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Schwermetalle im Blut: was wirklich messbar ist und was nicht

Das Wichtigste in Kürze

Nicht jedes Schwermetall lässt sich sinnvoll im Blut messen. Blei ja, Quecksilber in der organischen Form ja, Cadmium nur eingeschränkt und Nickel nach Einschätzung der Human-Biomonitoring-Kommission des Umweltbundesamts gar nicht zuverlässig. Diese vier Fälle sind unterschiedlich, und wer sie zusammenwirft, liest jeden Befund falsch.

Dazu kommt eine Unterscheidung, die über die Deutung entscheidet: Ein Referenzwert beschreibt, wie belastet die Bevölkerung ist. Ein HBM-Wert beschreibt, ab wann eine gesundheitliche Beeinträchtigung möglich wird. Nur der zweite hat eine gesundheitliche Bedeutung.

Du liest zuerst, was diese Werte bedeuten. Danach folgen die Belastungszahlen für Deutschland, der Rückgang seit den 1980er Jahren, der Vergleich der vier Metalle, die Aufnahmequellen, drei verbreitete Sätze im Faktencheck und die Frage, was ein Selbsttest hier leisten kann. Am Ende stehen die Grenzen.

Das erwartet dich in diesem Artikel

1. Zwei Arten von Werten, die ständig verwechselt werden
2. Was ein Referenzwert wirklich aussagt
3. Die HBM-Werte und warum es sie für Blei nicht mehr gibt
4. Wie belastet die Bevölkerung tatsächlich ist
5. Der Rückgang, den kaum jemand kennt
6. Vier Metalle, vier verschiedene Messlagen
7. Woher die Belastung im Alltag kommt
8. Drei Sätze über Schwermetalle im Faktencheck
9. Der Sonderfall Nickel und was wir dazu offen sagen
10. Wie du deine Werte zu Hause bestimmen kannst
11. Grenzen: was eine Blutmessung nicht beantwortet
12. Worauf es bei diesen Werten ankommt
Häufige Fragen
Quellen

Zwei Arten von Werten, die ständig verwechselt werden

In Deutschland bewertet die Kommission Human-Biomonitoring am Umweltbundesamt, welche Stoffkonzentrationen im Körper wie einzuordnen sind. Sie arbeitet mit zwei verschiedenen Größen, und der Unterschied zwischen ihnen ist der Kern dieses Artikels.

Der Referenzwert ist eine statistische Größe. Er wird nach Angaben der Kommission aus einer Reihe von Messwerten einer Stichprobe aus einer definierten Bevölkerungsgruppe nach einem vorgegebenen statistischen Verfahren abgeleitet. Der HBM-Wert dagegen ist toxikologisch begründet.

Kernaussage

Ein Wert oberhalb eines Referenzwerts bedeutet gesundheitlich nichts. Er bedeutet, dass du stärker belastet bist als die meisten anderen. Das ist eine Information über die Bevölkerung, keine über deine Gesundheit.

Was ein Referenzwert wirklich aussagt

Die Kommission hat das schon 1996 in ihrem Konzeptpapier festgehalten, und der Satz ist seither nicht überholt worden. Er ist die wichtigste Fundstelle dieses Artikels.

Belegte Fundstelle

„Referenzwerte, wie oben definiert, haben per se keine gesundheitliche Relevanz. Sie beschreiben lediglich die Belastungssituation der Referenzpopulation zum Zeitpunkt der Untersuchung.“

Kommission Human-Biomonitoring, Umweltbundesamt (UBA)
Konzept der Referenz- und Human-Biomonitoring-Werte, Bundesgesundheitsblatt, Stand 1996

Dieser Satz ist der Grund, warum wir in diesem Artikel keine Angstbilder aufbauen. Wer aus einem überschrittenen Referenzwert eine Gesundheitsgefahr macht, zitiert gegen die Quelle, aus der der Wert stammt.

Dieselbe Kommission ergänzt, dass zur gesundheitlichen Bewertung einer durch Human-Biomonitoring erhobenen Belastung zusätzliche toxikologisch begründete Kriterien notwendig sind. Genau dafür gibt es die HBM-Werte.

