Diabetes-Symptome früh erkennen: warum Typ 2 lange still bleibt
7. Oktober 2026ca. 14 Minutenvon mybody®x Redaktions- & Fachteam
Das Wichtigste in Kürze
Starker Durst und häufiges Wasserlassen gehören zu den Beschwerden, die auf einen hohen Blutzucker hindeuten können (IQWiG, 2023). Ein Typ-2-Diabetes kann zu Beginn aber jahrelang ohne Symptome verlaufen (NVL, 2023). Ob ein Diabetes vorliegt, klären ärztlich bestimmte Laborwerte, laut Leitlinie mindestens zwei (NVL, 2023).
Bei Typ-1-Diabetes entwickeln sich die Beschwerden meist über Wochen bis Monate (MedlinePlus, 2025).
Fruchtiger Atem oder Atemnot können bei Diabetes Zeichen einer lebensbedrohlichen Ketoazidose sein, dann gilt der Notruf, in Deutschland die 112 (MedlinePlus, 2025).
Geräte zur Selbstmessung eignen sich laut Leitlinie meist nicht zur Diagnose, gemessen wird in venösem Plasma, also in Blut aus der Vene (NVL, 2023).
In diesem Artikel
Was ist Diabetes, und wie verbreitet ist er in Deutschland?
Diabetes ist kein einheitliches Krankheitsbild, im Mittelpunkt stehen Typ 1 und Typ 2. Im Jahr 2024 gaben 10,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland in einer Befragung an, dass bei ihnen ein Diabetes ärztlich festgestellt wurde (RKI-Panel 2024).
Die beiden Formen beginnen an unterschiedlichen Stellen. Beim Typ-1-Diabetes ist die Bauchspeicheldrüse geschädigt und produziert kein oder nur sehr wenig Insulin (IQWiG, 2023). Beim Typ-2-Diabetes nehmen die Körperzellen das Insulin immer schlechter auf und verwerten es immer schlechter (IQWiG, 2023). Etwa 90 Prozent der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes (IQWiG, 2023).
Die Häufigkeit unterscheidet sich nach Geschlecht und Alter. Bei Männern lag der Anteil im Jahr 2024 bei 11,6 Prozent, bei Frauen bei 9,0 Prozent (RKI-Panel 2024). In der Altersgruppe von 65 bis 79 Jahren gaben 20,9 Prozent einen bekannten Diabetes an (RKI-Panel 2024). Zwischen 2003 und 2024 ist der Anteil des bekannten Diabetes von 5,8 Prozent auf 10,3 Prozent gestiegen (RKI-Panel 2024).
Diese Zahlen beruhen auf Selbstauskunft und erfassen nur Menschen, die von ihrem Diabetes wissen (RKI-Panel 2024). Wer unerkannt erkrankt ist, taucht darin nicht auf. Wie groß dieser unsichtbare Teil in Deutschland einmal war, hat eine Auswertung für die Jahre 2008 bis 2011 gemessen (Heidemann u. a., 2016). Mehr dazu im Kapitel über den stillen Verlauf.
Diabetes in Deutschland in Zahlen
10,3 %
der Erwachsenen gaben im Jahr 2024 einen ärztlich festgestellten Diabetes an (RKI-Panel 2024).
etwa 90 %
der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes (IQWiG, 2023).
21,7 %
aller Diabetesfälle bei 18- bis 79-Jährigen waren in den Jahren 2008 bis 2011 unerkannt (Heidemann u. a., 2016).
Quelle: RKI-Panel 2024; IQWiG, 2023; Heidemann u. a., 2016
Wer Beschwerden wie starken Durst oder häufiges Wasserlassen an sich bemerkt, lässt den Blutzucker ärztlich prüfen (IQWiG, 2023). Geklärt wird das über mehrfach gemessenen Blutzucker und den HbA1c-Wert, auch Langzeitblutzucker genannt, der zeigt, wie hoch der Blutzucker in den letzten 2 bis 3 Monaten im Durchschnitt war (IQWiG, 2023). Welche Werte genau zählen, steht weiter unten im Kapitel zu den Laborwerten.
