Vitaminmangel durch Medikamente: welcher Wirkstoff welches Vitamin betrifft
26. September 2026ca. 15 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Medikamente, die du über Monate oder Jahre nimmst, können einen Vitaminmangel auslösen, der sich schleichend entwickelt. Welches Vitamin betroffen ist, hängt vom Wirkstoff ab: Bei Säureblockern und dem Diabetesmittel Metformin geht es um B12, bei anderen Medikamenten um Folsäure und Vitamin D oder um B6 und B1. Ob und wie das geprüft wird, klärst du mit der verschreibenden Praxis.
Wer zwei Jahre oder länger Säureblocker nahm, hatte in einer Studie von Lam u. a. (2013) ein höheres Risiko für einen neu festgestellten B12-Mangel.
Unter Metformin lag der B12-Wert nach 4,3 Jahren im Mittel 19 Prozent niedriger als unter einem Scheinmedikament (de Jager u. a., 2010).
Ob ein Vitaminwert gemessen oder ausgeglichen wird, entscheidet die verschreibende Praxis, und das Medikament setzt du dafür nicht eigenmächtig ab.
In diesem Artikel
Wie kann ein Medikament einen Vitaminmangel auslösen?
Über Monate oder Jahre eingenommen, können Arzneimittel einen Mangel an Vitaminen auslösen, der sich schleichend aufbaut (Mohn u. a., 2018). Welcher Weg dahintersteht, unterscheidet sich je nach Wirkstoff.
Säureblocker hemmen die Bildung von Magensäure und können so die Aufnahme von Vitamin B12 stören (Lam u. a., 2013). Bei Furosemid, einem Entwässerungsmittel, scheint ein Mangel an Thiamin, dem Vitamin B1, vor allem auf die größere Urinmenge zurückzugehen (Katta u. a., 2016).
Kernaussage
Die Langzeiteinnahme verschreibungspflichtiger und frei verkäuflicher Arzneimittel kann Mängel an Mikronährstoffen, also an Vitaminen und Mineralstoffen, auslösen, die sich über Monate oder sogar Jahre entwickeln (sinngemäß nach Mohn u. a., 2018).
Wer seit Jahren ein Mittel gegen Sodbrennen nimmt oder Metformin gegen Typ-2-Diabetes, stößt irgendwann auf den Satz, Medikamente seien Vitaminräuber. Zwei Fragen liegen dann nahe: Soll ich das Medikament weglassen? Und warum hat mein Arzt nie etwas gesagt? Auf die erste gibt es eine klare Antwort: nicht auf eigene Faust. Die zweite führt zur Studienlage, und die ist dünner, als der Satz vom Vitaminräuber vermuten lässt.
Medikamente sind eine Ursache unter mehreren. Woran sich ein Mangel zeigen kann, beschreibt unser Artikel zu den Anzeichen eines Nährstoffmangels. Wie du einordnest, welche Vitamine dir fehlen könnten, und wie sich einem Vitaminmangel gezielt vorbeugen lässt, steht in zwei weiteren Beiträgen. Hier geht es um die Wirkstoffe selbst.
Zwei Zahlen zu Vitamin B12
1,65
Chancenverhältnis (Odds Ratio) für einen neuen B12-Mangel bei Protonenpumpenhemmern, einer Gruppe der Säureblocker, über zwei Jahre oder länger. Ein Wert über eins heißt: Unter Menschen mit Mangel war die Einnahme wahrscheinlicher als unter Vergleichspersonen.
−19 %
B12-Wert im Mittel nach 4,3 Jahren Metformin, verglichen mit Placebo, einem Scheinmedikament.
Quelle: Lam u. a., JAMA, 2013 · de Jager u. a., BMJ, 2010
Beide Zahlen gelten für die untersuchten Gruppen. Wer genau dazugehörte, steht in den Kapiteln zu Säureblockern und Metformin.
Welche Medikamente betreffen welches Vitamin?