Die HBM-Werte und warum es sie für Blei nicht mehr gibt

Die Kommission definiert zwei Stufen. Der HBM-I-Wert entspricht der Konzentration eines Stoffes in einem Körpermedium, bei dessen Unterschreitung nach dem aktuellen Stand der Bewertung nicht mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu rechnen ist. Der HBM-II-Wert entspricht der Konzentration, bei deren Überschreitung eine als relevant anzusehende gesundheitliche Beeinträchtigung möglich ist (1996).

Für Quecksilber im Blut nennt die Kommission einen HBM-I-Wert von 5 Mikrogramm pro Liter und einen HBM-II-Wert von 15 Mikrogramm pro Liter (2009). Für Cadmium existieren HBM-Werte ausschließlich im Urin, für Erwachsene 1 Mikrogramm pro Liter als HBM-I und 4 Mikrogramm pro Liter als HBM-II (2011).

Beim Blei hat die Kommission die Werte ausgesetzt

Das ist ungewöhnlich und wird selten berichtet. In einem Addendum zur Stoffmonographie Blei setzte die Kommission die HBM-Werte für Blei im Blut für alle Personengruppen aus. Die Begründung: Eine Wirkschwelle für Blei konnte bisher nicht definiert werden, und jede Festlegung wäre damit willkürlich und nicht begründbar (2009).

Die Weltgesundheitsorganisation formuliert denselben Sachverhalt in ihrem Faktenblatt so, dass keine Expositionshöhe bekannt sei, die ohne schädliche Wirkungen bleibt. Übersetzt heißt das: Es gibt für Blei keinen Wert, unterhalb dessen Entwarnung gegeben werden kann.

Dieser Satz ist der beliebteste Hebel für Angstmarketing im gesamten Themenfeld. Er gehört trotzdem in den Text, aber nur zusammen mit den Zahlen aus dem nächsten Kapitel. Ohne sie wird aus einer toxikologischen Vorsichtsregel eine Bedrohung.

Wie belastet die Bevölkerung tatsächlich ist

Die folgenden drei Zahlen beziehen sich alle auf Blei im Blut und stammen aus Untersuchungen des Umweltbundesamts. Sie stehen in derselben Einheit und lassen sich deshalb direkt nebeneinanderlegen.

Blei im Blut in Zahlen

9,47

Mikrogramm pro Liter betrug das geometrische Mittel bei 3- bis 17-Jährigen in der Umweltstudie GerES V

30

Mikrogramm pro Liter ist der aktuelle Referenzwert für erwachsene Frauen, für Männer sind es 40

70

Mikrogramm pro Liter und mehr wurden 1981 bei Studierenden in Münster gemessen, dem Startpunkt der Zeitreihe

Quelle: Umweltbundesamt (UBA), Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit GerES V (Vogel et al., 2021), aktualisierte Referenzwerte im Bundesgesundheitsblatt 2019 und Umweltprobenbank, Stand 2022

Was diese Zahlen nicht abdecken

Die Umweltstudie GerES V lief von 2014 bis 2017 und untersuchte ausschließlich Kinder und Jugendliche zwischen drei und siebzehn Jahren. Für Erwachsene gibt es aus dieser Studie keine Werte.

Die Erwachsenendaten stammen aus der Umweltprobenbank und beziehen sich auf ein studentisches Kollektiv, nicht auf eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe. Eine Aussage der Form „der durchschnittliche deutsche Erwachsene hat X Mikrogramm pro Liter“ ist deshalb derzeit nicht sauber belegbar, und sie steht hier nicht.

Cadmium lag unter der Nachweisgrenze

In derselben Studie lag Cadmium im Blut bei Kindern und Jugendlichen unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,06 Mikrogramm pro Liter (Vogel et al., 2021). Im Urin, dem für Cadmium geeigneteren Medium, überschritten 0,6 Prozent der Untersuchten den HBM-I-Wert.

Für Quecksilber hält das Umweltbundesamt fest, dass weniger als ein Prozent der Bevölkerung Konzentrationen in Blut und Urin aufweist, bei denen eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht ausreichend sicher ausgeschlossen werden kann (2016).

Der Rückgang, den kaum jemand kennt

Die Umweltprobenbank des Bundes misst seit Jahrzehnten dieselbe Population am selben Ort. Nach ihren Angaben sank die Bleikonzentration im Vollblut der Studierenden aus Münster von über 70 Mikrogramm pro Liter im Jahr 1981 innerhalb von 26 Jahren um rund 83 Prozent auf Werte unterhalb von 15 Mikrogramm pro Liter im Jahr 2008.