Welche Diabetes-Symptome zeigt ein hoher Blutzucker?
Für Typ-2-Diabetes nennt das IQWiG (2023) an erster Stelle ein starkes Durstgefühl und häufiges Wasserlassen. Ist der Blutzucker sehr stark erhöht, reicht die Liste laut IQWiG (2023) bis zu Bewusstseinsstörungen.
Die Beschwerden kommen laut IQWiG (2023) dann, wenn der Blutzuckerspiegel über Monate oder Jahre erhöht ist. Das Institut führt für den Typ-2-Diabetes diese Beschwerden auf (IQWiG, 2023):
- starkes Durstgefühl
- häufiges Wasserlassen
- Müdigkeit mit Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche
- Konzentrationsstörungen
- Übelkeit
- Schwindel
- erektile Dysfunktion, also Erektionsstörungen
Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es laut IQWiG (2023) auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen, dem sogenannten diabetischen Koma. Beim Typ-1-Diabetes kann dagegen eine Ketoazidose manchmal das erste Zeichen sein (MedlinePlus, 2025).
Die US-amerikanische Medizin-Enzyklopädie MedlinePlus beschreibt die Beschwerden bei hohem Blutzucker allgemein, ohne nach Typ zu trennen (MedlinePlus, 2025). Sie nennt (MedlinePlus, 2025):
- verschwommenes Sehen
- starken Durst
- Müdigkeit
- häufiges Wasserlassen (MedlinePlus, 2025)
- Hunger
- Gewichtsverlust
Neben starkem Durst tauchen in beiden Listen auch häufiges Wasserlassen und Müdigkeit auf, laut IQWiG (2023) und MedlinePlus (2025). Verschwommenes Sehen und Gewichtsverlust nennt nur MedlinePlus (2025), Konzentrationsstörungen und Schwindel nur das IQWiG (2023). Auch die Leitlinie für Typ-2-Diabetes führt diabetestypische Symptome als einen Anlass auf, an einen Diabetes zu denken (NVL, 2023).
Man kann diese Beschwerden als Warnlämpchen lesen. Sie zeigen nicht, was los ist, aber sie zeigen, dass sich ein Blick auf den Blutzucker lohnt. Keine einzelne Beschwerde aus den Listen beweist für sich einen Diabetes, und ob der Blutzucker erhöht ist, zeigt erst eine Messung im Labor (IQWiG, 2023).
Wer bereits einen Messwert nach einer Mahlzeit vor sich hat und ihn einordnen möchte, findet Hinweise im Beitrag zum Blutzucker nach dem Essen. Für den Verdacht auf Diabetes selbst zählen andere Werte, dazu mehr im Kapitel zu den Laborwerten.
Wie unterscheiden sich Typ-1- und Typ-2-Diabetes?
Typ-1-Diabetes tritt in der Regel schon im Kindes- oder Jugendalter auf, Typ-2-Diabetes meist in der zweiten Lebenshälfte (IQWiG, 2023). Noch deutlicher unterscheidet sich das Tempo, in dem sich Beschwerden zeigen.
Beim Typ-1-Diabetes entwickeln sich die Symptome meist innerhalb kurzer Zeit, über Wochen bis Monate (MedlinePlus, 2025). Manche Menschen sind zum Zeitpunkt der Diagnose bereits sehr krank (MedlinePlus, 2025). Festgestellt wird Typ-1-Diabetes laut MedlinePlus (2025) am häufigsten vom Kindesalter bis ins junge Erwachsenenalter, er kann aber in jedem Alter auftreten.
Der Typ-2-Diabetes entwickelt sich dagegen langsam, weshalb manche Menschen mit hohem Blutzucker keine Symptome haben (MedlinePlus, 2025). Das IQWiG beschreibt denselben Unterschied aus deutscher Sicht: Bei Typ 2 kann sich die Erkrankung über Jahre entwickeln, bevor Beschwerden auftreten (IQWiG, 2023).
