Haaranalyse: was sie messen kann und wo ihre Grenzen liegen
20. Oktober 2026ca. 14 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Eine Haaranalyse kann Arznei- und Suchtstoffe auch längere Zeit nach der Einnahme zuverlässig nachweisen (UBA-Kommission, 2005). Ob dir Mineralstoffe wie Calcium oder Magnesium fehlen, zeigt sie dagegen nicht: Für die Versorgung eines einzelnen Menschen hält die Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes die Haaranalyse für ungeeignet (UBA-Kommission, 2005).
Dieselbe Haarprobe, geteilt an sechs US-Labore, ergab bei 12 Mineralstoffen Werte, die mehr als das Zehnfache auseinanderlagen (Seidel u. a., 2001).
Calcium und Magnesium im Haar hingen in den Daten der Kommission nicht mit den Gehalten in Blut oder Urin zusammen (UBA-Kommission, 2005).
Für den Drogennachweis gibt es eigene Laborregeln einer Fachgesellschaft (Cooper u. a., 2012), für Mineralstoffe im Haar keine weltweit anerkannten Referenzbereiche, also Vergleichswerte einer Bevölkerung (Mikulewicz u. a., 2013).
In diesem Artikel
Was ist eine Haaranalyse?
Eine Haaranalyse bestimmt Stoffe, die sich im Haar nachweisen lassen; Kopfhaar wächst dabei etwa 1 cm im Monat (UBA-Kommission, 2005). Wofür sich das Verfahren eignet, hängt davon ab, wonach im Haar gesucht wird.
Vielleicht wurde dir in einer Praxis eine Haaranalyse angeboten, vielleicht bist du online auf ein Set für zu Hause gestoßen. Das Versprechen dahinter klingt einleuchtend: Haar wächst langsam und soll deshalb zeigen, was über längere Zeit im Körper war. Ob das stimmt, entscheidet die Frage, die du an dein Haar stellst.
Eine ausführliche Einordnung hat die Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes 2005 im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht. Sie unterscheidet folgende Anwendungen der Haaranalyse (UBA-Kommission, 2005):
- Nachweis von Arznei- und Suchtstoffen bei rechtsmedizinischen Fragestellungen
- Nachweis von Giften in der Toxikologie
- historische Untersuchungen
- Erfassung der Versorgung mit Spurenelementen und Mineralstoffen
- Abschätzung der Belastung mit Schadstoffen
Mit Spurenelementen und Mineralstoffen sind Stoffe gemeint, die der Körper mit der Nahrung aufnimmt: etwa die Mineralstoffe Calcium und Magnesium sowie die Spurenelemente Selen und Zink. Um genau diese Gruppe geht es, wenn eine Haaranalyse als Blick auf die eigene Versorgung angeboten wird. Die Technik dafür ist vorhanden. Mit modernen Geräten sind im Haar prinzipiell bis zu 60 Elemente gleichzeitig bestimmbar (UBA-Kommission, 2005). Was jeder einzelne dieser Werte für dich bedeutet, steht damit aber noch lange nicht fest.
Kernaussage
Eine Haaranalyse ist so gut wie die Frage, für die sie eingesetzt wird.
Die Kommission bewertet die Anwendungen deshalb einzeln. Beim Nachweis von Arznei- und Suchtstoffen spricht sie von einem anerkannten Verfahren, bei Mineralstoffen und Spurenelementen hält sie die Haaranalyse für den einzelnen Menschen für ungeeignet (UBA-Kommission, 2005). Wer eine Haaranalyse in Erwägung zieht, sollte deshalb zuerst wissen, zu welcher Gruppe die eigene Frage gehört.
Was kann eine Haaranalyse messen?
Zuverlässig nachweisen lassen sich Arznei- und Suchtstoffe, auch längere Zeit nach der Einnahme (UBA-Kommission, 2005). Für Methylquecksilber, einen Schadstoff aus der Umweltmedizin, ist Haar laut derselben Kommission das beste Material, um die Belastung eines Menschen zu beurteilen (UBA-Kommission, 2005).