Ein wesentlicher Grund ist benannt: Aufgrund des Benzinbleigesetzes sanken die atmosphärischen Bleiemissionen in Deutschland von 1985 bis 1995 um bis zu 65 Prozent. Das ist eine der besser belegten Erfolgsgeschichten der deutschen Umweltpolitik.

Der Trend hält an. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält fest, dass die Bleigehalte im Blut von Kindern und Jugendlichen in GerES V um 38 Prozent geringer waren als in der Vorgängerstudie aus den Jahren 2003 bis 2006.

Warum diese Zahl in die Einordnung gehört

Wer heute einen Bleiwert misst, misst in einer Bevölkerung, deren Belastung sich in vierzig Jahren um mehrere Größenordnungen verringert hat. Ein Wert, der 1981 unauffällig gewesen wäre, liegt heute weit über dem Referenzwert.

Das erklärt auch, warum die Referenzwerte selbst gesunken sind. Bis 2019 galten für Erwachsene 70 beziehungsweise 90 Mikrogramm pro Liter, seither sind es 30 für Frauen und 40 für Männer. Wer die alten Zahlen verwendet, und sie kursieren weiterhin, unterschätzt seine eigene Einordnung systematisch.

Der Referenzwert wandert also mit der Bevölkerung. Das ist logisch, weil er eine statistische Größe ist, und es ist zugleich der Grund, warum aus einer Überschreitung keine gesundheitliche Aussage folgt. Er misst den Abstand zum Durchschnitt, und der Durchschnitt hat sich verschoben.

Was daraus für die Erwartung folgt

Die meisten Menschen in Deutschland haben unauffällige Schwermetallwerte, und das ist keine Enttäuschung, sondern der zu erwartende Befund. Wer mit der Erwartung misst, eine Erklärung für Beschwerden zu finden, wird sie hier in aller Regel nicht finden.

Sinnvoll ist die Messung dort, wo eine bekannte Quelle vorliegt. Regelmäßiger Verzehr von großen Raubfischen, Rauchen über Jahre, ein Wohnhaus mit alten Bleileitungen oder eine berufliche Exposition. In diesen Fällen beantwortet ein Wert eine konkrete Frage.

Vier Metalle, vier verschiedene Messlagen

Ein Testpanel führt die vier Metalle nebeneinander auf, als wären sie gleichwertig. Fachlich sind sie das nicht. Die Tabelle stellt sie entlang derselben vier Kriterien gegenüber.

Kriterium Blei Cadmium Quecksilber und Nickel
Blut als Medium Geeignet. Zeigt hauptsächlich die Belastung der letzten 3 bis 5 Wochen Nur eingeschränkt. Zeigt die aktuelle Aufnahme, nicht die Körperlast Quecksilber: für die organische Form empfohlen. Nickel: laut UBA nicht zuverlässig erfassbar
Wo der Stoff sich sammelt Im Knochen, mit Halbwertszeiten von Jahren bis über zwanzig Jahre In der Niere, Halbwertszeit 10 bis 30 Jahre. Etwa die Hälfte der Körperlast liegt dort Quecksilber im Gehirn mit Halbwertszeiten von mehreren Jahren
Gesundheitsbezogener Grenzwert Keiner. Die HBM-Werte sind ausgesetzt, weil keine Wirkschwelle definierbar ist Nur für Urin: HBM-I 1, HBM-II 4 Mikrogramm pro Liter bei Erwachsenen Quecksilber im Blut: HBM-I 5, HBM-II 15 Mikrogramm pro Liter. Nickel: nicht ableitbar
Aussagekraft eines Blutwerts Hoch für die jüngere Exposition, gering für den Gesamtbestand Gering. In GerES V lag der Wert unterhalb der Bestimmungsgrenze Quecksilber: brauchbar. Nickel: nach der zitierten Quellenlage nicht brauchbar

Die letzte Zeile ist die unangenehmste dieses Artikels, und sie betrifft auch den Test, den wir selbst anbieten. Warum sie trotzdem hier steht, erklärt Kapitel 9.

Woher die Belastung im Alltag kommt

Bei Cadmium liefert das Bundesinstitut für Risikobewertung die klarste Aufteilung. Getreide und Getreideprodukte tragen mit 40 bis 50 Prozent den höchsten Anteil zur Cadmiumaufnahme bei, Kartoffeln mit 13 bis 15 Prozent. Hoch belastet sind unter anderem Steinpilze, Kakaopulver, Sonnenblumenkerne, Leinsamen und Muscheln.