Typ 1 und Typ 2 im Vergleich
| Merkmal | Typ-1-Diabetes | Typ-2-Diabetes |
|---|---|---|
| Wann er auftritt | in der Regel schon im Kindes- oder Jugendalter (IQWiG, 2023) | meist in der zweiten Lebenshälfte (IQWiG, 2023) |
| Was im Körper passiert | Die Bauchspeicheldrüse produziert kein oder nur sehr wenig Insulin (IQWiG, 2023). | Die Körperzellen nehmen Insulin immer schlechter auf und verwerten es schlechter (IQWiG, 2023). |
| Wie die Beschwerden kommen | meist über Wochen bis Monate (MedlinePlus, 2025) | kann sich über Jahre ohne Symptome entwickeln (IQWiG, 2023) |
Quellen: IQWiG (2023); MedlinePlus (2025)
Für die Einordnung eigener Beschwerden folgen daraus zwei Dinge. Rasch zunehmende Beschwerden passen zu dem Verlauf, den MedlinePlus (2025) für Typ 1 beschreibt, und gehören zügig ärztlich abgeklärt. Beim Typ-2-Diabetes dagegen ist das Ausbleiben von Beschwerden kein Gegenargument, denn er kann sich über Jahre ohne Symptome entwickeln (IQWiG, 2023).
Warum kann Typ-2-Diabetes jahrelang still bleiben?
Ein Typ-2-Diabetes kann zu Beginn jahrelang ohne Symptome verlaufen, oder seine Symptome werden falsch gedeutet (NVL, 2023). Er kann dann über längere Zeit unerkannt bleiben und trotzdem bereits Folgeschäden in Gang setzen (NVL, 2023).

Das IQWiG fasst es so zusammen: „Ein Typ-2-Diabetes kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass Symptome auftreten. Deshalb kommt die Diagnose oft unerwartet.“ (IQWiG, 2023) Auch die US-Quelle hält fest, dass manche Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht wissen, dass sie ihn haben (MedlinePlus, 2025).
Der Verlauf hat Phasen. Zuerst ist der Blutzucker erhöht, ohne dass sich etwas meldet. Bleibt er über Monate oder Jahre erhöht, führt das laut IQWiG (2023) irgendwann zu Beschwerden. Und selbst dann können Symptome falsch gedeutet werden, wie die Leitlinie ausdrücklich festhält (NVL, 2023). Ein früher Typ-2-Diabetes gleicht damit einem Wasserschaden hinter der Tapete: Von außen ist lange nichts zu sehen, im Hintergrund kann trotzdem schon etwas geschehen.
Belegte Fundstelle
„Ein Typ-2-Diabetes kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass Symptome auftreten.“
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
gesundheitsinformation.de, „Diabetes Typ 2“, 2023
Wie groß der unerkannte Teil war, hat eine Auswertung bundesweiter Gesundheitsuntersuchungen gemessen (Heidemann u. a., 2016). In den Jahren 2008 bis 2011 waren 2,0 Prozent der 18- bis 79-Jährigen in Deutschland unerkannt an Diabetes erkrankt (Heidemann u. a., 2016). Das war gut ein Fünftel aller Diabetesfälle, genau 21,7 Prozent (Heidemann u. a., 2016). In den Jahren 1997 bis 1999 lag dieser Anteil noch bei 40,9 Prozent (Heidemann u. a., 2016).
Als unerkannt galt in dieser Auswertung, wer keine bekannte Diagnose hatte, aber einen HbA1c-Wert im Diabetesbereich (Heidemann u. a., 2016). Das Robert Koch-Institut wertet den Rückgang des unerkannten Diabetes zwischen 1998 und 2010 als Hinweis auf eine verbesserte Früherkennung (RKI-Panel 2024). Die Zahl beschreibt also einen Zeitraum, keinen heutigen Stand.