Der Nachweis von Arznei- und Suchtstoffen im Kopfhaar ist laut Kommission ein anerkanntes Verfahren (UBA-Kommission, 2005). Substanzen wie Kokain oder Heroin lassen sich so auch längere Zeit nach der Einnahme zuverlässig nachweisen (UBA-Kommission, 2005). Die Kommission nennt außerdem Dopingmittel wie Nandrolon (UBA-Kommission, 2005). Neben Kopfhaar kommen dafür gegebenenfalls auch Achsel- oder Schamhaare in Frage (UBA-Kommission, 2005).
Für diesen Einsatz gibt es eigene Regeln. Die Society of Hair Testing, eine Fachgesellschaft für Haaranalytik, gibt Laboren Empfehlungen für den Drogennachweis im Haar, von der Probennahme bis zur Analyse (Cooper u. a., 2012). Für Mineralstoffe im Haar fehlen solche einheitlichen Verfahren, die Autoren einer Übersicht halten sie erst noch für nötig (Mikulewicz u. a., 2013).
Bei einem Schadstoff fällt das Urteil der Kommission ebenfalls klar aus. Für Methylquecksilber ist das Haar das beste Indikatormedium, also das Material, das die Belastung eines einzelnen Menschen am besten anzeigt (UBA-Kommission, 2005). Die Kommission lehnt die Methode also nicht pauschal ab, sondern bewertet sie je nach Stoff.
Haarcortisol bezeichnet die Cortisolmenge im Haar, mit der Forschende die Cortisolwerte über längere Zeit erfassen. Eine Metaanalyse, also eine gemeinsame Auswertung von 66 Studien, nennt das einen relativ neuen Ansatz (Stalder u. a., 2017). Gruppen mit Stressbelastung hatten darin im Mittel 22 Prozent höhere Werte, bei noch andauerndem Stress 43 Prozent (Stalder u. a., 2017). War der Stress schon vorbei, lagen die Werte im Mittel 9 Prozent niedriger; dieser Unterschied war statistisch nicht gesichert (Stalder u. a., 2017).
Einen einheitlichen Zusammenhang mit Stimmungsstörungen oder mit selbst berichtetem Stress fanden die Autoren dagegen nicht (Stalder u. a., 2017). Haarcortisol ist damit Gruppenforschung und keine Diagnose beim Einzelnen. Wie sich Cortisol im Blut bestimmen lässt, steht in einem eigenen Beitrag zu Cortisol im Blut.
Die Übersicht stellt die Messungen nebeneinander, so wie die Fachleute sie einordnen.
Haaranalyse im Überblick
| Im Haar | Einordnung | Quelle |
|---|---|---|
| Arznei- und Suchtstoffe | anerkanntes Verfahren, auch längere Zeit nach der Einnahme | UBA-Kommission, 2005 |
| Methylquecksilber | bestes Indikatormedium für die Belastung | UBA-Kommission, 2005 |
| Cortisol | Forschungsmethode für Gruppen | Stalder u. a., 2017 |
| Mineralstoffe und Spurenelemente | ungeeignet für den Versorgungsstatus beim Einzelnen | UBA-Kommission, 2005 |
Wie zuverlässig ist eine Haaranalyse bei Nährstoffmangel?
Für die Frage nach einem Nährstoffmangel ist eine Haaranalyse nicht zuverlässig: Eine einzelne Untersuchung ist laut Kommission ungeeignet, Aussagen über den Versorgungszustand zu treffen (UBA-Kommission, 2005). Therapie- oder Diätvorschläge aus Haaranalysen lehnt die Kommission grundsätzlich ab (UBA-Kommission, 2005).

Die Kommission macht dabei einen Unterschied, der fair gegenüber der Methode ist. Wird der Gehalt an Spurenelementen im Haar wiederholt und unter gut standardisierten Bedingungen gemessen, lassen sich Veränderungen der Zufuhr mit der Nahrung nachweisen (UBA-Kommission, 2005). Eine einzelne Messung deckt dagegen weder Stoffwechselstörungen noch die Ursachen von Mangelerkrankungen auf (UBA-Kommission, 2005). In ihrer Gesamtbewertung hält die Kommission die Haaranalyse für nicht geeignet, auf individueller Ebene diagnostische Aussagen zu treffen (UBA-Kommission, 2005).
