Wird der Charakter vererbt? Was Zwillingsstudien zeigen
3. Oktober 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Zum Teil, aber anders, als die Frage nahelegt. In einer Metaanalyse, die Einzelstudien gemeinsam auswertet, gingen im Mittel 40 Prozent der Unterschiede in der Persönlichkeit zwischen Menschen auf genetische Unterschiede zurück (Vukasović und Bratko, 2015). Das ist ein Maß für Bevölkerungen. Welcher Anteil deines eigenen Charakters in den Genen liegt, beantwortet es nicht.
Erblichkeit beschreibt, wie gut genetische Unterschiede die Unterschiede in einem Merkmal erklären, und reicht laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) von null bis eins.
Zwillingsstudien kommen bei der Persönlichkeit auf höhere Schätzungen als Studien mit anderen Verwandten und Adoptivfamilien, 0,47 gegenüber 0,22 (Vukasović und Bratko, 2015).
Für eine einzelne Stelle im Gen COMT fand eine Metaanalyse nur einen geringen Zusammenhang mit ängstlichen Persönlichkeitszügen, und das nur in einer Teilgruppe (Lee und Prescott, 2014).
In diesem Artikel
Wird der Charakter vererbt?
Zum Teil: Unterschiede in der Persönlichkeit gehen in Studien zu einem Teil auf Gene zurück, im Mittel einer Metaanalyse mit einer Erblichkeit von 0,40 (Vukasović und Bratko, 2015). Der Wert beschreibt Bevölkerungen, nicht einzelne Menschen.
Die Frage entsteht beim Blick in die eigene Familie. Die Tochter ist so aufbrausend wie der Vater, der Sohn so still wie die Großmutter. Liegt das in den Genen, oder haben die Kinder es sich abgeschaut? Die Verhaltensgenetik, das Forschungsfeld zu Genen und Verhalten, antwortet darauf mit einer Zahl, die leicht missverstanden wird.
Die Zahl heißt Erblichkeit, in der Fachsprache Heritabilität. Sie misst laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021), wie gut Unterschiede in den Genen die Unterschiede in einem Merkmal zwischen Menschen erklären. Für die Persönlichkeit ergab eine Metaanalyse einen mittleren Wert von 0,40: Etwa 40 Prozent der Unterschiede zwischen den Teilnehmenden gingen auf genetische, 60 Prozent auf Umwelteinflüsse zurück (Vukasović und Bratko, 2015).
Daraus wird gern ein Satz über die eigene Person: Ein fester Teil meines Charakters stamme aus den Genen, der Rest aus der Erziehung. Genau das sagt der Wert nicht. Er gilt für die Unterschiede in einer Gruppe von Menschen, und laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) ist eine solche Schätzung an eine Bevölkerung in einer Umwelt gebunden.
Wer den Unterschied zwischen beiden Lesarten kennt, liest die weiteren Zahlen in diesem Text als Aussagen über Gruppen.
Was bedeutet Erblichkeit beim Charakter?
Erblichkeit ist der Anteil der Unterschiede in einer Bevölkerung, der auf genetische Unterschiede zurückgeht; die Werte reichen laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) von null bis eins. Über den einzelnen Menschen sagt sie nichts.
Dahinter steht ein Begriff aus der Statistik: Varianz, also die Streuung eines Merkmals zwischen Menschen. Manche Menschen sind sehr gesellig, andere zurückhaltend. Erblichkeit fragt, wie viel dieser Streuung sich durch genetische Unterschiede erklären lässt. Sie fragt nicht, wie viel Geselligkeit in einer bestimmten Person genetisch ist.
Ein Bild hilft: Erblichkeit ist eine Aussage über ein Klassenfoto, nicht über ein Porträt. Sie beschreibt, warum sich die Gesichter auf dem Foto voneinander unterscheiden, und nicht, woraus ein einzelnes Gesicht gemacht ist.