Säureblocker und Metformin betreffen in den Studien Vitamin B12, das Rheumamittel Methotrexat die Folsäure. Bei Antiepileptika, also Mitteln gegen epileptische Anfälle, geht es um Vitamin D und Folat, die natürliche Form der Folsäure. Die Pille und das Tuberkulosemittel Isoniazid berühren Vitamin B6, das Entwässerungsmittel Furosemid Vitamin B1.
Eine Wirkstoffgruppe fasst Arzneimittel mit ähnlichem Wirkprinzip zusammen. Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker sind zwei solche Gruppen: Beide zählen zu den Säureblockern und hemmen die Bildung von Magensäure (Lam u. a., 2013). Die Tabelle nennt zu jeder Zeile die Art der Studie und ihre Grenze.
Übersicht nach Wirkstoffgruppe
| Wirkstoff | Vitamin | Beleglage |
|---|---|---|
| Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker (Säureblocker) | B12 | Fall-Kontroll-Studie, also ein Vergleich von Menschen mit und ohne Mangel: Zusammenhang, kein Beweis für Ursache und Wirkung (Lam u. a., 2013). Prüfung: verschreibende Praxis. |
| Metformin (Diabetesmittel) | B12 | Randomisierte Studie, bei der der Zufall über Wirkstoff oder Placebo entschied; nur Menschen mit Typ-2-Diabetes unter Insulin (de Jager u. a., 2010). Prüfung: verschreibende Praxis. |
| Antiepileptika | Vitamin D bei Kindern; Folat | Vitamin D: Metaanalyse, eine gemeinsame Auswertung von 29 Studien, nur Kinder und Jugendliche (Junges u. a., 2020). Folat: Beobachtung an einem Zentrum (Linnebank u. a., 2011). Prüfung: verschreibende Praxis. |
| Methotrexat (Rheumamittel) | Folsäure | Cochrane-Review, eine systematische Studienauswertung, nur niedrig dosiertes Methotrexat bei rheumatoider Arthritis, einer entzündlichen Gelenkerkrankung (Shea u. a., 2013). Folsäure dazu verordnet die Praxis. |
| Pille (hormonelle Verhütung) | B6 | Übersichtsarbeit: Hinweise auf einen niedrigeren B6-Status, für Folat nicht gesichert (Wilson u. a., 2011). Prüfung: verschreibende Praxis. |
| Furosemid (Entwässerungsmittel) | B1 (Thiamin) | Übersichtsarbeit, nur Furosemid bei Herzschwäche, Mangel unterschiedlich ausgeprägt (Katta u. a., 2016). Prüfung: verschreibende Praxis. |
| Isoniazid (Tuberkulosemittel) | B6 (Pyridoxin) | Systematische Übersicht zu Nervenschäden, Schwerpunkt Länder mit hoher Tuberkulose-Last (van der Watt u. a., 2011). Prüfung: verschreibende Praxis. |
Wirkstoff und Vitamin auf einen Blick
Bei Säureblockern und Metformin steht Vitamin B12 im Mittelpunkt, bei Methotrexat die Folsäure. Antiepileptika hängen mit Vitamin D und Folat zusammen, wobei die Vitamin-D-Daten nur Kinder und Jugendliche betreffen. Pille und Isoniazid berühren Vitamin B6, Furosemid bei Herzschwäche das Vitamin B1. Keine Zeile sagt, dass bei dir ein Mangel vorliegt.
Senken Säureblocker das Vitamin B12?
Wer zwei Jahre oder länger Protonenpumpenhemmer nahm, hatte in einer Studie von Lam u. a. (2013) ein höheres Risiko für einen neu festgestellten B12-Mangel. Ein Beweis, dass die Mittel den Mangel verursacht haben, ist das nicht.
Was zeigt die Studie zu Säureblockern und B12?
Die Forschenden werteten Daten aus Nordkalifornien aus den Jahren 1997 bis 2011 aus und verglichen 25.956 Menschen mit neuem B12-Mangel mit 184.199 Kontrollen ohne Mangel (Lam u. a., 2013). Das ist eine Fall-Kontroll-Studie: Sie stellt Menschen mit einem Befund, den Fällen, Menschen ohne diesen Befund gegenüber und fragt, wer vorher welches Mittel genommen hatte.