Dazu kommt eine Quelle, die keine Lebensmittelquelle ist. Bei Raucherinnen und Rauchern kommt es nach Angaben des BfR zusätzlich zu einer Cadmiumaufnahme durch die Inhalation des Tabakrauchs. Als besonders empfindliches Organ nennt das Institut die Nieren.

Blei und Quecksilber

Beim Blei nennt das BfR in seiner Stellungnahme vom November 2025 Getreide und Getreideprodukte sowie Wasser und wasserbasierte Getränke mit je 15 bis 20 Prozent als Hauptbeiträge, bei Erwachsenen zusätzlich Kaffee, Kakao und Tee mit rund 16 Prozent. Sein Fazit: Da es keine unbedenkliche Aufnahmemenge gibt, sollte die Aufnahme weiterhin so weit wie möglich minimiert werden.

Beim Quecksilber ist die Lage übersichtlicher. Menschen nehmen Methylquecksilber nach Angaben des BfR vor allem über den Verzehr von Fisch auf, und in Fisch und Meeresfrüchten liegt Quecksilber fast ausschließlich in dieser Form vor. Das Umweltbundesamt nennt Amalgamfüllungen als typische Quelle für elementares Quecksilber.

Was die europäische Bewertung dazu sagt

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nennt für Cadmium eine duldbare wöchentliche Aufnahme von 2,5 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht, zuletzt bestätigt 2011. Für Methylquecksilber liegt der entsprechende Wert bei 1,3 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht und Woche, für anorganisches Quecksilber bei 4 Mikrogramm (2012).

Diese Werte beziehen sich auf die Aufnahme über Lebensmittel, nicht auf eine Konzentration im Blut. Sie lassen sich deshalb nicht mit einem Messwert vergleichen, auch wenn beide in Mikrogramm angegeben sind. Das ist einer der häufigsten Verwechslungsfehler in Texten zu diesem Thema.

Für die Praxis bleibt eine einfache Regel. Bei Fisch entscheidet die Art: Große, langlebige Raubfische reichern mehr Methylquecksilber an als kleine, kurzlebige. Das BfR rät Schwangeren und Stillenden von Hai, Schwertfisch, Heilbutt und Thunfisch ab.

Drei Sätze über Schwermetalle im Faktencheck

Die folgenden drei Sätze begegnen einem beim Recherchieren zum Thema in fast jedem zweiten Text. Alle drei enthalten einen wahren Kern und ziehen daraus einen falschen Schluss.

Geprüft gegen die Beleglage

Verbreitet

„Mein Wert liegt über dem Referenzwert, also bin ich gesundheitlich gefährdet.“

Belegt

Referenzwerte haben nach der HBM-Kommission per se keine gesundheitliche Relevanz (1996). Sie beschreiben die Belastungssituation der Bevölkerung, nicht ein Risiko.

Verbreitet

„Cadmium ist als krebserregend eingestuft, deshalb ist jeder Wert bedenklich.“

Belegt

Die IARC-Einstufung in Gruppe 1 beschreibt eine Gefahreneigenschaft des Stoffes, keine Risikoaussage für eine gemessene Person. Bei Nickel bezieht sie sich zudem auf Einatmen am Arbeitsplatz.

Verbreitet

„Ein erhöhter Wert lässt sich mit einer Kur wieder ausleiten.“

Belegt

Wir haben keine einzige zulässige Quelle gefunden, die eine Ausleitung im Belastungsbereich der Allgemeinbevölkerung stützt. Chelattherapie ist eine ärztliche Maßnahme bei hoher Exposition.

Der dritte Punkt ist der teuerste. Wer nach einem auffälligen Wert eine Kur kauft, gibt Geld für etwas aus, wofür in den geprüften Institutsquellen kein Beleg existiert. Der belegbare Weg führt über die Quellen der Aufnahme, nicht über eine Ausleitung.

Der Sonderfall Nickel und was wir dazu offen sagen

Nickel steht in vielen Testpanels, auch in unserem. Die Human-Biomonitoring-Kommission hat sich dazu 2001 in einer Stellungnahme geäußert, und ihre Einschätzung ist eindeutig.


Ein Nickelwert aus dem Blut trägt nach der Quellenlage weniger, als eine Markerliste vermuten lässt.