Das Rechenbeispiel dazu stammt aus derselben Quelle. Eine Erblichkeit von 0,7 heißt laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) nicht, dass 70 Prozent eines Merkmals genetisch verursacht sind, sondern dass 70 Prozent der Unterschiede in einer Bevölkerung auf genetische Unterschiede zwischen Menschen zurückgehen. Ein Messwert für die Persönlichkeit ist das nicht, sondern ein Lehrbeispiel.
Belegte Fundstelle
„Erblichkeit sagt nicht, welcher Anteil eines Merkmals von Genen und welcher von der Umwelt bestimmt ist.“
MedlinePlus Genetics (NLM, 2021)
National Library of Medicine: „What is heritability?“, Stand 2021, aus dem Englischen übertragen
Damit unterscheidet sich die Persönlichkeit von den Merkmalen, mit denen die klassische Genetik arbeitet. Bei den Mendelschen Regeln steht ein Gen für ein Merkmal. Verhaltensmerkmale sind dagegen in der Regel komplex und spiegeln das Wirken mehrerer verschiedener Gene (Stein u. a., 2006).
Die meisten komplexen Merkmale des Menschen haben laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) eine Erblichkeit irgendwo in der Mitte. Ihre Unterschiede gehen also auf Gene und Umwelt zusammen zurück, nicht auf das eine oder das andere allein.
Was zeigen Zwillingsstudien zur Persönlichkeit?
Zwillingsstudien schätzen die Erblichkeit der Persönlichkeit im Mittel auf 0,47, Familien- und Adoptionsstudien auf 0,22 (Vukasović und Bratko, 2015). Welche Methode verwendet wird, verändert also das Ergebnis.
Die Zwillingsforschung beruht auf einem Vergleich. Eineiige Zwillinge unterscheiden sich in ihrer DNA fast nicht, zweieiige teilen im Mittel 50 Prozent, laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021). Ist ein Merkmal bei eineiigen Paaren ähnlicher als bei zweieiigen, die in derselben Umgebung aufgewachsen sind, sind Gene laut derselben Quelle wahrscheinlich wesentlich daran beteiligt.
Wie viel DNA Verwandte miteinander teilen, erklärt der Beitrag zur DNA von Mutter und Vater: Dort geht es um Mengen, hier darum, was Erblichkeit über Unterschiede sagt.
Wie breit diese Methode angewandt wurde, zeigt eine Metaanalyse über fünfzig Jahre Zwillingsforschung. Sie wertete 2.748 Veröffentlichungen zu 17.804 Merkmalen aus, praktisch alle veröffentlichten Zwillingsstudien zu komplexen Merkmalen (Polderman u. a., 2015). Darin steckten 14.558.903 teils überlappende Zwillingspaare (Polderman u. a., 2015).
Über alle Merkmale lag die berichtete Erblichkeit bei 49 Prozent (Polderman u. a., 2015). Das ist ein Mittel über sehr verschiedene Merkmale und kein Wert für den Charakter. Bei 69 Prozent der Merkmale passten die Zwillingsähnlichkeiten zu einem einfachen Modell, in dem sich genetische Einflüsse schlicht addieren (Polderman u. a., 2015).
Für die Persönlichkeit gibt es eine eigene Metaanalyse. Vukasović und Bratko fanden 134 Studien mit 190 möglicherweise unabhängigen Schätzwerten; am Ende gingen 62 unabhängige Schätzwerte mit mehr als 100.000 Teilnehmenden beider Geschlechter und aller Altersgruppen ein (Vukasović und Bratko, 2015). Die mittlere Erblichkeit lag bei 0,40 (Vukasović und Bratko, 2015).
Die Studienart machte dabei einen Unterschied: Zwillingsstudien ergaben 0,47, Familien- und Adoptionsstudien 0,22 (Vukasović und Bratko, 2015). Familien- und Adoptionsstudien vergleichen statt Zwillingen andere Verwandte oder Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen.