Für dich heißt das: Das Fehlen von Beschwerden ist keine Entwarnung. Wer bereits einen auffälligen Wert auf dem Befund hat, findet im Beitrag darüber, was hinter einem erhöhten HbA1c stecken kann, eine Einordnung.
Wann werden Diabetes-Symptome zum Notfall?
Diabetes-Symptome werden zum Notfall, wenn eine diabetische Ketoazidose dahintersteckt, ein lebensbedrohlicher Zustand, der Menschen mit Diabetes betrifft (MedlinePlus, 2025). Dann gilt der Notruf, in Deutschland die 112, denn die Ketoazidose ist ein medizinischer Notfall (MedlinePlus, 2025).
Für die Frage nach frühen Zeichen ist ein Punkt besonders wichtig: Eine Ketoazidose ist manchmal das erste Zeichen eines Typ-1-Diabetes bei Menschen, deren Diabetes noch nicht erkannt ist (MedlinePlus, 2025). Sie kann also auftreten, bevor überhaupt jemand an Diabetes gedacht hat.
Als Zeichen einer Ketoazidose nennt MedlinePlus (2025):
- weniger wach
- tiefe, schnelle Atmung
- Austrocknung
- trockene Haut und trockener Mund
- gerötetes Gesicht
- häufiges Wasserlassen oder Durst über einen Tag oder länger (MedlinePlus, 2025)
- fruchtiger Atemgeruch
- Kopfschmerzen
- steife oder schmerzende Muskeln
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchschmerzen
Sofort in die Notaufnahme oder zum Notruf geht es laut MedlinePlus (2025), wenn bei dir oder einem Familienmitglied mit Diabetes eines dieser Zeichen auftritt:
- Bewusstseinstrübung
- fruchtiger Atem
- Übelkeit und Erbrechen
- Atemnot
Die Quelle stammt aus den USA und nennt die dortige Notrufnummer; übertragen auf Deutschland ist das der Notruf 112 (MedlinePlus, 2025). Unbehandelt kann eine Ketoazidose zu schwerer Erkrankung oder zum Tod führen (MedlinePlus, 2025).
Kernaussage
Bei einer Ketoazidose zählt nicht das Abwarten, sondern der Notruf (MedlinePlus, 2025).
Bei Typ-2-Diabetes nennt dieselbe Quelle andere Formen der Entgleisung, nämlich die euglykämische Ketoazidose und den hyperosmolaren hyperglykämischen Zustand (MedlinePlus, 2025). Wer bei sich oder einem Angehörigen mit Diabetes eines der oben genannten Notfallzeichen bemerkt, wartet nicht auf einen Termin (MedlinePlus, 2025).
Welche Annahmen über Diabetes-Symptome halten nicht?
Zwei Annahmen halten einer Prüfung nicht stand: dass fehlende Beschwerden einen Diabetes ausschließen und dass ein Urintest ihn nachweist. Beide klingen vernünftig, die Quellen sehen es in beiden Fällen anders.
Annahme: „Ohne Beschwerden kein Diabetes.“
Einordnung: Ein Typ-2-Diabetes kann sich laut IQWiG (2023) über Jahre entwickeln, ohne dass Symptome auftreten. Die Leitlinie hält fest, dass Typ-2-Diabetes über einen langen Zeitraum asymptomatisch verlaufen kann, also ohne Beschwerden (NVL, 2023). Wer sich gesund fühlt, kann also trotzdem erhöhte Werte haben. Die Frage beantwortet eine Messung im Labor, nicht das Körpergefühl.
Annahme: „Ein Urintest zeigt, ob ich Diabetes habe.“
Einordnung: Eine Urinuntersuchung kann einen hohen Zuckergehalt im Urin zeigen (MedlinePlus, 2025). Ein Urintest allein stellt aber keine Diabetesdiagnose (MedlinePlus, 2025). Er kann ein Anlass sein, Blutwerte bestimmen zu lassen, ersetzt sie aber nicht.
