangel haben als Gesunde, lässt sich daraus deshalb nicht ablesen, zumal sich die Mittelwerte nicht signifikant unterschieden (Benites-Zapata u. a., 2023). Es handelt sich außerdem um Beobachtungsdaten: Sie zeigen, wie verbreitet ein niedriger Wert in einer Gruppe war, nicht, was ihn verursacht hat.
Einzelne Studien streuen stark. Eine Übersichtsarbeit fand in drei Studien zu autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen Anteile zwischen etwa 6 und 55 Prozent (Collins und Pawlak, 2016). Von 7.091 gesichteten Arbeiten flossen nur 6 in die Auswertung ein, und die große Spanne spiegelt nach Einschätzung der Autoren auch den Ernährungszustand der jeweils untersuchten Bevölkerung (Collins und Pawlak, 2016).
In der Klinikgruppe aus Israel lag der Anteil bei 28 Prozent, in einer kleinen Einzelstudie aus einer Klinik (Ness-Abramof u. a., 2006). Von den 115 Teilnehmenden waren 108 Frauen (Ness-Abramof u. a., 2006); das beschreibt die Zusammensetzung der Gruppe, nicht, dass Frauen eher betroffen wären.
Kapitel auf einen Blick
Bei Unterfunktion lag der B12-Spiegel im Mittel niedriger als bei Gesunden, bei autoimmuner Schilddrüsenerkrankung und Überfunktion nicht signifikant (Benites-Zapata u. a., 2023). Einen B12-Mangel fand die Metaanalyse bei 18 Prozent der Menschen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung (Benites-Zapata u. a., 2023). Kleinere Studien streuen stark. Die Zahlen beschreiben Beobachtungen, keine Ursache.
Vitamin B12 bei Schilddrüsenüberfunktion: Was ändert sich?
Beim B12-Spiegel zeigte die Metaanalyse keinen signifikanten Unterschied zu Gesunden; einen Mangel hatten 6 Prozent der Menschen mit Überfunktion (Benites-Zapata u. a., 2023).
Was eine Überfunktion im Körper verändert, beschreibt das IQWiG ausführlich. Sind mehr Schilddrüsenhormone im Blut als nötig, geraten verschiedene Stoffwechsel- und Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht, was sich etwa durch Herzrasen oder Gewichtsverlust trotz Heißhunger bemerkbar machen kann (IQWiG, 2024).
Die häufigste Ursache ist die Basedow-Krankheit: Eine Fehlfunktion des Immunsystems führt dabei dazu, dass die Schilddrüse vermehrt Hormone bildet (IQWiG, 2024). Auch eine Hashimoto-Thyreoiditis kann zu Beginn selten kurzzeitig mit einer Überfunktion einhergehen (IQWiG, 2024). Meist tritt die Überfunktion im mittleren Erwachsenenalter auf (IQWiG, 2024).
Kernaussage
Eine Überfunktion beschleunigt den Stoffwechsel; dass sie deshalb mehr B12 verlangt, ist nicht belegt.
Steigt bei Überfunktion der Bedarf an B-Vitaminen?
Der Gedanke liegt nahe: Wenn alles schneller läuft, braucht der Körper vielleicht auch mehr Vitamine. Belegt ist das nicht. Die Gesundheitsinformation des IQWiG beschreibt bei Überfunktion einen beschleunigten Stoffwechsel (IQWiG, 2024); zum Bedarf an Vitaminen äußert sie sich nicht.
Für B12 kommt die Metaanalyse hinzu: Im mittleren Spiegel unterschieden sich Menschen mit Überfunktion nicht signifikant von Gesunden (Benites-Zapata u. a., 2023). Einen Mehrbedarf an B12 oder anderen B-Vitaminen bei Überfunktion belegen die hier ausgewerteten Quellen nicht.
Wer nach den richtigen Vitaminen bei Schilddrüsenüberfunktion sucht, bekommt deshalb keine Liste, sondern eine Einordnung. Ob ein Nährstoff fehlt, zeigt eine Messung, und was daraus folgt, entscheidet die Praxis.
Brauchst du bei der Schilddrüse mehr B-Vitamine?