Hinzu kommen Störfaktoren am Haar selbst. Laut Kommission können diese Einflüsse die Elementgehalte in Haaren stark verändern (UBA-Kommission, 2005):
- Haarewaschen und Shampoos
- Kosmetika
- Schwitzen
- Haarfarbe und Haartyp
Wie weit Ergebnisse auseinandergehen können, zeigt eine US-Studie (Seidel u. a., 2001). Die Forschenden teilten eine Haarprobe, die nahe der Kopfhaut von einer gesunden Person stammte, und schickten sie an 6 kommerzielle Labore, die laut Studie 90 Prozent der Haarmineralanalysen in den USA bearbeiteten (Seidel u. a., 2001). Bei 12 Mineralstoffen lagen höchster und niedrigster gemeldeter Wert mehr als das Zehnfache auseinander (Seidel u. a., 2001). Weil alle Labore dasselbe Haar erhielten, lassen sich diese Unterschiede nicht mit der Person erklären.
Die Labore legten ihre Normalbereiche sehr unterschiedlich fest und stuften deshalb fast jeden untersuchten Mineralstoff widersprüchlich ein (Seidel u. a., 2001). Auch ihre Empfehlungen zu Ernährung und Nahrungsergänzung widersprachen sich (Seidel u. a., 2001). Die Autoren nannten die Analysen dieser Labore unzuverlässig und rieten Fachleuten im Gesundheitswesen davon ab, damit die Nährstoffversorgung einzelner Menschen zu beurteilen (Seidel u. a., 2001).
Dahinter steht ein Grundproblem der Methode. Für Elemente im Haar gab es laut einer systematischen Übersicht keine weltweit anerkannten Referenzwerte, also Vergleichswerte einer Bevölkerung (Mikulewicz u. a., 2013). Die Übersicht prüfte 52 Studien und schloss 5 davon ein; weil sich die Verfahren besonders bei Probenaufbereitung und Analyse unterschieden, schwankten die berichteten Referenzwerte (Mikulewicz u. a., 2013). Die Autoren folgern daraus, dass die Haarmineralanalyse noch keine verlässliche Methode ist, um die Versorgung oder die Belastung eines Menschen zu beurteilen (Mikulewicz u. a., 2013).
Für einzelne Stoffe kommen Fachleute zum selben Ergebnis. Zink im Haar empfiehlt eine Expertengruppe mangels Daten nicht, um den Zinkstatus, also die Zinkversorgung, zu beurteilen (King u. a., 2016). Für Selen sieht die Kommission zwar einen Zusammenhang zwischen Aufnahme und Gehalt im Haar, hält Haaranalysen für die Diagnostik beim Einzelnen aber nicht für geeignet (UBA-Kommission, 2005).
Belegte Fundstelle
„Haaranalysen eignen sich auch nicht zur Beurteilung des individuellen Versorgungsstatus mit Spurenelementen und Mineralstoffen.“
Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes
Haaranalyse in der Umweltmedizin, Bundesgesundheitsblatt, 2005
Eine ähnliche Frage stellt sich beim Urintest auf HPU und KPU: Dort geht es um Stoffe im Urin, die als Pyrrole bezeichnet werden, hier um Mineralstoffe im Haar. Gemeinsam ist beiden Messungen, dass ein anerkannter Standard für die Diagnose beim Einzelnen fehlt; mehr dazu im Artikel über HPU und KPU. Wer einen Nährstoffmangel vermutet, findet im Leitfaden zum Nährstoffmangel ein Vorgehen in Schritten.
Haaranalyse oder Bluttest: Was eignet sich für Mineralstoffe?
Haar und Blut zeigen nicht dasselbe: In den Daten des Umwelt-Surveys 1990/92, auf die sich die Kommission stützt, hing der Gehalt im Haar nur bei Blei mit dem Blut zusammen und bei Nikotin mit dem Urin (UBA-Kommission, 2005). Auch ein Blutwert hat Grenzen, für Zink etwa hängt der Wert im Blutplasma unter anderem von der letzten Mahlzeit ab (King u. a., 2016).
Die Idee, Haar sei das bessere Archiv, klingt schlüssig: Es wächst langsam und könnte deshalb zeigen, was über längere Zeit im Körper war. Im Umwelt-Survey 1990/92 wurden unter anderem Calcium und Magnesium im Kopfhaar mit den Gehalten in Blut oder Urin verglichen (UBA-Kommission, 2005). Für keinen der beiden Mineralstoffe ergab sich ein Zusammenhang (UBA-Kommission, 2005). Ein hoher oder niedriger Haarwert für Calcium oder Magnesium ließ in diesen Daten also keinen Schluss auf das Blut zu.