Die Tabelle stellt die Schätzungen nebeneinander. Die letzten beiden Zeilen beruhen auf einer anderen Methode: Sie schätzen die Erblichkeit direkt aus SNPs, also einzelnen vererbbaren Abschnitten der DNA, und zwar für Neurotizismus, die Neigung zu Sorgen und Anspannung, und für Offenheit für Erfahrungen (Power und Pluess, 2015). Beide zählen zu den Persönlichkeitsmerkmalen, den Zügen, in denen sich Menschen in ihrem Erleben und Verhalten unterscheiden.
Erblichkeitsschätzungen im Vergleich
| Schätzung | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Persönlichkeit im Mittel aller Studien | 0,40 | (Vukasović und Bratko, 2015) |
| Persönlichkeit aus Zwillingsstudien | 0,47 | (Vukasović und Bratko, 2015) |
| Persönlichkeit aus Familien- und Adoptionsstudien | 0,22 | (Vukasović und Bratko, 2015) |
| Alle 17.804 Merkmale aus Zwillingsstudien | 49 Prozent | (Polderman u. a., 2015) |
| Neurotizismus aus SNP-Daten | 15 Prozent | (Power und Pluess, 2015) |
| Offenheit aus SNP-Daten | 21 Prozent | (Power und Pluess, 2015) |
Quellen: Zeilen 1 bis 3 aus der Metaanalyse zur Persönlichkeit (Vukasović und Bratko, 2015), Zeile 4 aus der Metaanalyse über alle Merkmale (Polderman u. a., 2015). Die SNP-Werte der Zeilen 5 und 6 gelten als vorläufig (Power und Pluess, 2015). Ein Wert von 0,40 entspricht 40 Prozent der Unterschiede in der untersuchten Bevölkerung (Vukasović und Bratko, 2015).
Ist das Temperament angeboren oder anerzogen?
Weder das eine noch das andere allein: Die Schätzungen für die Erblichkeit des Temperaments reichen laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2022) von 20 bis 60 Prozent. Die Spanne ist breit, und sie beschreibt Unterschiede zwischen Menschen einer Bevölkerung.
Temperament ist ein mit der Persönlichkeit verwandter Begriff, aber kein anderes Wort für sie. Laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2022) zählen dazu Verhaltensmerkmale wie Geselligkeit (aufgeschlossen oder schüchtern), Emotionalität (gelassen oder schnell reagierend), Aktivität (viel oder wenig Energie), Aufmerksamkeit (konzentriert oder leicht abgelenkt) und Ausdauer (beharrlich oder schnell entmutigt).
Selbst eineiige Zwillinge, die getrennt in verschiedenen Haushalten aufgewachsen sind, teilen laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2022) solche Züge. Bei ihnen fällt die gemeinsame Kinderstube als Erklärung weg.
Bei der Spanne kommt es auf die Lesart an. Nach der Definition aus dem Kapitel zur Erblichkeit beschreibt sie Unterschiede in Bevölkerungen, keinen Anteil am Temperament eines einzelnen Menschen. Auch ihre Breite gehört zur Aussage: Die Schätzungen der Fachleute liegen weit auseinander.
Ein klares Muster der Vererbung hat das Temperament laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2022) nicht. Es fehlt ein Erbgang, also eine feste Regel, nach der ein Merkmal von Eltern auf Kinder übergeht, wie sie die Mendelschen Regeln für einzelne Gene beschreiben.
Warum erklären einzelne Gene die Persönlichkeit kaum?
Weil sich die genetische Wirkung beim Temperament laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2022) auf vielleicht Tausende häufige Varianten verteilt, also auf Stellen der DNA, die bei Menschen unterschiedlich ausfallen. Selbst 527.469 SNPs zusammen erklärten in einer Studie deutlich weniger als Zwillingsstudien (Power und Pluess, 2015).