Nicht pauschal. Bei Hashimoto kann ein B12-Mangel über den Magen entstehen, im mittleren B12-Spiegel unterschieden sich Menschen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung aber nicht signifikant von Gesunden (Benites-Zapata u. a., 2023).
Rund um Schilddrüse und Vitamine stehen zwei Behauptungen im Raum. Beide gehen weiter, als die Quellen tragen.
Behauptung und Quellenlage
Behauptung
„Bei Hashimoto fehlt immer B12.“
Was die Quellen zeigen
Nein. Die Metaanalyse fand einen Mangel bei 18 Prozent der Menschen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung (Benites-Zapata u. a., 2023), kleinere Studien zwischen etwa 6 und 55 Prozent (Collins und Pawlak, 2016). Ein Mangel ist möglich, aber kein Automatismus.
Behauptung
„Bei Überfunktion braucht man mehr B-Vitamine.“
Was die Quellen zeigen
Nicht belegt. Das IQWiG beschreibt einen beschleunigten Stoffwechsel (IQWiG, 2024), sagt aber nichts zum Vitaminbedarf, und im B12-Spiegel zeigte die Metaanalyse keinen signifikanten Unterschied zu Gesunden (Benites-Zapata u. a., 2023).
Der Einwand ist berechtigt: Wenn ein Mangel bei Hashimoto möglich ist, warum dann nicht einfach vorsorglich handeln? Weil ein möglicher Mangel eine Frage an die Messung ist. Ob bei dir etwas fehlt, beantwortet keine Statistik, und was aus einem Wert folgt, entscheidet die Praxis.
Auch die Ernährung gehört in dieses Bild. Wer mit einer Unterfunktion lebt, findet eine Einordnung dazu im Beitrag Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion. Für B12 gilt dabei, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung festhält: Bei Krankheiten des Magens kann ein Mangel unabhängig von der Zufuhr entstehen (DGE, 2025).
Welche Blutwerte zeigen Schilddrüse und B12-Versorgung?
Für die Schilddrüsenfunktion das TSH und die Schilddrüsenhormone selbst, für die Frage nach Hashimoto zusätzlich Antikörper gegen Schilddrüsengewebe (IQWiG, 2024). Einen ersten Anhaltspunkt für die B12-Versorgung gibt der B12-Wert im Blut.
Das IQWiG schreibt: „Weil viele Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion auch andere Ursachen haben können, werden Bluttests gemacht, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können.“ (IQWiG, 2024) Gemessen werden die sogenannten Schilddrüsenwerte: die Schilddrüsenhormone selbst und das Thyreoidea-stimulierende Hormon, kurz TSH, das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird und die Funktion der Schilddrüse steuert (IQWiG, 2024).
Die Schilddrüsenhormone werden als freies Trijodthyronin, kurz fT3, und freies Thyroxin, kurz fT4, bestimmt. Was diese beiden Werte zusätzlich zum TSH zeigen, erklärt der Beitrag fT3 und fT4 neben dem TSH. Um den TSH-Wert und anhaltende Beschwerden geht es in Normaler TSH-Wert und trotzdem Beschwerden.
Ob eine Hashimoto-Thyreoiditis hinter einer gestörten Funktion steckt, zeigt ein weiterer Bluttest, mit dem sich bestimmte Antikörper gegen Schilddrüsengewebe nachweisen lassen (IQWiG, 2024). Bei einer Überfunktion können Blutuntersuchungen auch auf eine Basedow-Krankheit hinweisen (IQWiG, 2024). Die Diagnose stellt in beiden Fällen die Praxis.
Für B12 ist der Blutwert ein Ausgangspunkt, keine Diagnose. Was ein niedriger B12-Wert bedeuten kann und wie er eingeordnet wird, steht im Beitrag Vitamin-B12-Mangel.
Was misst der Women’s Wellness Check bei Schilddrüse und B12?
Einen Teil dieser Werte kannst du auch zu Hause bestimmen lassen. Der Women’s Wellness Check von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) misst das TSH und die beiden freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 zusammen mit Vitamin B12, ausgewertet in einem Fachlabor in Deutschland.