Ein Nickelwert aus dem Blut trägt nach der Quellenlage weniger, als eine Markerliste vermuten lässt. Die Kommission schreibt, die Nickelkonzentration im Blut beziehungsweise Plasma sei dafür weniger geeignet, weil die verfügbaren analytischen Methoden nicht empfindlich genug seien, um die üblicherweise auftretenden Gehalte zuverlässig zu erfassen. Und selbst für die Nickelausscheidung im Harn ließen sich auf Basis der Datenlage keine HBM-Werte ableiten.

Wofür Nickel klinisch tatsächlich zählt

Als Kontaktallergen. Die Kommission schätzte 2001, dass in der Allgemeinbevölkerung zwischen 10 und 15 Prozent der Frauen und etwa 2 Prozent der Männer gegen Nickel sensibilisiert sind. Eine Veröffentlichung des Umweltbundesamts nennt 2014 rund 17 Prozent bei Frauen und 3 Prozent bei Männern. Beides sind Schätzungen und keine aktuelle repräsentative Erhebung.

Nachgewiesen wird eine solche Kontaktallergie nicht über das Blut, sondern über den Epikutantest. Das IQWiG beschreibt ihn als Pflaster mit den vermuteten Allergenen, das für ein bis zwei Tage auf den Rücken geklebt wird (2024).

Warum das trotzdem im Testpanel steht

Weil die vier Metalle im Labor in einem Arbeitsgang bestimmt werden und Nickel dabei mitläuft. Das ist eine ehrliche technische Erklärung und kein inhaltliches Argument.

Wir hätten diesen Abschnitt weglassen können, und niemand hätte es bemerkt. Wir halten die Nennung für richtiger. Ein Wert, dessen Grenzen du kennst, ist mehr wert als einer, dem du unbegründet vertraust.

Wie du deine Werte zu Hause bestimmen kannst

Im Sortiment von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) misst ein Test die vier Metalle: der BalanceCheck. Die Probe nimmst du zu Hause per Fingerstich, ausgewertet wird in einem zertifizierten medizinischen Fachlabor.

BalanceCheck Elektrolyte & Mineralstoffe-Test von mybody®x (MYBODY Lab GmbH)

Bluttest aus Kapillarblut

BalanceCheck | Elektrolyte & Mineralstoffe-Test

15 Elemente aus einer Blutprobe, darunter Blei, Cadmium, Nickel und Quecksilber, dazu fünf Elektrolyte und sechs Spurenelemente. Was der Test nicht leistet: Für Cadmium ist Blut nach der Quellenlage das schwächere Medium, und ein Nickelwert im Blut ist laut UBA-Kommission analytisch nicht zuverlässig erfassbar. Der Test stellt keine Diagnose und ist keine Grundlage für eine Ausleitung.

Preis 139,00 € Stand 10.08.2026, Änderungen möglich
Probenart Kapillarblut
Bearbeitungszeit Kit-Versand 1–3 Werktage
Laborauswertung 3–5 Werktage nach Probeneingang
Labor zertifiziertes medizinisches Fachlabor
Angabe der Produktseite, abgerufen 10.08.2026
Zum BalanceCheck

Wenn du misst, dann mit einer klaren Erwartung. Die folgenden vier Punkte beschreiben, was aus einem solchen Wert sinnvoll folgen kann.

Schritt 1

Quellen im Alltag notieren

Rauchen, Fischverzehr, Altbau, Werkstatt, Amalgamfüllungen. Diese Liste erklärt mehr als jede Zahl.

Schritt 2

Referenz- und HBM-Wert trennen

Der eine sagt, wie du im Vergleich stehst. Nur der andere hat eine gesundheitliche Bedeutung.

Schritt 3

Das richtige Medium kennen

Für Cadmium ist Urin das aussagekräftigere Medium. Ein niedriger Blutwert heißt dort nicht unbelastet.

Schritt 4

Bei Auffälligkeit ärztlich klären

Nicht mit einer Kur, sondern mit einem Termin. Umweltmedizinische Fragen gehören in fachkundige Hände.

Kapitel auf einen Blick

Ein Bluttest auf Schwermetalle liefert für Blei und organisches Quecksilber brauchbare Werte, für Cadmium einen schwachen und für Nickel nach der zitierten Quellenlage keinen belastbaren. Aus einem Ergebnis folgt keine Ausleitung, sondern die Frage nach den Quellen im Alltag. Wer einen auffälligen Wert erklären will, braucht eine ärztliche Einordnung und im Fall von Cadmium eine Urinuntersuchung.