Ein Blutwert ist allerdings ebenfalls keine perfekte Messung. Für Zink empfiehlt eine Expertengruppe unter anderem, die Zinkzufuhr mit der Nahrung und das Plasmazink zu bestimmen, also das Zink im Blutplasma (King u. a., 2016). Zugleich nennt sie Grenzen: Der Körper hält Zink eng im Gleichgewicht, weshalb Mangel oder Überschuss schwer zu erfassen sind (King u. a., 2016). Plasmazink hängt laut derselben Gruppe ab von (King u. a., 2016):
- der letzten Mahlzeit
- der Tageszeit
- Entzündungen
- bestimmten Medikamenten und Hormonen
Ein einzelner Blutwert zeigt also den Zustand zum Zeitpunkt der Entnahme. Seinen Platz hat er in der ärztlichen Einordnung, zusammen mit dem, was du isst.
Für das Gespräch in der Praxis lohnt es sich, die eigene Frage vorab zu klären. Geht es um einen konkreten Verdacht auf einen Mangel oder um eine bestimmte Ernährungsweise? Je genauer die Frage, desto gezielter lässt sich entscheiden, welcher Wert gemessen wird. Zwei Annahmen zur Haaranalyse lassen sich mit den Quellen direkt prüfen.
Mythos-Check: Haar und Blut
Behauptung
„Haare zeigen die Versorgung über Monate, also besser als Blut.“
Was die Quelle zeigt
Im Umwelt-Survey 1990/92 hingen Haar und Blut oder Urin nur bei Blei und Nikotin zusammen, nicht bei Calcium und Magnesium (UBA-Kommission, 2005).
Behauptung
„Eine Haaranalyse findet auch Allergien.“
Was die Quelle zeigt
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nennt die Haaranalyse zur Feststellung einer Allergie „ungeeignet“ (IQWiG, 2023).
Was eine Messung von Mineralstoffen im Blut zeigt, beschreibt der Artikel zum Testen von Mineralstoffen. Wer sich pflanzlich ernährt, findet einen eigenen Beitrag zu Selen und Zink bei pflanzlicher Kost.
Eine Haaranalyse bietet mybody®x (MYBODY Lab GmbH) nicht an. Der VitalCheck von mybody®x bestimmt aus Kapillarblut die Mineralstoffe Calcium und Magnesium und die Spurenelemente Selen und Zink, für 169,00 € (Stand 20.10.2026, Änderungen möglich). Auch ein Blutwert ist eine Momentaufnahme; er dient der Vorbereitung auf das Arztgespräch und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Wofür wird die Haaranalyse in Medizin und Forschung genutzt?
Die Kommission nennt als Anwendungen die Rechtsmedizin und die Toxikologie, in der es um den Nachweis von Giften geht (UBA-Kommission, 2005). Auch historische Untersuchungen zählt sie zu den Anwendungen (UBA-Kommission, 2005).
In der Rechtsmedizin geht es um Arznei- und Suchtstoffe, die sich je nach Haarlänge auch nach längerer Zeit noch nachweisen lassen (UBA-Kommission, 2005). Labore, die solche Analysen anbieten oder planen, finden bei einer Fachgesellschaft Empfehlungen für den Weg von der Probennahme bis zur Analyse (Cooper u. a., 2012).
Für große Gruppen sieht die Kommission einen weiteren Einsatz. Bei ausreichend großen Bevölkerungsgruppen kann die Haaranalyse als Screening dienen, also als Suchverfahren, um die Belastung mit Nikotin und mit Blei zu beurteilen (UBA-Kommission, 2005). Dasselbe gilt laut Kommission für anorganische Arsenverbindungen (UBA-Kommission, 2005). Die Aussage gilt ausdrücklich auf Gruppenbasis: Was für eine Bevölkerung aussagekräftig ist, muss es für den einzelnen Menschen nicht sein.