Was er nicht kann, gehört dazu: Schilddrüsen-Antikörper misst er nicht, eine Hashimoto-Diagnose ist damit also nicht möglich. Auch Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff aus dem Blutbild, über das die Praxis eine Blutarmut feststellt, enthält der Test nicht. Er liefert eine Momentaufnahme für das Gespräch mit deiner Praxis.
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Grenzen: Was ein Bluttest zu B12 und Schilddrüse nicht klärt
Ein Bluttest liefert eine Momentaufnahme, keine Diagnose. Er zeigt, wie ein Wert am Tag der Probe lag, aber nicht, warum.
Ein niedriger B12-Wert kann bei Hashimoto über den Magen entstehen. Er kann aber auch andere Gründe haben: Darmerkrankungen etwa können die Aufnahme von B12 verringern (DGE, 2025). Welche Ursache vorliegt, klärt die Praxis.
Die Studienzahlen sind Beobachtungsdaten aus Gruppen. Sie sagen nichts darüber, ob bei einer einzelnen Person mit Hashimoto ein Mangel vorliegt, und die Spanne zwischen den Einzelstudien hängt nach Einschätzung der Autoren auch vom Ernährungszustand der untersuchten Bevölkerung ab (Collins und Pawlak, 2016).
Der Women’s Wellness Check misst keine Schilddrüsen-Antikörper und kein Hämoglobin. Er kann eine Hashimoto-Thyreoiditis deshalb weder bestätigen noch ausschließen, und eine Blutarmut stellt die Praxis über das Blutbild fest.
Hast du Beschwerden oder nimmst du Schilddrüsenmedikamente, ist die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle. Dort lassen sich Schilddrüsenwerte und B12 gemeinsam einordnen, und dort wird entschieden, ob weitere Untersuchungen nötig sind.
Hashimoto und B12: Welche Frage bringt dich im Arztgespräch weiter?
Nicht die Frage nach mehr Vitaminen, sondern die nach dem Magen. Ob bei Hashimoto ein B12-Mangel vorliegt und woher er kommt, lässt sich messen und abklären.
Zwei Fragen bringen das Gespräch weiter. Erstens: Wurde B12 bei der Schilddrüsendiagnose schon bestimmt? Zweitens: Passt ein niedriger Wert zu einer Beteiligung des Magens, die weiter abgeklärt werden sollte? Beide Fragen setzen bei der Ursache an statt beim Mangel allein, und beide lassen sich mit einem Befund in der Hand besser stellen.
Bei einer Überfunktion ist die ehrliche Antwort kürzer: Der Stoffwechsel läuft schneller, ein Mehrbedarf an B-Vitaminen ist nicht belegt. Die Frage stellt die Schilddrüse. Die Antwort kann im Magen liegen.
Häufige Fragen
Warum kann Hashimoto zu einem B12-Mangel führen?
Hashimoto kann gemeinsam mit einer autoimmunen Gastritis auftreten, und Magenerkrankungen wurden bei etwa 10 bis 40 Prozent der Hashimoto-Betroffenen beschrieben (Cellini u. a., 2017). Die Gastritis kann die Belegzellen zerstören, die Magensäure und Intrinsic Factor bilden, sodass B12 aus der Nahrung schlechter freigesetzt und aufgenommen wird (NICE, 2024). Ein Mangel kann dann unabhängig von der Zufuhr entstehen (DGE, 2025).
Welche Vitamine fehlen bei einer Schilddrüsenüberfunktion?
Eine feste Liste gibt es nicht, weil ein Mehrbedarf an B-Vitaminen bei Überfunktion nicht belegt ist. In einer Metaanalyse aus 64 Studien hatten 6 Prozent der Menschen mit Überfunktion einen B12-Mangel, und ihr mittlerer B12-Spiegel unterschied sich nicht signifikant von dem Gesunder (Benites-Zapata u. a., 2023). Das IQWiG beschreibt bei Überfunktion einen beschleunigten Stoffwechsel (IQWiG, 2024); zum Vitaminbedarf äußert es sich nicht. Ob dir etwas fehlt, zeigt nur eine Messung.