Der Einwand liegt nahe: Ist ein auffälliger Teststreifen nicht schon ein klares Signal? Ein Signal ja, ein Befund nein. Genauer gesagt ändert ein Urinbefund nicht die Frage, sondern nur den Anlass, sie ärztlich zu klären.
Welche Werte klären einen Diabetes-Verdacht?
Ein Diabetes-Verdacht wird über Laborwerte geklärt: Der Blutzucker wird vor dem Frühstück und im Tagesverlauf mehrmals bestimmt, dazu der HbA1c (IQWiG, 2023). Eine Beschwerde allein reicht für die Diagnose nicht.
Der Wert vor dem Frühstück heißt Nüchternblutzucker. Der HbA1c zeigt laut IQWiG (2023), wie hoch der Blutzucker in den letzten 2 bis 3 Monaten im Durchschnitt war. Was dieser Zeitraum für die Deutung eines Befunds bedeutet, steht im Beitrag darüber, welchen Zeitraum der HbA1c abbildet.
Laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (NVL, 2023) stützt sich die Diagnose auf mindestens zwei Werte. Infrage kommen die Nüchternplasmaglukose und der HbA1c, gegebenenfalls auch die Gelegenheitsplasmaglukose (NVL, 2023). Widersprechen sich die Ergebnisse oder liegen sie im Bereich eines erhöhten Risikos, folgt ein dritter Wert oder ein oraler Glukosetoleranztest (NVL, 2023). Bei diesem Test, kurz oGTT, wird der Blutzucker 2 Stunden nach einem besonderen Zuckergetränk gemessen (MedlinePlus, 2025).
Gemessen wird laut Leitlinie in venösem Plasma, also in Blut aus der Vene, das im Labor mit standardisierten und qualitätsgesicherten Methoden untersucht wird (NVL, 2023). Auch der HbA1c ist laut Leitlinie nur dann aussagekräftig, wenn mit hinreichender Sicherheit keine Störfaktoren vorliegen (NVL, 2023). Ein Urintest allein stellt keine Diagnose (MedlinePlus, 2025).
Ein Messgerät für zu Hause misst doch auch Blutzucker, könnte man einwenden. Das stimmt. Geräte zur Selbstmessung eignen sich nach Einschätzung der Leitliniengruppe aber meist nicht zur Diagnose (NVL, 2023). Wie Messungen zu Hause einzuordnen sind, behandelt der Beitrag zum Diabetes-Selbsttest und der Kontrolle der Werte.
Welche Zahlenbereiche bei diesen Werten auf eine Vorstufe oder einen Diabetes hinweisen, erklärt der Beitrag darüber, welche Werte bei einer Vorstufe zählen. Dieser Beitrag bleibt bei den Beschwerden und dem Weg zur Diagnose.
Der Women’s Wellness Check und der Men’s Wellness Check von mybody®x (MYBODY Lab GmbH) messen unter anderem den Langzeitblutzucker HbA1c aus Kapillarblut, je 169,00 € (Stand 07.10.2026, Änderungen möglich). Nüchternglukose und einen oGTT misst kein Test von mybody®x. Ein HbA1c aus Kapillarblut ist ein Hinweiswert, keine Diagnose. Der Wert dient der Vorbereitung auf das Arztgespräch und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Kapitel auf einen Blick
Ein Diabetes-Verdacht wird über Laborwerte geklärt, nicht über Beschwerden allein (IQWiG, 2023). Die Leitlinie verlangt für die Diagnose eines Typ-2-Diabetes mindestens zwei Werte aus venösem Plasma (NVL, 2023). Geräte zur Selbstmessung eignen sich laut Leitlinie meist nicht zur Diagnose (NVL, 2023). Ein Urintest allein stellt keine Diagnose (MedlinePlus, 2025).