Für Protonenpumpenhemmer über zwei Jahre oder länger lag die Odds Ratio bei 1,65, für H2-Blocker bei 1,25 (Lam u. a., 2013). Bei den Protonenpumpenhemmern lag der Wert mit der Tagesmenge höher: 1,95 bei mehr als 1,5 Tabletten am Tag, 1,63 bei weniger als 0,75 Tabletten (Lam u. a., 2013). Frühere und aktuelle Einnahme hingen beide signifikant mit dem Mangel zusammen.
Für wen gilt der Befund zu Säureblockern?
Die Studie beobachtet, sie greift nicht ein. Ob die Säureblocker den Mangel verursacht haben, kann eine solche Beobachtungsstudie nicht beweisen, sie zeigt einen Zusammenhang in Daten aus Nordkalifornien.
Welche weiteren Gründe hinter einem niedrigen B12-Wert stehen können, zeigt unser Artikel zu den Ursachen für Vitamin-B12-Mangel. Ob und wie dein Wert unter einem Säureblocker geprüft wird, klärst du mit der verschreibenden Praxis.
Ein statistischer Zusammenhang beschreibt eine Gruppe, keinen einzelnen Menschen.
Senkt Metformin den Vitamin-B12-Spiegel?
In einer randomisierten Studie lag B12 unter Metformin nach 4,3 Jahren im Mittel 19 Prozent niedriger als unter Placebo (de Jager u. a., 2010). Randomisiert heißt, dass der Zufall entschied, wer den Wirkstoff und wer das Scheinmedikament bekam.
Was zeigt die Studie zu Metformin und B12?
Teilgenommen haben 390 Menschen mit Typ-2-Diabetes, die bereits Insulin bekamen (de Jager u. a., 2010). Als Mangel galt ein B12-Wert unter 150 pmol/l, also Pikomol je Liter Blut. Am Ende der Studie lag das Risiko dafür unter Metformin um 7,2 Prozentpunkte höher als unter Placebo (de Jager u. a., 2010).
Die Autoren fassen zusammen, dass eine Langzeitbehandlung mit Metformin das Risiko für einen B12-Mangel erhöht, der wiederum zu erhöhtem Homocystein führt (sinngemäß nach de Jager u. a., 2010). Homocystein ist ein Zwischenprodukt des Stoffwechsels, das sich im Blut messen lässt.
Auch das Gesundheitslexikon MedlinePlus der US-amerikanischen National Library of Medicine nennt die lange Einnahme von Metformin als Grund für eine schlechtere B12-Aufnahme (MedlinePlus, 2026). Ist der B12-Spiegel lange niedrig, kann das die Nerven schädigen; als Zeichen nennt MedlinePlus (2026) etwa Taubheit und Kribbeln in Händen und Füßen oder Gleichgewichtsstörungen. Zugleich kann ein niedriger Wert ohne Beschwerden bleiben oder nur milde Zeichen machen. Bemerkst du solche Zeichen, ist die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Für wen gilt der Befund zu Metformin?
Die Studie lief in den Niederlanden und schloss nur Menschen mit Typ-2-Diabetes ein, die zusätzlich Insulin bekamen (de Jager u. a., 2010). Für andere Gruppen liefert sie keine Zahlen. Ob dein B12-Wert unter Metformin gemessen wird, entscheidet die Praxis, die dir das Mittel verschreibt.
Welche Vitamine betreffen Antiepileptika?
Antiepileptika werden mit Vitamin D und Folat in Verbindung gebracht. Die Vitamin-D-Daten stammen allein von Kindern und Jugendlichen (Junges u. a., 2020), die Folat-Daten aus einer Bonner Studie (Linnebank u. a., 2011).
Was zeigen die Studien zu Antiepileptika?