Sollte man bei Hashimoto B12 messen lassen?
Die Autoren einer Übersichtsarbeit empfehlen, B12 bei der Erstdiagnose einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung und danach in Abständen erneut zu prüfen (sinngemäß nach Collins und Pawlak, 2016). Das ist die Einschätzung dieser Autoren, keine Leitlinie. In den Einzelstudien ihrer Übersicht lag der Anteil mit B12-Mangel bei autoimmuner Schilddrüsenerkrankung zwischen etwa 6 und 55 Prozent (Collins und Pawlak, 2016). Ob und wann gemessen wird, besprichst du mit deiner Praxis.
Was ist perniziöse Anämie?
Perniziöse Anämie ist eine Blutarmut, die am Ende einer autoimmunen Gastritis stehen kann: Gehen die Belegzellen im Magen verloren, fehlt der Intrinsic Factor, und B12 wird schlechter aufgenommen (Cellini u. a., 2017). In ihrer lebensbedrohlichen Form ist sie heute sehr selten, weil ein B12-Mangel besser erkannt und behandelt wird (NICE, 2024). In einer Klinikgruppe mit 115 Menschen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung ordneten die Autoren einen Teil der niedrigen B12-Werte als perniziöse Anämie ein (Ness-Abramof u. a., 2006).
Erkranken Frauen eher an Hashimoto und Überfunktion?
Ja, nach den Zahlen des IQWiG: Schätzungsweise 4 von 1.000 Frauen und 1 von 1.000 Männern erkranken an einer Hashimoto-Thyreoiditis, die meisten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr (IQWiG, 2024). Auch eine Überfunktion ist bei Frauen häufiger als bei Männern (IQWiG, 2024). In der Klinikstudie aus Israel waren 108 von 115 Teilnehmenden Frauen (Ness-Abramof u. a., 2006); das beschreibt die Zusammensetzung der Gruppe, kein höheres Risiko für einen B12-Mangel.
Nächster Schritt
Schilddrüsenwerte und B12 in einem Bluttest messen
Der Women’s Wellness Check misst das TSH und die freien Schilddrüsenhormone zusammen mit Vitamin B12 aus einer Blutprobe, die du zu Hause selbst entnimmst. Das Ergebnis ist eine Grundlage für das Gespräch mit deiner Praxis.
Zum Women’s Wellness Check Vitamin-D-Mangel bei Frauen einordnen Anzeichen und Abgrenzung zur SchilddrüseWeiterlesen
Quellen
- Benites-Zapata u. a.: Vitamin B12 bei Schilddrüsenerkrankungen, Metaanalyse, Frontiers in Endocrinology (Stand 2023) – europepmc.org
- Cellini u. a.: Hashimoto-Thyreoiditis und autoimmune Gastritis, Frontiers in Endocrinology (Stand 2017) – europepmc.org
- IQWiG: Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenüberfunktion, gesundheitsinformation.de (Stand 2024) – Hashimoto · Überfunktion
- Collins und Pawlak: B12-Mangel bei Schilddrüsenerkrankungen, Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition (Stand 2016) – europepmc.org
Die Anteile und Mittelwerte zum B12-Mangel stützen sich auf [1], die Spanne aus Einzelstudien auf [4]. Den Weg über den Magen beschreiben [2] sowie die Leitlinie NG239 des NICE (2024) und die DGE-Fragen und -Antworten zu B12 (2025). Die Angaben zu Hashimoto und Überfunktion stammen aus [3], ergänzt um die IQWiG-Seite zur Schilddrüsenunterfunktion (2024); die Klinikstudie aus Israel ist Ness-Abramof u. a. (2006). Die Angaben zum Women’s Wellness Check stammen aus den Produktdaten von mybody®x, der Preis wurde am 28.09.2026 geprüft.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Schilddrüse Vitamin B12
Dieser Beitrag stammt vom mybody®x Redaktions- & Fachteam. Wir ordnen Studien und Gesundheitsinformationen ein und nennen jede Zahl mit Quelle und Jahr. Mehr über das Team auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 28.09.2026 · Zuletzt aktualisiert am 28.09.2026
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