Grenzen: Was die Diabetes-Zahlen in diesem Beitrag nicht zeigen
Die Zahlen in diesem Beitrag beschreiben Gruppen zu bestimmten Zeitpunkten. Über einen einzelnen Menschen sagen sie nichts.
Der Anteil des unerkannten Diabetes stammt aus den Jahren 2008 bis 2011 (Heidemann u. a., 2016). Untersucht wurden Menschen zwischen 18 und 79 Jahren (Heidemann u. a., 2016). Ob jemand als unerkannt erkrankt galt, wurde über einen einzelnen HbA1c-Wert bestimmt (Heidemann u. a., 2016).
Die Zahlen aus dem RKI-Panel 2024 beruhen auf einer Befragung und erfassen nur den bekannten Diabetes (RKI-Panel 2024). Typ 1 und Typ 2 weist das Faktenblatt nicht getrennt aus (RKI-Panel 2024).
MedlinePlus (2025) ist ein Lexikon für Laien aus den USA. Die Angaben zu den Typ-1-Beschwerden und zur Ketoazidose stützen sich auf diese Quelle (MedlinePlus, 2025). Die Nationale VersorgungsLeitlinie gilt für den Typ-2-Diabetes, maßgeblich ist hier die Version 3.0 von 2023 (NVL, 2023). Die Seite des IQWiG trägt den Stand vom 18. Oktober 2023 (IQWiG, 2023).
Auch der HbA1c aus den Wellness Checks von mybody®x ist ein Hinweiswert aus Kapillarblut und keine Diagnose. Ob ein Diabetes vorliegt, klärt die Praxis.
Diabetes-Symptome bemerkt? Dann zählt der Laborwert
Starker Durst und häufiges Wasserlassen sind ein Grund, den Blutzucker ärztlich prüfen zu lassen (IQWiG, 2023). Ihr Fehlen ist aber keine Entwarnung, weil ein Typ-2-Diabetes jahrelang still verlaufen kann (NVL, 2023). Wer seine Beschwerden aufschreibt und vorhandene Befunde mitbringt, geht vorbereitet ins Arztgespräch. Und wer bei Diabetes fruchtigen Atem oder Atemnot bemerkt, ruft den Notruf, statt auf einen Termin zu warten.
Häufige Fragen
Ist Müdigkeit ein Zeichen für Diabetes?
Müdigkeit kann ein Zeichen sein, beweist für sich allein aber keinen Diabetes. Das IQWiG (2023) führt Müdigkeit mit Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche unter den Beschwerden eines Typ-2-Diabetes auf, MedlinePlus (2025) nennt Müdigkeit als mögliche Folge eines hohen Blutzuckers. Ob der Blutzucker tatsächlich erhöht ist, zeigt erst eine Messung im Labor (IQWiG, 2023). Kommt zur Müdigkeit ein starkes Durstgefühl hinzu, ist das ein weiterer Grund, den Blutzucker ärztlich prüfen zu lassen.
In welchem Alter tritt Typ-2-Diabetes auf?
Typ-2-Diabetes tritt laut IQWiG (2023) meist in der zweiten Lebenshälfte auf. Die Befragungsdaten des Robert Koch-Instituts trennen zwar nicht nach Typ, zeigen aber den Anstieg mit dem Alter: Im Jahr 2024 gaben 9,8 Prozent der 45- bis 64-Jährigen einen ärztlich festgestellten Diabetes an, bei den 65- bis 79-Jährigen waren es 20,9 Prozent (RKI-Panel 2024). Bei den 18- bis 44-Jährigen lag der Anteil bei 3,1 Prozent (RKI-Panel 2024).
Kann ein Urintest Diabetes nachweisen?