Die Metaanalyse von Junges u. a. (2020) fasste 29 Studien an Kindern und Jugendlichen zusammen. Ein Vitamin-D-Mangel lag dort im Mittel bei 32 Prozent vor, unter Antiepileptika, die Cytochrom-P450-Enzyme anregen, bei 33 Prozent. Cytochrom-P450-Enzyme sind eine Familie von Enzymen im Körper; in dieser Untergruppe zeigten sich die deutlichsten Ergebnisse. In Kohortenstudien, die eine Gruppe über längere Zeit begleiten, lag der Anteil bei 52 Prozent (Junges u. a., 2020).
Die Bonner Gruppe untersuchte 2.730 behandelte Menschen mit Epilepsie; zum Vergleich dienten 170 unbehandelte Betroffene und 200 Gesunde (Linnebank u. a., 2011). Für sechs Wirkstoffe, darunter Carbamazepin und Valproat, fand sie niedrigere mittlere Folatwerte oder einen größeren Anteil an Werten unter dem Referenzbereich, also unter dem Bereich, den das Labor als üblich angibt. Die Autoren werten die Behandlung mit diesen Mitteln als Risikofaktor für erhöhtes Homocystein.
Für wen gelten die Befunde zu Antiepileptika?
Die Metaanalyse betrifft ausschließlich Kinder und Jugendliche, auf Erwachsene lässt sie sich nicht übertragen. Eine Vergleichsgruppe ohne Antiepileptika nennt ihre Zusammenfassung nicht. Die Einzelstudien unterschieden sich zudem sehr stark voneinander: Das Maß dafür, die Heterogenität I², lag bei 92 Prozent (Junges u. a., 2020).
Die Bonner Studie ist eine Beobachtung an einem einzigen Zentrum. Beim B12 fiel sie uneinheitlich aus, denn Valproat ging dort mit höheren B12-Werten einher (Linnebank u. a., 2011). Ob und wie deine Werte geprüft werden, klärst du mit der Praxis, die das Antiepileptikum verschreibt.
Wie wirkt Methotrexat auf den Folsäurestoffwechsel?
Methotrexat wirkt dem Folsäurestoffwechsel entgegen und wird deshalb pharmakologisch als Antimetabolit eingeordnet, als Wirkstoff, der in einen Stoffwechselweg eingreift (Shea u. a., 2013). Man spricht auch von einem Folsäure-Antagonisten, einem Gegenspieler der Folsäure.

Was zeigt der Cochrane-Review zu Methotrexat?
Ein Cochrane-Review wertet Studien zu einer klar umrissenen Frage systematisch aus. Dieser fasste 6 Studien mit 624 Menschen mit rheumatoider Arthritis zusammen, die niedrig dosiertes Methotrexat bekamen (Shea u. a., 2013).
Mit Folsäure oder Folinsäure, einer verwandten Form, lag das Risiko für Magen-Darm-Nebenwirkungen relativ 26 Prozent und absolut 9 Prozent niedriger; das relative Risiko betrug 0,74 (Shea u. a., 2013). Ein relatives Risiko unter eins bedeutet ein geringeres Risiko in der Gruppe mit Folat-Gabe.
Für wen gilt der Befund zu Methotrexat?
Der Review gilt nur für niedrig dosiertes Methotrexat bei rheumatoider Arthritis. Die Folsäure dazu ist Teil der ärztlichen Verordnung. Wann und in welcher Menge sie gegeben wird, legt die Praxis fest, die Methotrexat verschreibt. Ein eigenes Präparat ersetzt diese Verordnung nicht.
Welche B-Vitamine berühren Pille und weitere Wirkstoffe?
Für die Pille gibt es Hinweise auf einen niedrigeren B6-Status, für Folat ist das nicht gesichert (Wilson u. a., 2011). Furosemid wird bei Herzschwäche mit Vitamin B1 in Verbindung gebracht, das Tuberkulosemittel Isoniazid mit Vitamin B6.
Was zeigt die Übersicht zur Pille und zu B-Vitaminen?
Die Übersicht von Wilson u. a. (2011) hat Daten zur Pille ausgewertet, also zur hormonellen Verhütung mit Tabletten. Für Vitamin B6 liefern Bevölkerungsdaten Hinweise, dass heutige niedrig dosierte Pillen den B6-Status beeinträchtigen können. Einen schlechteren Folatstatus tragen die Daten dagegen nicht. Messgrößen des B12-Status wurden nicht signifikant beeinflusst, endgültige Schlüsse stehen laut den Autoren noch aus.