In der Forschung zu Psyche und Hormonen wird Haarcortisol zunehmend genutzt (Stalder u. a., 2017). Die Metaanalyse nennt Einflüsse, die Studien berücksichtigen sollten (Stalder u. a., 2017):
- Alter
- Geschlecht
- Häufigkeit der Haarwäsche
- Behandlung der Haare
- Verhütung mit der Pille
Kapitel auf einen Blick
In der Rechtsmedizin ist die Haaranalyse ein anerkanntes Verfahren, um Arznei- und Suchtstoffe nachzuweisen (UBA-Kommission, 2005). Für den Drogennachweis gibt es eigene Laborregeln einer Fachgesellschaft (Cooper u. a., 2012). In ausreichend großen Gruppen dient sie als Suchverfahren, etwa für die Belastung mit Blei (UBA-Kommission, 2005). Haarcortisol ist eine Forschungsmethode, deren Ergebnisse Gruppen beschreiben (Stalder u. a., 2017).
Wo liegen die Grenzen der Quellen zur Haaranalyse?
Die Quellen tragen die Einordnung, haben aber eigene Schwächen: Die zentrale Stellungnahme hat den Stand 2005 (UBA-Kommission, 2005), und die Laborstudie prüfte eine einzige Probe (Seidel u. a., 2001).
Stellungnahme mit Schwerpunkt Umweltmedizin. Die Bewertung der Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes konzentriert sich auf Umweltmedizin und Schadstoffe (UBA-Kommission, 2005). Die Angaben zu Haarcortisol stammen aus einer Metaanalyse (Stalder u. a., 2017). Der Vergleich von Haar und Blut stützt sich auf Daten aus dem Umwelt-Survey 1990/92 (UBA-Kommission, 2005).
Eine einzige Probe. Die Laborstudie schickte die Probe einer einzigen Person an 6 US-Labore, Stand 2001 (Seidel u. a., 2001). Ihre Aussage betrifft diese Labore zu diesem Zeitpunkt.
Kleine Datenbasis. Die Übersicht zu Referenzwerten stützt sich auf nur 5 eingeschlossene Studien (Mikulewicz u. a., 2013). Die Autoren sehen Potenzial in der Methode und fordern einheitliche Verfahren sowie eine weitere Prüfung; ihr Befund beschreibt den Stand von 2013 (Mikulewicz u. a., 2013).
Gruppenforschung. Die Daten zu Haarcortisol beschreiben Mittelwerte von Gruppen, und Einflüsse wie Alter oder Haarpflege verändern die Werte (Stalder u. a., 2017).
Andere Zielgruppe. Die Übersicht zum Zinkstatus hat ihren Schwerpunkt bei Kindern und in Entwicklungsländern (King u. a., 2016).
Nur Allergien. Die Einschätzung des IQWiG betrifft die Feststellung von Allergien und sagt nichts über Mineralstoffe (IQWiG, 2023).
Kein Haartest im Sortiment. Der weiter oben genannte Bluttest von mybody®x misst nichts im Haar. Er beantwortet eine andere Frage als eine Haaranalyse und zeigt Werte im Blut zum Zeitpunkt der Entnahme.
Haaranalyse: Was du mitnehmen kannst
Eine Haaranalyse ist so gut wie die Frage, für die sie eingesetzt wird. Beim Nachweis von Arznei- und Suchtstoffen ist sie ein anerkanntes Verfahren, bei der Frage nach deiner Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen nicht (UBA-Kommission, 2005). Wenn dir eine Haaranalyse für Mineralstoffe angeboten wird, nimm die Frage dahinter ernst und bring sie in ein ärztliches Gespräch. Dort lassen sich Blutwerte und Ernährung gemeinsam einordnen.
Häufige Fragen
Wie weit reicht eine Haaranalyse zurück?
Das hängt von der Länge der Haare ab. Kopfhaar wächst etwa 1 cm im Monat, und je nach Haarlänge lässt sich deshalb auch ein länger zurückliegender Drogenkonsum feststellen (UBA-Kommission, 2005). In der Forschung zu Haarcortisol werden Haare in Abschnitten von je 3 cm ausgewertet; die Werte nahmen vom ersten zum zweiten kopfnahen Abschnitt ab (Stalder u. a., 2017). Für Mineralstoffe ändert eine größere Haarlänge nichts an der Bewertung: Eine einzelne Analyse bleibt ungeeignet, die Versorgung zu beurteilen (UBA-Kommission, 2005).
Kann man Cortisol im Haar messen lassen?