Für Züge des Temperaments gibt es laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2022) keine einzelnen Gene, die bestimmte Züge verleihen. Die Varianten, die stattdessen zusammenwirken, heißen auch Polymorphismen. Sie zu finden, ist laut einer Studie zu den Persönlichkeitsmerkmalen bisher kaum gelungen (Power und Pluess, 2015).
Wie groß die Lücke ist, zeigt diese Studie an 5.011 Erwachsenen europäischer Herkunft: Sie schätzte die Erblichkeit der fünf großen Persönlichkeitsmerkmale, kurz Big Five, aus 527.469 SNPs (Power und Pluess, 2015). Deutliche Schätzungen ergaben sich nur für Neurotizismus mit 15 Prozent und für Offenheit mit 21 Prozent, für die übrigen drei der Big Five nicht (Power und Pluess, 2015).
Zwillingsstudien kommen für die Persönlichkeit im Mittel auf 0,47, also 47 Prozent der Unterschiede zwischen Menschen (Vukasović und Bratko, 2015). Die Autoren der SNP-Studie bezeichnen ihre Ergebnisse selbst als explorativ, also vorläufig (Power und Pluess, 2015). Die Richtung ist trotzdem erkennbar: Die gemessenen Varianten erklären zusammen nur einen Teil dessen, was Zwillingsstudien als Erblichkeit finden.
Dazu passt ein allgemeiner Grundsatz, den das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen für Aussehen und Körperfunktion formuliert. Laut IQWiG (2026) gilt: „Wie wir aussehen und wie unser Körper funktioniert, wird vom Wechselspiel zwischen unseren Genen, unserer Lebensweise und unserer Umwelt bestimmt.“
Für das Temperament ergänzt MedlinePlus Genetics (NLM, 2022), dass Umweltfaktoren mitwirken, indem sie die Aktivität von Genen beeinflussen. Wie das geschieht, beschreibt der Beitrag zur Epigenetik, dem Fachgebiet zur Steuerung der Genaktivität. Warum dieselbe Variante bei zwei Menschen Verschiedenes bewirken kann, erklärt der Beitrag zu Genotyp und Phänotyp, also zu den Varianten, die jemand trägt, und dem Merkmal, das sich zeigt.
Kapitel auf einen Blick
Für Züge des Temperaments gibt es laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2022) keine einzelnen Gene, die bestimmte Züge verleihen. Für Neurotizismus und Offenheit ergaben sich aus 527.469 SNPs Schätzungen von 15 und 21 Prozent (Power und Pluess, 2015). Zwillingsstudien kommen für die Persönlichkeit auf 0,47 (Vukasović und Bratko, 2015). Gene wirken laut IQWiG (2026) bei Aussehen und Körperfunktion im Wechselspiel mit der Lebensweise und der Umwelt.
Krieger oder Grübler: Was zeigt die COMT-Variante?
Sie zeigt vor allem, wie wenig eine einzelne Variante erklärt: Eine Metaanalyse über 27 Studien fand einen Zusammenhang mit ängstlichen Persönlichkeitszügen nur in einer Teilgruppe, und er war gering (Lee und Prescott, 2014).
Das Gen COMT, benannt nach dem Enzym Catechol-O-Methyltransferase, hat an Codon 158, einer bestimmten Stelle des Gens, eine verbreitete Variante (Stein u. a., 2006). Wer dort die Aminosäure Valin trägt, kurz Val158, hat laut Stein u. a. eine höhere COMT-Aktivität und weniger Dopamin, einen Botenstoff im Gehirn, außerhalb der Zellen im Stirnhirn als Träger von Methionin, kurz Met158 (Stein u. a., 2006). Daher der Name Val158Met.