Die Übersicht stützt sich zum Teil auf ältere Studien mit Pillen, die mehr Östrogen enthielten. Ob ein B6-Wert bestimmt wird, klärst du mit der Praxis, die dir die Pille verschreibt.
Was ist über Furosemid und Vitamin B1 bekannt?
Furosemid ist ein Schleifendiuretikum, ein Entwässerungsmittel. Eine Übersicht von Katta u. a. (2016) fasst Studien zu Menschen mit Herzinsuffizienz zusammen, also mit Herzschwäche: Sie berichteten einen unterschiedlich ausgeprägten Mangel an Thiamin, besonders unter langfristig hoch dosiertem Furosemid.
Der Mangel scheint vor allem auf die größere Urinmenge zurückzugehen (Katta u. a., 2016). Die Übersicht betrifft nur Furosemid bei Herzschwäche, auf andere Entwässerungsmittel lässt sie sich nicht übertragen. Ob und wie das geprüft wird, klärst du mit der verschreibenden Praxis.
Was ist über Isoniazid und Vitamin B6 bekannt?
Eine systematische Übersicht beschreibt eine schmerzhafte, mit Isoniazid verbundene Polyneuropathie, also eine Schädigung mehrerer Nerven, als Komplikation der Tuberkulosebehandlung (van der Watt u. a., 2011). Sie gilt dort als vermeidbar, wenn ausreichend Pyridoxin gegeben wird. So heißt Vitamin B6 in der Fachsprache.
Die Übersicht hat Länder mit hoher Tuberkulose- und HIV-Last im Blick; die Leitlinien unterscheiden sich laut den Autoren zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Die Gabe von Pyridoxin gehört zur ärztlichen Therapie, ob und wie das geprüft wird, klärst du mit der verschreibenden Praxis. Mehr zu Vitamin B6 und Arzneimitteln steht im Abschnitt „Bestimmte Medikamente“ unseres Artikels zu Vitamin-B6-Mangel.
Medikamente als Vitaminräuber: Was stimmt an den Behauptungen?
Drei Sätze tauchen rund um Medikamente und Vitamine auf, und keiner hält in dieser Form. Die Quellen zeigen jeweils etwas Genaueres.
Behauptung und Beleg
Verbreitet
„Wer Säureblocker nimmt, hat einen B12-Mangel.“
Belegt
Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen längerer Einnahme und einem höheren Risiko, keinen Automatismus. Dass die Mittel den Mangel verursacht haben, belegt sie nicht (Lam u. a., 2013).
Verbreitet
„Dann setze ich das Medikament eben ab.“
Belegt
Keine der hier genannten Studien rät dazu. Über Medikament und Vitamin entscheidet die Praxis, die verordnet hat; ein eigenmächtiges Absetzen gehört nicht dazu.
Verbreitet
„Die Pille raubt Folsäure.“
Belegt
Die vorliegenden Daten tragen den Schluss nicht, dass heutige Pillen den Folatstatus verschlechtern; gesichert ist das nicht. Hinweise gibt es dagegen für Vitamin B6 (Wilson u. a., 2011).
Was kannst du tun, wenn du ein Medikament lange nimmst?
Sprich die Frage bei der Praxis an, die das Medikament verschreibt: Sie kennt Wirkstoff und Dauer der Einnahme und entscheidet, ob ein Vitaminwert gemessen wird. Hast du Beschwerden oder nimmst du mehr als ein Medikament, ist die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Dass dein Arzt das Thema nie angesprochen hat, muss nichts heißen. Ein niedriger B12-Wert kann ohne Beschwerden oder mit milden Zeichen bestehen (MedlinePlus, 2026). Dazu kommt, dass die Zahl der Studien zu Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Nährstoffen recht begrenzt ist (Mohn u. a., 2018). Deshalb lohnt es sich, die Frage selbst zu stellen.