Nein. Eine Urinuntersuchung kann zwar einen hohen Zuckergehalt im Urin zeigen, ein Urintest allein stellt aber keine Diabetesdiagnose (MedlinePlus, 2025). Für die Diagnose eines Typ-2-Diabetes verlangt die Nationale VersorgungsLeitlinie mindestens zwei Werte, bestimmt in venösem Plasma mit qualitätsgesicherten Labormethoden (NVL, 2023). Ein auffälliger Urinbefund ist deshalb ein Anlass für eine Blutuntersuchung in der Praxis, kein Ergebnis.
Wie hoch ist der Anteil der Menschen mit Diabetes in Deutschland?
Im Jahr 2024 gaben 10,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland an, dass bei ihnen ein Diabetes ärztlich festgestellt wurde (RKI-Panel 2024). Bei Männern lag der Anteil mit 11,6 Prozent höher als bei Frauen mit 9,0 Prozent (RKI-Panel 2024). Etwa 90 Prozent der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes (IQWiG, 2023). Wer unerkannt erkrankt ist, fehlt in diesen Befragungszahlen. In den Jahren 2008 bis 2011 war gut ein Fünftel aller Diabetesfälle unerkannt (Heidemann u. a., 2016).
Warum riecht der Atem bei Diabetes manchmal fruchtig?
Fruchtiger Atemgeruch gehört laut MedlinePlus (2025) zu den Zeichen einer diabetischen Ketoazidose, eines lebensbedrohlichen Zustands bei Diabetes. Tritt fruchtiger Atem bei einem Menschen mit Diabetes auf, ist das laut derselben Quelle ein Grund, sofort in die Notaufnahme zu gehen oder den Notruf zu wählen, in Deutschland die 112 (MedlinePlus, 2025). Eine Ketoazidose ist manchmal auch das erste Zeichen eines noch nicht erkannten Typ-1-Diabetes (MedlinePlus, 2025).
Nächster Schritt
Vom Symptom zum Laborwert
Wer weiß, welche Werte bei einer Vorstufe zählen, kann einen Befund im Arztgespräch gezielter besprechen.
Welche Werte bei einer Vorstufe zählen Welchen Zeitraum der HbA1c abbildet Was der Langzeitblutzucker über die letzten Monate aussagtWeiterlesen
Quellen
- Bundesärztekammer, KBV, AWMF: Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Version 3.0 (Stand 2023) – leitlinien.de
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Diabetes Typ 2 (Stand 2023) – gesundheitsinformation.de
- Heidemann C. u. a.: Temporal changes in the prevalence of diagnosed diabetes, undiagnosed diabetes and prediabetes, Diabetic Medicine (Stand 2016) – europepmc.org
- Robert Koch-Institut: Diabetes mellitus, Prävalenz ab 18 Jahre (RKI-Panel 2024) – rki.de
Die Zahlen zur Häufigkeit stützen sich auf [4], die zum unerkannten Diabetes auf [3]. Die Beschwerden bei Typ-2-Diabetes und die Unterschiede der beiden Typen folgen [2], der Weg zur Diagnose [1] und [2]. Typ-1-Beschwerden und Urintest stützen sich zusätzlich auf die MedlinePlus Medical Encyclopedia der U.S. National Library of Medicine, Eintrag Diabetes (Stand 2025); die Angaben zur Ketoazidose auf den Eintrag Diabetic ketoacidosis (Stand 2025). Produktangaben zum Women’s Wellness Check und zum Men’s Wellness Check nach den mybody®x-Produktseiten. Stand der Angaben: 07.10.2026.
mybody®x Redaktions- & Fachteam
Blutzucker Diabetes
Das mybody®x Redaktions- & Fachteam schreibt über Blutwerte und Stoffwechsel und stützt jede Zahl auf eine genannte Quelle mit Jahr. Mehr über das Team steht auf der Autorenseite.
Veröffentlicht am 07.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 07.10.2026
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Referenzbereiche sind labor-, methoden- und altersabhängig – maßgeblich sind immer die Angaben auf deinem Befund.
Unsere Produkte sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern.
Die Bilder in diesem Artikel sind mit KI erstellt, die abgebildeten Personen sind nicht real.




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