Aus diesem Unterschied stammt das Bild, das dem Kapitel den Namen gibt. Val158 könnte laut Stein u. a. mit einem Vorteil beim Verarbeiten unangenehmer Reize verbunden sein, der „warrior“-Strategie des Kriegers; Met158 mit einem Vorteil bei Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsaufgaben, der „worrier“-Strategie, frei übertragen der des Grüblers (Stein u. a., 2006). Das Wort „könnte“ trägt den ganzen Satz: Der Beitrag ist eine kurze Übersicht ohne eigene Messung (Stein u. a., 2006).
Was davon in Messungen übrig bleibt, prüfte eine Metaanalyse mit 27 Studien und 15.979 Menschen (Lee und Prescott, 2014). Männer europäischer Herkunft mit zwei Valin-Kopien hatten etwas höhere Neurotizismuswerte als solche mit zwei Methionin-Kopien, mit einer mittleren Effektstärke von 0,13 (Lee und Prescott, 2014). Die Effektstärke ist ein Maß dafür, wie deutlich sich zwei Gruppen in einem Wert unterscheiden. Bei Frauen fand sich kein Zusammenhang, und über alle Gruppen und Merkmale zusammen wurden die Effekte kleiner (Lee und Prescott, 2014).
Eine einzelne Variante macht noch keinen Charakter.
Ein Speicheltest, der Varianten an festgelegten Stellen bestimmt, liest deshalb keine Persönlichkeit ab; was er stattdessen zeigt, steht im Kapitel zum DNA-Test weiter unten.
Ändert sich die Erblichkeit der Intelligenz mit dem Alter?
Ja, nach Befunden vor allem aus Zwillingsstudien steigt sie von etwa 20 Prozent im Säuglingsalter auf vielleicht 80 Prozent im späteren Erwachsenenalter (Plomin und Deary, 2015). Auch diese Werte beschreiben Bevölkerungen.
Intelligenz gehört laut Plomin und Deary zu den Verhaltensmerkmalen mit der höchsten Erblichkeit (Plomin und Deary, 2015). Ihre Übersicht fasst fünf besondere Befunde zusammen, und der Anstieg mit dem Alter ist der erste davon (Plomin und Deary, 2015).
Die Wörter „etwa“ und „vielleicht“ stammen von den Autoren selbst und gehören zur Aussage. Auch der höhere Wert beschreibt nach der Definition von MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) Unterschiede in einer untersuchten Bevölkerung und keinen Anteil an der Intelligenz eines einzelnen Erwachsenen.
Für die Frage nach dem Charakter bleibt Intelligenz ein Randthema. Sie zeigt aber, dass eine Erblichkeitsschätzung je nach Lebensalter anders ausfallen kann (Plomin und Deary, 2015).
Was liest ein DNA-Test aus der Speichelprobe?
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Das Verfahren heißt SNP-Genotypisierung: Es prüft vorab festgelegte Einzelpositionen der DNA und liest dort ab, welche Variante jemand trägt, den Genotyp. Für den INFINITY gilt laut Produktangaben (Stand 03.10.2026): SNP-Genotypisierung mit über 700.000 SNPs. Keine Ganzgenomsequenzierung, das gesamte Erbgut wird also nicht gelesen. Den Unterschied der beiden Verfahren erklärt der Beitrag Genotypisierung oder Sequenzierung.
Die Genvariationen betreffen Ernährung und Stoffwechsel, etwa die Analyse zur Reaktion auf Kohlenhydrate mit dem Gen FTO, die eine Veranlagung beschreibt und keine Vorhersage. Persönlichkeit gehört nicht zu den Analysen. Gemacht wird der Test einmal im Leben, ausgewertet in einem Fachlabor in Deutschland.
Für dieses Thema heißt das: Der INFINITY sagt nichts über Charakter oder Temperament voraus. Er ist kein diagnostisches Verfahren und ersetzt keine ärztliche Beratung.
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Zum INFINITY DNA-TestGrenzen: Was zeigen Erblichkeitswerte nicht?