Ob ein Mangel mit der Psyche zusammenhängt, ist eine eigene Frage. Was dazu belegt ist, beschreibt unser Artikel zu Vitaminmangel und Psyche; hier geht es um Medikamente als Ursache.
Wer zum Gespräch eigene Werte mitbringen möchte, kann einen Teil davon mit einer Blutprobe von zu Hause bestimmen lassen. mybody®x (MYBODY Lab GmbH) bietet dafür einen Bluttest an, der Vitamin D3 sowie B12 und Folsäure misst. Vitamin B6 und Vitamin B1 bestimmt er nicht, zu den B6- und B1-Fragen aus dem Kapitel zu weiteren Wirkstoffen liefert er also keinen Wert.
Aus dem mybody®x-Sortiment · Bluttest
VitalCheck | Nährstoff & Mineralstoff-Test Complete
Bluttest für zu Hause, der Vitamin D3 sowie B12 und Folsäure bestimmt, ausgewertet in einem Fachlabor in Deutschland. Er liefert eine Momentaufnahme, keine Diagnose, und misst weder Vitamin B6 noch Vitamin B1.
Laborauswertung 3–5 Werktage nach Probeneingang
Grenzen: Was die Studien zu Medikamenten nicht zeigen
Die Studien in diesem Artikel beschreiben Zusammenhänge in bestimmten Gruppen. Sie sagen nicht voraus, ob du unter deinem Medikament einen Mangel entwickelst.
Die Übersicht von Mohn u. a. (2018) betrachtet die Verschreibungslage in den USA und nennt in ihrer Zusammenfassung keine einzelnen Wirkstoffe; die Zuordnung zu einzelnen Vitaminen stammt aus den Einzelstudien. Deren Gruppen sind eng gefasst, von Kindern mit Epilepsie bis zu Menschen mit Herzschwäche.
Auch ein Bluttest hat Grenzen. Was der Nährstoff- und Mineralstoff-Test nicht kann: Er liefert eine Momentaufnahme, keine Diagnose. Ein auffälliger Wert bedeutet nicht automatisch eine Erkrankung – er bedeutet, dass sich ein zweiter Blick lohnt, am besten gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Über dein Medikament entscheidet kein Testergebnis, sondern die Praxis, die es verordnet hat.
Was bleibt vom Vitaminmangel durch Medikamente?
Der Satz vom Vitaminräuber ist zu grob. Für einzelne Wirkstoffe gibt es Befunde zu einzelnen Vitaminen, für B12 unter Metformin sogar aus einer randomisierten Studie (de Jager u. a., 2010). Jeder dieser Befunde gilt für eine bestimmte Gruppe und ersetzt nicht den Blick auf deine eigene Lage.
Ein praktischer Schritt für den nächsten Termin: Notiere, welches Medikament du seit wann nimmst, und frag, ob dazu ein Vitaminwert sinnvoll ist. Die Entscheidung trifft die Praxis. Die Frage stellen kannst du.
Häufige Fragen
Welche Ursachen hat ein Vitaminmangel außer Medikamenten?
Neben Medikamenten können Eingriffe und Erkrankungen des Verdauungstrakts die Aufnahme erschweren. Für Vitamin B12 nennt MedlinePlus (2026) Operationen an Magen oder Dünndarm, darunter bestimmte Operationen zur Gewichtsabnahme, sowie Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie. Ob eine solche Ursache bei dir infrage kommt, klärt die Hausarztpraxis. Einen breiteren Überblick gibt unser Artikel zu den Anzeichen eines Nährstoffmangels.
Muss ich unter Metformin meinen B12-Wert kontrollieren lassen?
Das entscheidet die Praxis, die dir Metformin verschreibt. Die Autoren der niederländischen Studie raten, B12-Messungen während einer Langzeitbehandlung ernsthaft zu erwägen (sinngemäß nach de Jager u. a., 2010). Rechnerisch kam dort auf 13,8 Behandelte über 4,3 Jahre ein zusätzlicher B12-Mangel, die sogenannte Number needed to harm. Sprich die Frage beim nächsten Termin an; eine Anweisung für dich ist das nicht.
Senkt die Pille Vitamin B6?