Grenzen: was eine Blutmessung nicht beantwortet

Ein Bluttest stellt keine Diagnose und ist kein umweltmedizinisches Gutachten. Weder HBM-I noch HBM-II sind Diagnosegrenzen. Der erste bedeutet, dass keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist, der zweite, dass eine solche möglich wird und Fachleute tätig werden sollten.

Er misst außerdem nicht den Gesamtbestand. Blei sammelt sich im Knochen mit Halbwertszeiten von Jahren bis über zwanzig Jahre, während der Blutwert hauptsächlich die Belastung der letzten drei bis fünf Wochen abbildet. Ein niedriger Blutwert schließt eine frühere Belastung nicht aus.

Auch die Zahlenlage hat Grenzen. Aktuelle bevölkerungsrepräsentative Werte liegen nur für Kinder und Jugendliche vor, weil GerES V ausschließlich diese Altersgruppe umfasste. Für Erwachsene gibt es keine vergleichbare Zahl, deshalb steht hier keine.

Zwei häufige Behauptungen haben wir bewusst weggelassen. Für einen Zusammenhang zwischen Belastungen im Bereich der Allgemeinbevölkerung und Beschwerden wie chronischer Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen fanden wir keine zulässige Quelle. Und für den Nutzen von Haarmineralanalysen ebenfalls nicht.

Zuletzt zum Amalgam: Belegt ist, dass Amalgamfüllungen die typische Quelle für elementares Quecksilber sind und mit höheren Messwerten einhergehen. Ein Gesundheitsschaden durch Amalgamfüllungen wird von keiner der geprüften Quellen behauptet. Eine Entfernung als Konsequenz eines Testergebnisses nahezulegen, wäre nicht gedeckt.

Worauf es bei diesen Werten ankommt

Wenn du aus diesem Artikel eine einzige Handlung mitnimmst, dann diese: Schreibe auf, welche der bekannten Quellen in deinem Alltag vorkommen. Rauchen, regelmäßiger Fischverzehr, ein Altbau, eine Werkstatt, Amalgamfüllungen. Das dauert fünf Minuten.

Der Grund ist unspektakulär. Von allem, was in diesem Text steht, ist diese Liste die einzige Größe, die du selbst verändern kannst. Ein Messwert beschreibt, wo du stehst. Eine Quelle beschreibt, warum.

Am Anfang stand die Frage, was im Blut messbar ist. Die ehrlichste Antwort lautet: weniger, als vier Zeilen auf einem Befund vermuten lassen. Und die zweitehrlichste: Die Belastung in Deutschland ist seit den 1980er Jahren dramatisch gesunken, und das steht in keiner Werbebroschüre.

Häufige Fragen

Was bedeutet es, wenn mein Wert über dem Referenzwert liegt?

Gesundheitlich zunächst nichts. Die Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamts hält fest, dass Referenzwerte per se keine gesundheitliche Relevanz haben und lediglich die Belastungssituation der Referenzpopulation zum Zeitpunkt der Untersuchung beschreiben (1996). Ein Wert darüber heißt, dass du stärker belastet bist als die meisten anderen. Für eine gesundheitliche Bewertung sind die HBM-Werte zuständig.

Welche Schwermetalle lassen sich im Blut sinnvoll messen?

Blei gut, es bildet die Belastung der letzten drei bis fünf Wochen ab. Für organisches Quecksilber empfiehlt die HBM-Kommission ausdrücklich die Untersuchung von Vollblut, für anorganisches ist Urin geeignet. Cadmium reichert sich in der Niere an und wird über Urin besser beurteilt. Für Nickel schreibt die Kommission, dass die Konzentration im Blut analytisch nicht zuverlässig erfassbar sei (2001).

Wie stark sind Menschen in Deutschland belastet?

In der Umweltstudie GerES V lag das geometrische Mittel für Blei im Blut bei 3- bis 17-Jährigen bei 9,47 Mikrogramm pro Liter, Cadmium im Blut lag unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,06 Mikrogramm pro Liter (Vogel et al., 2021). Beim Quecksilber weisen laut Umweltbundesamt weniger als ein Prozent der Bevölkerung Werte auf, bei denen eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht sicher auszuschließen ist. Aktuelle repräsentative Erwachsenendaten liegen nicht vor.