In der Forschung wird das gemacht: Haarcortisol gilt als relativ neuer Ansatz, um die Cortisolmenge über längere Zeit zu erfassen (Stalder u. a., 2017). Gruppen mit Stressbelastung hatten im Mittel 22 Prozent höhere Werte (Stalder u. a., 2017). Mit selbst berichtetem Stress hing der Wert dagegen nicht einheitlich zusammen (Stalder u. a., 2017). Die Ergebnisse beschreiben Gruppen; wenn dich Stress belastet, ist das Gespräch in einer ärztlichen Praxis der passende Ausgangspunkt.
Verändern Haarfärben und Shampoo das Ergebnis?
Ja, das ist möglich. Laut der Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes können Haarewaschen und Shampoos die Elementgehalte in Haaren stark verändern, ebenso Haarfarbe und Kosmetika (UBA-Kommission, 2005). Auch Schwitzen und der Haartyp zählen laut Kommission zu diesen Störfaktoren (UBA-Kommission, 2005). Für Haarcortisol nennt eine Metaanalyse ebenfalls die Haarwäsche und die Behandlung der Haare als Einflüsse (Stalder u. a., 2017). Ein auffälliger Wert sagt deshalb nicht automatisch etwas über deine Versorgung.
Gibt es Normalwerte für Mineralstoffe im Haar?
Weltweit anerkannte Referenzbereiche für Elemente im Haar gibt es nicht (Mikulewicz u. a., 2013). Die als Referenzwerte berichteten Gehalte schwankten in einer systematischen Übersicht, weil sich die Analyseverfahren unterschieden (Mikulewicz u. a., 2013). In einer US-Studie legten 6 Labore ihre Normalbereiche sehr unterschiedlich fest (Seidel u. a., 2001). Für Schadstoffe hält es die Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes nicht für sinnvoll, Referenzwerte im Kopfhaar abzuleiten (UBA-Kommission, 2005).
Warum liefern verschiedene Labore unterschiedliche Haarwerte?
Ein Grund ist der fehlende Standard: In den Studien einer systematischen Übersicht unterschieden sich besonders Probenaufbereitung und Analyse, entsprechend schwankten die Werte (Mikulewicz u. a., 2013). Wie groß die Unterschiede werden können, zeigte eine US-Studie, in der dieselbe Probe an 6 Labore ging: Bei 14 von 31 Mineralstoffen, die mindestens 3 Labore untersucht hatten, kamen statistisch auffällige Extremwerte vor (Seidel u. a., 2001). Dazu kommen Störfaktoren am Haar selbst, etwa Shampoos oder Schwitzen (UBA-Kommission, 2005).
Nächster Schritt
Statt Haaranalyse: Mineralstoffe im Blut einordnen
Was eine Messung von Mineralstoffen im Blut zeigt, liest du im Artikel zu Mineralstofftests. Zu Selen und Zink gibt es eine eigene Einordnung.
Mineralstoffe im Blut testen Selen und Zink richtig messen Einordnung bei pflanzlicher KostWeiterlesen
Quellen
- Kommission „Human-Biomonitoring“ des Umweltbundesamtes: Haaranalyse in der Umweltmedizin, Bundesgesundheitsblatt (Stand 2005) – umweltbundesamt.de
- Seidel S. u. a.: Assessment of commercial laboratories performing hair mineral analysis, JAMA (Stand 2001) – europepmc.org
- Mikulewicz M. u. a.: Reference values of elements in human hair: a systematic review, Environmental Toxicology and Pharmacology (Stand 2013) – europepmc.org
- Stalder T. u. a.: Stress-related and basic determinants of hair cortisol in humans: A meta-analysis, Psychoneuroendocrinology (Stand 2017) – europepmc.org
Die Bewertung der Anwendungen stützt sich auf [1], der Laborvergleich auf [2]. Die fehlenden Referenzbereiche belegt [3], die Angaben zu Haarcortisol [4]. Zum Zinkstatus stützt sich der Text auf King u. a. (2016), zum Drogennachweis auf Cooper u. a. (2012). Die Aussage zur Allergie stammt vom IQWiG (2023). Preis und Messwerte des Bluttests von mybody®x: Stand 20.10.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Labordiagnostik Umweltmedizin
Das mybody®x Redaktions- & Fachteam schreibt über Laborwerte und ihre Grenzen. Jede Zahl in diesem Artikel ist mit Quelle und Jahr belegt; mehr über das Team steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 20.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 20.10.2026
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