Möglicherweise. Bevölkerungsdaten liefern Hinweise, dass heutige niedrig dosierte Pillen den B6-Status beeinträchtigen können (Wilson u. a., 2011). Ein Beweis ist das nicht, und die Übersicht stützt sich zum Teil auf ältere Pillen mit mehr Östrogen. Einen B6-Wert misst der VitalCheck nicht; ob er bestimmt wird, klärst du mit der Praxis, die dir die Pille verschreibt.
Warum bekommt man zu Methotrexat Folsäure verordnet?
Weil Methotrexat dem Folsäurestoffwechsel entgegenwirkt und eine Folat-Gabe Nebenwirkungen verringern kann. Im Cochrane-Review zu rheumatoider Arthritis lag das relative Risiko für erhöhte Leberwerte mit Folat-Gabe bei 0,23, für einen Abbruch der Methotrexat-Therapie bei 0,39 (Shea u. a., 2013). Die Folsäure gehört zur ärztlichen Verordnung. Über den Zeitpunkt entscheidet die Praxis ebenso wie über die Menge.
Kann ich den Mangel selbst mit Vitaminen ausgleichen?
Nicht auf eigene Faust. Eine breite Ergänzung mit Präparaten wird derzeit nicht empfohlen; wichtig ist, dass Menschen mit Risiko ihre empfohlene Zufuhr erreichen (sinngemäß nach Mohn u. a., 2018). Ob bei dir ein Mangel vorliegt und wie er ausgeglichen wird, klärst du mit der verschreibenden Praxis. Das Medikament setzt du dafür nicht eigenmächtig ab.
Nächster Schritt
Welche Vitaminwerte kannst du vor dem Praxistermin messen?
Der VitalCheck bestimmt Vitamin D3 sowie B12 und Folsäure aus einer Blutprobe, die du zu Hause entnimmst. Das Ergebnis ist eine Grundlage für das Gespräch, keine Entscheidung über dein Medikament.
Zum Nährstoff-Test Welche Vitamine dir fehlen könnten Unser Überblick zum EinstiegWeiterlesen
Quellen
- Mohn u. a., Pharmaceutics: „Evidence of Drug-Nutrient Interactions with Chronic Use of Commonly Prescribed Medications: An Update“ (2018) – europepmc.org
- Lam u. a., JAMA: „Proton pump inhibitor and histamine 2 receptor antagonist use and vitamin B12 deficiency“ (2013) – europepmc.org
- de Jager u. a., BMJ: „Long term treatment with metformin in patients with type 2 diabetes and risk of vitamin B-12 deficiency: randomised placebo controlled trial“ (2010) – europepmc.org
- Shea u. a., Cochrane Database of Systematic Reviews: „Folic acid and folinic acid for reducing side effects in patients receiving methotrexate for rheumatoid arthritis“ (2013) – europepmc.org
Die Aussagen zur Langzeiteinnahme und zur Studienlage stützen sich auf [1], die Angaben zu Säureblockern auf [2], zu Metformin auf [3] und zu Methotrexat auf [4]. Die übrigen Befunde sind im Text mit Autor und Jahr belegt: Junges u. a. (2020) und Linnebank u. a. (2011) zu Antiepileptika, Wilson u. a. (2011) zur Pille, Katta u. a. (2016) zu Furosemid, van der Watt u. a. (2011) zu Isoniazid sowie MedlinePlus der National Library of Medicine (2026) zu den Zeichen eines B12-Mangels. Produktangaben zum VitalCheck mit Stand 26.09.2026; alle Quellen geprüft am 26.09.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Vitamine im Blut Arzneimittel und Nährstoffe
Das mybody®x Redaktions- & Fachteam wertet für seine Artikel Studien aus und nennt zu jeder Zahl Autor und Jahr. Wer hinter den Texten steht, zeigt die Autorenseite.
Veröffentlicht am 26.09.2026 · Zuletzt aktualisiert am 26.09.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.
Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.






Compartilhar agora:
Vitaminmangel und Psyche: was bei Stimmung und Unruhe belegt ist