Sie zeigen keinen Anteil beim einzelnen Menschen, und ihre Höhe hängt von der Methode ab: Zwillingsstudien kommen bei der Persönlichkeit auf 0,47, Familien- und Adoptionsstudien auf 0,22 (Vukasović und Bratko, 2015).
Der Unterschied zwischen den Methoden ist mehr als eine Fußnote. Dieselbe Metaanalyse nennt die Studienart ausdrücklich als Einflussgröße (Vukasović und Bratko, 2015). Wer nur eine einzelne Zahl zitiert, verschweigt die Spanne dahinter.
Erblichkeit gilt laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) für eine Bevölkerung in einer Umwelt. Auf einen einzelnen Menschen lässt sich der Wert nicht übertragen, auch nicht der Mittelwert aus einer großen Metaanalyse.
Der Befund zu COMT gilt nur für eine Teilgruppe, Männer europäischer Herkunft, und er schrumpfte, sobald die Studien über Herkunft oder Merkmale hinweg zusammengefasst wurden (Lee und Prescott, 2014). Die Schätzungen aus SNP-Daten nennen ihre Autoren selbst explorativ (Power und Pluess, 2015).
Der DNA-Test aus dem vorigen Kapitel liest keine Persönlichkeit. Er beschreibt Veranlagungen zu Ernährung und Stoffwechsel.
Ist der Charakter durch die Gene festgelegt?
Nein, und die hier zitierten Studien behaupten das auch nicht. Gene tragen zu den Unterschieden in der Persönlichkeit zwischen Menschen bei, in Zwillingsstudien sichtbarer als in Familien- und Adoptionsstudien.
Eine einzelne Variante erklärt davon wenig, und ob sich ein Merkmal verändern lässt, beantwortet die Erblichkeit laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) ausdrücklich nicht. Die Anlage ist keine Festlegung.
Häufige Fragen
Sind eineiige Zwillinge gleich in ihrer Persönlichkeit?
Gleich nicht: Gene erklären in den Studien nur einen Teil der Unterschiede in der Persönlichkeit. Zwillingsstudien kommen im Mittel auf eine Erblichkeit von 0,47 (Vukasović und Bratko, 2015). Über alle Studienarten lag der Mittelwert bei 0,40, und 60 Prozent der Unterschiede gingen auf Umwelteinflüsse zurück (Vukasović und Bratko, 2015). Wie breit die Zwillingsforschung insgesamt aufgestellt ist, zeigt eine Metaanalyse über 2.748 Veröffentlichungen, in der die berichtete Erblichkeit über alle Merkmale bei 49 Prozent lag (Polderman u. a., 2015).
Kann man die Persönlichkeit per DNA-Test bestimmen?
Nein. Eine Forschungsstudie, die 527.469 SNPs bei 5.011 Erwachsenen auswertete, fand nur für zwei der fünf großen Persönlichkeitsmerkmale deutliche Erblichkeitsschätzungen und nannte ihre Ergebnisse vorläufig (Power und Pluess, 2015). Einen Charakter liest auch die Forschung daraus nicht ab. Der NutriCare | INFINITY DNA-Test bestimmt 140 Genvariationen zu Ernährung und Stoffwechsel und enthält keine Persönlichkeitsanalyse (Stand der Angaben: 03.10.2026).
Ist erblich dasselbe wie familiär gehäuft?
Nein. Laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) ist erblich nicht dasselbe wie familiär gehäuft. Ähnliche Temperamente in einer Familie können laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2022) auf gemeinsame Gene zurückgehen, aber ebenso auf die Umgebung, in der jemand aufwächst. Wer in der eigenen Familie Ähnlichkeiten bemerkt, sieht darin möglicherweise beides zugleich. Genau deshalb vergleicht die Forschung eineiige mit zweieiigen Zwillingen.
Lässt sich ein erblicher Charakterzug verändern?