Woher nehmen die meisten Menschen Cadmium auf?

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung tragen Getreide und Getreideprodukte mit 40 bis 50 Prozent den höchsten Anteil bei, Kartoffeln mit 13 bis 15 Prozent. Höhere Gehalte finden sich unter anderem in Steinpilzen, Kakaopulver, Sonnenblumenkernen, Leinsamen und Muscheln. Bei Raucherinnen und Rauchern kommt eine zusätzliche Aufnahme über den Tabakrauch hinzu. Besonders empfindlich gegenüber Cadmium sind die Nieren.

Kann ich Schwermetalle wieder ausleiten?

Für eine Ausleitung im Belastungsbereich der Allgemeinbevölkerung haben wir in den geprüften Institutsquellen keinen Beleg gefunden. Die Chelattherapie ist eine ärztliche Maßnahme bei hoher Exposition und keine Anwendung für zu Hause. Der belegbare Weg führt über die Quellen der Aufnahme, etwa über Rauchverzicht oder die Auswahl von Fischarten. Beim Blei empfiehlt das BfR, die Aufnahme so weit wie möglich zu minimieren.

Nächster Schritt

Vier Werte, die sonst niemand prüft

Blei, Cadmium, Nickel und Quecksilber tauchen in kaum einem Routinelabor auf. Der BalanceCheck misst sie zusammen mit Elektrolyten und Spurenelementen. Die Grenzen je Metall stehen in Kapitel 6 und 9, und sie gelten unverändert.

Zum BalanceCheck Elektrolyte im Blut verstehen

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Quellen

  1. Kommission Human-Biomonitoring, Umweltbundesamt: Konzept der Referenz- und Human-Biomonitoring-Werte, Bundesgesundheitsblatt 39(6), 1996 – umweltbundesamt.de
  2. Kommission Human-Biomonitoring, Umweltbundesamt: Stoffmonographien zu Blei (2. Addendum, 2009), Nickel (2001) und Cadmium (aktualisiert 2011), Bundesgesundheitsblatt – Blei, Nickel, Cadmium
  3. Vogel N und weitere (Umweltbundesamt): Lead, cadmium, mercury, and chromium in urine and blood of children and adolescents in Germany, GerES V. International Journal of Hygiene and Environmental Health 237, 2021 – pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Lead poisoning and health, Faktenblatt (Stand 2026) – who.int

Das wörtliche Zitat zur gesundheitlichen Relevanz von Referenzwerten sowie die Definitionen von Referenzwert, HBM-I und HBM-II stammen aus Quelle [1]. Die Aussetzung der HBM-Werte für Blei und ihre Begründung, die Einschätzung zur Nickelmessung, die Schätzung zur Nickelsensibilisierung sowie die HBM-Werte für Cadmium und die Angaben zu Speicherung und Halbwertszeiten stammen aus den drei Stoffmonographien unter [2]. Die Belastungszahlen aus GerES V stammen aus [3], die Aussage zur fehlenden Wirkschwelle für Blei aus [4]. Die Zeitreihe aus der Umweltprobenbank, die aktualisierten Referenzwerte von 2019 und die Angabe zu Quecksilber in der Bevölkerung stammen von den entsprechenden Seiten des Umweltbundesamts, die Angaben zu Aufnahmequellen bei Cadmium, Blei und Quecksilber vom Bundesinstitut für Risikobewertung, die duldbaren wöchentlichen Aufnahmemengen von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit; alle sind im Text mit Institution und Jahr attribuiert. Angaben zu Preis, Biomarkern, Probenart und Labor stammen von der Produktseite von mybody®x, abgerufen am 10.08.2026; die Bearbeitungszeiten folgen der zentralen Vorgabe für Bluttests. Alle Quellen wurden am 10.08.2026 aufgerufen und geprüft.

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Labordiagnostik Ernährungswissenschaft Blutanalyse-Interpretation Nutrigenetik

Dieser Artikel entstand im Redaktions- und Fachteam von mybody®x. Das Team verbindet Labordiagnostik, Ernährungswissenschaft und die Interpretation von Blutanalysen. Wer daran mitarbeitet, steht auf der Autorenseite.

Veröffentlicht am 10.08.2026 · Zuletzt aktualisiert am 10.08.2026

Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.

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