Darüber sagt die Erblichkeit nichts: Laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) gibt sie keine Auskunft darüber, wie leicht oder schwer sich ein Merkmal verändern lässt. Auch ein hoher Wert wie 0,7 aus dem Rechenbeispiel von MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) ändert daran nichts. Für das Temperament beschreibt MedlinePlus Genetics (NLM, 2022), dass es recht beständig bleibt, besonders im Erwachsenenalter. Beständig heißt dabei nicht unveränderlich.
Was sagt die Erblichkeit über ein einzelnes Kind?
Nichts, was sich auf das Kind umrechnen ließe. Eine Erblichkeitsschätzung gilt laut MedlinePlus Genetics (NLM, 2021) für eine Bevölkerung in einer Umwelt und kann sich ändern, wenn sich die Umstände ändern. Auch der Mittelwert von 0,40 aus der Metaanalyse zur Persönlichkeit bezieht sich auf Unterschiede zwischen Menschen und nicht auf die Anlagen eines bestimmten Kindes (Vukasović und Bratko, 2015). Ob ein Kind eher dem Vater oder der Mutter ähnelt, lässt sich daraus nicht ablesen.
Nächster Schritt
Ernährung und Stoffwechsel statt Persönlichkeit
Der NutriCare | INFINITY DNA-Test liest aus einer Speichelprobe Varianten zu Ernährung und Stoffwechsel. Über deinen Charakter sagt er nichts voraus.
Zum INFINITY DNA-Test Wie ein DNA-Test aus der Speichelprobe Varianten liest Das Verfahren Schritt für Schritt erklärtWeiterlesen
Quellen
- Vukasović T., Bratko D.: Heritability of personality: a meta-analysis of behavior genetic studies. Psychological Bulletin 141(4) (Stand 2015) – europepmc.org
- Polderman T. J. C. u. a.: Meta-analysis of the heritability of human traits based on fifty years of twin studies. Nature Genetics 47(7) (Stand 2015) – europepmc.org
- MedlinePlus Genetics (NLM): What is heritability? (Stand 2021) und Is temperament determined by genetics? (Stand 2022) – medlineplus.gov · medlineplus.gov
- Lee L. O., Prescott C. A.: Association of the catechol-O-methyltransferase val158met polymorphism and anxiety-related traits: a meta-analysis. Psychiatric Genetics 24(2) (Stand 2014) – europepmc.org
Die Werte zur Erblichkeit der Persönlichkeit stützen sich auf [1], die Zwillingsforschung über alle Merkmale auf [2], die Definition der Erblichkeit mit dem Rechenbeispiel und die Angaben zum Temperament auf [3], der Befund zu COMT und Neurotizismus auf [4]. Weitere Angaben: die SNP-Schätzungen zu den Big Five nach Power und Pluess (Translational Psychiatry, 2015), die Erblichkeit der Intelligenz nach Plomin und Deary (Molecular Psychiatry, 2015), das Bild von „warrior“ und „worrier“ nach Stein u. a. (CNS Spectrums, 2006) sowie der Grundsatz zum Wechselspiel nach dem IQWiG (gesundheitsinformation.de, 2026). Produktangaben zum NutriCare | INFINITY DNA-Test von mybody®x, Stand der Angaben: 03.10.2026; Preise können sich ändern.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Verhaltensgenetik Zwillingsforschung
Dieser Beitrag stammt vom mybody®x Redaktions- & Fachteam und stützt sich auf veröffentlichte Metaanalysen sowie auf die Angaben von MedlinePlus Genetics. Mehr über das Team steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 03.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 03.10.2026
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Die DNA-Analyse dient der Ernährungs- und Lebensstilberatung. Sie ist kein diagnostisches Verfahren, stellt keine Krankheitsvorhersage dar und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Genetische Varianten beschreiben Wahrscheinlichkeiten in Bevölkerungsgruppen, keine Festlegung für einzelne Personen.
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